Gott – wie eine Hebamme

Zum neuen Jahr

Gott –
wie eine Hebamme
hast du uns ans Licht geholt,
wie eine Hebamme
hast du uns an die Mutterbrust gelegt,
wie eine Hebamme
hast du uns ins Leben begleitet.

So leite uns ins Neue Jahr,
hol uns wieder ans Licht,
lass uns wieder trinken
von der Nahrung fürs Leben!

Gott –
bleib du unsere fürsorgende Hebamme
bei Tag und Nacht.
Amen

(Hanna Strack, nach Psalm 22,10+11, zitiert nach FrauenKirchenKalender 2011)

 

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Zeit für das Leben

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying
Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

Januar 2021

Zeit für das Leben

Der erste Sonntag jeden Monats ist für die Freunde des IRFG (interreligiösen Friedensgebets) Berlin noch immer und auch weiterhin wichtig für den Austausch unserer Gebetsanliegen.
Unsere Einladungen sind Weckrufe, dass wir aufstehen und eintreten als Mahnwache
für die, deren Leben durch Friedlosigkeit bedroht ist. Sie brauchen Fürsprache und Fürbitte.
Um den Gebetskreis bilden die meditativen Gesänge und das erwartungsvolle Schweigen ein
lichtgewirktes Gewebe. Darin bergen wir uns und erfahren menschliche Nähe und spürbare
Verbundenheit.

Die vorherrschenden Versammlungsbestimmungen berührt nicht unsere spirituelle Komposition, trifft uns aber in der physischen Konstellation – zutiefst und erst recht
am Anfang des Jahres.

Der Januar ruft uns den globalen Kalender ins Gedächtnis und erinnert uns an die interreligiöse
planetarische Gemeinschaft der bewohnten Erde. Vielfältig sind die religiösen und kulturellen Riten zu Neujahr. Diese wecken Freude, denn wir erleben das geistige Erbe der Menschheit in seiner geistlich-geistigen Heilkraft. Unser Planet ist beschenkt mit der Heiligen Gabe des Lebens. Nun aber brachte der Ausgang des alten und auch der Anfang des neuen Jahres echte Bedrohungen für die Lebenden. Nicht der schöpferische Odem des Lebens weht uns hier und heute an; vielmehr umschleicht uns ein das Leben gefährdender Hauch.

Er wird uns nicht vernichten, wenn wir uns aufmachen als eine Gemeinschaft der Ehrfürchtigen, die der Quelle des Lebens nachspüren, um zur Einsicht undr echtzeitig zur Umkehr kommen. Dabei sind wir unterwegs mit lebenden Weltreligionen und lebensbejahen-den Weltanschauungen. Überall treffen wir Wissenschaftler und Weltweise, die aus der Begegnung mit dem lebendigen Gott und den heiligen Schriften Einweisungen in die Lebensordnung Gottes erkannten. Im interreligiösen Dialog empfangen wir die Inspiration zum tieferen Verständnis der Lebenszusagen bei den Völkern und ihren Kulturen.

Könnte es sein, dass das pandemische Virus eine warnende Botschaft unter allen Völkern–
pandemisch eben! – verstanden werden will? Um des Lebens willen! Aus einer hellenistischen Weltreligion hat der erste Monat des Jahres den Namen Januar behalten. Dies wurde bestätigt 1582 durch den gregorianischen Kalender der aufstrebenden Weltkirche. Es besteht Überein-stimmung aller Religionen weltweit, dass der Umgang mit der Zeit göttlicher Anordnung folgt. Dies gilt auch im okzidentalen Kulturkreis, in dem die zeitübergreifende Anwesenheit Gottes autorisiert wird durch den Namen der Gottheit Janus.

Auch 2021 gilt dies, damit wir durch Rückblick und Ausblick auf die Jahre gefestigt werden, aber auch Torschwelle und Türrahmen unseres Lebensweges mit Gottvertrauen durchschreiten. Wir dürfen beten um die demutsvolle Einsicht, damit mutige Umkehr bereitet werde, und dass ein neues Eintreten geschehe: für das Leben und zum ehrfürchtigen Empfang der Heiligen Gabe des Lebens.


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Überraschung: Jerusalem

Am 7. Januar haben wir mit unserem orthodoxen Mitbewohner sein Weihnachtsfest gefeiert. Da paßte es wunderbar, daß wir das Weihnachtspaket von Michael aus Bad Säckingen auspacken konnten. Es hat sich dieses Jahr verdoppelt und war länger unterwegs.

Michael hat 2001 einige Zeit in der Naunynstraße gewohnt. Ein paar Jahre später begann er damit, ein liebevoll gepacktes Weihnachtspaket mit Schokolade, Stollen, Lebkuchen, Spekulatius, Marzipan und Keksen auf den Weg nach Kreuzberg zu bringen. Niemand von den jetzigen Bewohnern kennt Michael noch persönlich. Bis jetzt haben wir telefonischen und brieflichen Kontakt. Das persönliche Kennenlernen war für 2020 geplant, fand aber wegen Corona nicht statt.

Über das Internet fand ich einige Seidenmalbilder von Michael. Besonders haben mir die Jerusalem-Motive mit Synagoge, Kirche und Moschee gefallen. Die Überraschung war groß als nun neben dem jährlichen Süßigkeitenpaket noch ein zweites vom Packetboten an der Wohnungstür abgestellt wurde:

Wir haben uns noch nicht über den endgültigen Platz geeinigt. Im Moment hängt es an der Wand, auf die man blickt, wenn man zur Wohnungstür hereinkommt und heißt jeden willkommen.. Aber auch die Wohnzimmerwand über der Bank ist als möglicher Ort im Gespräch.

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Sendepause …

… ist zur Zeit auf diesem Blog – und zwar krankheitsbedingt (jedoch nicht C.orona).  

Am 26. Dezember ist unser Freund Christian Becker aus Nauen an einer Corona-Infektion verstorben.  

Am 29. Dezember ist unser Ex-Mitbewohner Rockn Rolf (Rolf Kutschera) an den Folgen einer Krebserkrankung verstorben. Wir sind sehr traurig.  

  Wir wünschen allen einen guten Übergang ins Jahr 2021 und G-ttes Heil- und Segenskraft 365 Tage.    

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Advent – Zeit der Erschütterung

Advent ist eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst.

(Alfred Delp, Jesuit, Mitglied des Kreisauer Kreises, im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, im Januar 1945 zum Tod verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet)   Dieser Gedanke von Alfred Delp hat uns gestern im Kommunitätsgottesdienst begleitet auch zum Evangelium, das als Geschichte einer Erschütterung gelesen werden kann, nämlich die Verkündigung des Engels Gabriel an Maria (Lk 1,26-38).

Ein anderer Advent

Müßiggang ist aller Laster Anfang, hieß es früher im Volksmund. Ich würde sagen: Müßiggang ist allen guten Lebens Anfang, ist Lebenskunst. Einfach mal nichts tun ist Widerstand gegen die heillose Hektik unserer Zeit, gegen Konsumrausch und Selbstoptimierungszwang. Der Advent ist eine Zeit, in der Nichtstun sogar zur religiösen „Tugend“ wird: eine Zeit der Unterbrechung des Alltags mit seinen hundertfachen Anforderungen und Erwartungen an uns. Eine Zeit der Offenheit für Unerwartetes, der Besinnung auf das Wesentliche und der stillen Gewissheit, dass da eine Verheißung in der Luft liegt: dass da etwas kommen wird, das nicht einfach machbar ist und über unsere Erwartungen hinausweist.

Doris Strahm
(aus: S. Burster, P. Heilig, S. Herzog: Frauenkalender 2020 Was wag
en)

zum Weiterlesen:
Advent als Perspektivwechsel (Gedicht)

 

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Frühstücksgespräche im November 2020 (14)


Unter der Woche frühstücken wir jetzt zu Corona-Zeiten immer um 8.30 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben. Manchmal kommt wieder der eine oder andere Frühstücksgast dazu. Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Anliegen und Positionen ins Gespräch. Im November 2020 ging es um folgende Themen:

– Wo ist Allerheiligen Feiertag
– Erinnerungen an unseren ehemaligen Mitbewohner Rainer Hikel, der im März 2020 verstorben ist
– Achtsamkeit im Alltag – wie kann sie gefördert, verbessert werden
– selbstfahrende Autos: mit welcher Technik fahren die?
– Wahlen in Amerika – Mythen über Auswanderung nach Amerika
– Folgen von Corona: Hotels, Clubs, Büros schließen
– Warum haben China und Russland Joe Biden noch nicht gratuliert
– Warum haben so viele Angehörige von Minderheiten Donald Trump gewählt
– Fragen rund um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs
– ethische Fragen rund um die Corona-Impfung (Impfpflicht – wer zuerst)
– Wie kommt man zu einem Wohnberechtigungsschein
– innenpolitische Situation nach der Wahl in den USA
– Bombenfund in Kreuzberg
– sozialer Zusammenhalt in unterschiedlichen Kiezen (Stadtteilen)
– schwierige Situationen im Mittwochscafe
– was materieller Reichtum mit Menschen macht
– ungewöhnliche Tierfreundschaften
– amerikanische Verhältnisse (politisch und Corona)
– Tierbeobachtungen in der Stadt (Fuchs am Anhalter Bahnhof)
– bei den Nazarethschwestern in Goppeln gibt es einen Corona-Ausbruch
– Kritiker sein – Gegnerschaft – Feindschaft: was ist der Unterschied
– Brieftauben als Nachrichtenübermittler
– Wenn die Brieftaube Durchfall hat …
– Wale und ihre Lebensbedingungen
– Ausblick auf Advent und Weihnachten
– wie ist die Ausbildung im Sicherheitsdienst
– Veränderungen in der ambulanten Hauspflege in den letzten 30 Jahren
– Was bedeutet Advent
– zurück von Ursprung von Religionen – was ist authentisch
– Nigeria und der Überfall von Buku Haram

noch mehr Frühstückgespräche

 

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Berlin – Kastanienallee: Von Häusern und Menschen

Sie ist Inbegriff des ewigen Berliner Wandels: die Kastanienallee, Prenzlauer Berg. Einst Arbeiterkiez, dann Bohème-Quartier, Szenemeile und internationale Touristen-Attraktion. Früher arm, heute sexy. 950 Meter Großstadt zwischen Hochglanz und Tradition.

Vera, eine ehemalige Mitbewohnerin, kam 1990 aus der Schweiz nach Berlin und wohnte einige Monate in unserer WG. Dann zog es sie nach Ostberlin in den Prenzlauer Berg. Als Fotografin hat sie historische und aktuelle Fotos zu dieser sehenswerten Dokumentation beigetragen, die in der  Mediathek des RBB  abgerufen werden kann.

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