Neues vom Bauarbeiter-Professor (2)

Gelegentlich werde ich nach dem Bauarbeiter-Professor gefragt. Im Februar 2020 habe ich von ihm erzählt im Beitrag vom Bauarbeiter-Professor, vom Taxidoktor und unseren Blindheiten.  Vor Kurzem habe ich den Cousin gesprochen und konnte sogar über Whatsapp kurz mit dem Bauarbeiter-Professor sprechen. Auch an seiner Uni ist online-Unterricht angesagt. So hält er seine Vorlesungen und Seminare per Computer. Er findet es sehr anstrengend.

Neue Entwicklungen haben sich aufgetan. In seinem Land ist gewählt worden. Im Rahmen der Regierungsbildung hat man ihm eine neue Aufgabe angeboten. „Gleich unter Minister“ erklärt mir der Cousin. „Sowas wie ‚Staatssekretär‘ bei uns?“ frage ich nach. Ja, genau. Er wird sich dann von der Uni beurlauben lassen.

Zum Weiterlesen:
Vom Bauarbeiter-Professor, vom Taxidoktor und unseren Blindheiten

 

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Vom Gehen und Kommen …

Soviel haben wir in der gemeinsamen Zeit geteilt: Viele Gespräche, viel praktische Unterstützung, gemeinsame Essen, leckere Marmeladen kochen, miteinander feiern … Sie fehlen uns sehr. Fast zwei Monate ist es nun her, daß Schwester Rita und Schwester Annette am Ostermontag aus Berlin verabschiedet worden sind. Vier Jahre waren es, daß die beiden zusammen in Berlin eine Kommunität bildeten. Schwester Rita führte ein offenes Haus. Schwester Annette hat viele Jahre in der Kita Sankt Michael gearbeitet. Wir sind dankbar für die gemeinsame Zeit mit ihnen und die große Unterstützung.

Nach einer Auszeit im Mutterhaus in Siessen sind beide inzwischen an ihren neuen Wirkungsorten angekommen. Schwester Rita ist wieder im Gästehaus der Siessener Franziskanerinnen in Assisi, wo sie schon einmal acht Jahre gelebt hat.

Schwester Annette hat mit einer Mitschwester in Stuttgart-Birkach einen neuen Konvent begonnen. Dort ist ein Neubauviertel entstanden. Schwester Annette arbeitet seit 1. Juni in der dortigen Kita.

Schwester Ruth bleibt als Ärztin in Berlin. Für Ende des Jahres ist eine weitere Schwester angekündigt, die sie unterstützen wird sobald sie ihre Nachfolgerin auf der jetzigen Stelle eingearbeitet haben wird. Und oh Überraschung: Ganz schnell kam dann letzte Woche ganz unverhofft und plötzlich Schwester Elija nach Berlin, die wir bereits aus ihrem Noviziatspraktikum kennen. Wir freuen uns sehr. 

Zum Weiterlesen:
Brennpunkt Berlin-Kreuzberg – ein Abschied mit Wehmut (mit vielen Fotos).
Einige Bilder mit Schwester Annette zur Konventseröffnung in Stuttgart-Birkach sind hier.
Der Konvent in Assisi ist  hier.

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Frühstücksgespräche (17) zwischen Ostern und Pfingsten

Unter der Woche frühstücken wir jetzt zu Corona-Zeiten immer um 8.30 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben.  Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Anliegen und Positionen ins Gespräch. Hier einige der Themen, die uns in dieser Zeit bewegten:

  • Schwester Annette und Schwester Rita verlassen Berlin
  • hilfreiche Strategien bei Job- und Wohnungssuche
  • auf was muß man bei der Wohnungsübergabe achten
  • Wie ist das Wechselmodell für Scheidungskinder
  • doppelter Wohnsitz für Scheidungskinder
  • Corona-Entwicklungen
  • Hospize in Deutschland
  • unser Freund Werner ist gestorben
  • Erinnerungen an erste Museumsbesuche
  • Schwanennest am Engelbecken
  • Nahostkonflikt
  • Nahostkonflikt und seine Auswirkungen auf Berlin
  • Sicherheitsdienst auf Baustellen – seit wann gibt es das?
  • 17. Mai 1990 als Jahrestag der Abschaffung, daß Homosexualität eine psychische Krankheit ist
  • Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtlich Liebende „Liebe gewinnt“ – warum sind sie umstritten?
  • Situation der marokkanischen Geflüchteten in Ceuta (spanische Exklave)
  • Hundenamen früher und heute
  • Internatserfahrungen
  • wieweit kann man sich in andere kulturelle Erfahrungen einfühlen und wo sind Grenzen der Einfühlung

mehr Frühstücksgespräche

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Politisches Nachtgebet: Seenotrettung im Mittelmeer

Zu den ersten Geflüchteten, die vor vierzig Jahren in unserer WG mitlebten, gehörten Boatpeople aus Vietnam. Seit 2014 sind über 20 000 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken. Jakob Frühmann, der auf dem Rettungschiff Seawatch 4 im Einsatz ist, wird uns von seinen Erfahrungen erzählen.

Zeit: Montag 31. Mai 2021 um 20.00 h
Ort: St. Michael Kreuzberg, Waldemarstr. 8-10

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Pfingsten 2021

Pfingsten – ein schwieriges Fest. Was feiern wir da eigentlich? Wie ist das mit der Be-Geist-erung nach dieser langen Zeit der Pandemie?

„Du hast schon lange nichts mehr auf die Tassen geschrieben“ – meint ein Mitbewohner. Ich nehme den Denkanstoß auf. Pfingsten ist ein guter Anlaß dafür:

Tassen am Geschirr-Regal

Jede/r Mitlesende darf sich was aussuchen:
Freude – Kreativität – Mut – Trost – Stärke – Ruhe – Vollendung – Klarheit – Kraft – Weisheit – Gnade – Erkenntnis – Sanftmut – Mut –  Geduld – Unterscheidungsfähigkeit – Friede – Reinheit – Freundlichkeit – Klarheit – Gelassenheit – Glaube …

Allen, die es feiern, ein frohes Pfingstfest mit einigen Zeilen von Karl Rahner:

Ich glaube an den Heiligen Geist.
Ich glaube, dass er meine Vorurteile abbauen kann.
Ich glaube, dass er meine Gewohnheiten ändern kann.
Ich glaube, dass er meine Gleichgültigkeit überwinden kann.
Ich glaube, dass er mir Fantasie zur Liebe geben kann.
Ich glaube, dass er mir Warnung vor dem Bösen geben kann.
Ich glaube, dass er mir Mut für das Gute geben kann.
Ich glaube, dass er meine Traurigkeit besiegen kann.
Ich glaube, dass er mir Liebe zu Gottes Wort geben kann.
Ich glaube, dass er mir Minderwertigkeitsgefühle nehmen kann.
Ich glaube, dass er mir Kraft in meinem Leiden geben kann.
Ich glaube, dass er mir einen Bruder an die Seite geben kann.
Ich glaube, dass er mein Wesen durchdringen kann.
(Karl Rahner)

Aus früheren Jahren:
Gruss zu Pfingsten 2020 – Gedicht
Schawuot und Pfingsten am gleichen Tag
Gedanken von Dietrich Bonhoeffer zu Pfingsten 1944
Gedicht von Wilhelm Bruners zu  Pfingsten

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Zivilcourage: Unsere Nachbarschaft im Spielfilm

 

mit Götz George in der Hauptrolle (Dauer: 90 Minuten)

Ein Mitbewohner hat ihn im Internet entdeckt: „Zivilcourage“, einen Spielfilm, auf Straßen und Plätzen unserer Nachbarschaft gedreht wurde und Lebensrealitäten in der „Hausmannstraße“ – wie sie im Film heißt – abbildet. 

Wir haben den Film miteinander angeschaut. Schon eine ungewohnte Erfahrung, das eigene Stadtviertel, die Straßen, auf denen man täglich unterwegs ist, und einiges, was uns begegnet, im Film zu sehen. 

Infos zum Inhalt, zu den Mitwirkenden und zur Herstellung
Eine Filmkritik in der WELT

Mehr aus unserer Nachbarschaft

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Gebet für Frieden im Nahen Osten

For Peace in the Middle East
Sons of Abraham,
Sons of Hagar and Sarah,
Of Isaac and Ishmael:
Have you forgotten the day we buried our father?
Have you forgotten the day we carried his dead body into the cave near Hebron?
Have you forgotten the day we entered the darkness of Machpaelah
To lay our Patriarch to rest?

Sons of Esau and Jacob:
Have you forgotten the day we made peace?
The day we set aside past injustices and deep wounds to lay down our weapons and live?
Or the day we, too, buried our father? Have you forgotten that we took Isaac’s corpse into that humble cave
To place him with his father for eternity?

Brother, I don’t remember crying with you.
Sister, I don’t remember mourning with you.
We should have cried the tears of generations.
We should have cried the tears of centuries,
The tears of fatherless sons
And motherless daughters,
So that we would remember in our flesh that we are one people,
From one father on earth and one Creator in heaven,
Divided only by time and history.

One G-d,
My brother calls you Allah.
My sister calls you Adonai.
You speak to some through Moses.
You speak to some through Mohammed.
We are one family, cousins and kin.

Holy One,
Light of truth,
Source of wisdom and strength,
In the name of our fathers and mothers,
In the name of justice and peace,
Help us to remember our history,
To mourn our losses together,
So that we may,
Once more,
Lay down our weapons and live.

G-d of All Being,
Bring peace and justice to the land,
And joy to our hearts.

© 2010 Alden Solovy 

Weitere Gebete von Alden Solovy sind hier

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Kommunitätsabend über und mit Werner

Vorgestern am späten Vormittag habe ich einige Erinnerungen an Werner (1954 – 2021) gepostet und war ganz perplex wie oft dieser Beitrag am gleichen Tag gelesen wurde. Es waren drei Mal soviel Aufrufe wie sonst an guten Tagen. Werner wäre über dieses Interesse an seiner Person sicher sehr erstaunt.

Jeden Dienstag treffen wir uns zu einen Gemeinschaftsabend (Kommunitätsabend), der mit einem gemeinsamen Essen beginnt. Danach erzählen wir uns in einer Austauschrunde, was uns in der vergangenen Woche bewegt hat und wichtig geworden ist. Durch die Beiträge einzelner, wie sie Werner erlebt haben, ist er uns an diesem Abend nochmal anders nahe gekommen und hat sich der Blick auf ihn erweitert. Später meinte jemand, es sei gewesen als ob Werner mit dabei war. 

Werner war aus Westfalen und ist als Erwachsener nach Berlin gekommen. Nach der Wende gab es bei ihm einen beruflichen Abbruch wie bei vielen anderen. Mit der auslaufenden Berlinförderung fielen viele Arbeitsplätze weg, weil Unternehmen sich andere Standorte suchten oder nicht mehr halten konnten. 

Werner arbeitete dann als Ein-Euro-Jobber im Hausmeisterbereich und in der Grünanlagen- und Gartenpflege in sozialen Projekten. So kam er nach Kreuzberg in die katholische Kirchengemeinde St. Marien-Liebfrauen und St. Michael. Für einige Menschen innerhalb und außerhalb der Kirchengemeinde hat Schwester Ingrid von den Siessener Franziskanerinnen mehrmals wöchentlich einen Mittagstisch angeboten. Auch Werner hatte Teil an dieser Runde wenn er in Sankt Michael eingesetzt war. Über den Kontakt mit Schwester Ingrid entstand dann die Verbindung zu unserer WG zwei Straßen weiter.

Werner war immer in Bewegung, immer unterwegs, hatte immer zu tun. Nach den üblichen Maßstäben war er – materiell gesehen – arm. Er lebte von Grundsicherung und vom Flaschen sammeln. Er konnte sich unglaublich über ein Sonderangebot im Supermarkt freuen. Er war sehr bescheiden und brauchte für sich nur ganz wenig. „Ich gebe 90 Prozent weiter“ war sein Lebensmotto. Das Miteinander-Teilen war sein Herzensanliegen und daß nichts verschwendet wird. 

So hatte er einen festen Kreis von Leuten in seiner Nachbarschaft in Neukölln, denen er abgelaufene Lebensmittel aus Geschäften und Supermärkten in seiner Umgebung brachte. Dort durfte er kurz vor Geschäftsschluß an der Rampe aussortieren, was er weiter verteilen wollte. Zwei- bis drei mal in der Woche – meist am späten Abend wenn er die erste Runde Flaschen sammeln hinter sich gebracht hatte – kam er dann bei uns vorbei zum Abendessen und mit mehreren Kisten voller Lebensmittel. Am Samstagabend betonte er immer: „Was ihr nicht braucht, das nehmt ihr morgen in die Kirche mit“. Er wußte vom Sonntagsfrühstück in St. Michael nach der Messe und wollte auch dort einen Beitrag leisten.

Da wir von einer Bäckerei mehr Brötchen und Backwaren bekommen als wir verbrauchen können, nahm er dann trockenes Brot mit für „die Tiere“, das er dann zu einem Kinderbauernhof brachte. 

Seit seine Lebensgefährtin Ingrid verstorben war, mit der er dreißig Jahre zusammen war, war der Friedhof mit ihrem Grab eine wichtige Anlaufstelle für ihn geworden. Er kümmerte sich auch um die benachbarten Gräber („die Blumen dort haben auch Durst“) und nahm auf eigene Faust einige gärtnerische Eingriffe in die Friedhofslandschaft vor (Bank versetzen, Büsche beschneiden…). Als ich ihn fragte, was denn die Friedhofsmitarbeiter zu seinen – unabgesprochenen – Aktivitäten meinten, machte er eine wegwerfende Handbewegung und sagte: „Die sind doch froh wenn jemand was tut. Die haben doch immer weniger Zeit“.

Er hatte ein weites Herz. Sehr interessiert und wach hat der das politische Geschehen verfolgt und kommentiert. Werner war einer, der sich gekümmert hat. Im Lazarus-Hospiz durfte er in seiner letzten Lebensphase erleben, daß sich um ihn gekümmert wird. Er fehlt uns: Kein Hallö-öchen und kein Tschau-i-i mehr. 

Zum Weiterlesen:
Tschau-i-i Werner
Voll die Härte für Arme: Zwei Monate mit 31 Tagen


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