Meinem Gott von ganz unten …

Gestern beim Gottesdienst am Ende des Kommunitätsabends hat uns ein Gebet, das Franziska formuliert hat, sehr bewegt. Sie war 2015 bei uns in der WG zu Straßenexerzitien. Das Gebet ist schon 2003 entstanden:

Gott, wenn Menschen mir das Flaschensammeln verbieten,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld 
Gott, wenn ich in der Stunde nur 50 Cent verdient habe,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich das wenige Geld dann auch noch verliere,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich den Sinn meines Tuns auf einmal in Frage stelle,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich trotz Öffnungszeit der Kleiderkammer weggeschickt werde,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich von kirchlichen Vertretern nur als Almosenempfänger behandelt werde,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich die Essensausgabe nur als Abspeisen erlebe,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn Menschen mich von oben herab behandeln, nur weil ich um ein Glas Wasser bitte,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn mir Seife und Toilettenpapier vorenthalten werden,
weil ich von der Strasse komme,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich vor Wut über solche Art von christlicher Nächstenliebe koche,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld …

der ganze Text steht hier

 

 

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Sommer-Ferien-Samstags-Frühstück

Am Samstag konnten wir wieder viele Gäste zum offenen Frühstück begrüßen: bekannte und neue Gesichter, alte und junge, Berlinbesucher und Berlinbewohner … Am reich gedeckten Tisch konnten wir über unterschiedliche Themen ins Gespräch kommen. Besonders bewegt hat uns das Erzählen von Christian vom Besuch bei Franziska und der letzten Begegnung mit ihr. Sie ist in der Nacht von Freitag auf Samstag nach langer Krankheit verstorben. In der Wohngemeinschaft war sie zu Straßenexerzitien. Als Obdachlosenseelsorgerin war sie in Köln im Gubbio engagiert.

Roj feierte mit uns seinen Geburtstag und sang das hinduistische Gebet, auf das sich viele von uns als Abschluß des Frühstücks freuen. Am Samstag hatte er noch ein anderes Lied mitgebracht, dessen Text von R. Tagore ist:

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet August 2018

Alle sind willkommen All are welcome
Hoffnung für Frieden Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying 

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin auf dem Gendarmenmarkt
SONNTAG, 5.8. 2018 UM 15:00 UHR (NäHE DEUTSCHER DOM) 

HELFENDE WERDEN KRIMINALISIERT

Aus unterschiedlichen religiösen und religionsfernen Traditionen kommend, stehen wir alle mit unserer menschlichen Verantwortung vor der von uns nicht eingrenzbaren Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit, in der hilflose Menschen gequält und getötet werden. Eine Wirklichkeit, in der ihre Helfer immer wieder behindert, kriminalisiert und sogar selbst zu Verfolgten werden. Besonders am 30. Juli, dem Welttag gegen Menschen-handel, wurde uns wieder bewusst, dass fast ein Drittel aller Opfer weltweit Kinder sind.(UNICEF). Diese moderne Sklaverei ist eine widerliche Plage, von der über 40 Millionen Menschen betroffen sind – über 30 Millionen in Asien und im Pazifikraum und 9 Millionen in Afrika (NGO Anti-Slavery). Die vielen Millionen Kinder und ihre Angehörigen sind auf unseren Schutz angewiesen. Staatlicher Schutz ist notwendig, doch auch das Hinsehen vieler, die diese Verbrechen öffentlich machen. Neben dem auffälligen Sexgeschäft werden Menschen beim Handel mit Organen und wegen anderer gewinnbringender Güter und Rechte verschleppt und getötet. Diese Art wirtschaftlichen Handelns, an dem letztlich auch wir teilhaben, ist im höchsten Grade verwerflich und hat hier jede zu achtende Grenze überschritten. Ein weiterer Punkt ist die Zwangsverheiratung von Mädchen. In Indien werden Jungen leider oft bevorzugt und Mädchen oft nach der Geburt getötet. So mangelt es an Frauen im heiratsfähigen Alter. Da wächst der Frauenhandel aus dem Süden. Auch werden aus Nepal jährlich etwa 15.000 Frauen und Mädchen gegen ihren Willen in das Rotlicht-Milieu der großen Städte Indiens verschleppt.

UNSER GEBET WIRD HOFFENTLICH ZUM UNüBERSEHBAREN SCHREI
MIT UNSEREN ZUR WARE GEWORDENEN GESCHWISTERN.

Lasst uns aber auch die vielen tausend Helferinnen und Helfer in unser Gebet einschließen, die sich aktiv im Namen der Menschlichkeit für all diese geschundenen Menschen einsetzen. Da werden Besatzungen von Rettungsschiffen offiziell daran gehindert, auszulaufen und müssen hilflos zusehen, wie hunderte Männer, Frauen und Kinder vor ihren Augen ertrinken. Helfen sie trotzdem, werden sie wie Kriminelle behandelt. Büros von NGOs, die sich um verschleppte Frauen und Mädchen kümmern, werden angezündet und die Mitglieder verfolgt. Viele Helfer können nur im Verborgenen agieren und notwendigerweise Gesetze brechen, wenn es der Sache hilft. Für sie alle steht Menschlichkeit an erster Stelle. Dafür nehmen sie Diskriminierung, Kriminalisierung bis hin zur Gefahr für das eigene Leben in Kauf. Angesichts dieser Verbrechen an Opfern und Helfern suchen wir im Gebet unsere Verantwortung. Denn die Sensibilisierung beginnt bei uns selbst. Dann kommen wir in die Lage, mit wachem Bewusstsein dafür einzutreten, dass kein Mensch mehr zum Handelsobjekt wird.

Wendet den Blick weg von der Fixierung auf den (Geldgott) Gewinn!
Lasst Menschen auf der Flucht vor Kriegen, Menschenhandel
und anderen lebensbedrohlichen Situationen nicht allein!!!
Wir bitten um Aufmerksamkeit für diese vernachlässigten Probleme!

EINLADUNG ZUM VORBEREITUNGSTREFFEN. Interessierte sind herzlich willkommen.
Das nächste Vorbereitungstreffen findet statt am Mittwoch, 15.Aug. um 18:00 Uhr
bei Helga Ottow, Prenzlauer Promenade 147, 13189 Berlin-Pankow. Tel: 030 912 048 62
Anfahrt: S/U Bhf Pankow, Bus 255 (Richtung Schwarzelfenweg) bis Binzstraße
oder: M 2 ab Alexanderplatz bis Prenzl. Prom. Am Steinberg, Bus 255 (Richtung Osloerstr) bis Binzstr.

Die Gruppe Interreligiöses Friedensgebet trifft sich immer an ersten Sonntag eines Monats zu einer Mahn-
wache und einem Friedensgebet um 15:00 Uhr (meist) auf dem Gendarmenmarkt vor dem Deutschen Dom. Anfragen/Korrespondenz: christian.herwartz@jesuiten.org / Infos unter: www.friedensgebet-berlin.de

Lesung: Die neuen Leiden des Mädchens Kiều

Stefan Täubner (SJ) hat einige Jahre in der Jesuiten-WG in Kreuzberg gelebt und dort seine Berufung für das Leben mit Vietnamesen entdeckt. Vietnamesische Boat-People waren die ersten Geflüchteten, die in der Naunynstraße mitgelebt haben. Über diese Lebenswelt hat Stefan Täubner einen Roman geschrieben, den er nächsten Sonntag vorstellen wird:


Einladung zur Autorenlesung in Berlin am
5. August 2018

Der Roman: „Die neuen Leiden des  Mädchens Kiều“ (2018) von P. Stefan Taeubner SJ  (Lê Phan)

Termin:  So. 5.8.2018  ab 17:30

Ort.: Im Saal der Kirchengemeinde Corpus Christ, Nähe S-Bahn Landsberger  Alle, Conrad-Blenkle-Str. 64, 10407 Berlin (Eingang Links)


Programm:

17:30 Empfang

18:00
Einführung durch Dr. Trương Hồng Quang
Lesung mit P. Taeubner

Musikalische Umrahmung: Prof. Đặng Ngọc Long (mit der siebensätzigen „KIỀU-SUITE“ für die klassische Gitarre)

„Die neuen Leiden des Mädchens Kieu“ erzählt Geschichten aus einer Lebenswelt, in der Stefan Taeubner seit Jahren zu Hause ist: Aus der Lebenswelt mittelvietnamesischer Flüchtlinge, die von ihren Familien nach Deutschland geschickt werden, um Geld zu verdienen. Solche Flüchtlinge betreut der Autor seit Jahrzehnten als Seelsorger: in seiner katholischen Gemeinde in Berlin, in Justizvollzugseinrichtungen und Abschiebeknästen in ganz Deutschland und Tschechien und in den letzten Jahren schwerpunktmäßig in Sachsen. Kaum jemand war und ist so dicht dran an den Sorgen, enttäuschten Hoffnungen und kleinen Freuden dieser Menschen wie Taeubner…  Die Geschichte des Mädchens Kieu wird im Roman erzählt: In der alten literarischen Vorlage und in der heutigen Form über die Geschichte einer Protagonistin.“ (Marina Mai)

Der Autor: Lê Phan  – Stefan Taeubner SJ geb. 1961 in Hamburg, Mitglied im Jesuitenorden, studierte Philosophie, Theologie und Sozialarbeit arbeitet seit 1996 als Seelsorger für Vietnamesen in Berlin, Tschechien und Sachsen.

Zum Weiterlesen:
Einst abgeschoben – jetzt geweiht  erzählt von Thao, einem Ex-Mitbewohner, der nach Vietnam abgeschoben worden ist und vor einiger Zeit zum Priester geweiht wurde. Stefan Täubner hat ihn aus diesem Anlaß besucht.

Seligpreisungen – mal anders

Rana, der gerade zu Besuch bei uns ist, hat uns zum G-ttesdienst am Kommunitätsabend Seligpreisungen formuliert von Klaus Hemmerle (1929 – 1994) mitgebracht:

Selig, die immer  bereit sind  den ersten Schritt zu tun  – denn sie  werden entdecken,  dass der andere viel  offener ist,  als  er zeigen  konnte.

Selig, die nie sagen:  Jetzt  ist Schluss  – denn sie werden den neuen Anfang finden.

Selig, die erst hören und dann reden  – denn man wird ihnen  zuhören.

Selig, die das Körnchen Wahrheit in jedem  Diskussionsbeitrag  heraushören  – denn sie  werden integrieren  und vermitteln  können.

Selig, die ihre Position  nie ausnützen  – denn sie  werden geachtet  werden.

Selig, die nie beleidigt  oder enttäuscht  sind  – denn sie  werden das Klima prägen.

Selig, die verlieren  und unterliegen  können  – denn der Herr kann dann gewinnen.