Mosaic und Feiertage von drei Religionen

Am Dienstag war der letzte Tag des muslimischen Zuckerfestes, am Donnerstagabend beginnt das jüdische Wochenfest Schawuot und am Sonntag feiern Christen das Pfingstfest. Deshalb haben wir beim Kommunitätsabend, dem wöchentlichen Treffen unserer Gemeinschaft, den Film „Mosaic“ miteinander gesehen. Es ist eine filmische Collage – eine Art Filmmeditation: Bilder von Moscheen und Synagogen aus sechs Ländern mit Musik von Künstlern und Künstlerinnen aus den jeweiligen Kulturen unterlegt mit Instrumenten aus dem jeweiligen kulturellen Kontext bestehend aus tausenden Detailaufnahmen: Eine Symphonie von Bildern, Klängen, Licht, Bewegung …

Die Künstlerin Debora Philipps hat für diesen Film Usbekistan, die Türkei, Ägypten, den Iran, Marokko und Andalusien bereist und ist in über 6000 Detailaufnahmen den Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Gegensätzen von Moscheen und Synagogen nachgegangen. Da beide Religionen figurative Abbildungen nicht erlauben, haben sich die Künstler bei der Ausgestaltung auf botanische, kalligraphische und geometrische Muster konzentriert.

Wer – wie wir – in diesem Gesamtkunstwerk schwelgen will, kann seit kurzem den Film auch im Internet ansehen und zwar hier. 

 

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Unser Haus im Fernsehen

Wer uns besucht, kommt an der Eckkneipe im Erdgeschoß, dem „Trinkteufel – Vorhof zur Hölle“ nicht vorbei. Derzeit ist die Kneipe – wie alle Schankwirtschaften – geschlossen. Vor zwei Monaten war high Life angesagt, denn der Trinkteufel wurde für zwei Tage zur Location für einen Krimidreh und zur „Molle“ umbenannt. Sogar die Bierwerbung wurde ausgetauscht. Unser Haus war bis ins Zwischengeschoß von erster und zweiter Etage – also quasi bis kurz vor unserer Wohnungstür verkabelt. Die Kneipe und auch unser Hinterhof spielten eine tragende Rolle in der Krimireihe „letzte Spur Berlin„. Wir konnten zeitweise bei den Dreharbeiten zuschauen.

Worum geht es: Eine fiktive Einheit des Berliner Landes-kriminalamtes, die eigenständig arbeitende Vermisstenstelle, sucht nach spurlos verschwundenen Menschen. Jedes Verschwinden hat eine Vorgeschichte. In dieser Folge wird eine Kollegin gesucht, die undercover in der Hausbesetzerszene ermittelt und nach einem Anschlag spurlos verschwunden ist. Der Krimi mit dem Titel „Klassenkampf“ ist schon jetzt vorab zu sehen, kommt am Freitag 29. Mai 2020 um 21.15 h im ZDF und zwar hier. Das Video wird bis 21.08.2020 in der Mediathek des ZDF verfügbar sein. Viel Spaß beim Zuschauen.

Auch über unsere WG gibt es eine Sendung – und zwar im Radio: „Wer gastfreundlich sein will …“ kann man hier nachhören.

 

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Fundstück

Gestern haben einige Bewohner das Wohnzimmer renoviert. Nun sind auch hier Wände und die Decke frisch gestrichen, nachdem schon in den letzten Wochen der Flur, die Küche, alle drei Bäder und ein weiteres Zimmer renoviert wurden. Und wie das bei Renovierungsarbeiten immer wieder der Fall ist, findet sich auch bei uns dieser oder jener überraschende Gegenstand. So kam dieser Schlüsselbund zum Vorschein. Keiner der Schlüssel paßt in irgendeines der Schlösser – auch nicht im Keller. Da hier auch ehemalige BewohnerINNEN mitlesen nun die Frage: Weiß jemand etwas zu diesem außergewöhnlichen Schlüsselbund und der Geschichte dahinter? Eure Ideen könnt Ihr gern in den Kommentaren teilen. Wir sind sehr gespannt.

 

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Kommen wir uns näher?

Christian, einer der Mitbegründer unserer WG, derzeit in Kladow wegen Corona, soll einen Artikel für Missio verfassen. Hier ist ein erster Entwurf. Vielleicht mag der eine oder die andere was dazu schreiben – gerne in den Kommentaren.

Kommen wir uns näher? Wie können wir mit Reiseverboten und Kontaktbeschrän-kungen den Menschen in den ärmeren Ländern des Südens näher kommen? Jetzt nehmen wir bei uns wahr, wie ein Leben ohne die Begegnung mit liebgewordenen oder uns herausfordernden Menschen verarmt.
Begegnung braucht Nähe und zur Gesundung auch von seelischen Scherzen Berührung. Berechtigterweise wollen wir uns vor der Ansteckungsgefahr schützen. Die Menschen des Südens kennen die weitgehende Schutzlosigkeit vor Verarmung, Hungersnöten, mangelnde Schulbildung, Krankheiten und Kriege. Unsere Situation ist damit nicht vergleichbar.
Doch da öffnet sich eine Tür (Joh 10,9), um uns im Überlebenskampf gegenseitig wahr zu nehmen? Die Menschen im Süden forderte die Not zum Wachsen ihres Glaubens heraus. Angesteckt von dieser Kraft kamen Missionare von dort zu uns in den Norden. Wegen ihrer mangelnden Sprachkenntnisse bleiben sie uns erst fremd, wie unsere Missionare es bei ihnen waren. Fragen wir sie nach diesen Lebenskräften in der Armut?
Die Tür des Verstehens – hier wie dort – öffnet sich, wenn wir die bekannten Schutzbehauptungen weglegen und uns für das Neue öffnen. Jesus hilft den Jüngern bei diesem Schritt, der wie das Loslaufen der Lämmer in die Welt der Wölfe ist: „Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe.“ (Lk 10, 3). Die Wölfe sehen hungrig auf die Geldbörsen, die deshalb zurückbleiben sollen. Wenn wir uns von der mitempfundene Not der Menschen im Süden leiten lassen, dann teilen wir auch die geldwerten Güter und Erfindungen miteinander und berühren den uns gemeinsam tragenden Boden „ohne Schuhe“ (V. 4 + Ex 3,5)!

Um ihn zu spüren, erinnert Jesus an den Propheten Elija, der seinen Diener zu einer trauernden Mutter schickt: Lass dich nicht aufhalten. Grüße keinen unterwegs und antworte auf keinen Gruß! (2 Kön 4,29) Befremdend? Ja, halten wir die Wirklichkeit der Menschen im Süden in uns lebendig, auch wenn uns unsere Freunde für dumm oder unhöflich halten! In
Straßenexerzitien üben wir das Mitfühlen der Freude und Not anderer, entdecken uns selbst und
Gott, der uns in unserer Not sieht, im neuen Licht. In dieser menschlichen Nähe finden wir zu angemessenem Handeln.
Christian Herwartz SJ
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Mitten in der Nacht …

Ein halbes Jahr hat Bruder Gerhard mit uns gelebt, unseren Alltag geteilt, viele Diskussionen über die Wachstumsideologie und Umweltfragen mit uns geführt, Holz gemacht und uns bei den gemeinsamen G-ttesdiensten mit der Gitarre begleitet. Am Donnerstag vor zwei Wochen haben wir uns von ihm verabschiedet mit einem leckeren Abendessen, einigen Liedern und einem Austausch, was uns in dieser Zeit und durch ihn wichtig geworden ist. Er zieht weiter mit seinem Fahrrad und seinem Fahrradanhänger und hat uns die folgende Geschichte – wie könnte es anders sein – aus der Landwirtschaft erzählt:

Vor langer Zeit wohnten zwei Brüder zusammen.  Die zwei Brüder waren fromm und lebten nach dem Gesetz des Ewigen. Der Jüngere von ihnen war verheiratet und hatte Kinder, der ältere war ledig und allein. Die beiden Brüder arbeiteten zusammen, pflügten gemeinsam das Feld und streuten miteinander den Getreidesamen aus. 

Zur Zeit der Ernte brachten sie das Getreide herein und teilten die Garben in zwei gleich grosse Haufen. Als es Nacht wurde, legte sich jeder der beiden Brüder bei seinen Garben nieder. Der ältere aber konnte nicht einschlafen und sprach in seinem Herzen: Mein Bruder hat eine Familie, ich bin allein und ohne Kinder. Trotzdem habe ich gleich viele Garben bekommen wie er. Das ist nicht gerecht. Er überlegte lange hin und her und konnte keine Ruhe finden, bis er aufstand, etwas von seinen Garben nahm und sie heimlich und leise zu den Garben seines Bruders schichtete. Dann legte er sich wieder hin und schlief sorgenlos ein. 

In der gleichen Nacht nun erwachte der jüngere Bruder von seinem Schlaf. Er hatte von seinem Bruder geträumt, der allein war und keine Kinder hat. Wer wird in seinen alten Tagen für ihn sorgen? Vielleicht war er selber bis dahin schon gestorben. Was sollte dann aus seinem Bruder werden? So stand er auf, nahm etwas von seinen Garben, die neben ihm lagen, und trug sie heimlich und leise hinüber zu dem Stoss des älteren. Als die Morgensonne aufging, erhoben sich die beiden Brüder. Jeder war erstaunt, dass die Garbenstösse dieselben waren wie am Abend zuvor. Aber keiner sagte dem anderen etwas von seinen verwunderten Gedanken, sondern sann weiter auf Abhilfe. 

In der zweiten Nacht wartete jeder ein Weilchen, bis er den Eindruck hatte, dass der andere sich im tiefen Schlaf befand. Dann erhoben sie sich und jeder nahm von seinen Garben, um sie zum Stoss des anderen Bruders zu tragen. Auf halbem Wege trafen sie plötzlich aufeinander und jeder erkannte, wie gerecht und gut es der andere mit ihm gemeint hat. Da ließen sie ihre Garben fallen und umarmten einander in brüderlicher Ergriffenheit. Gott im Himmel sah sie und sprach: Heilig ist mir dieser Ort! Hier will ich unter den Menschen wohnen! 

 

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