Samstagsfrühstück – Schlaglichter (1)

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Diesen Samstag hatten wir wieder ein volles Haus. Neben denen, die mehr oder weniger regelmäßig aus Berlin zu uns kommen, waren auch einige von weit her gekommen.

Die längste Anreise hatte Conny aus der Schweiz, die mit zwei Freundinnen kam. Die drei wollen das Konzept des Supermarkts Original Unverpackt in die Schweiz mitnehmen und haben sich den Laden, der nicht weit von uns weg ist, gemeinsam angesehen und überlegt, was sie übernehmen und was sie anders machen. Sie wollen noch eine Bistro-Ecke machen, in der Gerichte serviert werden, die aus Lebensmitteln zubereitet sind, die ansonsten weggeworfen werden würden. Außerdem soll es auch ganz unterschiedliche Veranstaltungen geben. Der Laden wird „EINFACH OHNE“ heißen. Die Internetdomain ist schon reserviert.

Schwester Salome ist Novizin bei den Franziskanerinnen in Siessen und lebt während der Fastenzeit bei ihren Mitschwestern in der Kreuzberger Außenstelle mit (im Ordenssprech „Konvent“ genannt). Sie teilte mit uns ihre ersten Eindrücke von der gemeinsamen Wohnung der Schwestern, die von vielen Menschen in Not aufgesucht wird und von der Woche im Kindergarten von Sankt Michael.

Michael P. aus Münster ist gerade zu Straßenexerzitien da, und Dorothea aus Frankfurt lebt für zwei Wochen bei uns mit. Sie macht eine Ausbildung zur Exerzitienbegleiterin. Dazu gehört, daß sie zwei Wochen lang in eine Lebenswelt eintaucht, die anders ist als ihr Alltag. Sie hilft auch in einer Flüchtlingsunterkunft mit. Ein anderer Michael, der uns in den letzten Monaten viel geholfen hat, das Archiv übersichtlicher zu gestalten, wird einige Wochen in Leipzig bei den kleinen Brüdern von Charles de Foucauld mitleben. Herbert Witzel brachte liebevoll gestaltete Handzettel für Rockn Read, eine Veranstaltung, die er für nächsten Freitag organisiert hat: Rock steht für Rockn RollF und Read für Christian, also eine Kombination aus Lesung und Musik: Am Freitag den 4. März um 19.30 h in der Wildenbruchstraße 4 in Berlin-Neukölln.

Um zwölf Uhr kamen noch einige Gemeindemitglieder von Sankt Michael dazu, die an den Exerzitien im Alltag während der Fastenzeit teilnehmen. Sie nutzten die Gelegenheit zu einer Kurzform von Straßenexerzitien, der sich auch Michael und Dorothea spontan anschlossen. Nach einem Impuls von Christian gingen sie drei Stunden jede/r für sich auf die Straße und tauschten sich anschließend in unserem Wohnzimmer noch aus.

Überrascht hat uns Bernd aus der Lüneburger Heide mit einem Spontanbesuch und köstlichem Käse. Das Samstagsfrühstück findet jeden Samstag von 9.30 bis 12.30 statt. man kann in dieser Zeit kommen und gehen wann man mag. Nur am 16. April wird es wegen Christians Fest ausfallen.

die Welt im Wohnzimmer (2): Sri Lanka oder der Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit

a1adc86d1a7a0512c8a6f89729c68b09T. stammt aus Sri Lanka und lebt seit über 30 Jahren in Deutschland. Mehr als 20 Jahre war er mit Heidi verheiratet, die vor einigen Jahren ganz plötzlich verstorben ist. Ich schätze ihn auf Anfang / Mitte 50. Wir haben ihn durch einen Freund der Kommunität kennengelernt, der im Ruhrgebiet lebt und viel Kontakt mit Menschen aus Sri Lanka hat. Im Herbst rief dieser Freund an und fragte, ob T. bei uns wohnen kann. Er war nach einer Herzoperation in einer Reha-Klinik und mußte diese vier Tage später verlassen. Seine Wohnung hatte er durch die Krankheit verloren.

Wir (Christian, Michael und Iris) machten uns auf den Weg zu ihm in die Reha-Klinik in Brandenburg und trafen ihn im Büro der Krankenhaussozialarbeiterin, die sichtbar unter Druck war, weil sie keinen Platz für ihn gefunden hatte und die Vorgabe hatte, daß er zwei Tage später entlassen werden muß – notfalls auf die Straße, weil es keinen Kostenträger gibt, der über die Reha-Dauer hinaus den Aufenthalt finanzieren würde. Die Entlassung auf die Straße würde er bei seinem Gesundheitszustand nicht überleben.

Vor uns saß ein ungemein sympatischer, kleiner und schmächtiger Mann, der eine ganz große Wärme ausstrahlte. Er war sehr geschwächt und für uns nur schwer verständlich. Sein Deutsch war gut, aber durch seine Kraftlosigkeit konnte er nur ganz leise fast hauchend sprechen. Er wäre gar nicht in der Lage gewesen die Treppen zu unserer Wohnung zu überwinden und auch die baulichen Verhältnisse in unser Wohnung ließen es gar nicht zu, daß er sich hier mit dem Rollator  bewegen kann.

Als wir mit ihm alleine sprechen konnten, stellte sich heraus, daß er in Berlin einen weitläufigen Verwandten hat. Mit dem nahmen wir Kontakt auf. Es war keine ideale aber eine vorübergehende Lösung, doch konnte er erst einmal nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bei diesem Verwandten wohnen.

T. besucht uns regelmäßig und so lernten wir ihn besser kennen. Inzwischen hat er etwas zugenommen, kommt alleine mit seinem Rollator zu uns und kann auch die Treppen steigen. Beim letzten Besuch hatte er einen amtlichen Bescheid bekommen, den er nicht verstand. Auch ich mußte das Schreiben drei Mal lesen bevor ich es in seiner Tragweite erfaßte.

Das Amt fordert von ihm eine für ihn ziemlich hohe Rückzahlung. In den Jahren, in denen T. mit Heidi verheiratet war, hat niemand daran gedacht, daß ihm die deutsche Staatsbürgerschaft zusteht. Er hat sie nie beantragt. Er hat jetzt den Status einer Duldung- das heißt, die Abschiebung ist ausgesetzt. Ihm stehen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu. Er hat Glück, daß er in Berlin lebt, denn hier bekommt er eine Auszahlung und nicht Sachleistungen oder Gutscheine wie in einigen anderen Bundesländern. In Berlin sind das derzeit 224,37 Euro. Das liegt 38 % unter dem Regelsatz von Hartz IV, der 364,00 Euro beträgt. Nun bekommt T. von seiner verstorbenen Frau Heidi eine Witwer-Rente in Höhe von 316,00 Euro. Das liegt knapp 100 Euro über dem Satz des Asylbewerberleistungsgesetzes. Und der vierstellige Betrag, den das Amt jetzt von ihm fordert, resultiert aus der Differenz, die sich über die letzten Monate angesammelt hat.

Das mag formaljuristisch „Recht“ sein, aber Gerechtigkeit sieht für mich anders aus.

Zum Weiterlesen:
Infos zum Asylbewerberleistungsgesetz

das EINFACH OHNE – Buch ist da

Cover

Cover

Am Montag Nachmittag kam der Kleintransporter mit den EINFACH OHNE – Büchern. Zu fünft haben wir die Bücher relativ schnell ausgeladen und verstaut.

Der dritte Band der Textsammlung der Gemeinschaft Naunynstraße „EINFACH OHNE – Briefe und Texte an eine Berliner Wohngemeinschaft“ ist aus Anlass des Generationswechsels in der Naunynstraße, der Suche nach neuen Verantwortlichen und dem Prozess des Neu-Zusammenfindens entstanden. Christian Herwartz wird eine längere Reise machen und feiert den Start am 16. April 2016. Ist die Mission in Kreuzberg in Solidarität zu leben erfüllt und was macht sie eigentlich aus?

Mit dieser Frage sehen wir den vorhandenen Kolonialismus und die scheinbare westliche Überlegenheit bei uns in Europa neu. Die Länder des globalen Südens werden bis heute ausgebeutet, unterstützt von Knebelverträgen und deutschen Waffenlieferungen. Auch in Europa ziehen wir Grenzlinien zwischen denen, die dazugehören und denen, die anders sind. Wie kann es Wege geben, diese koloniale Übergriffigkeit zu überwinden und uns auf Augenhöhe zu begegnen? Die kolonialen Ideen werden auch im Umgang mit Flüchtlingen deutlich. Den Flüchtlingen sollte genauso wie den AutorInnen dieses Buches zugehört werden, damit sie ihre Erfahrungen und Wünsche in unsere Gesellschaft einbringen können. Dann sind sie keine Objekte des Helfens mehr. In diesem Buch erzählen Menschen von ihren Erfahrungen, Perspektiven und Lebensfragen, die der Kommunität auf ihrem neuen Weg, und viele andere begleiten und zum Nachdenken anregen können. Erfreulich sind auch die vielen Beziehungen, die mit der Naunynstraße und ihrer Idee verbunden sind.

Das Buch besteht aus folgenden Kapiteln:
– Einfach ohne Kolonialismus
– Einfach ohne
– Einfach ohne Vorgaben
– Einfach ohne Schuhe
– Einfach ohne Fragerei
– Einfach offen
– Einfach Mensch sein
– Einfach in Fülle
– Einfach gemeinsam
– Einfach freiwerden
– Einfach mit Solidarität
– Einfach mit Hoffnung
– Einfach mit Frieden
– Einfach mit Geschichte
– Einfach mit Zukunft

Mehr als 120 Menschen haben uns Texte und Bilder zur Verfügung gestellt. Das Buch hat 288 Seiten, und wir verschenken es an die, die es lesen mögen. Es ist nicht käuflich. Ein Beitrag zu den Druck- und Versandkosten ist möglich und erwünscht.
Bestellungen unter: naunyn (ät) gmx (dot) de

Freundeskreistreffen: Fragen rund um die Zukunft

Alle paar Wochen kommen wir – die Bewohner_innen – mit unserem Freundeskreis zusammen, um miteinander Fragen zu bedenken, die uns im Hinblick auf die Zukunft der Gemeinschaft bewegen wenn, Christian als letzter Jesuit die Naunynstraße im April verlassen wird. Rockn RollF gestaltet dafür die Einladungsplakate.

Einladung zum Freundeskreis-Treffen

Einladung zum Freundeskreis-Treffen

Gestern Abend fanden wir uns in kleinerer Runde als sonst zusammen und haben nach dem Abendessen (Esaus Linsengericht) zwei Fragen bewegt, die durch Christian eingebracht wurden:

  1. Uns fehlt für die Naunynstraße immer noch die dritte Person, die neben Iris und Michael Verantwortung übernimmt, damit die Gemeinschaft in der Naunynstraße weiterbesteht und dafür miteinander gute Formen des Zusammenlebens gestaltet und weiter entwickelt. Welche Aktivitäten und Kontakte gibt es? Was kann der Freundeskreis (noch) tun um die Suche zu unterstützen. Die Idealbesetzung wäre ein Priester oder ein/e PfarrerIN, die einen Ort für ein Schabbat-Jahr suchen.
  2. Am Samstag 16. April wird Christian ein Fest feiern: Seinen Geburtstag, den Abschied von Berlin und die Übergabe. Es wurden schon einige Ideen für die Gestaltung  gesammelt. Michael wird immer dienstags ab 16.00 h in der Naunynstraße ansprechbar sein. Und auch über Vorschlage und Beiträge per eMail freuen wir uns ( naunyn (ät) gmx (dot) de ).

Erste Lesung aus dem Straßenexerzitien-Buch in Flensburg

Am Freitag den 19.2.16 fuhr Christian nach Flensburg. Im Evangelischen Gemeindezentrum Engelsby sollte die erste Lesung aus dem neuen Buch über Straßenexerzitien stattfinden, das er mit Maria Jans-Wenstrup, Katharina Prinz, Elisabeth Tollkötter und Josef Freise herausgegeben hat. Dreißig Teilnehmer_innen von Straßenexerzitien an unterschiedlichen Orten haben mit ihren Erfahrungsberichten zum Buch beigetragen.

Christian schreibt: Über 30 Personen von nah und fern waren zur Lesung gekommen. Nach einer Einführung und einem gemeinsamen Lied lasen wir die sechs Zeugnisse auf den Seiten 66, 76, 95, 84, 93, 21, also Erfahrungen aus verschiedenen Städten. Diese kurzen Teilnehmergeschichten eignen sich gut, um die verschiedenen Aspekte der Übungen auf der Straße zu beleuchten. Immer deutlicher wurde der Reichtum dieser Zeiten und die Chance, am Abend über die Erfahrungen sprechen zu können, die während des Tages geschenkt wurden.  Oft wird erst bei diesen Gesprächen der Reichtum der eigenen Erfahrungen für die Teilnehmenden selbst sichtbar.

„Ist es gut am eigenen Wohnort Exerzitien zu machen?“ war eine der Fragen. „Ja, ich habe das in Flensburg gemacht, wo ich ja auch wohne. Mein Blick hat sich auf neue Menschen gerichtet Obdachlose, Drogenabhängige, Menschen, die ich sonst eher übersehe“ sagte eine Teilnehmerin. „Meine Bekannten habe ich nur kurz begrüßt und mich weiter von meinem Interesse leiten lassen. Ja,  ich konnte in meiner Heimatstadt gut Exerzitien machen.“

Die ehemaligen Teilnehmer_innen bereicherten den Abend mit ihren Reaktionen sehr. Außerdem haben sie selbst einige Geschichten vorgelesen. Ich lebe in Vorfreude auf die nächsten gut fünfzehn Lesungen, die schon auf der Strassenexerzitien-Website angekündigt sind. Herzliche Einladung das Buch zu lesen und mit den Übungen zu beginnen, die das Leben auf der Straße bereit hält.

IM ALLTAG DER STRASSE GOTTES SPUREN SUCHEN – Persönliche Begegnungen in Straßenexerzitien, Neukirchen-Vluyn 2016

U-Bahn-Open-Air mit ROCK-N-ROLL-F

Unser Mitbewohner Rockn RollF, seines Zeichens Zeichner (siehe aktuelles Headerbild) und Straßenmusiker (Bob Dylan Interpret) lädt ein zum U-Bahn-Open-Air-Konzert.

Beim Mittwochsmeeting der Straßenmusikszene bei der BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) ereilte ihn ungeahntes Losglück – nämlich Platz 4. So ist er an folgenden prominenten U-Bahn-Stationen im musikalischen Einsatz:

Freitag 19. Februar: Samariterstraße (U 5)
Samstag 20. Februar: Möckernbrücke (U 1 und U 7)
Do 25. Februar: Möckernbrücke (U 1 und U7)
Fr 26. Februar: Stadtmitte (U 2 und U 6)

Seine Spielgenehmigung läuft von 6.00 – 22.00 Uhr. Da er zur Fraktion der Eulen und nicht der Lerchen gehört, werden die Einsätze eher nachmittags oder abends beginnen. Näheres findet sich dann auf seiner Facebook-Seite. Hier ist schon mal eine Kostprobe seines musikalischen Schaffens:

 

 

Die Welt im Wohnzimmer (1): Schweiz Teil 2 – weggestossen, ausgeschafft, abgeschafft

a1adc86d1a7a0512c8a6f89729c68b09Vor zwei Tagen hatte ich einen Blogbeitrag über Conny und ihr Engagement gegen die Durchsetzungsinitiative verfaßt und zwar hier.  Ich habe Conny eingeladen, selber ein paar Zeilen zu schreiben, was sie zu diesem Engagement gebracht hat. 

Conny schreibt: Im Sommer 2015, während meinen 10tägigen Exerzitien auf der Strasse, wachte ich kurz vor Ende dieser guten Zeit nachts auf. Ein starker und deutlicher innerer Anruf, doch einmal wirklich genau hin zu sehen, ließ mich nicht mehr in den Schlaf finden.

Dann fiel es mir plötzlich, im wahrsten Sinne des Wortes, wie Schuppen von den Augen. Ich fand mich emotional und gefühlsmäßig zutiefst verbunden mit den Menschen, die in der Ausschaffungshaft sitzen.

Genau hier befand sich mein tiefster Schmerz, meine grösste Verletzung. Tagelang hatte ich mich während den Exerzitien davor gescheut hin zu sehen und auch hinzugehen. Doch in dieser Nacht verband sich mein Leid mit dem Leid dieser Menschen. Ich fühlte meinen Schmerz und konnte gleichzeitig den Schmerz meiner Geschwister fühlen. Nicht willkommen, weggestossen, ausgeschafft, abgeschafft!!!

Es wäre besser, wenn es dich/euch gar nicht erst gäbe. Weinend betete ich meinen Namen Gottes, der mir in dieser Nacht geschenkt wurde. Nach diesem Erlebnis war mir klar, dass meine Exerzitien im Oktober mit der Mahnwache vor der Abschiebehaft am Flughafen Schönefeld in Berlin weitergehen werden. Ich musste dahin und mich solidarisch zeigen!

In der Schweiz wurde die Ausschaffungsinitiative 2010 angenommen. Nun hat die Schweizerische Volkspartei, der rechte Flügel im Parteienspektrum und deren Anhänger, das Gefühl, dass die Regierung diese Initiative zu lasch oder gar nicht umsetzt. Sie bringen am 28. Februar eine neue Initiative an die Urne: die Durchsetzungsinitiative. Diese Initiative setzt den Rechtsstaat, die Gewalten-teilung und die Menschenrechte außer Kraft!

Hier ein kleines Beispiel zu den möglichen Folgen: Der 19-jährige Hochbauzeichner- lehrling José Zúñiga, Sohn chilenischer Eltern, ist an einem lauen Freitagabend im Sommer mit Freunden unterwegs; sie grillieren am See, trinken über den Durst. Als ihr Getränkevorrat zur Neige gegangen ist, beschließt die Clique, sich Nachschub zu besorgen – im Kiosk der lokalen Seebad.

José Zúñiga, angetrunken und angestachelt durch seine Kumpel, übernimmt die Sache: Er hebt eine Holzverriegelung aus den Angeln, bricht in den Kiosk ein und schnappt sich ein paar Flaschen Bier aus dem Kühlschrank. Am Tag darauf plagt José Zúñiga das schlechte Gewissen. Er beichtet die Tat seinen Eltern. Sie überzeugen ihren Sohn, sich bei der Polizei zu melden und sich bei der Badi zu entschuldigen. Die Staatsanwaltschaft brummt dem 19-Jährigen eine geringfügige bedingte Geldstrafe auf. Zúñiga will die Verfahrenskosten und die Buße mit seinem Lehrlingslohn abstottern, doch damit ist es nicht getan: Er wird für zehn Jahre des Landes verwiesen und muss nach Chile, wo er nie gelebt hat. Mit seinem Einbruch erfüllt Zúñiga die Straftatbestände Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Diebstahl – darauf steht die automatische Ausschaffung.

Ich setzte momentan alles mir Mögliche ein, dass diese unmenschliche Initiative nicht angenommen wird. Ohne meine Erfahrungen bei den Strassenexerzitien wäre ich nicht auf diesem Weg – auf dieser Strasse! Dem Geist Gottes sei Dank!

Conny Pieren, Thun, Schweiz, 16.02.2016

Nachtrag 28. Februar 2016: Die Durchsetzungsinitiative wurde bei der Volksabstimmung abgelehnt.