interreligiöses Friedensgebet: Gesprächskultur

interreligiöses Friedensgebet  (Foto: Krüger)

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

Seit 2002 findet am ersten Sonntag im Monat um 15.00 Uhr auf dem Gendarmenmarkt vor dem Deutschen Dom das interreligiöse Friedensgebet statt.  Immer steht ein anderes Thema im Mittelpunkt. Dieses Mal hatte das Vorbereitungsteam die Vorfälle der Sylvesternacht in Köln zum Anlaß genommen die  Einladung für Februar zum Thema „Gesprächskultur“ zu formulieren.

Es ist immer wieder spannend, wer kommt und wie viele kommen. Heute fanden sich fünfzehn Menschen aus unterschiedlichen religiösen Traditionen zusammen, auch einige, die schon länger nicht mehr da waren. Nach dem Schalom-Salam-Lied wurde der Einladungstext vorgelesen. Darin heißt es:

Was wir in den letzten Wochen nach den Ereignissen von Köln, Hamburg und Stuttgart lesen oder hören konnten, was im Internet und an manchen Stammtischen an Beschimpfungen mit aufgeladenen Emotionen geäußert wurde, war übel. Pauschale Verdächtigungen, rassistische Vorurteile, Ängste, gemixt mit oberflächlichen Informatio-nen  wurden zu einem Meinungsbrei, der Hass und aggressive Stimmung erzeugte. Sicher ist es oft nicht einfach, komplexe Zusammenhänge eines Ereignisses exakt zu analysieren, wenn Vermutungen und/oder ungeprüfte Informationen verbreitet werden. Wenn Geschehnisse herhalten, die eigenen Vorurteile zu zementieren, ist keine Argumentation mehr möglich. Jeder, der anders denkt, wird beschimpft. Fehlinformationen, aggressive Über-schriften oder Kommentare lassen dann bestimmte Gruppen wie Flüchtlinge, Muslime oder Afrikaner unter Generalverdacht geraten. Hemmungslosigkeit in der Sprache kann auch schnell zu körperlicher Gewalt ausufern. Menschen, die anders sind oder anders denken, dürfen nicht herabgesetzt oder niedergemacht werden.

Zu einem Gespräch gehört das Zuhören, das Respektieren der anderen Person sowohl im privaten Bereich als auch in Politik und Gesellschaft. Schon im Mittelalter war es bei bestimmten Gesprächen üblich, die Meinung des anderen zu wiederholen, um zu prüfen, ob man ihn richtig verstanden hat, bevor man etwas dagegen hielt. Der Psychotherapeut Carl Rogers legt auch Wert darauf, die Gefühle des anderen richtig zu erfassen. Viel können wir auch von Martin Bubers Ausführungen über den Dialog lernen. Informationen müssen hinterfragt und reflektiert werden, bevor man sich eine eigene Meinung bildet. These und Antithese ergeben dann eine Synthese.

Religiöse Menschen haben eine besondere Verantwortung für einen menschenwürdigen Umgang im Reden und Handeln. „Du sollst kein falsches Zeugnis geben …“ lautet eine Weisung. Eine „Gebetskultur“ kann helfen, sich selbst zu hinterfragen, versteckte Vorurteile bewusst zu machen, sachlich mit Aggressionen und Verdächtigungen umzugehen und so zu einer guten Gesprächskultur beizutragen. In allen Religionen spielen Wahrhaftigkeit, Achtsamkeit und Barmherzigkeit eine große Rolle. Unser Friedensgebet kann uns helfen, Wege für einen besseren geschwisterlichen Umgang im Reden und Tun zu finden.

Danach wechseln sich kurze einfache Liedverse aus unterschiedlichen Traditionen, Zeiten der Stille, Gebete, Denkanstöße und persönliche Statements ab. Heute hatte Roj, den viele auch vom Samstagsfrühstück in der Naunynstraße kennen, ein neues Gebet aus seiner hinduistischen Tradition mitgebracht.

Das nächste interreligiöse Friedensgebet findet am 6. März 2016 statt. Das Vorbereitungstreffen dafür ist am Montag, den 15. Februar um 16 Uhr bei Helga Ottow, Prenzlauer Promenade 147, 13189 Berlin, Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Achtung: Bei Großveranstaltungen auf dem Gendarmenmarkt (Classic Open Air, Weihnachtsmarkt) findet das interreligiöse Friedensgebet auf dem Hausvogteiplatz statt, der nur einige Minuten vom Gendarmenmarkt entfernt ist.

Selbstverständnis des interreligiösen Friedensgebets Berlin

 

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