Einladung zum interreligiösen Friedensgebet März 2019 : Dankbar – trotz allem

Alle sind willkommen
Hoffnung für Frieden
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten                                                                   

Everybody is welcome
Hope for Peace
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin auf dem Gendarmenmarkt
Sonntag, 3. März 2019 um 15:00 Uhr (Nähe Deutscher Dom)

Dankbar – trotz allem

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

Danken – trotz allem – das wollen wir heute. Wir sehen viel Zerstörung an dieser Welt, in der wir leben. An der Welt, auf die wir angewiesen sind, von der und mit der wir leben. Das beunruhigt uns, aber das regt uns auch an, uns auf Gutes und Hoffnungsvolles zu besinnen. Zum einen sind wir dankbar für die Geschenke, die uns in Wasser, Luft und Licht, in fruchtbarer Erde, wärmender Sonne, in den Leben schenkenden und selbstregu-lierenden Kreisläufen gegeben sind. Der erwachende Frühling lädt zum Staunen ein. Und es beginnt aufs Neue das Wachsen, das Früchte tragen wird.

Je mehr wir uns dessen bewusst sind, dass uns diese Welt lebenserhaltend trägt, desto schmerzhafter ist es, dass wir Menschen auf eine Weise in die Kreisläufe der Natur eingreifen, die diese in Ungleichgewicht bringen. Verschmutzung und Vergiftung haben gravierende Auswirkungen. Natur, Tiere und Menschen werden verachtend instrumentalisiert.

Doch auch hier gibt es Entwicklungen hin zum Erkennen, zum Schutz der Umwelt, zum Schutz von Mitwesen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gehen auf die Straße und protestieren für den Er-halt dieser Welt, für mehr Umweltschutz. Ein Volksbegehren ‚Artenvielfalt/ Rettet die Bienen‘ war erfolgreich. Die christliche Fastenzeit beginnt am 6. März: Evangelische und katholische Kirchen laden ein zum Klimafasten unter dem Motto „So viel du brauchst …“ (2. Mose 16). Foodsharing und die Deutsche Umwelthilfe e.V. rufen zum Verschwendungsfasten auf, also dem bewussten Umgang mit Lebensmitteln ohne dass Lebensmittel weggeworfen werden. Wir sehen nicht, dass die Politik ihre Möglichkeiten im Positiven ausschöpft, aber manch eine Entscheidung ist auch hier gefallen, die wir begrüßen.

Zum anderen ist die Gemeinschaft mit Menschen und Tieren, mit allem Leben um uns ein Geschenk, für das wir dankbar sind. Menschen, die in schweren Zeiten füreinander da sind und selbstverständlich durch Abschiede und Trauerzeiten begleiten. Menschen, die miteinander leben und füreinander einstehen. Generationsübergreifend, interreligiös und interkulturell – uns fallen hier viele positive Beispiele ein. Und dafür danken wir von Herzen.

Ohne die Geschenke, die unsere natürliche Umgebung uns bietet, aber auch ohne die Geschenke der Gemeinschaft mit Menschen und Tieren können wir nicht leben. Wir sind eins. Im Dank liegt die Hoffnung und das Gebet, dass die positiven Impulse erstarken mögen. Gute Impulse und Ideen haben das Potential, sich zu verbreiten, zu wachsen und fruchtbar zu wer-den. Ebenso, wie kleine Gesten und Veränderungen große Wirkung entfalten können.

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Wenn ein Bild von Befreiung erzählt …

Unübersehbar ist dieses Bild von Katja Sommer in unserem Wohnzimmer für jeden, der es betritt. Vor einigen Tagen habe ich in der Textsammlung „Gastfreundschaft – 25 Jahre Wohngemeinschaft Naunynstraße“ die Zeilen entdeckt, die Katja darüber verfaßt hat. Am letzten Kommunitätsabend haben wir diese Geschichte miteinander gelesen. Niemand von den jetzigen Bewohnern kennt Katja, und es ist schön in diesem Text eine Brücke zu haben.

Befreiung

Angefangen hat alles mit der Verbindung meines Vaters zur Naunynstraße. 1997 war das Jahr, in dem ich nach Berlin zog. Meine Freundin hatte mich eingeladen, hierher zu kommen. Von ihrer Wohnung aus suchte ich mir ein Zimmer im Prenzlauer Berg. Mein Vater besuchte mich bald. Er war in Sorge, daß ich in der großen Stadt verloren gehen könnte, und lud mich ein, mit ihm zur Naunynstraße zu kommen und Christian kennenzulernen. Das war der Beginn einer ganz besonderen Freundschaft.

Gab es Momente, in denen sich die Sorge meines Vaters zu bestätigen schien, so fand ich immer wieder Halt und Geborgenheit in langen Gesprä-chen mit Christian, auf Spaziergängen oder in einer Ecke der Wohnung. Und traf auf Menschen, denen es wohl ähnlich ging wie mir. Schritt für Schritt löste sich auf, was ich bisher als mein persönliches, einzigartiges Unglück zu betrachten gelernt hatte.

Kein Schritt, vielmehr ein Sprung auf diesem Weg war Christians Wunsch an mich, für sein Fest ein Bild zum Thema Befreiung zu malen. Inzwischen hatte ich nämlich ein Studium für das Lehramt Bildende Kunst an der Kunsthochschule begonnen, und Christian wußte, daß ich viel malte. Ich freute mich über diese Idee.

Ich wählte ein großformatiges Bild aus, das überwiegend in Blau und Weiß gemalt ist und eine abstrakte Form darstellt, die ich am ehesten als eine Art Zwiebel beschreiben würde. Eine Zwiebel, und das ist das Entscheidende, die sich nach oben öffnet und Farbe sprüht.

Das Bild bekam einen Platz neben den anderen Geschenken, und mehrere Leute fotografierten mich und sich und andere Leute davor. Ich war stolz und glücklich über die positiven Rückmeldungen der Betrachter.

Doch es sollte noch besser kommen. Eines Tages rief Christian mich an und berichtete begeistert, er habe das Bild, und auch eines von Albert, in der Naunynstraße aufgehängt und ich solle vorbeikommen um es mir anzusehen. Es habe einen wunderbaren Platz im Wohnzimmer bekommen, wo es aussehe, als gehöre es dorthin. Ich glaube, ich fuhr noch am selben Tag hin. Und richtig: Das Bild hing im Wohnzimmer, als sei es extra für diesen Platz gemalt. Vielleicht fing es erst jetzt an, auch mir selber zu gefallen. Christian sagt, es erfreue die Menschen, die zu ihm zu Besuch kommen, und erfülle den Raum mit Dynamik, Licht und Freude. Und wenn ich jetzt zu Besuch komme, bin ich für diejenigen, die ich dort zum ersten Mal treffe, oftmals die Künstlerin, die dieses Bild gemalt hat. Das ist eine große Ehre für mich.

Und in diesen Momenten funkt die Hoffnung in mir auf, daß die Befreiung, die ja der Ausgangspunkt dieser Geschichte ist, hier erst ihren Anfang nimmt. Zum Beispiel, daß ich noch viele Bilder malen werde, die anderen Menschen Mut machen, und wir zusammen weitergehen … in Richtung Licht.

Meinen Dank für viele schöne Stunden möchte ich an dieser Stelle auch Hans und Helma aussprechen, die mit ihren Essenseinladungen einen wichtigen Teil zu meinem „Leben in Berlin“-Wohlgefühl beitragen. Und ich möchte auch Franz nicht vergessen, dessen liebes, freundliches Gesicht und Sein mir jedesmal das Herz erwärmt, wenn ich es erlebe.

Katja Sommer – Berlin 1.1.2003 aus der Textsammlung „Gastfreundschaft – 25 Jahre Wohngemeinschaft Naunynstraße“, S. 280

Zum Weiterlesen:
Auch ein Tisch – unser Wohnzimmertisch hat eine besondere Bedeutung: Ein Tisch als Zeichen der Gemeinschaft

Ordensjubiläum von Christian: 50 Jahre Jesuit

Kurzfristig hat es dann doch noch geklappt. Eine bunte Runde von Bewohnern, Ex-Bewohnern und Gästen fand sich zusammen um mit Christian den 50. Jahrestag seines Eintritts bei den Jesuiten zu feiern. Franz hat lecker gekocht, Rock’n Rolf spielte und sang für und mit uns. Damals war es ein Rosenmontag und heute ein wunderbar milder Frühlingswettertag. Über seinen Weg zu und mit den Jesuiten ist auf dem Video mehr zu erfahren:

Ameisen-Haufen-Torte

Ameisenhaufen-Torte

war ein ganz neues ‚Geschmackserlebnis heute abend. Wir haben keine Insekten gegessen. Ein Mitbewohner hatte heute Geburtstag und diese Torte war eine Kind-heitserinnerung. Das Prinzip der Herstellung ist ähnlich wie beim „kalten Hund“, nur dass Karamellcreme als Bindemittel verwendet wird und die Schoko- oder Mohnstreussel mit denen garniert wird, die Ameisen sind. Die Torte hat allen gut geschmeckt. Wer das Rezept nachbacken will, findet es hier.

CAJ-Psalm

In der zweiten Januarhälfte treffen sich zu einer Abendmesse am Donnerstag Menschen aus Sankt Michael, aus der CAJ (christliche Arbeiterjugend) und aus unserer Wohnge-meinschaft um an Michael Walzer und Franz Keller zu erinnern. Die meisten kennen Michael nicht mehr persönlich, der vor 36 Jahren verstorben ist, aber einige sind treu seit dieser langen Zeit jedes Jahr wieder dabei. Eine große Freude ist die Neugründung der CAJ, deren Begründer in Berlin Michael war. In diesem Jahr fand ich den Beitrag der jungen CAJler, Christen und Muslime, besonders bewegend.

Angelehnt an Psalm 22 haben junge CAJler_innen aus ganz Deutschland zu Ostern 2018 einen Psalm formuliert, der im G-ttesdienst gelesen wurde und erlaubt, dass er hier ins Blog eingestellt werden darf:

Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?
Risse öffnen sich in der Welt,
zwischen arm und reich,
zwischen denen, die alles und denen, die nichts haben,
zwischen bekannten und
unbekannten, zwischen
Hass und Liebe.
Ich liege am Wegesrand, aber niemand sieht mich, schaut zu mir hin.
Oder
sie
sehen mich alle, schauen weg, gehen vorbei.
Ich bin ganz allein.
Menschen hasten unter Zeitdruck, sind überfordert, ohnmächtig.
Und über allem
die
Skyline.
Im Raum
voller Menschen bin ich allein,
vergessen, verloren. Muss das sein?
Ich laufe durch die Menschenmenge und fühle mich verloren, ziellos, einsam.
Ich liege am Boden und flehe um Hilfe, doch alle gehen nur stumm an mir vorüber.
Mein sicherer Halt, das sind meine Leute,
doch von jetzt auf gleich verwandeln sie sich zur Falle,
die mich herabzieht, zur Droge, die mich verheißungsvoll böse anzieht.
Sucht, Angst, Wut um mich herum
mein Gott, wo finde ich Halt?
Herr, ich klage dich an, denn meine Schuld und Scham frisst mich von innen auf.
In dieser Ohnmacht fällt es mir schwer, an
einen guten Gott zu glauben.
Du hast mich fallen gelassen
und
hast mir wieder hoch geholfen.
Du hast mich kaputt gemacht
und
hast mich wieder repariert.
Du hast mir Angst gemacht
und
hast mich dann in den Arm genommen.
In einem Riss: die Hoffnung wie ein Löwenzahn,
der den Riss im Asphalt nutzt, um zu leben.
Wie ein Kind, das aufgrund seines Alters nur Hoffnung kennt,
wie eine Freundschaft, die alle Hindernisse überwindet.
Was bleibt: Leben.
Wir werden gemeinsam aufstehen.
Werden uns an den Händen fassen und uns in die Augen schauen.
Jede*r ist dabei, jede*r gehört dazu.
Niemand bleibt am Wegesrand zurück.
Reiche mir deine Hand, lass
uns nach vorne zusammen gehen.
Es soll kein Mensch alleine stehen.
Wir werden alle
gemeinsam im Gotteshaus zusammenkommen und Solidarität leben.
Meine Familie und Freunde geben mir den Schutz, nach dem ich mich sehne
Und
die Unterstützung, nach der ich nicht zu fragen wage.
UnsereGesichter werden in fröhlichem Lachen schön aussehen,
wir bauen miteinander ein Haus, in dem wir mit Dir leben werden.
In Liebe und Freundschaft sorgen wir füreinander,
singen lautstark Lieder und richten uns auf, um von deiner Güte zu erzählen.
Dann blicke ich empor zu Dir.
Deine durchbohrten Arme,
weit ausgestreckt, sind eine Einladung.
Einladung zur Vergebung und Friede.
Darum jubeln wir.
Es ist vollbracht.
Du hast gesiegt.

Blasiussegen mal anders

Ein Mitbewohner erzählt, dass in der Sonntagsmesse, die er besucht hat, der Blasiussegen mit gekreuzten Kerzen angeboten worden sei und meint: „Weil ich es immer mit der Blase habe, bin ich auch vorgegangen.“ Als er aufgeklärt wird, daß Blasius als Schutzheiliger für  Halsleiden, Husten, Kehlkopfkrankheiten und Diphterie zuständig sei, antwortet er: „Wenn er schon Blasius heißt, dann muß es auch gegen Blasenbeschwerden helfen.“