Jom ha schoah – jeder Mensch hat einen Namen

Gestern Abend (1. Mai) hat der Jom haSchoah begonnen, der Tag an dem Juden in der ganzen Welt sich an die Ermordung der sechs Millionen Juden während der Zeit des Nationalsozialismus erinnern. In Berlin vor dem jüdischen Gemeindezentrum werden aus dem „Gedenkbuch für die ermordeten Juden aus Berlin“ die Namen der fast 59 000 aus Berlin deportierten Juden vorgelesen.

In Israel wird um 10.00 Uhr vormittags für drei Minuten das Leben still stehen während im ganzen Land die Sirenen heulen.

Bei vielen Gedenkveranstaltungen wird ein Gedicht von Zelda Schneersohn Mishkovsky (1914 – 1984) rezitiert:

Jeder Mensch hat einen Namen (Lechol isch jesch schem):

Jeder Mensch hat einen Namen
den G-TT ihm gegeben
den Vater und Mutter ihm gegeben.
Jeder Mensch hat einen Namen,
den seine Gestalt und sein Lächeln ihm geben.
Jeder Mensch hat einen Namen,
den das Gebirge ihm gibt
und die Wände, in denen er lebt.
Jeder Mensch hat einen Namen,
den seine Sünde ihm gibt
und die Sehnsucht, die sein Leben prägt.
Jeder Mensch hat einen Namen,
den seine Feinde ihm geben
und den seine Liebe ihm gibt.
Jeder Mensch hat einen Namen,
den seine Feste ihm geben
den seine Arbeit ihm gibt.
Jeder Mensch hat einen Namen
vom Kreislauf des Jahres
und von seiner Blindheit ihm beigelegt.
Jeder Mensch hat einen Namen,
den das Meer ihm gibt
und schließlich auch der eigene Tod.

Werbeanzeigen