Polen so nah – Polen so weit

Mitte der Woche ruft eine Gefängnisseelsorgerin an und fragt, ob eine junge Frau aus Polen für zwei oder drei Wochen zu uns kommen kann. Sie wird nächste Woche aus dem Gefängnis entlassen und will nach Polen zurück. Das geht aber nicht gleich. Wir sprechen darüber beim Frühstück:

– Man weiß nicht, mit wem sie Kontakt hatte
– Kann man nicht wissen. Bei niemand.
– Was willst du? Bessere Quarantäne als Knast gibt es nicht im Moment.
– Genau.
– Dann kann sie doch kommen.
– Weiß man, warum sie im Gefängnis ist?
– Warum willst du das wissen?
– Na ja, ich denke wegen Drogen. Weil Kottbuser Tor ist nah.
– Da kommt sie an alles dran.
– Also, wenn wegen Drogen, dann will ich nicht, daß sie kommt.
– Iris soll rausfinden, ob sie wegen Drogen sitzt.
– Wie geht das dann, daß sie nach Polen kommt. Die lassen doch keinen mehr rein.
– Die Grenze ist dicht.
– Eigene Staatsbürger müssen die nehmen.
– Wäre doch einfacher direkt vom Gefängnis. Wenn sie bei uns war, muß sie doch irgendwie in Quarantäne.
– Iris soll rausfinden, wie das genau gehen kann, daß sie zurück kann nach Polen
– Die Gefängnisfrau kann doch nachfragen, was bei der Entlassungsvorbereitung schon gelaufen ist.

Zwei Tage später meldet sich die Gefängnisseelsorgerin wieder. Sie hat mit der Gefängnissozialarbeiterin gesprochen. Die junge Frau kann direkt im Gefängnis die erforderlichen Personaldokumente bekommen und damit nach Polen ausreisen und braucht den Platz bei uns nicht.

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