Frühstücksgespräche im April (7)

Unter der Woche frühstücken wir normalerweise immer um 8.00 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben. Jetzt in Zeiten des Corona-Virus haben wir das Frühstück auf 8.30 h verschoben.  Frühstücksgäste kommen nicht mehr dazu. Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Anliegen und Positionen ins Gespräch. Im April ging es um folgende Themen:

  • neue Interessen in der Corona-Zeit
  • was ist Beschwerdemanagement und wie funktioniert es
  • christliches Gemeinschaftsleben am Beispiel von Taizé, der Communauté von Grandchamp und der Communauté de Saint André
  • welche Gesichtsmasken für wen
  • Brauchtum zu Ostern
  • Gestaltung der kommenden Woche (Pessach, Karwoche, Ostern)
  • Was können welche Tiere nicht
  • Wie lebt Christian Herwartz in Kladow? Kann man Päckchen schicken?
  • Fußball in Zeiten von Corona
  • Wilde Tiere in der Stadt – werden es mehr durch Corona?
  • Bart oder nicht Bart in verschiedenen Lebensphasen
  • Welche Sanktionen / Formen von Strafe gab es in der Schule?
  • Erfahrungen mit Folter
  • welche Automarken sind und waren in welchem Land populär
  • wer hatte wann welche Automarke – Vorteile und Nachteile
  • Unser zeitweiliger tierischer Mitbewohner Luis ist gestorben.
  • unserem Freund Werner, dem Weitergeber, wurde die Frontscheibe und eine Seitenscheibe seines Autos eingeschlagen als er im Auto saß.
  • Umgang mit Ängsten
  • Was ist, wenn durch Corona alte traumatische Erfahrungen hochkommen
  • wie alt werden Kühe unter den unterschiedlichen Haltungsbedingungen
  • psychische Folgen von sich eingesperrt fühlen und schlimme Erinnerungen
  • Erfahrungen mit Motorradfahren und Motorradunfällen
  • Mietpreise zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten
  • wer könnte sich vorstellen unter welchen Umständen die Zeit der Ausgangsbeschränkungen allein zu verbringen
  • Informationsquellen zu Corona
  • was hilft uns dabei achtsam zu bleiben
  • Fastenpraxis muslimisch und jüdisch
  • Bevölkerungsentwicklung in verschiedenen Großstädten, die wir kennen
  • Instrumentalunterricht in Zeiten von Corona
  • Umweltschutz und Umweltpolitik im Vergleich
  • Sicherheitsbedürfnisse rund um Corona
  • Corona und mehr Gewalt in Familien
  • Warum ist am 1. Mai Feiertag
  • Errungenschaften der Arbeiterbewegung
  • Brauchtum zum 1. Mai im europäischen Vergleich

Mehr Frühstücksgespräche

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Krise als Geburtsort

Sprache prägt unser Denken, unser Handeln – unser Bewußtsein. Wie sprechen wir über Corona? Welche Bilder werden von den Medien vermittelt? Was kommt atmosphärisch rüber?

Wenn von „Corona-Krise“ die Rede ist, dann liegt der Schwerpunkt meist auf dem Aspekt der Gefahr. Das ist eine Engführung. Dem Wort „Krise“ liegt das griechische Wort „krinein“ zugrunde, bei dem es um das Unterscheiden geht.

In ihrer Ansprache beim letzten Schabbat-G-ttesdienst in der Central Synagoge in New-York erklärt Rabbinerin Delphine Horvilleur, daß das hebräische Wort für Krise משבר (maschber)im biblischen Hebräisch der Ort ist, an dem Frauen ein Kind auf die Welt bringen, wo die Gebärmutter sich öffnet und so etwas Neues in die Welt kommt und aufbricht.

Eine gute Ergänzung dazu ist der NDR-Podcast von Regula Venske von der Wirkung von Sprache in Krisenzeiten (ca 8 Minuten). Vielen Dank an Hauptschulblues für den Hinweis.

 

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Von der Schildkröte und vom Skorpion am Fluß

In einer Gemeinschaft wie der unseren, in der Menschen aus unterschiedlichen Ländern (derzeit acht Länder und drei Erdteile), Kulturen, sozialen Hintergründen und religiösen Wegen (derzeit vier: christlich, muslimisch, buddisthisch, jüdisch) zusammenleben, manche Flucht, Gefängnis, Psychiatrie oder Leben auf der Straße und andere schwierige Situationen hinter und in sich haben, kommt es immer wieder zu Spannungen und Konflikten. Viele können gelöst, beigelegt oder befriedet werden. Andere müssen ausgehalten und immer wieder neu verhandelt werden und ganz selten ist der Konflikt über längere Zeit so destruktiv, daß eine Trennung unausweichlich ist.

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes kann von sehr schwierigen Situationen hier nur  gelegentlich erzählt werden. Gerade weil wir so verschieden sind, hilft uns dabei die Bildersprache von Geschichten aus verschiedenen Traditionen um über unser Erleben und wie wir es deuten ins Gespräch zu kommen.

Für einen Konflikt, der uns mehrere Wochen in Atem gehalten hat, hat Herr Tunesien – LeserINNEN, die schon länger dabei sind, kennen ihn vom Couscous-Duell mit Herrn Marokko, eine Geschichte aus seiner muslimischen Tradition gefunden und große Zustimmung bekommen. Und weil gerade Ramadan ist, paßt sie besonders gut. Er erzählt:

An einem Fluß lebt eine Schildkröte. Die Schildkröte kann schwimmen. Ein Skorpion kommt vorbei. Er kann nicht schwimmen und fragt die Schildkröte, ob sie ihn ans andere Ufer mitnimmt wenn sie rüber schwimmt. Die Schildkröte weigert sich und sagt: „Das mache ich nicht, denn wenn ich dich mitnehme, dann stichst du mich unterwegs“. Der Skorpion antwortet: „Warum sollte ich dich stechen. Dann sterben wir ja beide.“ Schließlich läßt die Schildkröte sich breit schlagen und nimmt ihn mit. Unterwegs sticht er sie. Die Schildkröte fragt ihn: „Warum stichst du mich? Du hast doch versprochen mich nicht zu stechen?“ Der Skorpion sagt: „Ich kann nicht anders. Dein Job ist es, mir zu helfen. Und mein Job ist es, zu stechen. Das ist mein Charakter.“

Zum Weiterlesen:
Vom Bauarbeiter-Professor und vom Taxi-Doktor

 

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Gruss von unserem Freund Roj

Roj, ein indischer Freund, duch den wir gelernt haben, daß es im Hinduismus auch monotheistische Strömungen gibt, kommt seit Jahren regelmäßig zu unserem Samstagsfrühstück. Vor er geht singt er ein hinduistisches Gebet aus den Upanischaden für uns. Derzeit ruft er uns oft zur Samstagsfrühstückzeit an. Hier ein Gruß von ihm, mit dem er zum Ausdruck bringen will, was ihm unsere Gemeinschaft bedeutet:

Du machtest mich bekannt
mit Freunden, die ich noch nicht kannte.
Du gabest Heimstatt mir in Häusern,
die mir nicht gehörten.

Du brachtest das Entfernte nah
und machtest aus dem Fremdling
einen Bruder.

(aus Gitanjali, einer Gedichtsammlung des bengalischen Dichters Rabindranath Tagore)

Zum Weiterlesen:
Hinduistisches Gebet zum Samstagsfrühstück(gesungen)
Mehr zu Begegnungen beim Samstagsfrühstück

 

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Ostersonntagsmenü 2020

nachgetragen mit einem speziellen Gruß vom Chefkoch:

Vorspeise Ostermenü

Tomaten-Mozarella-Tulpen mit frischen Kräutern und Minze mariniert

Huhn mariniert in Kiwi mit Granatapfelkernen

Blumenkohl-Paprika-Gemüse auf Kokosmilchsauce

Ofenkartoffeln mariniert mit Sumach

Obstsalat

Wir haben es sehr genossen – wie die vielen anderen Mahlzeiten in diesen Tagen miteinander. Wie schade, daß wir niemanden einladen konnten um diese schöne Feiertagsessen zu teilen.

 

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Vom Suchen und Finden

„Ich suche nicht – ich finde. Suchen – das ist Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuem. Finden – das ist das völlig Neue!
Das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer!“ (Pablo Picasso)

 

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