Gruppe interreligiöses Friedensgebet: Abstand und Anstand

Was brauchen wir – und was muss sich dafür verändern: In uns und um uns. Was können wir dazu beitragen? Diese Frage steht hinter dem monatlichen interreligiösen Friedensgebet in Berlin. Und weil es auch von unserer WG und Freunden von uns nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausging, geben wir hier immer auch die Einladungen bekannt: Zum ersten Mal seit 2001 findet aufgrund der Corona-Krise kein Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt statt. Die Vorbereitungsgruppe hat dafür folgenden Text verfaßt: 

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

Sonntag, 5. April 2020

Abstand und Anstand befördern Nähe mit Respekt

Die Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin wird am ersten Sonntag dieses Monats
nicht zusammenkommen, sondern die besprochene Anregung für den kommenden Monat April zur persönlichen Anwendung empfehlen. Wir werden nicht auf dem Gendarmenmarkt stehen und die Vorübergehenden zum Innehalten oder Hinzutreten ermuntern. Doch wir werden mit Euch verbunden sein mit unserer erklärten Absicht: Betend den Mut finden zu sprechen.

Neben den angstvoll-entmutigenden Diskussionen über die Corona – Pandemie, ist auch zu vernehmen, dass ermutigend-verantwortungsvoll im Umgang mit der Virus-gefährdung gehandelt wird: Abstand halten bedeutet gleichzeitig Anstand wahren.
Solches Verhalten hat die Epidemologie wissenschaftlich begründet und das medizi- nische Wissen gebietet es so. Die wissenschaftliche Herkunft der Formel erhöht die Bereitschaft zur Annahme, denn wir tragen das Zeitalter der Aufklärung in uns. Wir folgen daher dem ärztlichen Rat zum Abstand und auch der sozialwissenschaftlichen Empfehlung zum Anstand gemäßen Umgang – und beten für baldige wissenschaftlich-medizinische Lösung.

Nun aber gibt es – von den Religionen bewahrt – Einsichten in ein Heilungsgeschehen, die nie an Gültigkeit verlieren. Gerade sie werden ausgelöst durch liebende menschliche Nähe und wo nötig respektvolle Rücksichtnahme. Sie leiten sich ab von der Ehrfurcht vor der heiligen Gabe des Lebens und daraus folgender Ehrerbietung gegenüber der belebten und unbelebten Mitwelt.

Wohl wissend um den Ungeist der etablierten Selbstsucht, lassen wir es nicht unterdrücken, dieses kostbare Wissen, wo sich aus Liebe, aus Solidarität und Helferwille, aus Respekt und Nähe ein lebensförderndes Gedankengut immer wieder neu bildet.

Wir beteiligen uns daran betend und geben Ihnen einen Gruß aus unserer Korres-pondenz mit auf den Gang durch die Zeiten: Wir wünschen Ihnen, dass Sie die Zeit der erzwungenen Entschleunigung gut und vor allem gesund überstehen. Vielleicht ist es auch eine Chance über unsere Abhängigkeiten in der globalisierten Welt nachzudenken.

Die Themen früherer interreligiöser Friedensgebete sind hier.

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