Sacred space – heiliger Raum

Sonntagabend – Sankt Michael in Kreuzberg: Auf dem Alfred-Döblin-Platz vor der Kirche fahren Jugendliche Skateboard. Kinder haben mit farbigen Straßenkreiden aufs Pflaster gemalt. Getränkeverpackungen und Papiere von Schokoriegeln liegen auf dem Boden. Die Kirche ist geöffnet: Zum Schweigen, zum Verweilen, zum stillen Gebet, um eine Kerze anzuzünden, um an die verschiedenen Meditationsorte zu gehen, zum Innehalten, einfach da sein, nichts müssen, vielleicht ein Gebet aufschreiben oder die Vesper mitbeten …

leidender Jesus

Die beiden alevitischen Jungen von neulich  sind wieder da. Sie haben noch ein etwas größeres Mädchen und einen kleineren Jungen mitgebracht. Erst gehen sie zum Taufstein und betrachteten ihn ausführlich von den verschiedenen Seiten. Dann gehen sie weiter im Gänsemarsch zum Kreuzweg an der Kirchenwand. Das größere Mädchen dreht sich immer wieder zu den Jungen um legt den Zeigefinger auf den Mund. Sie schauen sich aufmerksam drei Kreuzwegstationen an. Dann sind sie auf dem Weg zum leidenden Jesus und stellen sich im Kreis auf. Der Kleinste steht rechts von der Jesusfigur. Nachdem er sie eine Zeitlang angeschaut hat, berührt er ganz behutsam und sanft die Schulter und streichelt sie. Dann nimmt er einen der Steine, die auf dem Boden liegen, in die Hand und versucht ihn in die Hand von Jesus zu legen. Weil die Hand absteht, mißlingen mehrere Versuche.  Er legt den Stein wieder auf den Boden. Nach einigen Augenblicken schweigenden Innehaltens verlassen alle zusammen die Kirche. Und wir anderen durften – sehend oder nicht – bemerkend oder nicht – dabei sein als sich dieser Moment, dieser Raum auftat.

Zum Weiterlesen:
Licht ist da zum Weitergeben
Mehr Infos zur Jesus-Figur im Pfarrbrief April / Mai 2020  (Seite 6)

 

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