Kommen wir uns näher?

Christian, einer der Mitbegründer unserer WG, derzeit in Kladow wegen Corona, soll einen Artikel für Missio verfassen. Hier ist ein erster Entwurf. Vielleicht mag der eine oder die andere was dazu schreiben – gerne in den Kommentaren.

Kommen wir uns näher? Wie können wir mit Reiseverboten und Kontaktbeschrän-kungen den Menschen in den ärmeren Ländern des Südens näher kommen? Jetzt nehmen wir bei uns wahr, wie ein Leben ohne die Begegnung mit liebgewordenen oder uns herausfordernden Menschen verarmt.
Begegnung braucht Nähe und zur Gesundung auch von seelischen Scherzen Berührung. Berechtigterweise wollen wir uns vor der Ansteckungsgefahr schützen. Die Menschen des Südens kennen die weitgehende Schutzlosigkeit vor Verarmung, Hungersnöten, mangelnde Schulbildung, Krankheiten und Kriege. Unsere Situation ist damit nicht vergleichbar.
Doch da öffnet sich eine Tür (Joh 10,9), um uns im Überlebenskampf gegenseitig wahr zu nehmen? Die Menschen im Süden forderte die Not zum Wachsen ihres Glaubens heraus. Angesteckt von dieser Kraft kamen Missionare von dort zu uns in den Norden. Wegen ihrer mangelnden Sprachkenntnisse bleiben sie uns erst fremd, wie unsere Missionare es bei ihnen waren. Fragen wir sie nach diesen Lebenskräften in der Armut?
Die Tür des Verstehens – hier wie dort – öffnet sich, wenn wir die bekannten Schutzbehauptungen weglegen und uns für das Neue öffnen. Jesus hilft den Jüngern bei diesem Schritt, der wie das Loslaufen der Lämmer in die Welt der Wölfe ist: „Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe.“ (Lk 10, 3). Die Wölfe sehen hungrig auf die Geldbörsen, die deshalb zurückbleiben sollen. Wenn wir uns von der mitempfundene Not der Menschen im Süden leiten lassen, dann teilen wir auch die geldwerten Güter und Erfindungen miteinander und berühren den uns gemeinsam tragenden Boden „ohne Schuhe“ (V. 4 + Ex 3,5)!

Um ihn zu spüren, erinnert Jesus an den Propheten Elija, der seinen Diener zu einer trauernden Mutter schickt: Lass dich nicht aufhalten. Grüße keinen unterwegs und antworte auf keinen Gruß! (2 Kön 4,29) Befremdend? Ja, halten wir die Wirklichkeit der Menschen im Süden in uns lebendig, auch wenn uns unsere Freunde für dumm oder unhöflich halten! In
Straßenexerzitien üben wir das Mitfühlen der Freude und Not anderer, entdecken uns selbst und
Gott, der uns in unserer Not sieht, im neuen Licht. In dieser menschlichen Nähe finden wir zu angemessenem Handeln.
Christian Herwartz SJ
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2 Gedanken zu „Kommen wir uns näher?

  1. Ja, die „Nachhilfe“ für uns hier die aus dem Süden kommt, fehlt gerade ein bißchen insbesondere in Bezug auf Herzlichkeit,Gastfreundschaft Mitmenschlichkeit und Lebensfreude.Wann immer ich aus dem Süden zurückkomme, ist das erste was auffällt ,die deutsche „Meckerkultur“. Über das Wetter ,über Zugverspätungen…etc. Dieses Jahr wird es keine erholsame Auszeit davon geben. Und mein Herz blutet, weil ich auf meinen Reisen wohl ein Stück meines Herzens im Süden gelassen habe. Und auch für die Menschen, die mit ganz anderen Problemen als wir kämpfen müssen.,all das Gute was ich dort erfahren habe. Ja und es waren die Strassenexerzitien, die Ostern für mich reich gemacht haben, die mich auf den Spuren von Maria von Magdala an die Gabenzäune geführt haben, wo ich mit Entsetzen festgestellt habe, dass dort hungrige Menschen schon warteten, während ich die Osterwoche fast mit dem Schmerz verschwendet hätte, keine Ostermesse zu haben. So konnte ich den „Tisch“ an den Gabenzäunen decken. Der eigene Schmerz macht uns so oft blind und lässt uns die Not der Anderen nicht mehr sehen.

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