Abschied von Heinrich genannt „Eiermann“

Gestern haben wir uns von Heinrich (Müller) genannt „der Eiermann“ verabschiedet. „Der Eiermann“ war sein Spitzname in unserer Gemeinschaft, denn einige der migrantischen Mitbewohner konnten seinen Namen nicht aussprechen. Jahrelang kam er regelmäßig zum Samstagsfrühstück und brachte in großer Menge Eier mit aber auch viel anderes. Toilettenpapier ist den Mitbewohnern in besonderer Erinnerung geblieben. Weil er in den letzten Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen war, konnte er nicht mehr zu uns in die Wohnung kommen. Aber zum Sonntagsfrühstück nach der Messe in Sankt Michael, kam er immer wieder. Und brachte was mit: EIER – wenigstens zwei große Packungen. Es ist immer wieder bewegend, welche Facetten von einer Person sichtbar werden, wenn nach einer Beerdigung von einer verstorbenen Person gesprochen wird oder wie bei uns gestern nach dem Gottesdienst in Sankt Michael zur Erinnerung an ihn:

  • Heinrich war sehr großzügig. Es war unglaublich, was aus der großen Tasche immer auftauchte, die er zum Sonntagsfrühstück mitbrachte.
  • Heinrich wuchs in den 1950iger Jahren in einem Heim in Bayern auf. Dort hat er viel Schlimmes erlebt. Hunger war an der Tagesordnung. Er gehörte zur Heimkindergruppe, die sich regelmäßig in Sankt Michael trifft.
  • Heinrich hat sich für vieles interessiert und war in ganz unterschiedlichen Themenfeldern sehr belesen.
  • Heinrich war immer sehr direkt. Man wußte immer, woran man mit ihm war.
  • Heinrich war streitbar. Mit ihm konnte es sehr laut werden und gleichzeitig war er niemals nachtragend.
  • Heinrich war in Spandau als Mitglied der Alternativen Liste in der Bezirkspolitik aktiv. Für die Jüngeren unter den Mitlesenden: Aus der Alternativen Liste ist die Partei der Grünen hervorgegangen.
  • Heinrich war im Erstberuf Gärtner. Er liebte die Natur. Besonders hat er sich an den Geranien auf seinem Balkon erfreut.
  • Sein Zweitberuf war Krankenpfleger. Er war regelmäßig beim Mittwochscafe in Sankt Marien-Liebfrauen dabei und hat viele arme Menschen in gesundheitlichen Fragen beraten. Von ihnen war er hoch geschätzt.
  • Heinrich hatte sich nach schlechten Erfahrungen von der katholischen Kirche distanziert. Er hat sich viele Jahre kritisch mit Kirche und Glaube auseinandergesetzt , u. a. auch im Sonntagskreis von Sankt Michael und hat bei seiner Suche den Glauben neu und anders kennen und schätzen gelernt. Er ist wieder in die katholische Kirche aufgenommen worden und hat regelmässig an Gottesdiensten und Treffen in St. Michael und beim Neokatechumenat teilgenommen.

Wer noch andere Facetten von Heinrich beitragen mag, schreibe in den Kommentaren dazu. Es wird dann hier in den Beitrag kopiert.

 

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3 Gedanken zu „Abschied von Heinrich genannt „Eiermann“

  1. Heinrich hat sich viele Jahre kritisch mit Kirche und Glaube auseinandergesetzt , u.a. auch im Sonntagskreis und hat bei seiner Suche den Glauben neu und anders kennen und schätzen gelernt. Er ist wieder in die katholische Kirche aufgenommen worden und hat regelmässig an Gottesdiensten und Treffen in St. Michael und beim Neokatechumenat teilgenommen.

    Reinhard

  2. Pingback: Danke Heinrich | arm gemacht

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