Berlin – Kastanienallee: Von Häusern und Menschen

Sie ist Inbegriff des ewigen Berliner Wandels: die Kastanienallee, Prenzlauer Berg. Einst Arbeiterkiez, dann Bohème-Quartier, Szenemeile und internationale Touristen-Attraktion. Früher arm, heute sexy. 950 Meter Großstadt zwischen Hochglanz und Tradition.

Vera, eine ehemalige Mitbewohnerin, kam 1990 aus der Schweiz nach Berlin und wohnte einige Monate in unserer WG. Dann zog es sie nach Ostberlin in den Prenzlauer Berg. Als Fotografin hat sie historische und aktuelle Fotos zu dieser sehenswerten Dokumentation beigetragen, die in der  Mediathek des RBB  abgerufen werden kann.

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geschenkt: fünf Kilo Quark

 

Als Anfang des Monats der Lockdown light in Kraft trat, hat ein 5-Kilo-Eimer Quark seinen Weg zu uns gefunden. Daraus wurden mehrere Quarkspeisen, Quarkkuchen, Quarkstrudel und Kräuterquark als Beilage für Pellkartoffeln. Wir haben uns sehr über dieses leckere Geschenk gefreut und wünschen dem unbekannten Geber, der es nicht mehr verwenden konnte und durfte, dass er gut durch die Corona-Zeit kommt. 

 

 

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Zuflucht in Zeiten von Corona (Psalm 91)

Manche Gedanken und Impulse für Blogposts liegen länger im Entwürfe-Ordner. Einige reifen, andere werden gelöscht – dann und wann scheint einer aktueller als zu der Zeit als man ihn ursprünglich entdeckte und ablegte. So ging es mir mit einer Neufassung von Psalm 91, die ich vor mehr als zwei Jahren bei Conny, einer Freundin unserer Gemeinschaft, entdeckte und kopierte.

Psalm 91 kommt täglich im Abendgebet der Kirche (Komplet) vor und wird bei jüdischen Beerdigungen gesprochen. Er paßt gut in diese Jahreszeit, in der Christen den Ewigkeitssonntag / Christkönigssonntag begehen, auf Advent und Weihnachten zugehen und in der Juden sich auf das Chanukka-Fest vorbereiten:

Dass deine Flügel über uns sich breiten,
und Schatten spenden in der Glut.
Dass wir nicht irre geh’n in dunklen Zeiten:
Gott, gib uns Zuversicht und Mut.

Dass wir geschützt sind
vor dem Pfeil der Lüge,
vor Falschheit, vor Betrug und Gier.
Und dass wir aufsteh’n
gegen Hass und Kriege:
Die Kraft dazu erbitten wir.

Dass auf der Welt Vernunft
und Rücksicht walten,
dass nie ein Mensch mit Menschen spielt,
dass wir die Erde pflegen und gestalten
als Garten Gottes, sei uns Ziel.

Dass deine Engel uns auf Händen tragen,
uns retten vor der Feindschaft Pest.
dass mutig wir Versöhnungswege wagen
und uns dein Geist niemals verlässt.

Dass wir wie Kinder uns dir anvertrauen
dass uns niemals die Angst verzehrt,
dass wir am Ende unverhüllt dich schauen
in deinem Reich, sei uns gewährt.

Helmut Schlegel OFM

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Das neue Normal: Sankt Martin 2020

Vertraute und lieb gewordene Traditionen loslassen: Keine Martinsumzüge mit bunten Laternen im Freien, sondern in Kirchenräumen. Auch das traditionelle Martinsspiel der Kindergarten-eltern vor der Sankt-Michaelskirche, zu dem viele ehemalige Kindergartenkinder – teilweise inzwischen schon im jugendlichen Alter – kommen, fällt aus. Und doch: Sankt Martin findet statt. In manchen Straßen ist Sankt Martin mit Bollerwagen und Pferd unterwegs. Die Kinder stehen mit ihren Laternen am Straßenrand oder an den Fenstern. Die Geschichte wird erzählt und Süßigkeiten verteilt (Video hier).  

Auch wir haben gefeiert. Ein Mitbewohner hat uns am Vorabend, unserem wöchentlichen Kommunitätsabend, mit Martinsgänse-hühnerkeulen, Klößen und Rotkohl überrascht. Zum Nachtisch flogen süße Martinsgänse mit Sahnefüllung ein, und wer die Geschichte und das Brauchtum um den Martinstag nicht kannte, konnte darüber mehr an unserem Wohnzimmer-tisch erfahren, auch mit welch unterschied-lichen Techniken Laternen gebastelt werden können und welche Erinnerungen die unter uns, die Sankt Martin als Kinder gefeiert haben, verbinden. Zum G-ttesdienst ließen wir uns von den Gedanken der abendlichen Andacht von Bruder Philipp aus dem Benediktinerkloster Maria Laach online anregen. 

Und immer wieder herausfordernd ist der Text von Christian Herwartz „Martin von Tours: Engagiert die Gleicheit mit dem Nächsten leben“, der für ein Buch über Männerspiritualität entstanden ist und hier nachgelesen werden kann. Er enthält einige weniger bekannte Aspekte aus dem Leben dieses Heiligen wie diesen:

„Als Einsiedler führte Martin ein asketisches Leben der Reinigung. Einige Brüder schlossen sich seiner Lebensweise an. Es entstand eine Gemeinschaft. Martin wurde Abt des entstehenden Klosters Marmoutier und damit zur einem Pionier des gallischen Mönchtums. Das Volk in Tours entdeckte ihn. Sie spürten seine königlichen Leitungsfähigkeiten, mit denen er aus einer inneren Klarheit heraus Entscheidungen fällte und sich der Sorgen seiner Mitmenschen annahm. Auch als Bischof lebte Martin in einer Einsiedelei und blieb seiner monastischen Berufung treu. Seine Neigung zum kontemplativen Leben und die Demut eines Mönches halfen ihm bei seinen pastoralen Verpflichtungen. Dabei lag ihm besonders die Heilung der Kranken am Herzen, wie Sulpicius Servus immer wieder erzählt.“

 

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Corona läßt frösteln …

… ist ein Artikel in der taz von heute überschrieben, auf den hier aus verschiedenen Gründen hinweisen. Unsere Gemeinschaft ist seit vielen Jahren mit der Gemeinschaft Brot des Lebens befreundet, die in diesem Winter an drei Standorten Notübernachtungsplätze für Obdachlose anbietet. Im Artikel wird die Situation in St. Pius beschrieben. Dort dürfen wir die Räumlichkeiten der Notübernachtung im Sommer immer wieder für Exerzitien auf der Straße nutzen. Zuletzt waren wir mit einem Kurs Ende August dort und konnten ausprobieren, wie Straßenexerzitien unter Corona-Bedingungen stattfinden können.  

 

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Interreligiöses Friedensgebet November 2020

AKTUELL: Auf Grund der Corona-Pandemie haben wir seit April 2020 nicht zum interreligiösen Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt eingeladen. Am ersten Sonntag des Monats zwischen 15 und 16 Uhr sind Sie aber herzlich eingeladen, Ihre Wünsche und Hoffnungen für eine friedliche Welt in Worte zu fassen oder ins stille Gebet zu gehen – wo auch immer Sie sich aufhalten:

Wenn der Zeitplan zerbricht

Die Macher der Zahlen und Zeiten, die uns den Wechsel von Sommerzeit und Winterzeit verordnen: Diese sind es nicht, die den Zeitgeist steuern könnten! Die Kenner der Zahlen und Zeiten, die uns Abstand, Abwasch und Abwehr verordnen:

Diese sind es nicht, die Anstand und Achtsamkeit gegenüber allem Lebendigen wecken. Die Mächtigen der Zeiten, die Zahlen verwalten und Maßnahmen gestalten:

Diese sind es nicht, die den Hauch des Todes und auch nicht den Atem des Lebens aufhalten. Des Meisters kraftvolles Wort steuert, weckt, gestaltet. Wort ist Zeitansage und Lebenszusage.

Die Meisterung der Lebenszeit geschieht nie als Über-Macht, aber in Kraft, um den Ohnmächtigen zu erheben und die ÜbermächtigTen zu befreien. Das geschieht in diesen Tagen, wenn der Zeitplan zerbricht und die Risse zutage kommen, alljährlich im Übergang von Monat zehn zu elf – nach altem Kalender von acht zu neun.

Daran erinnern die Namen oct. und nov.

Die Monatswende markiert für den abendländischen Kulturkreis seit alters her eine Zeitenwendeund ist durch Ökumene und Weltkirche weltweit bewusst. Lichtgestützt sind die kräftigenden Worte des Thesenklopfers und seiner Tischreden. Sein Weckruf am letzten Oktobertag nistet sich ein im Chor aller Heiligen – durch den alle Seelen wieder zum klingen kommen.

Das wird erinnert nur einmal im Jahr, im Licht des Oktobers bevor der November dämmert, in dessen Halblicht die Umformung geschah und die Umwertung der Werte beschleunigt wurde, wie geschehen im November:

Ein ganzes Zeitalter geht unter mit Weltkriegsende 1918.
Eine Kalte Kriegs Epoche vergeht 1989.
Brandfackeln der Pogromnacht 1938 lodern und sind kein Licht für die Toten.
Ein Leuchten im November 1989 sollte das Pogromfeuer nicht dämpfen.

Heiße Herzen der Bürgerrechtler wärmten das im Kalten Krieg frierende Haus Europa. Und heute? Das Haus Europa friert im Halbdunkel, wenn zu Halloween die Gruselgeister herbeigerufen werden und in grinsenden Schädel-Masken sichtbar sind. So lebhaft zeigt sich der unbedachte Zeitgeist mit Todeshauch und gibt sich zu erkennen als Abstand vom Anstand, als Abkehr und Abschied statt Einkehr in den Lebenskreis, der aus der Quelle des Lebens gebildet, Worte der einhelligen und einsichtigen Weisheit in Indien hervorbrachte und – als des Meisters kraftvolles Wort – steuert, weckt, gestaltet.

‚Lass Glauben in meinen Taten sein. Er ist Wasser, das ins verdorrte Land strömt.
Lass Liebe in meinen Taten sein, sie sät die gute Tat ins tote Land.
Lass Hoffnung in meinen Taten sein, sie ist die ermutigende Vision der großen Ernte.‘

 

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Aktuell: Martin Luther zur Corona Seuche

Vermutlich weil gestern Reformationstag war, hat F.cebook mehrfach ein Zitat von Martin Luther angespült. Als 1527 in Wittenberg die Pest ausbrach sagte er:

„Wenn Gott tödliche Seuchen schickt, will ich Gott bitten, gnädig zu sein und der Seuche zu wehren. Dann will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte meiden, wo man mich nicht braucht, damit ich nicht andere vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tode werde. Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen. Siehe, das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dumm und dreist ist und Gott nicht versucht.“ (Quelle: Luthers Werke, Band 5, Seite 334f)

 

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