„Komm herunter“ vom Buß- und Bettag in der WG

Beim „ENDlich-Festival zu Trauer, Trost und Sterben“ habe ich Anne-Maria Apelt kennengelernt und ihr Buch „Im Einklang mit dem Jahreskreis – ein ganzheitlicher Begleiter“ durchgeblättert. Erstaunt war ich, daß es im Winter mit dem November beginnt, dem Monat, der früher oft als „Totenmonat“ bezeichnet wurde mit „Allerheiligen“ am Anfang des Monats und dem „Totensonntag“ (heute: Ewigkeitssonntag) am Ende – direkt vor Beginn der Adventszeit.

Mein Blick blieb bei der Kapitelüberschrift „Seelenhygiene – Buß- und Bettag“ hängen. In einer katholischen Gegend aufgewachsen, war der Buß- und Bettag – damals als einziger evangelischer Feiertag – ein schulfreier Tag. Inzwischen ist er – außer in Sachsen – für die Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft worden.

In unserer Wohngemeinschaft ist die (relative“ Mehrheit der Bewohner derzeit evangelisch. Wie wäre es, sich die Grundidee vom Buß- und Bettag an unserem Gemeinschaftsabend miteinander anzuschauen und daraus etwas zu entwickeln, was für alle in ihren jeweiligen Traditionen (derzeit christlich, jüdisch und muslimisch) etwas sagt.

Zur „Feier des Lebens“ – wie ich den Gottesdienst am Ende des Abends nenne, kamen dann verschiedene Stränge zusammen.

Eine erzählte von einer Buß- und Bettagserfahrung aus ihrer Kindheit. Beim unerlaubten Fußballspielen im Internat war sie unglücklich gestürzt und wurde trotz großer Schmerzen nur mit Salbe und Binde versorgt. Erst drei Tage später – am schulfreien Buß- und Bettag – wurde sie ins Krankenhaus gebracht. Das rechte Handgelenk war gebrochen. Die Folgen wirken bis heute nach. Die rechte Hand ist schwächer. Sie braucht Hilfe beim Schneiden von Kürbissen, Quitten … Langzeitwirkung des Fehlverhaltens erwachsener Verantwortlicher und Verkettung unglücklicher Umstände.

In der Bibel ruft der Prophet Jona (im Islam: Junus) die Bewohner von Ninive wegen ihres schlimmen Lebenswandels zu Umkehr und Buße auf. Fasten- und Bußtage gab es auch im Mittelalter in Mitteleuropa wenn etwa ein Krieg drohte oder Seuchen (Pest) ausbrachen.

Uns regte die Geschichte von Zachäus an. In der Stadt Jericho war er als Zollpächter zu Reichtum gekommen als Kollaborateur mit der römischen Besatzungsmacht und bei der Bevölkerung unbeliebt.. Er hört, daß Jesus in die Stadt kommt und will ihn sehen. Er ist kleinwüchsig und klettert an der Straße, an der Jesus vorbeikommen wird, auf einen Maulbeerbaum. Jesus bleibt vor dem Baum stehen und spricht ihn an: „Zachäus, komm herunter. Ich muß heute in deinem Haus zu Gast sein“. …

Komm herunter: Eine Einladung – eine Auforderung für jede/n von uns. Von welchem Baum sind wir – jede/r von uns – eingeladen herunterzukommen? Wie heißt mein Baum? Welchen Baum darst Du hinter Dir lassen? Den Baum der Überheblichkeit? Den Baum der Schüchternheit? Den Baum der Konfliktvermeidung? Der Mutlosigkeit,.. der Scham … der Bitterkeit …

In der Stille und mit Musik überlegen wir mit Anregungen von Huub Osterhuis, was wir loslassen, hinter uns lassen wollen, dem Rauch anvertrauen und mit ihm aufsteigen lassen wollen.

„Was ich gewollt“
Was ich gewollt,
was ich getan,
was mir getan,
was ich vertan hab,
was nicht gesagt,
was unversöhnt,
was nicht erkannt,
was ungenutzt blieb,
all das Beschämende,
nimm es von mir.
Und dass ich dies war
und kein andrer –
dieser Rest an Erdenstaub:
dies ist meine Liebe.
Hier bin ich.

Text: Huub Osterhuis

Das Buch „im Einklang mit dem Jahreskreis“ schlägt vor, mit Salbei zu räuchern. Salbei hat eine desinfizierende, entzündungshemmende und reinigende Wirkungen. Für uns war es eine neue Erfahrung zu einem anderen Anlaß als dem Besuch der Sternsinger zu räuchern. Wir haben dazu weißen Salbei verwendet.

M., die als Besuch dabei war, hat uns dann noch Segenswünsche zugesprochen:

Gott, segne uns mit dem Vertrauen, daß Du Bitten hörst.
Segne uns mit der Hoffnung, daß Du uns gibst, was wir brauchen.
Segne uns mit der Freude an allem, was Du uns schenkst.

Zum Weiterlesen:
Apelt, Anne-Maria und Schweiger, Nicole: Im Einklang mit dem Jahreskreis. Ein ganzheitlicher Begleiter. Rituale, Feste und kreative Ideen in Verbundenheit mit der Natur, adeo Verlag

Verlinkt beim Karminrot-Blog

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