Lachendes und weinendes Auge

Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich Abdulla in der AGB (Amerika-Gedenk-Bibliothek) kennengelernt. Einige Monate kam er dann oft zum Samstagsfrühstück bis er eine Arbeit als Integrationslotse bekam und eine Erzieherausbildung begann. In unseren Gesprächen sprach er immer wieder darüber, wie sehr er seine Frau und die beiden Kinder (10 und 12 Jahre), die er seit mehr als zwei Jahren nicht mehr gesehen hat, vermißt.

In der taz von vorgestern heißt es:

„Die Aufregung war groß: Wer darf kommen? Und vor allem wie viele? Über kaum ein migrationspolitisches Thema war vor und in den Koalitionsverhandlungen so heftig gestritten worden wie über den Familiennach-zug für subsidiär geschützte Geflüchtete. Nun wird die Aufregung von der Realität eingeholt – und relativiert. Im August wurden 853 Anträge auf Familienzusammen-führung eingereicht, 65 davon bekamen einen positiven Bescheid, 42 Personen erhielten ein Visum.“  mehr dazu hier.

Zwei davon sind die beiden Kinder von Abdulla, die Ende August in Berlin angekommen sind. Seine Frau wartet noch immer.

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Auf der Straße …

Auf der Straße – Foto: Julian Röder

heißt ein Theaterstück, das derzeit im Berliner Ensemble gespielt wird und in dem Gabriele, eine Freundin unserer Wohngemeinschaft als Mitglied des Chors „Different voices of Berlin“ mitwirkt.

„Auf der Website heißt es: „Auf der Straße“ untersucht das Thema der Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit in Berlin. Was passiert mit einem Menschen, der sein Zuhause und damit seinen Schutzraum verliert? Inwiefern bedeutet der Verlust von Wohnraum den Verlust von Existenz? Warum sind Menschen, die Hilfe benötigen, sich selbst überlassen – in einem der reichsten Länder Europas? Was treibt eine Gesellschaft dazu an, sich zu entsolidarisieren? Und was hat diese Entwicklung mit jedem Einzelnen von uns zu tun?

Von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffene Menschen entwerfen gemeinsam mit SchauspielerInnen des Berliner Ensembles verschiedene Perspektiven auf dieses Thema – Schlaglichter einer gesellschaftlichen Debatte, die sich im Kern um die Fragen nach einem sozialen Miteinander und einer solidarischen Gesellschaft dreht.“

An folgenden Tagen um 20.00 Uhr kann man das Stück ansehen: Di 18.9., Do 20.9., Fr 21.9., Di 25.9., Sa 27.10. und So 28.10.

Auf der Website kann man noch mehr erfahren. Das Foto habe ich von dort entnommen.

Einladung zur offenen GFK-Gruppe

Einer der Freunde unserer WG hat in Amerika bei Marshall Rosenberg die gewaltfreie Kommunikation (kennen-)gelernt. Vor längerer Zeit hat er uns einen Einführungsabend geschenkt und seitdem gibt es im Gemeindezentrum von Sankt Michael in Kreuzberg immer am zweiten Mittwoch im Monat, also am 12. September einen offenen Übungsabend, zu dem jede/r Interessierte dazu kommen kann. Praktische Beispiele aus dem Alltag von einzelnen Teilnehmenden haben immer Vorrang. Ansonsten hat Tom reichlich Themenvorschläge dabei. Ein einführender Text von ihm ist hier. Das Gemeindezentrum von Sankt Michael ist in der Dresdner Straße 28 in Kreuzberg. Wir beginnen um 19.00 h. Weil wir am Anfang einen kurzen meditativen Impuls haben, empfiehlt es sich, etwas früher zu kommen.

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet – September 2018: Grenzen überschreiten – Brücken bauen

Alle sind willkommen
All are welcome
Hoffnung für Frieden
Hope for Peace

innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

auf dem Gendarmenmarkt

Sonntag, 2. Sept. 2018 um 15:00 Uhr (Nähe Deutscher Dom)

Grenzen überschreiten – Brücken bauen

Wir treffen uns zum Interreligiösen Friedensgebet am 1. Sonntag eines jeden Monats. In diesem Jahr ist es der 2. September, der Tag nach dem Ausbruch des
Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939. Weltweit wird der 1. September als Weltfriedenstag gefeiert. Weil seitdem nicht wieder ein Weltkrieg ausbrach, sind wir ermutigt und danken dem Gott des Lebens und den Zeugen der Gerechtigkeit und des Friedens und der Bewahrung der Schöpfung. Einen wesentlichen Anteil daran haben die Bewegung der Religionen für den Frieden, die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte der UNO und die Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Von hier kamen die Aufrufe zu einem Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden
und Bewahrung der Schöpfung. Darauf haben sich Kirchen und Christen verpflichten
lassen. Sie sind durch die steigende Solidarität der Weltreligionen bestärkt worden,
ihre Spiritualität als Energie, Antrieb und Motiv für Körper, Geist und Seele
wirken zu lassen zum Wohl der Menschen. Wir haben dabei gelernt, dass das Leben
an den Rändern der Gesellschaft die entscheidenden Erfahrungen vermitteln kann.
Um dorthin zu gelangen, werden Grenzen zu überschreiten sein, die die Gesellschaft,
Politik oder auch die Religionen errichtet haben. Im Wissen um die Macht der
Ohnmächtigen, werden von ihnen Brücken zu errichten sein, um eine Welt des
gerechten Teilens und des Austauschs und damit des friedensbereitenden und
friedfertigen Lebens möglich zu machen.

Im Licht des Weltfriedenstages am 1. September erkennen wir schuldaft unsere
Ungeduld gegenüber Flüchtlingen, die ihren ungerechten und friedlosen
Verhältnissen zu entkommen suchen. Auch sie müssen dazu Grenzen überschreiten.
Bauen wir ihnen gemeinsam Brücken der Solidarität, damit sie bei uns an ein neues
Ziel gelangen, welches sie einlädt, sich zu beteiligen an einem Prozess des Lernens
und Erlebens von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Meinem Gott von ganz unten …

Gestern beim Gottesdienst am Ende des Kommunitätsabends hat uns ein Gebet, das Franziska formuliert hat, sehr bewegt. Sie war 2015 bei uns in der WG zu Straßenexerzitien. Das Gebet ist schon 2003 entstanden:

Gott, wenn Menschen mir das Flaschensammeln verbieten,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld 
Gott, wenn ich in der Stunde nur 50 Cent verdient habe,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich das wenige Geld dann auch noch verliere,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich den Sinn meines Tuns auf einmal in Frage stelle,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich trotz Öffnungszeit der Kleiderkammer weggeschickt werde,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich von kirchlichen Vertretern nur als Almosenempfänger behandelt werde,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich die Essensausgabe nur als Abspeisen erlebe,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn Menschen mich von oben herab behandeln, nur weil ich um ein Glas Wasser bitte,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn mir Seife und Toilettenpapier vorenthalten werden,
weil ich von der Strasse komme,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld
Gott, wenn ich vor Wut über solche Art von christlicher Nächstenliebe koche,
– schenke mir Freundlichkeit und Geduld …

der ganze Text steht hier