Kloster Siessen: danke für 22 Jahre

Beim Morgengebet erzählte Schwester Annette, daß sie mit Schwester Ingrid telefoniert hat, denn heute auf den Tag genau sind es 22 Jahre, daß es die Kommunität in Berlin gibt. Wir sind dankbar dafür: Für die große Unterstützung in so vielen Situationen und in den unterschiedlichen Bereichen. Ich kann mir die WG Naunynstraße gar nicht vorstellen ohne die Hilfe von Schwester Ingrid, Schwester Annette und jetzt auch Schwester Rita – sei es durch die Tafel, praktische Hilfen, Gespräche mit den unterschiedlichen Bewohnern …  Hier ist die Website der Kommunität Kreuzberg. 

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Feste feiern … wie sie fallen: Franziskusfest und Sukkot

… und im Moment fallen einige Fest- und Feiertage an, weil wir aus und mit unterschiedlichen religiösen Traditionen leben. Gestern hatte unser Mitbewohner Franz Namenstag und wurde reichlich gefeiert mit Glückwünschen, Geschenken, Kuchen. Von einer Kindergartenkindergruppe wurde er in die Mitte genommen, bekam ein Herbstlied gesungen mit einem Tanz. Das absolute Highlight war ein Anruf von Schwester Ingrid. Am Abend waren wir bei den Franziskanerinnen um die Ecke zu einer Messe und anschließendem Essen zu Ehren des Ordensgründers und aller Namenstagskinder eingeladen.

Dach einer Laubhütte

Wegen des am gleichen Abend beginnenden Laubhüttenfestes (Sukkot) mußte ich etwas früher gehen um rechtzeitig zum G-ttesdienst, zum Essen und Beisammensein in der Synagoge zu kommen.

Infos zum Laubhüttenfest sind hier.

3. Oktober: Mahnwache vor dem Abschiebegefängnis

Auch in diesem Jahr findet am 3. Oktober eine Mahnwache vor dem alten Abschiebegefängnis auf dem Gelände des Flughafens Berlin-Brandenburg statt:

Eine Stunde danken wir vor der Asylunterkunft im alten Abschiebegefängnis, im Gegenüber der Schutzsuchenden, unserer Geschwister, für die uns geschenkte Einheit.

Wir denken nach über unsere Wirtschaftsgewinne,
erniedrigende Handelsabkommen, Rohstoffbedürfnisse
und die uns reich-machenden Waffenverkäufe.

Das sind einige Gründe für ihre Verarmung,
viele Kriege und jetzt ihrer Heimatlosigkeit.

am 3. Oktober 2017 von 15 bis 16 Uhr

Wir sehen auf die Wirklichkeit der Schutzbedürftigen,
ihr wollen wir uns stellen und darüber ins Gebet finden.

Herzliche Einladung zum Bedenken der Einheit
mit allen Menschen, die in Deutschland Schutz suchen.

Weitere Infos (Ablauf und Anfahrt) sind hier.

Einladung zum Interreligiösen Friedensgebet Oktober 2017

Interreligiöses Friedensgebet
in Berlin am 1. Oktober 2017 um 15.00 Uhr
Gendarmenmarkt vor dem Deutschen Dom

Menschenverachtende Abschirmungen
und 15 Jahre Interreligiöses Friedensgebet

Am Beginn des Monats Oktober wollen wir zunächst erinnern an die erste Zusammenkunft des Interreligiösen Friedensgebetes Berlin vor 15 Jahren. Betroffen müssen wir feststellen, daß die Spirale der Gewalt ihre Sogwirkung erst recht entfaltet, seitdem der Widerstand der Friedenswilligen sich betend und sprechend, singend und schweigend erhebt. Die hinter uns liegenden Jahre führten uns zur Solidarität mit der Mahnwache, die sich in diesem Jahr wieder am Tag der Deutschen Einheit aufstellt für Menschen auf der Suche nach dem rettenden Asyl vor dem ehemaligen Abschiebegefängnis auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld. Wir geben ihnen ein Zeichen der Verbundenheit mit ihrem Verlangen, daß Gerechgtigkeit und Frieden sich ausbreiten.

Wir nähern uns neu der Geschichte der vergangener Jahre, auch den Geschenissen unserer Tage. Indem Menschen zu uns kommen aus ehemaligen europäischen Kolonialländern, erkennen wir zunehmend die schuldhafte Ausbeutung ihrer Reichtümer, die unseren Wohlstand ermöglichen. Die Waren sind uns lieb, die betroffenen Menschen weisen wir drastisch zurück:

Ihre Länder werden zum Gefängnis durch unsere Abschottungspolitik:

– Die Retter von ertrinkenden Menschen im Mittelmeer werden verurteilt
– Diktatoren werden unterstützt, wenn sie fliehende Menschen zurückzuhalten
– Menschen sind genötigt kriminelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um zu
entkommen
– Menschenhandel wird zum vermeintlichen Ausweg, der eigenen Familie
zu helfen
– Erniedrigend ist der aufgewungene Freihandel, der ihre Not verschärft
– Ganze Länder – nicht nur der Kongo – trotz reichhaltiger Rohstoffe verarmen
– Mit Waffenverkäufen in Kriegsgebiete werden wir reicher……und ernten Verlust

Wann gestehen wir ein, daß wir schuldig werden vor Gott und den
Menschen ? Wann erkennen wir die Schutzsuchenden als unsere Geschwister?
Wann verlassen wir die Schleichwege der wachsenden Wirtschaftsgewinne ?

Friedensgebet und Mahnwache helfen uns, dass wir uns vorbehaltlos zu den Notleidenden stellen und mit ihnen in das notwendende Gebet finden. Umgeben von den Stimmen aus den Religionen erwarten wir nicht das Eindringen in eine göttliche komfortable Welt. Dieser religiöse Traum wird von der christlichen Botschaft allerdings durchkreuzt. Diese verlagert Weg Wahrheit und Leben nicht in eine göttliche Komfortzone, sondern solidarisiert unterwegs mit den Notleidenden auf dem Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe auf dem Weg zu Gerechtigkeit und Frieden und Bewahrung der Schöpfung .

Alle sind willkommen. You all are welcome. Hoffnung für Frieden. Hope
for Peace.
Innehalten. Schweigen. Sprechen. Singen. Beten
Pause for a moment. In silence. Speakinmg. Singing. Praying
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Erntedank: Rot, rot, rot …

… quoll es uns gestern im Gemeindesaal von Sankt Michael entgegen als wir das Erntedank-essen vorbereiten wollten. Das Tiefkühlfach im Kühlschrank hatte Stromausfall. Beerenfrüchte aller Farbschattierungen waren angetaut und die Packungen teilweise aufgerissen. Eine veritable Sauerei. Ein großer und ein mittelgroßer Topf konnten befüllt werden. Hilfreiche Hände unterstützten mich beim Transport. Schwester Rita nahm etwas ab, und von dem, was bei uns stand konnte ich an die 30 Gläser Marmelade einkochen: Himbeer-Pfeffer-Balsamico, Erdbeer-Rosmarin-Balsamico, Beerenmix mit Dattelsirup und Beerenmix mit Agavensirup. In den letzten Wochen hatte ich gelegentlich bedauert, daß wir dieses Jahr fast keine Beeren zum Einkochen bekommen haben. Jetzt übernimmt ROT die Führungsposition im Marmeladenregal.

Beim gemeinsamen Essen erzählte ein syrisch-orthodoxer Priester von der Flüchtlingsarbeit seiner Gemeinde unter Syrern. So erfuhren wir, wie unterschiedlich die Situation in den verschiedenen Landesteilen ist. In den letzten Monaten haben wir immer beim Sonntagsfrühstück für dieses Engagement der syrisch-orthodoxen Gemeinde Geld gesammelt und hatten jetzt die Gelegenheit es zu übergeben.

Knoblauch-Zahn oder: Armut hat viele Gesichter

Ich stehe am Herd und mache Kartoffelbrei. Ein Besucher stellt sich neben mich und entzündet die Flamme rechts von der ich arbeite. Er hat etwas Weisses in der Hand, das er über die Gasflamme hält und knetet. Ich sehe es mit halbem Auge und frage interessiert: Was machst Du denn da? Er hält seinen Kopf gesenkt und antwortet: „Ich knete eine Knoblauchzehe weich. Die tue ich mir dann so in den Mund, daß man meine Zahnlücke nicht sieht.“