Abschied von Michael

Am 16. April 2016 haben wir mit einem großen Fest Christians Geburtstag, seinen Abschied und die Weitergabe der Verantwortung gefeiert. Christian schrieb dazu:

In der Feier übergab ich mitten unter den versammelten Bewohnern und Unterstützern die beiden Seitenteile unseres Wohnzimmertisches an Iris und Michael als Zeichen der Übergabe der Verantwortung (Mehr dazu hier).

Michael, der seit April 2015 jede Woche zwei Tage von Münster nach Berlin gekommen ist, hat uns Ende April bei einem Kommunitätsabend gesagt, daß er sich aus der Naunynstraße zurückzieht. Dem war ein langer Prozess intensiven Ringens vorausgegangen. An diesem Tisch werden wir auch den Abschied von Michael begehen.

Michael schreibt:
Zum Sonntag, den 9, Juli 2017 lade ich Euch in die Naunynstr. ein.
Ab 14.00 Uhr soll dort Zeit sein, mir Adieu zu sagen, Euch von mir Auf Wiedersehen sagen zu lassen, miteinander zu essen und so Gottes Dienst an uns zu feiern.

Besuch aus Papua Neuguinea

Vor zwei Jahren hat Horst, ein evangelischer Pfarrer aus Bayern, zwei Wochen bei uns Straßenexerzitien gemacht. Vor einigen Monaten rief er an und erzählte, daß seine Gemeinde Besuch von Christen aus Papua Neuguinea bekommt, einer der Partnerkirchen der Bayrischen Landeskirche.  Zum Kirchentag würden sie in Berlin sein und gerne an einen der folgenden Tage zu uns in die Wohngemeinschaft kommen um Lebensformen kennenzulernen.

Wir verbrachten zwei sehr anregende Stunden. Für die Papuas war der Gedanke fremd, daß Menschen unterschiedlicher Religionen zusammenleben ohne missionarische Absichten. In ihrem Land ist das Christentum erst seit einigen Jahrzehnten bekannt und für viele bedeutet es Befreiung vom Geisterglauben. Am Schluß unserer Zusammenkunft haben wir gesungen (auf Pidgin) und in mehreren Sprachen das Vaterunser gebetet.

Inspirierendes Pfingstfest

 

 

 

 

 

 

Bild: Sybille Kramer-Tezzele

Allen, die es feiern wünschen wir ein frohes, dynamisches und inspirierendes Pfingstfest mit einem Gedicht von Wilhelm Bruners:

Pfingsten

Die Nacht war voller Musik
Tanz und Gesang
Die Tora hatten sie studiert
die alten Weisungen neu gehört
Auf dem Berg
waren sie gewesen
Die Stimme hatten sie gesehen

Jetzt taumelten sie in den Tag
noch blind von der ersten Sonne

Einige blieben
bis das Licht zum Feuer wuchs
der Wind zum Sturm
und sie ins Gebet trieb

in die Preisung
mit allem

Einige von uns waren gestern im Pfingstgottesdienst in Sankt Michael und beim anschließenden Frühstück. Dort war das Pfingstgedicht dann Ausgangspunkt für unseren Austausch. Die Jünger kamen 50 Tage nach Pessach nach Jerusalem zum Wochenfest Schawuot, an dem die Gabe der Torah am Sinai gefeiert wird. Das schlägt sich im Satz „die Stimme hatten sie gesehen“ nieder, denn im Torahabschnitt (Exodus 24) ist vom „Sehen der Stimme“ die Rede, also einer Gleichzeitigkeit einer Hör- und Seherfahrung. Dies nimmt die neutestamentliche Pfingsterzählung auf, wenn vom Brausen (Hörerfahrung) und den Feuerzungen (Seherfahrung) die Rede ist.

Mehr zum Wochenfest Schawuot

interreligiöses Friedensgebet im Juni 2017

Der Geist des Friedens überwindet Ängste
und die Grenzen zwischen den Menschen

Mahnwache und Interreligiöses Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt am Sonntag, 4.6.2017 um 15.00 Uhr

Der Glaube an den menschenfreundlichen Gott ermutigt zum Handeln für eine menschen­freundliche Welt. So werden Kräfte freigesetzt, die sich von der Quelle des Lebens herleiten und zur Angelegenheit des Herzens und der Vernunft werden. Alle Sinne werden geweckt für eine neue Sicht der Dinge. Religiös eingestimmte Menschen nehmen sogar die erblühte Natur als Sinnzeichen des Glaubens.

Da wird Pfingsten ein Fest für alle Sinne, auf das wir uns schon eingestimmt sind:

Auf die Woche der Brüderlichkeit folgte eine Europawoche, danach wurde der Reformations-Sommer eröffnet und die Christen feierten mit den Anhängern vieler Religionen in Berlin und Wittenberg einen ‚Weltkirchentag‘.

Zum heutigen Pfingstfest leitet uns das geschichtliche Langzeitgedächtnis nach Jerusalem, wo Juden und Christen im Kreis der Völker die Vergewisserung erlebten. Sie vernahmen die Einladung zum Leben mit Gott, der Freiheit zur Gestaltung der Lebenswelt schenkt und die lebensfeindlichen Ordnungsmächte nicht länger gewähren lässt. Auch damals ermutigte der Geist Gottes schon die Menschen zur Bewahrung der heiligen Gabe des Lebens. Er gibt auch heute die Einsicht für die Lebenszusagen, die allen Menschen gelten,wenn sich europaweit Bündnisse bilden, die nach dem Pfingstfest dem Gipfeltreffen der G 20 begegnen werden.

Wir nahmen bei unserem Vorbereitungsgespräch das Anliegen des Europäischen Pfingsttreffens auf, das sich zu Pfingsten in Essen /Ruhrgebiet trifft. Priester und Pfarrer haben sich als Arbeitergeschwister bezeichnet. Sie tragen solidarisch mit an der Last der Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz – und auch anderswo in der Gesellschaft – übergangen werden. Als Abgehängte wären sie den Ängsten um ihr Überleben überlassen und dem Geschäft mit der Angst ausgeliefert. Sie sind ein Teil der Schutzsuchenden aus fremden Ländern, die sich – unseligen Angedenkens – mitten unter uns dennoch als ‚Fremdkörper‘ behandelt sehen. So wächst in allen Ländern Europas die Anzahl der Menschen, die in dieser prekären Situation unsicher und auf wankendem Grund leben. Das ist der umheimliche Nährboden, auf dem sich der Terrorismus in Symbiose mit dem zerstö­rerischen Bazillus des völkischen Nationalismus erheben kann und es öffnet neu sich der Abgrund zerstörerischer Gewalt. Es ist ganz vernünftig und vom Verstand her geboten, dass wir uns den Ängsten bei ihnen und unter denen, die sie auslösen, entgegenstellen.

Wir wissen um die kriegerische Geschichte in unserer Stadt, deren Logik von friedenswilligen Menschen und verständigungsbereiten Politikern unterbrochen wurde. Wir treten ein für die Vision einer Union Europas, die vor fünf Jahren den Friedensnobelpreis erhielt. Wir ermutigen uns betend, daß der Lebensgeist Gottes zu geschwisterlicher Partnerschaft und zu friedfertiger Solidarität die Herzen erreicht, der zur Vernunft befähigt und alle Sinne befreit.

Kirchentagsimpressionen (1)

Wolfgang, der uns oft besucht und auch ein regelmäßiger Gast beim Samstagsfrühstück ist, hat einige Eindrücke zusammengestellt. Er schreibt:

Du  siehst    mich“  ist der Slogan  des 36.  Deutschen   Evangelischen  Kirchen-tages, der zur Zeit in  Berlin, Potsdam und  Wittenberg stattfindet. Von   Norden und  dem   Süden, aus dem  Westen  und  Osten kommen die Teilnehmenden und zwar aus 108 Ländern   nehmen  am  teil.  Es ist ein  generationsübergreifender  Kirchentag. Erkennen   tut  man  die Kirchentagsbesucher an  ihren orangen Kirchentagsschals. Sie  prägen  das  Stadtbild Berlins.

Auf  dem  Messegelände  findet  der   Markt  der Möglichkeiten  statt.  Ökumene  wird groß  geschrieben ,was gemeinsame  Veranstaltungen betrifft. Bibelarbeiten, Gottesdienste sowie andere   Veranstaltungen, die das  Erzbistum  Berlin anbietet. Eröffnet   wurde  er  mit  drei  Open-Air -Gottesdiensten auf  dem  Gendarmenmarkt, am Brandenburger Tor und vor dem Reichstagsgebäude. Im Anschluß  fand  der  Abend  der Begegnungen  statt, wo  Kirchengemeinden,  Einrichtungen  und  Organisationen  sich   vorstellten. Fast  200000 Menschen waren unterwegs am Abend der Begegnung. Dieser  schloß mit einem Abendgebet  und mit einem Lichtermeer ab.

2500 Veranstaltungen  werden   angeboten, die beim besten  Willen  nicht  zu  bewältigen  sind. Eine ellenlange Schlange bot sich am heutigen Freitag vor dem Berliner  Dom im  Bezug auf die Bibelarbeit mit dem zum Protestantismus konvertierten Theologen  Fulbert-Steffensky. Hunderte weitere Interessierte harrten vor dem Dom aus, sangen  Lieder mit, die im Gotteshaus gesungen wurden. Anschließend gab sich der  Spitzen-kandidat  der SPD, Martin Schulz, die  Ehre, der sich als einen passiven Katholiken bezeichnet.. Er sprach über die   Glaubwürdigkeit. Laut   seiner Auskunft glauben und vertrauen 15% der Befragten  Politikern, 60% Pfarrern. Einer der Höhepunkte  wird  am heutigen  Freitag  beim  DEKT das Feierabendmahl sein, am  morgigen Samstag Trauungen, die zum ersten Mal  angeboten werden, die   Lange  Nacht der Lichter in  Wittenberg,sowieder Abschlußgottesdienst am Sonntag in  Wittenberg, an  dem auch der amtierende Bundespräsident Steinmeier teilnehmen wird.

Im Gegensatz zu früheren Kirchentagen gibt es hohe  Sicherheitsstufen, was  die  Polizeipräsenz betrifft, sowie was das  Kontrollieren von  Taschen und Rucksäcken.  Kirchentagsbesucher sind auch Konsumenten was das  Shoppen  in  einschlägigen Geschäften wie dem KaDeWe,  Lafayette anbetrifft. Auffallend ist ,wie  bei den vorherigen Kirchentagen auch schon, dass  in  den  öffentlichen  Verkehrsmitteln kaum oder gar nicht  gesungen wird .Ebenfalls fehlt die sogenannte  O-Welle. Hingewiesen wird schon  jetzt   auf den  Katholikentag der  in  der  westfälischen Universitätsstadt  Münster  stattfinden wird  im  Mai  2018.  Dieser steht unter dem Motto: Suche den Frieden und jage ihm nach – in  Anlehnung an Psalm 34. Das  Ruhrgebiet, hier   Dortmund  ist   auch   auf dem  Kirchentag  vertreten. Sie  laden  ein 2019  ins Ruhrgebiet   zum  37. Deutschen  Evangelischen  Kirchentag zu kommen. 2121, so  ist  die  Planung  findet dann  n Frankfurt am Main der 3 ökumenische Kirchentag statt. 

Alle Zeichen stehen auf Kirchentag

Seit gestern wird die Stadt immer voller. Auch bei uns in der WG stehen die Zeichen auf Kirchentag. Conny aus der Schweiz ist schon angekommen. Rana kommt noch heute abend. Und morgen werden Markus aus Köln sowie Ibrahim und Nadine ankommen.

Wer wissen will, wo Strassenexerzitien stattfinden und wo Christian Herwartz und Klaus Mertes zugange sind findet die Infos hier.

Unser Samstagsfrühstück findet – wie immer – von 9.30 h bis 12.30 h statt. Wir sind gespannt, wer vorbeischauen wird.

Am Montag kommt dann noch Horst, ein evangelischer Pfarrer aus Bayern mit einer Gruppe aus Papua Neuguinea vorbei. Horst hat vor zwei Jahren einige Wochen bei uns gelebt.

Besuch beim CAJ-Projekt „viele Sprachen – eine Stimme“

Gestern waren wir zur Eröffnung des Projekts „viele Sprachen – eine Stimme“ von der CAJ-Berlin (christliche Arbeiterjugend) eingeladen, in dem es um die Förderung der interkulturellen Öffnung der CAJ geht. Die WG ist seit über 30 Jahren mit der CAJ verbunden, war doch Michael Walzer (SJ), der als Arbeiterpriester mit Christian Herwartz (SJ) das gemeinsame Leben begann, der Initiator für die Wiederbegründung der CAJ. Heute finden sich in der Berliner und der Luckenwalder Gruppe Christen und Muslime zusammen. Sie sind zwischen 16 und 27 Jahren, mit oder ohne Migrationserfahrung und auch Geflüchtete unter ihnen. Beim Projekt „viele Sprachen – eine Stimme“ engagieren sie sich gegen Mißstände, die ihnen in ihrem Umfeld begegnen. Im Schulprojekt machen sie darauf aufmerksam, daß Jugendliche nicht-deutscher Muttersprache in der Schule bei Klausuren benachteiligt sind und fordern, daß Wörterbücher benutzt werden dürfen und die Bearbeitungszeit für die Schüler nicht-deutscher Muttersprache länger ist. Erste Erfolge konnten bereits in Brandenburg erzielt werden Andere Bereiche ihres Engagements sind die Themen „Wohnen“ und „Arbeit“. Wer keinen sicheren Aufenthaltsstatus hat, hat bei der Wohnungssuche schlechte Karten. Die CAJler, die neben der Schule jobben und migrantisch oder geflüchtet sind, machen immer wieder die Erfahrung, daß sie für die gleiche Arbeit geringere Entlohnung bekommen als deutsche Jugendliche.

Wir wurden gefragt, ob wir als Gemeinschaft von Menschen unterschiedlicher Religionszughörigkeit aus unseren Erfahrungshintergrund einen Beitrag leisten können, damit die Mitglieder der CAJ noch mehr über religiöse Fragen ins Gespräch kommen können. Dazu wurde verabredet, miteinander auszuprobieren, ob interreligiöser Bibliolog oder interreligiöses Bibliodrama für diese Gruppe eine geeignete Form sind.

Es war ein bewegender Abend mit vielen schönen Begegnungen und wichtigen Impulsen.

Zum Weiterlesen:

Schulaktion / Schulprojekt der CAJ
Michael Walzer (1948 – 1986)