grüner Daumen (2)

unser Küchenfenster im August (Foto: Maria Cruz)

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Lesung: Die neuen Leiden des Mädchens Kiều

Stefan Täubner (SJ) hat einige Jahre in der Jesuiten-WG in Kreuzberg gelebt und dort seine Berufung für das Leben mit Vietnamesen entdeckt. Vietnamesische Boat-People waren die ersten Geflüchteten, die in der Naunynstraße mitgelebt haben. Über diese Lebenswelt hat Stefan Täubner einen Roman geschrieben, den er nächsten Sonntag vorstellen wird:


Einladung zur Autorenlesung in Berlin am
5. August 2018

Der Roman: „Die neuen Leiden des  Mädchens Kiều“ (2018) von P. Stefan Taeubner SJ  (Lê Phan)

Termin:  So. 5.8.2018  ab 17:30

Ort.: Im Saal der Kirchengemeinde Corpus Christ, Nähe S-Bahn Landsberger  Alle, Conrad-Blenkle-Str. 64, 10407 Berlin (Eingang Links)


Programm:

17:30 Empfang

18:00
Einführung durch Dr. Trương Hồng Quang
Lesung mit P. Taeubner

Musikalische Umrahmung: Prof. Đặng Ngọc Long (mit der siebensätzigen „KIỀU-SUITE“ für die klassische Gitarre)

„Die neuen Leiden des Mädchens Kieu“ erzählt Geschichten aus einer Lebenswelt, in der Stefan Taeubner seit Jahren zu Hause ist: Aus der Lebenswelt mittelvietnamesischer Flüchtlinge, die von ihren Familien nach Deutschland geschickt werden, um Geld zu verdienen. Solche Flüchtlinge betreut der Autor seit Jahrzehnten als Seelsorger: in seiner katholischen Gemeinde in Berlin, in Justizvollzugseinrichtungen und Abschiebeknästen in ganz Deutschland und Tschechien und in den letzten Jahren schwerpunktmäßig in Sachsen. Kaum jemand war und ist so dicht dran an den Sorgen, enttäuschten Hoffnungen und kleinen Freuden dieser Menschen wie Taeubner…  Die Geschichte des Mädchens Kieu wird im Roman erzählt: In der alten literarischen Vorlage und in der heutigen Form über die Geschichte einer Protagonistin.“ (Marina Mai)

Der Autor: Lê Phan  – Stefan Taeubner SJ geb. 1961 in Hamburg, Mitglied im Jesuitenorden, studierte Philosophie, Theologie und Sozialarbeit arbeitet seit 1996 als Seelsorger für Vietnamesen in Berlin, Tschechien und Sachsen.

Zum Weiterlesen:
Einst abgeschoben – jetzt geweiht  erzählt von Thao, einem Ex-Mitbewohner, der nach Vietnam abgeschoben worden ist und vor einiger Zeit zum Priester geweiht wurde. Stefan Täubner hat ihn aus diesem Anlaß besucht.

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet Juni 2018: Lebenszeichen

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin
auf dem Gendarmenmarkt

Sonntag, 3. Juni 2018 um 15:00 Uhr (Nähe Deutscher Dom)

Lebenszeichen

Am Beginn des Monats Juni schon erfüllt die hochsommerliche Feststimmung und heiße Festlaune unsere Stadt Berlin. Die Religionen feiern ihre so beliebten Feste auf ihren
Höfen unter schattigen Bäumen. Mit Gästen – versteht sich – denn gerade Gäste sind Teil der Menschheitsfamilie – vielleicht entdecken sie sich als Geschwister in der Familie Gottes, wenn sie gemeinsam die Festfreude erleben am Ende des Ramadan oder beim Johannisfeuer und zur Sommersonnenwende?

Vielfältig sind die Einladungen zu den Festen. An vorgerückter Stelle sind Licht und Leben – Essen und Trinken – Lebensfreude und Lebenshilfe. Die Botschaft vom Wachsen und Werden hat uns erreicht. Die Religionen dieser Stadt tragen insgesamt dazu bei, dass wir eintreten ins volle Leben. Das geschieht durch die Schlüsselworte ihrer Botschaften. Wir erleben es in diesen Tagen. Aber wir erfahren auch dieses: Unter den Gästen unserer Sommerfeste befinden sich auch diejenigen, die vom vollen Leben ausgeschlossen sind. Sie sind unter uns als Opfer und Zeugen der dunklen und lebenszerstörenden Kräfte. Sie kommen als Schutzsuchende zu uns. Ein neuer Klang in der traditionellen Feststimmung weckt die Aufmerksamkeit für Stimmen der Verfolgten und Bedrängten. Und dann hören wir deren Aufatmen und sehen die wiederkehrende Hoffnung in ihren Gesichtern. Das Seufzen derer, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, steht unter der Verheißung: ‚…denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.‘

Unter diesem Licht zeigen wir unsere Verbundenheit mit denen, die an Geist und Seele wachsen und werden. Darauf hat der in der Weltgeschichte geachtete Prophet Johannes, genannt der Täufer, hingewiesen. Einem alten Brauch folgend, brennen und glühen deshalb am Johannistag an den Seen und in unseren Parks die Johannisfeuer.
Wachsame Frauen und Männer feiern in den Sommerfesten ihrer Gemeinschaften also nicht den Übergang aus dem längsten Tag in eine romantische Nacht, sondern die wiederkehrende Hoffnung und bleibende Gewissheit:

Das schöpferische Licht in unserer Welt wird nicht abnehmen. Das Feuer der Liebe wird nicht verlöschen. Die Wärme der Barmherzigkeit wird nicht erkalten. Dieses Wissen und Glauben und Verstehen verbindet angesichts aller dunklen Drohkulissen erst recht die Familie der Kinder Gottes. Sie findet sich zusammen bei abnehmendem und zunehmen-dem Licht in allen Religionen. Das ist das Zeugnis des Lebens der Menschheitsfamilie.

Immer wieder in der Bibliothek …

treffe ich Abdulla. Zum ersten Mal sind wir uns an einem kühlen Tag im Herbst in der AGB (Amerika-Gedenkbibliothek) begegnet. Ich setzte mich mit einem Stapel Zeitungen an den Tisch, an dem er Hausaufgaben machte. Er fragte mich etwas zum Unterrichtsstoff und so kamen wir ins Gespräch. Damals wohnte er in einer Flüchtlingsunterkunft weit draußen in Spandau mit Landleuten und beklagte, daß er kaum Möglichkeiten habe deutsch zu üben. So lud ich ihn zum Samstagsfrühstück ein, und er kam oft. Auch Weih-nachten hat er mit uns gefeiert. Inzwischen hat er eine Wohnung im Nachbarstadtteil und wartet darauf, seine Frau und die beiden Kinder nachholen zu können. Seinen Beruf kann er in Deutschland nicht ausüben. In den letzten Wochen kam er nicht mehr, und wir fragten uns schon, was mit ihm los sein mag.

Heute stand er unerwartet in der Stadtteilbibliothek neben mir. Beide haben wir uns über dieses Zusammentreffen gefreut. Er arbeitet am Samstag jetzt immer als Integrations-lotse. Er hilft Geflüchteten, die erst kurz da sind, sich besser hier zurechtzufinden, erklärt, wie das bei den Behörden läuft und wie man Alltagsdinge organisieren kann. Seine Augen leuchten wenn er davon erzählt. Man spürt, mit wie viel Engagement er das macht. Und eine große Freude ist, daß er in zwei Monaten eine Erzieherausbildung beginnen kann. Er möchte gerne mit Jugendlichen im Freizeitbereich arbeiten. Wir freuen uns mit und wünschen ihm und allen Muslimen Ramadan mubarak – einen gesegneten Ramadan.

Heute vor zwei Jahren – und: Uns gibt es nach wie vor

Heute vor zwei Jahren – es war ein Samstag. Es war Christians 73 Geburtstag und wir feierten ein großes Fest mit vielen Gästen. Es war Geburtstag, Abschied und Übergabe zugleich. Dazu hat Christian den Blog-Beitrag „ein Tisch als Zeichen der Gemein-schaft“ verfaßt und auch unser Wohnzimmertisch kam zu Wort. Inzwischen ist viel passiert. Einiges kann man in diesem Blog nachlesen – anderes nicht. Auf jeden Fall war es eine sehr intensive Zeit. Der Weggang von Christian als dem letzten der Gründer der WG war und ist ein Einschnitt. Wie könnte es auch anders sein.

Vor drei Wochen ist im Publik-Forum vom 23. März 2018 der Artikel „eine Arche für Essen“ erschienen, in dem die Willkom-menskommunität der Jesuiten in Essen vorgestellt wird. Leider sind einige Äußerungen mißverständlich und legen für Außen-stehende den Eindruck nahe, daß unsere Wohngemeinschat zwar eine Vergangenheit aber keine Gegenwart hat. Deshalb ist der Redaktion der folgende Leserbrief zugegangen, der leider in der aktuellen Ausgabe vom 12. April nicht abgedruckt wurde:

Sehr geehrte Redaktion,
Der PuFo-Artikel scheint zu meinen, dass es die Wohngemeinschaft in der Naunynstraße nicht mehr gibt und dass nun eine Jesuiten-Kommunität in Essen die Tradition von dort weiterführt.
So heißt es über die beiden Jesuiten:
„Wir stellen uns in die Tradition des langjährigen Miteinander-Wohnprojekts der Jesuiten Franz Keller und Christian Herwartz … Kreuzberg war eine Wohngemeinschaft für Bedürftige aller Art“.
Auch wenn Franz Keller verstorben ist und Christian H erwartz vor zwei Jahren ausge-zogen ist, so führen wir – die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngemeinschaft Naunynstraße, zu denen auch der Jesuit Christian Schmidt gehört, die Traditionen hier am alten Standort in eigener Verantwortung weiter und zwar mit Unterstützung der Jesuiten und auf dem Boden dessen, was seit der Gründung im Jahr 1978 gewachsen ist. Wir freuen uns, wenn das, was hier gelebt wird eine Inspiration für andere ist.
Einen Absatz später schreiben Sie über die zwei Jesuiten in Essen
„Sie wohnen unterm Dach und haben auch einen persönlichen Rückzugs- und
Andachtsraum – anders als im früheren Wohnprojekt in Berlin“
Die beiden Essener Jesuiten haben nicht in der Naunynstraße gewohnt. Es ist auch kein Wohnprojekt, das es „früher“ gegeben hat und somit nichts abgeschlossenes. Bei uns wird nach wie vor jedem geöffnet, der kommt für kürzer oder länger – egal ob jemand um etwas zu essen bittet, eine schwangere Geflüchtete einen Ort braucht oder jemand spirituell auf der Suche ist.
Jede/r kann uns im Rahmen unseres wöchentlichen Samstagsfrühstücks von 9.30 bis 12.30 h kennenlernen. Unser virtuelles Wohnzimmer ist hier:
Mit freundlichen Grüßen
Zum Weiterlesen:

Jom haSchoah: jeder Mensch hat einen Namen

Heute ist Jom haSchoah, der Tag an dem an die 6 Millionen Juden erinnert wird, die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Vor dem Gemeinde-zentrum der jüdischen Gemeinde zu Berlin findet die Lesung der Namen der ermordeten Berliner Juden statt.

Jeder Mensch hat einen Namen
(Lechol isch jesch schem)

Jeder Mensch hat einen Namen
den GOTT ihm gegeben
den Vater und Mutter ihm gegeben.

Jeder Mensch hat einen Namen,
den seine Gestalt und sein Lächeln ihm geben.

Jeder Mensch hat einen Namen,
den das Gebirge ihm gibt
und die Wände, in denen er lebt.

Jeder Mensch hat einen Namen,
den seine Sünde ihm gibt
und die Sehnsucht, die sein Leben prägt.

Jeder Mensch hat einen Namen,
den seine Feinde ihm geben
und den seine Liebe ihm gibt.

Jeder Mensch hat einen Namen,
den seine Feste ihm geben
den seine Arbeit ihm gibt.

Jeder Mensch hat einen Namen
vom Kreislauf des Jahres
und von seiner Blindheit ihm beigelegt.

Jeder Mensch hat einen Namen,
den das Meer ihm gibt
und schließlich auch der eigene Tod

Zelda Schneersohn Mishkovsky (1914-1984)