Dieter Kirschner – 1. Todestag

Dieter Kirschner

Gestern haben wir beim Sonntagsfrühstück in St. Michael über ihn gesprochen. Heute vor einem Jahr ist er gestorben. Er wird vermißt. Der Nachruf über Dieter Kirschner (Bruder Johannes Kirschner) gehört zu den meistgelesenen Artikeln dieses Blogs. Gerade in den letzten Tagen wurde wieder öfter danach gesucht.

 

x

Segen bringen, Segen sein…

… Frieden! Im Libanon und weltweit ist in diesem Jahr das Motto, unter dem die Sternsinger dieses Jahr unterwegs sind. Sie sammeln für Kinder, die in Flüchtlingslagern im Libanon leben. Der Libanon hat gerade sechs Millionen Einwohner. Im Land leben über eine Million Geflüchtete aus dem Nachbarland Syrien. Während des Samstagsfrühstücks werden morgen die Sternsinger auch zu uns kommen.

Einige von denen, die hier mitlesen, werden sich noch an Schwester Hilmtrud von der Congregatio Jesu erinnern. Sie war Novizenmeisterin ihrer Gemeinschaft und hat ab Herbst 2016 einige Monate in unserer Gemeinschaft gelebt. Eine ihrer Novizinnen war Anna Schenck, die seit Oktober 2019 ihre Tertiatszeit im Libanon verbringt. (Das Tertiat ist die letzte Phase vor den ewigen Gelübden.) Anna arbeitet beim Jesuitenflüchtlings-dienst genau in dem Bereich, für den die Sternsinger sammeln. Erste Erfahrungen von ihrer Zeit im Libanon kann man hier nachlesen.

x

Frühstücksgespräche (3) im Herbst

Unter der Woche frühstücken wir immer um 8.00 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben. Manchmal kommt der eine oder andere Frühstücksgast dazu. Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Anliegen und Positionen ins Gespräch. Im kamen wir über folgende Themen ins Gespräch:

  • Gefahren beim Arbeiten auf der Baustelle
  • Frauenarbeit – Männerarbeit: Wer macht was in unterschiedlichen Gesellschaften
  • Warum sammeln alte Menschen in Deutschland, die im Sozialsystem sind, Flaschen
  • Scham: Wofür schämt man sich
  • Hunger – was bedeutet es als Kind zu hungern und was hat es für Auswirkungen auf das Leben als Erwachsener und auf die Nachkommen (Blockade von Leningrad)
  • Welche Formen von öffentlichen Nahverkehr gibt es und wie funktioniert das
  • Familienkonflikte – die Familie verlassen
  • unterschiedliche Formen sexueller Orientierung und sexuellen Verhaltens und wie verschiedene Kulturen das einordnen und bewerten
  • Wie könnte öffentlicher Nahverkehr organisiert werden damit mehr Leute auf das Auto verzichten
  • Stellenwert von Geschichte im Bewußtsein von Europäern und Afrikanern: Mündlichkeit und Schriftlichkeit von Überlieferungen und die Auswirkungen
  • Wie ist in Deutschland Abtreibung geregelt
  • Was ist Schwangerschaftskonfliktberatung und wie funktioniert sie
  • Warum ist am 3. Oktober in Deutschland Nationalfeiertag
  • Fläche von Deutschland heute, vor der Wiedervereinigung (BRD – DDR), vor dem 2. Weltkrieg, vor dem 1. Weltkrieg
  • Wie wird in unterschiedlichen Kulturen mit Konflikten umgegangen
  • sportliche Aktivitäten einzelner Mitbewohner in unterschiedlichen Lebensphasen
  • was sind Psychopharmaka und wie wirken sie
  • Reisen – wer hat welche Reisemöglichkeiten und womit
  • unterwegs in Südostasien
  • Bericht vom Besuch bei Schwester Ingrid in Siessen
  • „lebenslänglich“ als Haftstrafe – was bedeutet das in verschiedenen Ländern
  • Sklaverei heute
  • Urlaub: Warum haben Urlaubsreisen in Deutschland eine große Bedeutung
  • Auto: Was kostet die Anschaffung und Haltung in unterschiedlichen Ländern
  • Warum Boxen für aggressive Jugendliche ein „guter Sport“ ist und was man dabei lernen kann
  • Psychische Krankheiten / Depressionen: Anlage oder Umwelteinflüsse
  • Erfahrungen mit Schuluniformen
  • Wahrheit – Halbwahrheit – Notlüge – Lüge
  • Antisemitismus
  • Alternativen zur „industrialisierten Landwirtschaft“: Solidarische Landwirtschaft
  • die Jugendtreffen in Taizé früher und heute und wie die bekannten Taizé-Kanons entstanden sind
  • Erwerbslosigkeit und wie es sich anfühlt, dass sie gesellschaftlich unsichtbar ist
  • Venedig – touristisch überfüllt (over-tourism)
  • Was gilt als gutes Benehmen (das gehört sich – das gehört sich nicht) und wie wird es vermittelt und an die nächste Generation weitergegeben
  • Landwirtschaft in Deutschland: Wachsen oder weichen
  • Rinderhaltung im Vergleich
  • Adoption in verschiedenen Kulturen

 

x

vom Netz

Letzte Woche hat unsere Hausverwaltung neue Kabel verlegen lassen für mehr Internet und noch mehr Fernsehsender. Niemand vom Haus wollte und brauchte das, aber rechtlich konnten wir keinen Einfluss nehmen. Nun sind wir seit letzten Mittwoch ohne Internet und ohne Festnetzanschluß. Wie lange – das wissen wir nicht.

Sommerbesuche – Kreuz-und-Quer-Verbindungen

In Berlin sind die Sommerferien bereits vorbei, in anderen Bundesländern sind sie voll im Gange. Bei uns ist es eine Zeit vieler Besuche. Den Anfang machte Jens aus Leipzig im Juli, der unsere Gemeinschaft schon mehr als zwanzig Jahre kennt. Er besucht uns einmal im Vierteljahr zum Samstagsfrühstück. Als Begleiter von Strassenexerzitien in Berlin hat er während dieser Zeit 2016 auch schon bei uns mitgelebt und darüber den Beitrag Strassenexerzitien-Herberge verfaßt.

Annette aus Franken kennen wir seit vier Jahren und freuen uns über den regelmäßigen Kontakt und die Unterstützung. Als Pfarrerin in ihrer Gemeinde war das Thema „Leben mit armen Menschen“ ein Kernanliegen und ist es auch jetzt im Ruhestand. Sie ist Mitglied bei ATD vierte Welt. Sie hat mit Gemeindemitgliedern ein Buch herausgegeben: Sichtbar aber auch nicht stumm. Was Menschen mit Armutserfahrung zu sagen haben. (Auf der Website kann eine Leseprobe heruntergeladen werden.) Im April 2016 – kurz nach Christians Weggang – hat sie einige Wochen bei uns gelebt und darüber geschrieben: Auszeit – Atem holen in der Naunynstraße.

Verbindungen leben wir auch mit anderen Gemeinschaften in Berlin, so etwa mit der Basisgemeinde im Prenzlauer Berg, die im Stadtteilladen „Kiezladen zusammenhalten“ in der Dunckerstraße 14 engagiert. Dort gibt es eine Kleiderkammer, die maßgeblich von Hilde betreut wird. Als die anderen Mitglieder der Kommunität im Urlaub waren, kam Hilde zu einem Samstagsfrühstück und während eines Mittagessens vorbei. Sie ist über 80 Jahre alt, schaut eine Person an und kann sofort sagen, welche Kleidungsstücke dieser Person passen würden. Diese Kleiderkammer ist wegen der Freundlichkeit der Mitarbeitenden etwas ganz besonderes. Niemand muss seine Bedürftigkeit nachweisen, und während der Öffnungszeit am Montagnachmittag gibt es Kaffee und Kuchen. Der Kuchen wird von einem Bäcker in der Nachbarschaft gespendet.

An einem Mittwochnachmittag hat uns Andrea von der Berliner Tafel besucht. Sie arbeitet dort schon seit vielen Jahren mit. In gewissen zeitlichen Abständen ist jede/r Mitarbeitende einen Tag lang in einem anderen Arbeitsbereich zum Hospitieren dabei um einen Blick über den Tellerrand des eigenen Einsatzbereichs hinaus zu fördern. Bei uns in Kreuzberg liegt es nahe dann die Franziskanerinnen, das Gesundheitsprojekt Heile Haus, das es seit 1981 gibt und unsere Wohngemeinschaft kennenzulernen als Orte, die von der Berliner Tafel unterstützt werden.

Ganz überraschend, weil sie den letzten Zug verpaßt hatte, landete Claudia vom Achor-Hof in Märkisch-Wilmersdorf bei uns. Dort lebt seit Mai auch ein ehemaliger Mitbewohner unserer Wohngemeinschaft.

Beim Samstagsfrühstück haben uns zwei von den Schwestern der Mutter Teresa – offiziell die Missionaries of Charity besucht. Sie führen auf dem Gemeindegebiet von St. Marien-Liebfrauen / St. Michael eine Suppenküche und besuchen Menschen in Heimen, Krankenhäusern und zuhause. Schwester Franziska aus Indien stammend war schon zu Zeiten der geteilten Stadt einige Jahre in Ostberlin in der St. Adalbert-Gemeinde. Nach Aufenthalten in unterschiedlichen Ländern ist sie seit fünf Jahren hier in Berlin-Kreuzberg.

Kurz nach den Schwestern kam Monika Matthias an. Sie ist Pfarrerin in der Martha-Gemeinde in Kreuzberg, mit der wir schon lange verbunden sind. Ihre Vorgängerin, Jutta Becker, hat in der Übergangszeit als Christian sein Weggehen vorbereitet hat und die Frage der Zukunft der WG im Raum stand, regelmäßig Treffen der WG-Bewohner und des Freundeskreises moderiert und hat uns damit sehr geholfen. Monika Matthias ist gerade im letzten Drittel ihrer dreimonatigen Studienzeit angekommen, in der sie unterschiedliche Gemeinschaften besucht und sie unter der Fragestellung „gelebte Visionen – Spiritualität und Weltverantwortung anschaut. Dazu hat sie ein Weblog begonnen, in dem sie auch von ihren Eindrücken vom letzten Samstagsfrühstück erzählt.

Im September wird Roland wieder einen Monat bei uns sein. Er lebt in Süddeutschland und möchte hier wieder die Gelegenheit nützen seinen Meditationsweg weiterzugehen.

Während ich diese Zeilen schreibe, landet eine eMail von Rana im Postfach, der während seines ersten Studiums bei uns gelebt hat und das letzte Augustwochenende kommen möchte. Wir sind gespannt, was er von seinem Studienjahr in München zu erzählen hat. Dort hat er in einer christlichen Gemeinschaft im Osten von München gelebt und ehrenamtlich in der Gefangenenseelsorge mitgearbeitet.