Jerusalem in Kreuzberg

Vorletztes Weihnachten kam als große Überraschung neben einem opulenten  Süßigkeitenpaket, das er schon viele Jahre an uns schickt, sein Seidenmalbild Jerusalem bei uns an. Es ist das Erste, das Gäste sehen, wenn sie unsere Wohnung betreten. Es hängt gleich gegenüber von unserer Wohnungseingangstür:

– Jerusalem – von Michael KagelD

Diese Woche haben wir Michael, der um 2002 für ein halbes Jahr hier gelebt hat, endlich persönlich kennengelernt. Wegen Corona mußte der Besuch zwei Mal verschoben werden. Wir freuen uns sehr über die gemeinsame Zeit mit ihm und sind lecker beim Kommunitätsabend bekocht worden (Nudeln mit Tomaten-Thunfisch-Sauce). Der Chefkoch will das Rezept übernehmen, was einem Ritterschlag gleichkommt. 

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Blick aus unserem Wohnzimmerfenster: Kastanien

Jedes Jahr immer wieder eine große Freude und ein Genuss für die Augen mitten in Kreuzberg – wohltuend in einer besonders anstrengenden Woche wie dieser – in einer emotional angespannten Situation:

blühender Kastanienbaum vor unserem Wohnzimmerfenster 2022

… und im letzten Jahr die ganze Straße entlang (von Ilona fotografiert)

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Erinnerungen an Christian – Bruchstücke

Maria S. schreibt: 

Erinnerungen an Christian. Bruchstücke, unsortiert, einfach was oben auf ist.

Bei einem Besuch in Berlin. Durch die Straße gehend.
An einem Platz kommt ein Obdachloser auf uns zu. Er sagt ganz aufgeregt etwas , was ich nicht verstehe.
Christian erklärt „Er wollte Dich auf das Müllauto hinter uns aufmerksam machen. Dich warnen. Ihm ist es schon passiert, das er mit Müll zusammen eingesammelt wurde.“

In Basel, bei Exerzitien auf der Straße:
Abschluss Fußwaschung. Ich sage warum willst Du allen die Füße waschen? Wir können das einer nach dem anderen für den je anderen tun.  Christian greift das auf.  Im Nachhinein , auch heute noch, denke ich, dass das schmerzhaft war für ihn.

Erste Begegnung:
Beim Treffen der Arbeitergeschwister. In der Runde erzähle ich was von mir- ich bin Schwäbin-  Christian: „Kannst Du auch deutsch reden?“ Nachher kommt er her, er entschuldigt sich nicht, aber er greift gefühlsmäßig seine Barschheit auf und ist mir nahe. Das ist der Beginn eines Weges.

Bei einem Besuch in Berlin.
Wir sitzen auf einer Bank an einem See und teilen eine Schokolade.
Er spricht von Jesus als Freund. Es war leibhaftig spürbar, wovon er sprach.

Bei Straßenexerzitien.
Wir suchen einen Ort, an dem wir von Erfahrungen erzählen können.
Das Erzählen gehört zu den Exerzitien. Heute noch trage ich ein befreiendes Lachen in mir: Christian geht einfach los und sucht einen Ort, an dem wir erzählen. Ich gehe neben ihm und es ist als ob wir direkt in der Bibel spazieren gehen.

Bei einem Treffen der Arbeitergeschwister.
In einer Pause. Ich gehe mit Christian ein paar Schritte. „Was ist ein Priester?“  Christian: „Ein Priester erinnert dich an die Würde, die Du in Dir trägst. Prophet, König, Gesalbter.“

Bei einem Besuch in Berlin.
Wir gehen zu einer Wagenburg, Köpenick. Wir dürfen das zu Hause einer Frau besuchen, die dort lebt, sie arbeitet halbtags in einer Schulküche. Sie selbst ist nicht da. Eine Ikone steht unter ihrem Schlafplatz. Christian: „Spürst Du es?  …   Einheit….“
Ich : „Ja“.

Ein Besuch in Aalen.
Christian lässt einen Spruch da. „Gehe eine Meile um einen Kranken zu besuchen, zwei um einen Gefangenen zu sehen. Gehe drei Meilen (oder mehr) um bei einem Freund zu sein.“

Christian stirbt und die Worte mit denen er den Tod begrüßt sind so echt wie sein ganzes Leben.

(Anmerkung: Gemeint ist das Gebet, das Christian im Januar 2022 schrieb:
DANKE
Du Tod, Sprung ins Leben
Du kündigst dich an
Du bist die abschließende Freude
Ich danke Dir für Dein Kommen
         Amen   Christian)

Er hat mich öfters gebeten von meinen Erfahrungen zu sprechen. (Auch mit denE Teegläsern als Hilfsmittel), ich konnte es nie.

Jetzt, mit ihm zusammen zu sprechen, das geht.

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Zu Beginn der Karwoche – Hungertuch 2022

 

Hungertuch 2021 – Du stellst meine Füße auf weiten Raum

Gerade sehe ich, daß dieser Beitrag in der Warteschleife hängengeblieben ist. Am Anfang der Karwoche haben wir dieses Hungertuch im Wohnzimmer aufgehängt. Es ist eine Erinnerung an Christian, aus dessen Nachlaß wir es bekommen haben.

A ist eine Zeichnung, der ein Röntgenbild von einem Fuß zugrunde liegt, der durch Polizeigewalt in Südamerika schwer verletzt wurde. Im Mittelteil des Tryptichons kann man erkennen, daß es sich um einen komplizierten Bruch handelt.

Der Bibelvers, der dazu ausgewählt wurde, stammt aus Psalm 31 Vers 9: Du stellst meine Füße auf weiten Raum. In der Kombination mit diesem geschädigten, verletzten Fuß eröffnet das eine ganz neue Perspektive. Auch für Leben mit Brüchen, verletztes Leben gibt es eine Hoffnungsperspektive. In den Füßen spiegelt sich die Befindlichkeit von allen Organen (Reflexzonenmassage), also des ganzen Menschen.

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#WMDEDGT April 2022: Immer wieder dienstags …

Am 5. des Monats ruft die Nachbarbloggerin immer zum Tagebuchbloggen auf unter dem Motto „WMDEDGT?“ (kurz und knackig für „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“). Manchmal melde ich mich auch hier im Blog zu Wort und dieses Mal habe ich wieder einiges zu erzählen. 

Ich bin der Tisch von der Wohngemeinschaft Naunynstraße mitten in Kreuzberg  im ehemaligen SO 36. Ich stehe hier mitten im Wohnzimmer seit 38 Jahren und habe schon viele kommen und gehen sehen. Zur Zeit steht neben mir ein kleiner Kollege, auf dem ein Bild von Christian mit Blumen und Kerzen steht. Christian hat die WG mit Michael und Peter 1979 in der Sorauer Straße – auch in Kreuzberg – begonnen. Da war ich auch schon dabei und bin 1984 dann mit umgezogen. Christian ist Ende Februar gestorben. Und sein Tod beschäftigt alle hier sehr.

Christian Herwartz im Herbst 2021

Hier sieht man Christian in Kladow, im Garten des Seniorenheims der Jesuiten. Dorthin mußten wegen Corona die Jesuiten der Altersgruppe 70plus. Es ist das letzte Foto, das wir von ihm haben. 

Zur Zeit wohnen nur zehn Leute um mich herum. Seit letzter Woche findet das Frühstück wieder um 8.00 h statt, zu dem alle kommen, die nicht unterwegs in der Arbeit oder bei anderen Terminen (Ämter, Jobcenter …) sind. Jobcenter findet ja im Moment auch online statt. 

Beim Frühstück waren zwei Menschen aus der Nachbarschaft dabei, die öfter dazu kommen. Es gibt immer interessante Gesprächsthemen. Die beiden Gäste sind politisch sehr interessiert und einer seit Jahrzehnten in der Kommunalpolitik in Kreuzberg aktiv. Da gibt es dann immer interessante Neuigkeiten. Morgen, am Mittwoch, wir der Maria-von-Maltzan-Platz in unserer Nachbarschaft eingeweiht. Maria von Maltzan  war während der Zeit des Nationalsozialsozialismus in einerA Widerstandsgruppe aktiv und hat Juden in ihrer Wilmersdorfer Wohnung versteckt und versteckten Juden geholfen. Später war sie als Zirkustierärztin unterwegs. Am Ende der Naunynstraße ist ein Rondell, das nach ihr benannt wird. Dort hatte sie ab 1984 eine Tierarztpraxis, in der sie die Tiere von Punkern und armen Leuten umsonst behandelt hat. 

 Außerdem wurde noch von Mabels Besuch am Montag erzählt. Sie hat mit ihrer Mitschwester Margit hier ein neun Monate gelebt. Es war eine Art Schwangerschaft. Danach haben sie die Berliner Beratungsstelle von Solwodi gegründet.  Dort bekommen Frauen, die von Menschenhandel und Zwangsprostitution betroffen sind, Hilfe. Bei uns haben auch schon welche gewohnt, wenn in der Zufluchtswohnung von Solwodi kein Platz mehr war. Unser Ex-Mitbewohner Rockn Rolf hat auf mir die Karrikaturen zur Illustration der Solwodi-Website gezeichnet, die hier zu sehen sind. Mabel hat hier von ihren Erinnerungen an die Zeit in der WG erzählt. Für die Gedenkwand hat sie uns ein Foto von Margit mitgebracht, die vor zwei Jahren verstorben ist. 

Ein Besuch hat von der Angst erzählt, durch die steigenden Lebensmittel- und Energiepreise nicht mehr mit dem Geld von der Grundsicherung auszukommen. 

Um die Mittagszeit war es dann recht ruhig hier – abgesehen von einigen Frühjahrsputzaktivitäten – bis dann am Nachmittag der Chefkoch von der Arbeit nach Hause kam. Ein Mitbewohner hatte schon einige Packungen Champignons, die wir von der Tafel bekommen haben, vorbereitet. Sie wurden zu einer Pizza für unseren Gemeinschaftsabend vorbereitet, der jeden Dienstag stattfindet.

Um 18.00 Uhr treffen wir uns immer zum Abendessen. Zwei waren nicht da, weil sie gerade an Straßenexerzitien teilnehmen. Nach dem Essen sitzen wir immer zusammen und erzählen, was uns bewegt: Was uns freut, was uns beschäftigt, was schwer ist.

Einer hat eine Ausbildung zum Lokführer begonnen und muß sich in eine neue Tagesstruktur hineinfinden. Ein anderer hofft, daß er endlich in den Sprachkurs einsteigen kann, für den er im März 2020 eine Zusage hatte, der aber wegen dem Lockdown ausgefallen ist. Ein anderer beschäftigt sich mit einer längeren Perspektive für seine Zukunftsplanung …

Danach machen wir eine Viertelstunde Pause und dann treffen sich die BewohnerINNEN, die miteinander singen, meditieren, beten, Texte aus heiligen Schriften hören und sich darüber austauschen wollen – eine Form von Gottesdienst, zu dem jeder etwas beitragen und mitbringen kann. Danach wird es ruhig hier im Wohnzimmer. 

Mehr zu Maria-von-Malteizan
Mehr Beiträge zu #WMDEDGT April 2022 sind hier am Ende des Postings

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Ramadan mubarak 1443 / 2022

Letzten Freitag war Neumond, also sowohl für Muslime als auch für Juden der Beginn eines neuen Monats. Juden und Jüdinnen werden am Frühlingsvollmond, also am 15. Nissan das Pessachfest feiern. Für Muslime hat ihr Fastenmonat Ramadan begonnen. Das ist immer eine schöne Gelegenheit, sich an muslimische ehemalige Bewohner zu erinnern (Muslima hatten wir noch nicht unter den Bewohnerinnen) und einen gesegneten Ramadan, RAMADAN MUBARAK zu wünschen und dann von dem einen oder anderen zu erfahren, wie es ihm jetzt geht und was er macht. Auch unseren muslimischen Freunden, Freundinnen und Bekannten wünschen wir einen inspirierenden, friedvollen und gesegneten Fastenmonat. 

 

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Helfen in Zeiten des Krieges

Seit einem Monat ist Krieg in Europa. Die ersten Tage waren wir noch sehr beschäftigt mit dem Tod von Christian, mit der Beerdigung, mit vielen Menschen, die zu uns kamen, oder uns anriefen, mit unserer Trauer als einzelne und als Gruppe. Trauer, die ganz unterschiedlich ist, nach Zeichen der Verbundenheit sucht mit Christian und untereinander und in unterschiedlichen Formen ihren Ausdruck findet, denn wir kommen aus ganz verschiedenen kulturellen und religiösen Traditionen.

Langsam kam der Krieg immer mehr ins Bewußtsein. Auch hier war das Tempo unterschiedlich. Der Mitbewohner, der Russisch und Ukrainisch spricht und in der Ukraine gelebt hat, hat über die neuen Medien Vieles in Echtzeit verfolgt und mit uns geteilt. Wir waren unterschiedlich offen dafür.

Hier in Berlin kommen täglich mehrere Tausend Menschen an. Die Hilfsbereitschaft ist immens . Wieder sind es Freiwillige, die die Logistik aufgebaut haben und das Nötige organisiert haben: Unterkünfte, Essen, Kleidung, Spielzeug, ärztliche und sogar tierärztliche Versorgung, denn nicht wenige Geflüchtete haben ihr Haustier nicht zurücklassen wollen.

Vor zwei Wochen bei unserem Gemeinschaftsabend haben wir überlegt, wie wir als Gemeinschaft helfen können. In Berlin kommt der letzte Zug aus Warschau um 22.15 h an. Eine Kirchengemeinde, die wir kennen, hat in ihrem Gemeindesaal Schlafplätze für 15 Personen eingerichtet. Sie holen Menschen vom Hauptbahnhof ab, die abends nicht mehr weiterreisen können, bieten ein Abendessen, einen Schlafplatz, Duschen, ein Frühstück und Begleitung zum Zug am nächsten Morgen an. 

In einer kleineren Version für zwei bis drei Menschen und zwei bis drei Mal in der Woche schien uns das auch für uns machbar und realistisch zu sein. Wir wollten es versuchen und bereiteten alles vor. Am nächsten Abend schrieb der Russisch und Ukrainisch sprechende Mitbewohner unser Angebot in beiden Sprachen auf ein Plakat. Zwei von uns, Kombination Mann und Frau, machten sich abends auf den Weg zum Hauptbahnhof. Am Washingtonplatz war und ist ein großes weißes Zelt für die Ankommenden aufgebaut um sich zu wärmen, Tee zu trinken, etwas zu essen und erste Informationen zu erhalten. 

Soweit kamen wir gar nicht. Auf dem Vorplatz standen viele Ehrenamtliche in kleinen Gruppen zusammen. Wir sprachen ein Dreierteam an, erklärten unser Anliegen und wollten wissen, an wen wir uns am Besten wenden. Das ginge gar nicht – erfuhren wir – privat Leute abholen und mitnehmen. Da sei so viel Mißbrauch damit getrieben worden. Wer eine Unterkunft anbieten wolle, müsse sich bei einem Online-Portal registrieren und die Unterkunft für mindestens zwei Wochen anbieten – besser mehr. Das ist jenseits unserer Möglichkeiten. Und niemandem ist geholfen, wenn wir uns überfordern. So zogen wir unverrichteter Dinge wieder ab.

Inzwischen haben wir Kontakt zu einem afrikanischen Studenten, der in Kiew Medizin studiert hat und sein Studium in Berlin fortsetzen möchte. Seine Tante lebt seit vielen Jahren in Berlin und kennt uns von St. Michael, wo ihre Gemeinde viele Jahre lang Gottesdienst gefeiert hat. Mal sehen, was sich daraus entwickelt.

Zum Weiterlesen:

Nahe Ferne – Ukraine

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Analoger und digitaler Nachlass von Christian Herwartz (SJ)

Christian hat drei Lesebücher / Textsammlungen herausgegeben, in denen BewohnerINNEN, Ex-BewohnerINNen, Freunde und Freundinnen sowie Weggefährten unserer Gemeinschaft zu Wort kommen. Zwei Titel sind noch erhältlich. Sie können bei uns in der WG abgeholt werden, liegen in Sankt Michael aus oder werden gegen Portokostenerstattung verschickt (außerhalb Berlins).

Cover


Geschwister erleben wurde 2010 von Christian Herwartz und Renate Trobitzsch herausgegeben. Anlaß war der 85. Geburtstag von Franz Keller, sein 60jähriges Ordensjubiläum und 30 Jahre in der Kommunität Kreuzberg in der Naunynstraße. Menschen in der Gemeinschaft und im Umfeld unserer WG – nah und fern – wurden eingeladen, sich durch Texte oder Bilder zu verschiedenen Themenbereichen einzubringen. Das Buch umfaßt 343 Seiten.


Folgende Schwerpunkte werden in den einzelnen Kapiteln aufgegriffen. 

  • Pilgern, Lebensentscheidungen, Exerzitien
  • Geschwister überall entdecken
  • Voll-, Teilzeit, Nichtbeschäftigung
  • Beziehungen zwischen Generationen, Machtmißbrauch
  • Mauern in und um Europa überwinden
  • Frieden, interreligiöses Gebet

Cover


Das Einfach-ohne-Buch hat Christian Herwartz zusammen mit Nadine Sylla 2016 herausgegeben. Auch hier tragen zahlreiche BewohnerINNen, Ex-BewohnerINNen und Weggefährtinnen zu unterschiedlichen Themenbereichen Texte, Bilder und Fotos bei. Rock’n Rollf (Rolf Kutschera) hat die einzelnen Kapitel-überschriften illustriert und das Cover gezeichnet. (288 Seiten)

 

Inhalt.

  • Einfach ohne Kolonialismus
  • Einfach ohne
  • Einfach ohne Vorgaben
  • Einfach ohne Schuhe
  • Einfach ohne Fragerei
  • Einfach offen
  • Einfach Mensch sein
  • Einfach in Fülle
  • Einfach gemeinsam
  • Einfach freiwerden
  • Einfach mit Solidarität
  • Einfach mit Hoffnung
  • Einfach mit Frieden
  • Einfach mit Geschichte
  • Einfach mit Zukunft

Christian hat zu den unterschiedlichen Themen, die ihm wichtig waren, Websites erstellt. Hier in der Wohngemeinschaft hat er die Exerzitien auf der Straße entdeckt. Die Seite wird schon seit einiger Zeit von Menschen aus der Gruppe der Begleiterinnen und Begleiter weitergeführt. 

Die jüngste Seite widmet sich den Arbeitergeschwistern und ihren Aktivitäten. Er schreibt dazu: „Mit dieser jüngsten Webseite laden wir interessierte Jüngere und Ältere ein, an unserem Weg eines gelebten Perspektivwechsels teil zu nehmen, einem politischen Schritt zur Menschwerdung aller. Unter uns finden sich Christen mit verschiedenen religiösen Traditionen und unterschiedlichem Engagement – darunter sind katholische Arbeiter-Priester, evangelische Arbeiter-Pfarrer*innen und besonders auch Engagierte ohne kirchliche Ämter.
Dokumente aus ihre solidarischen internationalen/interkonfessionellen Geschichte seit Anfang 1940 und aktuelle Fragestellungen werden greifbarer und sollen alle manuell arbeitenden Frauen und Männern verbinden, die sich für eine gerechtere, offene Gesellschaft engagieren. Das Thema des letzten europäischen Treffens in Essen 2017:
Prekarität und politischer Rechtsruck.“

Viele Jahre hat er im Flughafenverfahren dafür gekämpft, dass Mahnwachen vor dem Abschiebegefängnis (heute „Flughafengewahrsam“ stattfinden dürfen – bis hin zum Bundesverfassungsgericht, das ihm Recht gab. Er schreibt:

„Das Engagement für eine weitherzige Gastfreundschaft. Mit der langen Geschichte der „Ordensleute gegen Ausgrenzung“ in Berlin mit ihren Mahnwachen vor dem Abschiebegefängnis in Berlin-Köpenick, dem Widerstand gegen das Verbot der Mahnwachen vor dem neuen Abschiebegefängnis auf dem Flughafen Schönefeld und der gerichtlichen Klärung vor dem Bundesgericht, das entschied:
Straßen sind  auch in umzäunten Gebieten Straßen, also Orte öffentlich geschützte Meinungsäußerung. Nebenbei das Gericht sagte in der öffentlichen Verhandlung:
Straßen können auch die Gänge in Kaufhäusern sein.“

In unheilige Macht schuf er einen Austauschort zum Themenbereich „der Jesuitenorden und die Mißbrauchskrise“. Dazu erschien das gleichnamige Buch. Er schreibt dazu: 

„Diese Internetseite wurde im November 2012 als interaktiver Blog eingerichtet und nun in eine Webseite umgewandelt. Die Auseinandersetzungen der letzten fünf Monate sind weiter nachzulesen…“

Auch dieses Weblog über die Wohngemeinschaft in der Naunynstraße, gehört zu seinem Erbe.

Nachtrag:

 Das Buch „Gastfreundschaft – 25 Jahre Wohngemeinschaft Naunynstraße“ ist nicht mehr erhältlich. Der Inhalt steht komplett online auf Christians Blog „nackte Sohlen“ und zwar hier. Wir sind immer wieder entsetzt erstaunt, zu welch astronomischen Preisen es im Internet angeboten wird. Es war – wie alle von Christian herausgegebenen Büchern umsonst erhältlich, wurde verschenkt und wer wollte konnte eine Spende zu den Druckkosten geben. 

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Frauentag anders – 2022

Ein kleiner Gruß vom Chefkoch:

Frauentag 2022

Aufschrift auf dem Herzen:

Herzlichen Glückwunsch zum Frauentag und Frieden für alle in der Ukraine

Der Chefkoch ist betrübt, dass er heute kein großes Essen für die Bewohnerinnen und Freundinnen der WG ausrichten kann – wie in früheren Jahren.

Frauentag 2021

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Nahe Ferne – Ukraine

Ein Mitbewohner hat einige Jahre als Gastarbeiter in der Ukraine gelebt. Er versteht die Sprache, hat Kontakt zu Freunden dort und immer wieder von dort erzählt. Von N., einer alten Frau, bei der er ein Zimmer hatte. Wie entsetzt sie war als er nach einem Frühstück Brotkrümmel zusammenschob, etwa einen Teelöffel voll und sie wegwerfen wollte. „Weißt du“, sagt er zu mir „sie hat als Kind Blockade von Leningrad überlebt und sagt zu mir: damals den ganzen Tag oft nur so eine kleine Löffel Krümmel zu essen gehabt“.

Schon im Februar war seine Prognose, wenn es einen Überfall auf die Ukraine geben wird, dann wird dieser noch im Februar stattfinden: „Im Februar kalt, weil Winter. Alles gefroren. Panzer kommen vorwärts. Im März wärmer, dann Matsch. Schwer für Panzer.“ Ein anderer Bewohner widerspricht ihm. Es wird keinen russischen Einmarsch geben. Der ehemalige  Gastarbeiter sollte recht behalten. Gestern hat er erfahren, dass ein Freund verletzt ist und die Hand amputiert werden mußte.

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