Kein Platz in der Unterkunft …

… denn die hatten keinen Platz in der Unterkunft bekommen (Lukasevangelium 2,7)

Kurz vor 23.00 Uhr steht eine Freundin unserer Gemeinschaft vor der Tür. In drei Notübernachtungsstellen hat sie umsonst um eine Schlafstelle nachgefragt, denn alle waren geschlossen worden.

Inzwischen sind alle Ausgabestellen der Berliner Tafel geschlossen. Auch die meisten Suppenküchen sind zu. Die Franziskaner in Pankow geben Essen in Gefäßen aus, ebenso die Missionaries of Charity (Schwestern von Mutter Theresa) in Kreuzberg . Das Mittwochscafe von Sankt Marien-Liebfrauen gibt Lunchpakete und Kaffee aus. Es ist verboten den Gemeindesaal – wie sonst – zu öffnen, damit die Menschen sich hinsetzen können. Sie müssen sofort weitergehen, wenn sie Lunchpaket und Kaffee erhalten haben.

Die Ärmsten trifft der Corona-Virus am Härtesten. Davon aber kein Wort in der zweistündigen Sendung von „Hart aber Fair“. Dort werden – abgesehen von alleinerziehenden Müttern – die Probleme der Mittelschicht verhandelt.

Andre Hoek, der selbst jahrelang obdachlos war, schreibt in seinem Weblog über die derzeitige Situation von Obdachlosen.

 

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Besuch von den ZJ

Gestern, am frühen Nachmittag nach dem Samstagsfrühstück läutet es im dritten Stock. Unser Mitbewohner F. (Chefkoch) macht auf. Es kommen zwei „superschick“ gekleidete Leute mit „Schlips und ganz schicki-micki“ die Treppe hoch. Sie stellen sich als Zeugen Jehovas vor und fragen, ob sie mit ihm über Gott sprechen dürfen, über Freundschaft mit Gott.

Seine Antwort: „Ich ganz enge Freundschaft mit Gott. Brauche nicht mehr. Reicht mir so“. Die Zeugen waren so schnell verschwunden wie sie gekommen waren.

 

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Besuch von Markus Franz (SJ)

Einmal im Jahr bekommt unser ältester Mitbewohner Bruder Christian Schmidt (SJ) Besuch aus München. Markus Franz (SJ) ist verantwortlich für Jesuiten der Altersgruppe 70plus. Neben diesem Engagement gibt er noch etwa sechs Exerzitienkurse im Jahr, vorwiegend bei Ordensgemeinschaften.

Neben Gesprächen mit Christian selbst und den Mitbewohnern hatten wir noch ein schönes Abendessen, ein Abschiedsessen, weil ein Mitbewohner morgen in sein Heimatland zurückkehren wird.

 

 

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Advent, Advent …

Unsere Adventszeit hat dieses Jahr einen besonderen, neuen Akzent. Unser Mitbewohner F., Koch mit Leib und Seele aus Leidenschaft, machte den Vorschlag, daß wir an den Adventssamstagabenden miteinander und mit dem / der einen oder anderen von unseren Freunden essen könnten und uns anschließend Zeit zum Singen, für eine Geschichte oder was sich sonst daraus ergibt, nehmen könnten. Jeder dieser Abende hatte ein ganz eigenes Gepräge. So leitete Schwester Rita eine Bastelaktion an, die zu einem Gemeinschaftsstern führte, Ex-Bewohner Rockn Rolf stellte neue Eigenkompositionen vor, Bruder Winfried von der Emmausgemeinschaft begleitete uns mit Akkordeon, Anna brachte ihre Geige und Elisabeth ihre Gitarre mit. Unser neues Advents- und Weihnachtsliederheft wächst und gedeiht.

Außerdem haben uns Susanne und Reinhard den Adventskalender „der andere Advent“ geschenkt, der uns schon die beiden letzten Jahre begleitet hat. An den Adventssonntagen gibt es immer eine Meditation über eine biblische Person aus der Weihnachtsgeschichte und deren Sicht auf die Ereignisse. Diese Impulse lesen wir zum Abschluß vom Samstagsfrühstück und schicken unsere Frühstückgäste damit in den Beginn der neuen Adventswoche.

Am Donnerstag wird uns Markus aus Köln mit seiner Trompete besuchen. Das ist immer wieder eine Freude für uns – egal ob es die alten „Hasen“ unter den Bewohnern sind oder die neuen, wenn wir einander erzählen und mit Trompetenbegleitung singen.

Wir sind gespannt, wer am 24. Dezember ab 18.00 h zu uns kommt um mit uns zu feiern. Es ist ja immer eine schöne Mischung von bekannten Menschen, Freunden und denen, die zum allerersten Mal bei uns sind.

 

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Sommerbesuche – Kreuz-und-Quer-Verbindungen

In Berlin sind die Sommerferien bereits vorbei, in anderen Bundesländern sind sie voll im Gange. Bei uns ist es eine Zeit vieler Besuche. Den Anfang machte Jens aus Leipzig im Juli, der unsere Gemeinschaft schon mehr als zwanzig Jahre kennt. Er besucht uns einmal im Vierteljahr zum Samstagsfrühstück. Als Begleiter von Strassenexerzitien in Berlin hat er während dieser Zeit 2016 auch schon bei uns mitgelebt und darüber den Beitrag Strassenexerzitien-Herberge verfaßt.

Annette aus Franken kennen wir seit vier Jahren und freuen uns über den regelmäßigen Kontakt und die Unterstützung. Als Pfarrerin in ihrer Gemeinde war das Thema „Leben mit armen Menschen“ ein Kernanliegen und ist es auch jetzt im Ruhestand. Sie ist Mitglied bei ATD vierte Welt. Sie hat mit Gemeindemitgliedern ein Buch herausgegeben: Sichtbar aber auch nicht stumm. Was Menschen mit Armutserfahrung zu sagen haben. (Auf der Website kann eine Leseprobe heruntergeladen werden.) Im April 2016 – kurz nach Christians Weggang – hat sie einige Wochen bei uns gelebt und darüber geschrieben: Auszeit – Atem holen in der Naunynstraße.

Verbindungen leben wir auch mit anderen Gemeinschaften in Berlin, so etwa mit der Basisgemeinde im Prenzlauer Berg, die im Stadtteilladen „Kiezladen zusammenhalten“ in der Dunckerstraße 14 engagiert. Dort gibt es eine Kleiderkammer, die maßgeblich von Hilde betreut wird. Als die anderen Mitglieder der Kommunität im Urlaub waren, kam Hilde zu einem Samstagsfrühstück und während eines Mittagessens vorbei. Sie ist über 80 Jahre alt, schaut eine Person an und kann sofort sagen, welche Kleidungsstücke dieser Person passen würden. Diese Kleiderkammer ist wegen der Freundlichkeit der Mitarbeitenden etwas ganz besonderes. Niemand muss seine Bedürftigkeit nachweisen, und während der Öffnungszeit am Montagnachmittag gibt es Kaffee und Kuchen. Der Kuchen wird von einem Bäcker in der Nachbarschaft gespendet.

An einem Mittwochnachmittag hat uns Andrea von der Berliner Tafel besucht. Sie arbeitet dort schon seit vielen Jahren mit. In gewissen zeitlichen Abständen ist jede/r Mitarbeitende einen Tag lang in einem anderen Arbeitsbereich zum Hospitieren dabei um einen Blick über den Tellerrand des eigenen Einsatzbereichs hinaus zu fördern. Bei uns in Kreuzberg liegt es nahe dann die Franziskanerinnen, das Gesundheitsprojekt Heile Haus, das es seit 1981 gibt und unsere Wohngemeinschaft kennenzulernen als Orte, die von der Berliner Tafel unterstützt werden.

Ganz überraschend, weil sie den letzten Zug verpaßt hatte, landete Claudia vom Achor-Hof in Märkisch-Wilmersdorf bei uns. Dort lebt seit Mai auch ein ehemaliger Mitbewohner unserer Wohngemeinschaft.

Beim Samstagsfrühstück haben uns zwei von den Schwestern der Mutter Teresa – offiziell die Missionaries of Charity besucht. Sie führen auf dem Gemeindegebiet von St. Marien-Liebfrauen / St. Michael eine Suppenküche und besuchen Menschen in Heimen, Krankenhäusern und zuhause. Schwester Franziska aus Indien stammend war schon zu Zeiten der geteilten Stadt einige Jahre in Ostberlin in der St. Adalbert-Gemeinde. Nach Aufenthalten in unterschiedlichen Ländern ist sie seit fünf Jahren hier in Berlin-Kreuzberg.

Kurz nach den Schwestern kam Monika Matthias an. Sie ist Pfarrerin in der Martha-Gemeinde in Kreuzberg, mit der wir schon lange verbunden sind. Ihre Vorgängerin, Jutta Becker, hat in der Übergangszeit als Christian sein Weggehen vorbereitet hat und die Frage der Zukunft der WG im Raum stand, regelmäßig Treffen der WG-Bewohner und des Freundeskreises moderiert und hat uns damit sehr geholfen. Monika Matthias ist gerade im letzten Drittel ihrer dreimonatigen Studienzeit angekommen, in der sie unterschiedliche Gemeinschaften besucht und sie unter der Fragestellung „gelebte Visionen – Spiritualität und Weltverantwortung anschaut. Dazu hat sie ein Weblog begonnen, in dem sie auch von ihren Eindrücken vom letzten Samstagsfrühstück erzählt.

Im September wird Roland wieder einen Monat bei uns sein. Er lebt in Süddeutschland und möchte hier wieder die Gelegenheit nützen seinen Meditationsweg weiterzugehen.

Während ich diese Zeilen schreibe, landet eine eMail von Rana im Postfach, der während seines ersten Studiums bei uns gelebt hat und das letzte Augustwochenende kommen möchte. Wir sind gespannt, was er von seinem Studienjahr in München zu erzählen hat. Dort hat er in einer christlichen Gemeinschaft im Osten von München gelebt und ehrenamtlich in der Gefangenenseelsorge mitgearbeitet.

Frühstücksbesuch vom Dorf

Ein Teilnehmer der Straßenexerzitien, die gestern zu ende gegangen sind, hat uns heute zum Frühstück besucht. Wir freuen uns über Frühstücksbesuche. Sie bringen immer wieder Themen aus ihrer Lebenswelt mit und auf den Tisch, die unsere Sichtweisen – auch untereinander und über unsere Kulturen erweitern. Heute sind wir über folgende Themen ins Gespräch gekommen:

  • Was ist ein Waldkindergarten?
  • Wie ist das Leben auf dem Dorf und in der Stadt
  • Kinder und Großeltern: Das Miteinander in verschiedenen Kulturen
  • Dienste von Laien in der katholischen Kirche

Assisi im Wohnzimmer

Ansicht von Assisi

Weil einige Bewohner den Wunsch haben nach Assisi zu fahren, haben wir Schwester Rita letzten Sonntag eingeladen. Sie hat zwölf Jahre dort gelebt und im Gäste-haus der Franziskanerinnen viele Gruppen empfangen und ihnen Assisi nahe gebracht. Mit vielen Bildern hat sie uns und einigen Gästen, die dazugekommen waren erste Eindrücke ermöglicht und gezeigt, was uns dort erwartet. Nun sind wir gespannt, welche Wege und Türen sich öffnen und wie wir diese Fahrt realisieren können.