Europäische Bibeldialoge: Heil und Heilung

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Schon wieder ist es eine Woche her, daß eine Gruppe der europäischen Bibeldialoge (früher Berliner Bibelwochen) die WG besuchte. 28 Ehrenamtliche aus verschiedenen Ländern, die sich in unterschiedlichen Bereichen der Seelsorge engagieren, waren einige Tage zum Thema „Heil und Heilung“ zusammengekommen. Nach einer Einführung in die Exerzitien auf der Straße unter diesem Themenschwerpunkt waren sie eineinhalb Stunden auf Kreuzberger Straßen unterwegs und konnten eigene Erfahrungen machen. Zum Nachgespräch in zwei Gruppen konnten wir uns dann im Kirchenraum von Sankt Michael treffen, denn dafür wäre unser Wohngemeinschaftswohnzimmer zu klein gewesen. Sankt Michael hat auch insofern mit den Exerzitien auf der Straße zu tun, weil dort die ersten Kurse in der damaligen Notübernachtung stattfanden. Ein besonderes Geschenk war, daß Christian dabei sein konnte und ein anderer Begleiter seine ersten Erfahrungen mit dem Begleiten machen konnte. Auf dem ‚Weblog der europäischen Bibeldialoge kann man noch mehr dazu nachlesen.

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Sonntagsüberraschung

Mehr als drei Jahre ist es her, daß sie das letzte Mal in der Naunynstraße war. Seit einiger Zeit lebt sie in Berlin, und heute hatten wir die Freude, daß Katharina spontan ganz plötzlich vor der Tür stand. Glücklicherweise waren einige zuhause, was am Sonntagnachmittag nicht so selbstverständlich ist. Bei Kräutertee und Obst hörten wir von der Afrikareise, von der Familie und von der ersten Zeit in Berlin. Und schon am nächsten Samstag sehen wir uns wieder beim Frauentagsessen.

 

Samstagsfrühstück … mit dem Provinzial

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Der 6. Januar war für uns in diesem Jahr ein ganz besonderer Tag. Da das Samstagsfrühstück mit dem Dreikönigsfest zusammenfiel, hatten wir auf einen Besuch der Sternsinger gehofft. Aber die wollten sich erst ab 14.00 Uhr auf den Weg machen.

Wir konnten uns wieder über einen reich gedeckten Tisch und viele Besucher freuen – auch von weiter her: Siglinde aus Nürnberg war gerade in der Stadt und später kam auch Jens aus Leipzig dazu. Ein besonderer Höhepunkt und eine besondere Freude für uns war, daß der seit 1. Juni amtierende neue Provinzial Johannes Siebner (SJ )zu uns kam. Er ist Berliner, kennt die WG Naunynstraße und war zuletzt vor über 20 Jahren da. Er wurde befragt, wie viele Jesuiten es in Deutschland gibt (etwas über 300), worum es bei den Jesuiten geht (Bildung, Spiritualität und Gerechtigkeit). Er erzählte uns von seiner Romreise, wo er sich vor kurzem zwei Wochen lang mit anderen im letzten Jahr neu ernannten Provinziälen aus der ganzen Welt getroffen und ausgetauscht hat. ‚Einiges davon kann man auch in seinem Artikel „Wie geht Provinzial?“ nachlesen samt Foto mit Papst Franziskus.

Schwester Rita brachte uns ein Sternsinger-Lied mit und eine Betrachtung von Karl Rahner SJ zum Feiertag, die überschrieben war mit „Reise des Herzens„. Dort heißt es:

„Sie sehen einen Stern seltsam am Himmel emporsteigen. Und wenn sie auch erschrecken vor der Kühnheit ihres Herzens, so gehorchen sie doch und brechen auf. Sie gehen verschlungene Wege, aber vor Gottes Augen ist es der gerade Weg zu ihm, weil sie ihn in Treue suchen …Und wie sie endlich ankommen und niederknien, tun sie nur, was sie eigentlich immer taten, was sie auf der Suche und Reise schon taten: sie bringen das Gold ihrer Liebe, den Weihrauch ihrer Ehrfurcht, die Myrrhe ihrer Schmerzen vor das Antlitz des unsichtbar-sichtbaren Gottes. Still, wie sie gekommen sind, schwinden sie wieder aus dem Gesichtskreis der heiligen Geschichte … Lasst auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Lasst uns aufbrechen und vergessen, was hinter uns liegt … Der Weg geht durch Wüsten und Finsternisse. Aber verzage nicht: der Stern ist da und leuchtet … Brich auf, mein Herz, und wandre! Es leuchtet der Stern. Viel kannst Du nicht mitnehmen auf den Weg. Und viel geht dir unterwegs verloren: Lass es fahren. Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir. Er wird sie annehmen. Denn du wirst ihn finden.“

Mich erinnerte das an das Unterwegssein bei den Exerzitien auf der Straße. Später am Vormittag würde Pater Siebner sagen: „Unser größtes Exerzitienwerk sind die Straßenexerzitien. Und die brauchen keine Häuser“.

Unser Freund Roj erzählte uns, daß dieser Samstag auch der Tag war, an dem Hindus an die Ermordung von Mahatma Gandhi vor siebzig Jahren erinnern. Er hat aus seiner Tradition das Lied mitgebracht und gesungen, das Mahatma Gandhi bei der öffentlichen Versammlung gesungen hat, in deren späteren Verlauf er von einem Fanatiker ermordet worden ist. Es waren für uns alle sehr bewegende Momente.

Auch in der jüdischen Tradition war dieser Samstag ein besonderer: Es war im G-ttesdienst der Synagoge der Schabbat, an dem ein neues Buch im Torahlesezyklus begonnen wurde mit dem Wochenabschnitt Schemot, also das Buch Exodus (2. Buch Mose) mit der Erzählung der Geburt des Moses. Das stellt insofern eine Parallele dar, weil in der Kindheitsgeschichte des Evangelisten Matthäus einige Motive aus der Geburtsgeschichte von Moses auftauchen.

Und dann kamen sie ganz überraschend doch noch: Die Sternsinger von Sankt Michael – eigentlich mehr Sternsingerinnen. Sie hatten Liederhefte dabei, die rasch verteilt waren. So sangen wir miteinander einige Sternsinger-Lieder. Weihrauch zog durch die Wohnung und der Segen für uns und für alle die bei uns ein und aus gehen wurde an die Türpfosten geschrieben.

Sternsinger 2018

Daneben und dazwischen gab es viel Zeit für Gespräche und Kennenlernen. Es war ein reicher Vormittag, der nach dem Frühstück noch nicht zu Ende war, sondern etwas später für die, die wollten und auch andere, die neu dazu kamen mit einem Bibliolog zum Tagesevangelium, dem Besuch der Sterndeuter, weiterging.

Besuch von den Teilnehmenden europäischer Bibeldialoge

Europäische Bibeldialoge

Vorgestern haben uns 18 Teilnehmende einer Tagung der europäischen Bibeldialoge besucht. Sie waren aus Polen, Ungarn, Rumänien, Rußland, Litauen und Deutschland angereist um sich mit dem Thema „Alltäglich (G-tt er-)leben aus der Stille“ zu beschäftigen. Die ersten Tage hatten sie im Tagungszentrum der evangelischen Akademie im idyllischen Schwanenwerder am Wannsee verbracht um verschiedene Meditationsformen zu erleben und einzuüben. Nun wollten sie die Naunynstraße als den Ort kennenlernen, an dem die Exerzitien auf der Straße entstanden sind und erste Erfahrungen mit den Straßenexerzitien machen.

So war Kreuzberg für sie ein Kontrastprogramm. Für mich war es eine neue Erfahrung, daß alles simultan in zwei Sprachen (polnisch und englisch) übersetzt wurde. Die Verlangsamung, die damit einher ging, hat uns zusätzlich gut getan. Die TeilnehmerINNEN waren 90 Minuten rund um das Kottbusser Tor und die Naunynstraße unterwegs. Dann trafen wir uns zum Austausch im Kirchenraum von Sankt Michael. Es war wieder sehr bewegend, was in dieser Runde über diese eigentlich so kurze Zeit auf der Straße erzählt wurde.

1953 hat die Union evangelischer Kirchen als Reaktion auf die Teilung Deutschlands die Berliner Bibelwochen (heute „europäische Bibeldialoge“) ins Leben gerufen um Begegnungen zwischen evangelischen Christen aus West und Ost zu ermöglichen.

Mehr zu
Straßenexerzitien
Exerzitien auf der Straße – Leben mit Straßenkontakt
europäische Bibeldialoge (Weblog)
Website Europäische Bibeldialoge
Posting auf dem Blog der „Europäischen Bibeldialoge“

Besuch von Pater Gregor aus dem Südsudan

Pater Gregor Schmidt in Fangak (Südsudan)

Seit 2012 leben Pater Gregor und zwei weitere Comboni-Missionare mit den Nuer im Südsudan. Alle drei Jahre kommt er auf Heimaturlaub nach Deutschland. Kurz vor seiner Reise zurück nach Afrika hat er uns besucht und uns von seinem Leben mit dem Hirtenvolk der Nuer in einem vom Bürgerkrieg und seinen Folgen geplagten Land erzählt. Einiges können interessierte Leser im unten verlinkten Intervew nachlesen.

Pater Gregor ließ uns daran teilhaben, was es bedeutet, in einer patriarchal geprägten Gesellschaft zu leben, in der es keinen Kalender gibt, 98 Prozent der Menschen Analphabeten sind, Polygamie das Überleben der Volksgruppe sichert und Gewalt im Alltag eine große Rolle spielt. Mit seinen Mitbrüdern betreut er 80 Kapellen in einem Gebiet, das achtmal so groß ist wie Berlin. Da es kein Straßennetz gibt, sind die Kapellen durch Fußmärsche erreichbar oder per Boot. Vor Ort ist ein Katechet verantwortlich. Er muß lesen können und monogam leben. Das schränkt die Auswahl in diesem Umfeld ein. Die Priester kommen einmal im Jahr bei jeder Kapelle vorbei. Die Nuer haben den christlichen Glauben als Geflüchtete in Nachbar-ländern kennengelernt. Es war die Exodus-Tradition, die sie besonders berührte. Auch der Aufbau eines Grundschulsystems gehört zu den wichtigen Aufgaben.

Die Sakramente spielen eine andere Rolle im Leben der Gläubigen als in Europa. Ganz wichtig ist das Teilen der biblischen Botschaft. Die Nuer verwenden eine evangelische Übersetzung der Bibel in ihrer Sprache. Dafür wird von den Protestanten im Land der katholische Bibelleseplan verwendet…

Es war ein besonderes Erlebnis, im Detail nachfragen zu können und so zu erfahren, warum Polygamie in dieser Kultur tief verwurzelt ist und eine ganze Familie darüber entscheidet, daß ein Mann nicht polygam leben muß.

Wir freuen uns schon auf Pater Gregors nächsten Besuch 2020. Fazit eines Gastes: Katholisch geht auch ganz anders:

Zum Weiterlesen:
Interview mit Pater Gregor (mit Bildern aus dem Südsudan)

Besuch aus Papua Neuguinea

Vor zwei Jahren hat Horst, ein evangelischer Pfarrer aus Bayern, zwei Wochen bei uns Straßenexerzitien gemacht. Vor einigen Monaten rief er an und erzählte, daß seine Gemeinde Besuch von Christen aus Papua Neuguinea bekommt, einer der Partnerkirchen der Bayrischen Landeskirche.  Zum Kirchentag würden sie in Berlin sein und gerne an einen der folgenden Tage zu uns in die Wohngemeinschaft kommen um Lebensformen kennenzulernen.

Wir verbrachten zwei sehr anregende Stunden. Für die Papuas war der Gedanke fremd, daß Menschen unterschiedlicher Religionen zusammenleben ohne missionarische Absichten. In ihrem Land ist das Christentum erst seit einigen Jahrzehnten bekannt und für viele bedeutet es Befreiung vom Geisterglauben. Am Schluß unserer Zusammenkunft haben wir gesungen (auf Pidgin) und in mehreren Sprachen das Vaterunser gebetet.

Unter neuer Bewirtschaftung

Vor einigen Monaten stand ein Mann mittleren Alters an der Wohnungstür. Bei einer Tasse Kaffee am Wohnzimmertisch eröffnete er das Gespräch mit dem Satz: „Ich komme aus Tegel“. Ich dachte, daß er mir mitteilen will, in welchem Stadtteil (Tegel) er lebt. Aber ein paar Sätze später sagte er dann, daß er in Lichtenrade, einem recht bürgerlichen Viertel, eine Wohnung hat. Daraus schloß ich dann, daß „ich komme aus Tegel“  ein Hinweis auf den dortigen Knast und seine Entlassung war. Die Startbedingungen unseres Besuchers waren eigentlich gut. Arbeit und Wohnung sind ja keine Selbstverständlichkeit nach einem Gefängnisaufenthalt. Nun litt er unter seiner Einsamkeit, weil er in Lichtenrade keinen Anschluß findet – nicht einmal in der katholischen Kirchengemeinde: „Die wollen unter sich bleiben“ war sein Eindruck. Mit seinen ehemaligen Freunden wollte er nicht in Kontakt kommen, denn er befürchtete, dann „wieder abzurutschen“.

Im Gefängnis war er regelmäßig von einer christlichen Gruppe besucht worden. Camillo von den Emmaus-Leuten hat ihn auf die Naunynstraße aufmerksam gemacht. „Und den Christian Herwartz den kenne ich auch über meinen Pastoralreferenten. Der Camillo hat mir schon gesagt, daß der Christian Herwartz nicht mehr da ist. Das ist jetzt unter neuer Bewirtschaftung“.