Besuch von den Teilnehmenden europäischer Bibeldialoge

Europäische Bibeldialoge

Vorgestern haben uns 18 Teilnehmende einer Tagung der europäischen Bibeldialoge besucht. Sie waren aus Polen, Ungarn, Rumänien, Rußland, Litauen und Deutschland angereist um sich mit dem Thema „Alltäglich (G-tt er-)leben aus der Stille“ zu beschäftigen. Die ersten Tage hatten sie im Tagungszentrum der evangelischen Akademie im idyllischen Schwanenwerder am Wannsee verbracht um verschiedene Meditationsformen zu erleben und einzuüben. Nun wollten sie die Naunynstraße als den Ort kennenlernen, an dem die Exerzitien auf der Straße entstanden sind und erste Erfahrungen mit den Straßenexerzitien machen.

So war Kreuzberg für sie ein Kontrastprogramm. Für mich war es eine neue Erfahrung, daß alles simultan in zwei Sprachen (polnisch und englisch) übersetzt wurde. Die Verlangsamung, die damit einher ging, hat uns zusätzlich gut getan. Die TeilnehmerINNEN waren 90 Minuten rund um das Kottbusser Tor und die Naunynstraße unterwegs. Dann trafen wir uns zum Austausch im Kirchenraum von Sankt Michael. Es war wieder sehr bewegend, was in dieser Runde über diese eigentlich so kurze Zeit auf der Straße erzählt wurde.

1953 hat die Union evangelischer Kirchen als Reaktion auf die Teilung Deutschlands die Berliner Bibelwochen (heute „europäische Bibeldialoge“) ins Leben gerufen um Begegnungen zwischen evangelischen Christen aus West und Ost zu ermöglichen.

Mehr zu
Straßenexerzitien
Exerzitien auf der Straße – Leben mit Straßenkontakt
europäische Bibeldialoge (Weblog)
Website Europäische Bibeldialoge
Posting auf dem Blog der „Europäischen Bibeldialoge“

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Besuch von Pater Gregor aus dem Südsudan

Pater Gregor Schmidt in Fangak (Südsudan)

Seit 2012 leben Pater Gregor und zwei weitere Comboni-Missionare mit den Nuer im Südsudan. Alle drei Jahre kommt er auf Heimaturlaub nach Deutschland. Kurz vor seiner Reise zurück nach Afrika hat er uns besucht und uns von seinem Leben mit dem Hirtenvolk der Nuer in einem vom Bürgerkrieg und seinen Folgen geplagten Land erzählt. Einiges können interessierte Leser im unten verlinkten Intervew nachlesen.

Pater Gregor ließ uns daran teilhaben, was es bedeutet, in einer patriarchal geprägten Gesellschaft zu leben, in der es keinen Kalender gibt, 98 Prozent der Menschen Analphabeten sind, Polygamie das Überleben der Volksgruppe sichert und Gewalt im Alltag eine große Rolle spielt. Mit seinen Mitbrüdern betreut er 80 Kapellen in einem Gebiet, das achtmal so groß ist wie Berlin. Da es kein Straßennetz gibt, sind die Kapellen durch Fußmärsche erreichbar oder per Boot. Vor Ort ist ein Katechet verantwortlich. Er muß lesen können und monogam leben. Das schränkt die Auswahl in diesem Umfeld ein. Die Priester kommen einmal im Jahr bei jeder Kapelle vorbei. Die Nuer haben den christlichen Glauben als Geflüchtete in Nachbar-ländern kennengelernt. Es war die Exodus-Tradition, die sie besonders berührte. Auch der Aufbau eines Grundschulsystems gehört zu den wichtigen Aufgaben.

Die Sakramente spielen eine andere Rolle im Leben der Gläubigen als in Europa. Ganz wichtig ist das Teilen der biblischen Botschaft. Die Nuer verwenden eine evangelische Übersetzung der Bibel in ihrer Sprache. Dafür wird von den Protestanten im Land der katholische Bibelleseplan verwendet…

Es war ein besonderes Erlebnis, im Detail nachfragen zu können und so zu erfahren, warum Polygamie in dieser Kultur tief verwurzelt ist und eine ganze Familie darüber entscheidet, daß ein Mann nicht polygam leben muß.

Wir freuen uns schon auf Pater Gregors nächsten Besuch 2020. Fazit eines Gastes: Katholisch geht auch ganz anders:

Zum Weiterlesen:
Interview mit Pater Gregor (mit Bildern aus dem Südsudan)

Besuch aus Papua Neuguinea

Vor zwei Jahren hat Horst, ein evangelischer Pfarrer aus Bayern, zwei Wochen bei uns Straßenexerzitien gemacht. Vor einigen Monaten rief er an und erzählte, daß seine Gemeinde Besuch von Christen aus Papua Neuguinea bekommt, einer der Partnerkirchen der Bayrischen Landeskirche.  Zum Kirchentag würden sie in Berlin sein und gerne an einen der folgenden Tage zu uns in die Wohngemeinschaft kommen um Lebensformen kennenzulernen.

Wir verbrachten zwei sehr anregende Stunden. Für die Papuas war der Gedanke fremd, daß Menschen unterschiedlicher Religionen zusammenleben ohne missionarische Absichten. In ihrem Land ist das Christentum erst seit einigen Jahrzehnten bekannt und für viele bedeutet es Befreiung vom Geisterglauben. Am Schluß unserer Zusammenkunft haben wir gesungen (auf Pidgin) und in mehreren Sprachen das Vaterunser gebetet.

Unter neuer Bewirtschaftung

Vor einigen Monaten stand ein Mann mittleren Alters an der Wohnungstür. Bei einer Tasse Kaffee am Wohnzimmertisch eröffnete er das Gespräch mit dem Satz: „Ich komme aus Tegel“. Ich dachte, daß er mir mitteilen will, in welchem Stadtteil (Tegel) er lebt. Aber ein paar Sätze später sagte er dann, daß er in Lichtenrade, einem recht bürgerlichen Viertel, eine Wohnung hat. Daraus schloß ich dann, daß „ich komme aus Tegel“  ein Hinweis auf den dortigen Knast und seine Entlassung war. Die Startbedingungen unseres Besuchers waren eigentlich gut. Arbeit und Wohnung sind ja keine Selbstverständlichkeit nach einem Gefängnisaufenthalt. Nun litt er unter seiner Einsamkeit, weil er in Lichtenrade keinen Anschluß findet – nicht einmal in der katholischen Kirchengemeinde: „Die wollen unter sich bleiben“ war sein Eindruck. Mit seinen ehemaligen Freunden wollte er nicht in Kontakt kommen, denn er befürchtete, dann „wieder abzurutschen“.

Im Gefängnis war er regelmäßig von einer christlichen Gruppe besucht worden. Camillo von den Emmaus-Leuten hat ihn auf die Naunynstraße aufmerksam gemacht. „Und den Christian Herwartz den kenne ich auch über meinen Pastoralreferenten. Der Camillo hat mir schon gesagt, daß der Christian Herwartz nicht mehr da ist. Das ist jetzt unter neuer Bewirtschaftung“.

 

Oster-Geburtstag

Intensive Feiertage – Pessach und Ostern – liegen hinter uns. Am Ostersonntag feierten wir mit vielen lieben Gästen Christians Geburtstag. Rockn RollF hat einen Geburtstagscartoon gezeichnet: Christian, wie er bei der Papstaudienz Papst Franziskus die Doktorarbeit von Michael Schindler über Straßenexerzitien überreicht. Christian ließ uns an den Eindrücken seiner letzten Reise nach Wien teilhaben, die gerade in der Karwoche stattgefunden hatte. Kardinal Schönbohm, der Klaus Mertes sehr unterstützt hat als er die sexuellen Übergriffe im kirchlichen Raum öffentlich machte, hatte Christian eingeladen um für die Priester der Diözese zwei Vorträge zu halten, die auch Predigthilfen sein sollten: Wie kann es gelingen biblische Texte ganz neu zu lesen und so lebendig werden zu lassen, war eine der Fragestellungen. Viele Priester waren in den Stephansdom gekommen, denn in der Karwoche werden die Chrisamöle geweiht, die für verschiedene Sakramente verwendet werden (Taufe, Firming) oder bei der Weihe eines Altars. Außerdem erzählte er vom Entwurf eines neuen Buches. Es wird um Straßenexerzitien gehen und wie man danach wieder gut in den Alltag hineinkommt. Eine Freude war auch der Besuch von Rana, der uns von seinen ersten Monaten im Priesterseminar erzählte – muß wohl eine Mischung zwischen Jungeninternat, Schullandheim und Studentenwohnheim sein. Ajußerdem wurde von der Karfreitagsmahnwache, die am Mahnmal für Sinti und Roma stattfand, erzählt und wir durften teilhaben an den Erfahrungen der Comboni-Schwestern mit den jungen Frauen, die sich in Berlin auf ihren Einsatz als „Missionarinnen auf Zeit“ vorbereitet haben und an unterschiedlichen Orten waren, an denen Armut sichtbar wird. Roi hat vom ökumenischen Friedensgebet am Gendarmenmarkt erzählt und ein Gebet aus seiner Hindu-Tradition gesungen. Christian Schmidt rezitierte – wie bei für jedes Geburtstagskind – das Geburtstagsgedicht. Das ganze fand rund um unsere große Tafel mit einem leckeren Festessen statt: Franz hatte Lachs im Blätterteig, ein Reisgericht mit Mango-Gemüsesauce und Salat zubereitet. Zum Nachtisch gab es Geburtstagskuchen und Obstsalat.

Der Abend „Perspektiven Italiens“ (Teil 2) mit Bildern, Musik und Texten über Aosta und Spezziola schloß die Feiertage ab und entließ uns in den Alltag.

Ausgang und Eingang …

Wir haben einen schönen Jahresübergang miteinander und einigen Freunden verbracht. Eine große Freude waren für uns die Besuche – auch von einigen ehemaligen MitbewohnerINNEn:
– Nico aus Italien, der immer in der Woche nach Weihnachten für einige Tage kommt. Er hat 1996 einige Zeit in der Naunynstraße gewohnt
– Rana, der im Priesterseminar in Sankt Georgen ist, hatte einiges vom Start in die neue Lebensphase zu erzählen und auch vom Taize-Treffen in Riga
– Nadine ist aus Aachen gekommen und hat nun die Phase der Themenfindung für ihre Promotion abgeschlossen
– Moni kommt immer wieder aus Charlottenburg und nimmt Anteil an dem, was in der Naunynstraße passiert
– Schwester Annette, Schwester Ingrid und Schwester Rita kamen zum Chanukka-Abend vorbei …

Wir sind sehr erschüttert und traurig über den unerwarteten Tod von Mark, der bei uns zu Gast war und in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mit 39 Jahren bei uns verstorben ist. Noch am Dienstag hat er uns beim Kommunitätsabend daran teilhaben lassen, was für ihn Gemeinschaft bedeutet. Nach langen Jahren der Drogenabhängigkeit hat er nach dem Entzug ein Jahr auf der Fazenda da Esperança („Hof der Hoffnung“) Gut Neuhof bei Nauen gelebt und war einen Urlaubsmonat unterwegs um Freunde zu besuchen. Er wollte am Donnerstag sehr früh nach Augsburg zu einer Konferenz vom Gebetshaus Augsburg fahren und hatte deshalb angefragt, ob er ein paar Tage in die Naunynstraße kommen könnte.

Am 2. Februar um 18.30 h werden wir in Sankt Michael den jährlichen Gedenkgottesdienst für Michael Balzer und Franz Keller feiern. Dabei werden wir auch an Mark erinnern.

Nachtrag:
Die genaue Todesursache von Mark ist bis jetzt noch unbekannt. Der Arzt vermutet eine Lungenembolie. Da die Todesursache nicht genau festgestellt werden konnte, mußte die Polizei gerufen werden, die dann die Gerichtsmedizin hinzuzog und eine Obduktion veranlaßt hat.

Weitere Infos zur Fazenda:
Youtube-Video über Gut Neuhof – Fazenda da Esperanca
(der Marc im Film ist nicht identisch mit dem Mark, der bei uns verstorben ist)
Botschaft von Papst Franziskus an und über die Fazenda

 

 

Jesuiten-Salat …

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… heißt eine neue kulinarische Kreation von Franz anlässlich des Besuches von Markus Franz (SJ), der für die älteren Brüder 70plus verantwortlich ist und deshalb unseren ältesten Mitbewohner Christian Schmitt besucht hat.

Als Beilagen wurden würzige Mini-Buletten (obere Bildleiste rechts) und eine Gemüselasagne (obere und untere Bildleiste Mitte) gereicht.

Wer sich selbst daran versuchen möchte:

  • Chinakohl
  • orange Paprikaschoten
  • Mandarinenspalten
  • frische Minze

Dressing: französischer Senf – Frischkäse

Genauere Details verrät Franz nicht. Die Fotos sind von unserem neuen Mitbewohner Luke Sonnenglanz.

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