Neugestaltung unserer Wohnzimmer-Gedenkwand

Viele Jahre war sie neben dem Kachelofen. Jetzt ist sie nach der Renovierung des Wohnzimmers umgezogen: Unsere Gedenkwand mit den Fotos, die an Menschen erinnern, die hier in der Gemeinschaft gelebt haben und verstorben sind oder in der letzten Lebensphase von der Gemeinschaft begleitet wurden sowie verstorbene Freunde und Freundinnen der Kommunität.

 

Gedenkwand im Wohnzimmer

 

Und so sah sie vor der Renovierung aus: die Gedenkwand
Mehr zur Renovierung und Neugestaltung steht hier und  hier und  hier.

 

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Von der Schildkröte und vom Skorpion am Fluß

In einer Gemeinschaft wie der unseren, in der Menschen aus unterschiedlichen Ländern (derzeit acht Länder und drei Erdteile), Kulturen, sozialen Hintergründen und religiösen Wegen (derzeit vier: christlich, muslimisch, buddisthisch, jüdisch) zusammenleben, manche Flucht, Gefängnis, Psychiatrie oder Leben auf der Straße und andere schwierige Situationen hinter und in sich haben, kommt es immer wieder zu Spannungen und Konflikten. Viele können gelöst, beigelegt oder befriedet werden. Andere müssen ausgehalten und immer wieder neu verhandelt werden und ganz selten ist der Konflikt über längere Zeit so destruktiv, daß eine Trennung unausweichlich ist.

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes kann von sehr schwierigen Situationen hier nur  gelegentlich erzählt werden. Gerade weil wir so verschieden sind, hilft uns dabei die Bildersprache von Geschichten aus verschiedenen Traditionen um über unser Erleben und wie wir es deuten ins Gespräch zu kommen.

Für einen Konflikt, der uns mehrere Wochen in Atem gehalten hat, hat Herr Tunesien – LeserINNEN, die schon länger dabei sind, kennen ihn vom Couscous-Duell mit Herrn Marokko, eine Geschichte aus seiner muslimischen Tradition gefunden und große Zustimmung bekommen. Und weil gerade Ramadan ist, paßt sie besonders gut. Er erzählt:

An einem Fluß lebt eine Schildkröte. Die Schildkröte kann schwimmen. Ein Skorpion kommt vorbei. Er kann nicht schwimmen und fragt die Schildkröte, ob sie ihn ans andere Ufer mitnimmt wenn sie rüber schwimmt. Die Schildkröte weigert sich und sagt: „Das mache ich nicht, denn wenn ich dich mitnehme, dann stichst du mich unterwegs“. Der Skorpion antwortet: „Warum sollte ich dich stechen. Dann sterben wir ja beide.“ Schließlich läßt die Schildkröte sich breit schlagen und nimmt ihn mit. Unterwegs sticht er sie. Die Schildkröte fragt ihn: „Warum stichst du mich? Du hast doch versprochen mich nicht zu stechen?“ Der Skorpion sagt: „Ich kann nicht anders. Dein Job ist es, mir zu helfen. Und mein Job ist es, zu stechen. Das ist mein Charakter.“

Zum Weiterlesen:
Vom Bauarbeiter-Professor und vom Taxi-Doktor

 

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Frühstücksgespräche (1)

Unter der Woche frühstücken wir immer um 8.00 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben. Manchmal kommt der eine oder andere Frühstücksgast dazu. Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Themen und Positionen ins Gespräch. In der letzten Zeit kam folgendes auf den Tisch:

  • Gewalt in Familien – wann wird von außen eingegriffen
  • Gewalt gegen Männer (von Frauen ausgeübt)
  • Arbeiten auf der Baustelle
  • Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus: Wer erinnert sich wie und an was?
  • Was genau ist der Unterschied zwischen Prostituierte, Nutte, Hure, Flittchen
  • Eifersucht
  • Trauer – ist sie kulturspezifisch?
  • Schlachten, Verhältnis zu Haustieren
  • Umgang mit Nacktheit – FKK
  • Schnarchverhalten einzelner Mitbewohner
  • Kalendersysteme und Zeiterleben
  • Fastenzeiten in unterschiedlichen Kulturen
  • Taize und Assisi: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Zum Weiterlesen:
mehr Frühstücksgespräche

Eine Tasse als Gleichnis

Mehr als 15 Jahre hatte unser ältester Mitbewohner, Bruder Christian, eine schwere braune Steinguttasse in Gebrauch. Vor zwei Wochen ging sie beim Abspülen zu Bruch. Er hat sie sehr vermißt. Einige Tage später hat ihm Silvia eine neue Tasse (Foto links) geschenkt, die ihm gut gefällt und zudem viel leichter ist. Er meinte dazu: „Schon vor meiner Krebsdiagnose vor 15 Jahren hatte ich diese Tasse. Ich habe mich so an sie gewöhnt. Ich habe sie sehr vermisst und habe einige Zeit gebraucht sie innerlich loszulassen. Und jetzt habe ich eine viel schönere Tasse geschenkt bekommen.“

Dieses Gespräch ist mir einige Zeit nachgegangen und mir ist das Gebet der Töpfer von Taize wieder eingefallen:

Gebet der Töpfer von Taizé
Herr,
mache mich zu einer Schale,
offen zum Nehmen,
offen zum Geben,
offen zum Beschenktwerden,
offen zum Bestohlenwerden.
Herr,
mache mich zu einer Schale für Dich,
aus der Du etwas nimmst,
in die Du etwas hineinlegen kannst.
Wirst Du bei mir etwas finden,
was Du nehmen könntest?
Bin ich wertvoll genug,
sodass Du in mich etwas hineinlegen wirst?
Herr,
mache mich zu einer Schale
für meine Mitmenschen,
offen für die Liebe,
für das Schöne,
das sie verschenken wollen,
offen für ihre Sorgen und Nöte,
offen für ihre traurigen Augen
und ängstlichen Blicke,
die von mir etwas fordern.
Herr,
mache mich zu einer Schale.

Eröffnung der Mitlebe-Kommunität Mamre

Ordensjubiläum Sr. Hilmtrud

Schwester Hilmtrud von der Congregatio Jesu hat vom Spätsommer 2015 bis Frühjahr 2016 in unserer WG gelebt. Nun hat für sie in Nürnberg in ihrer Gemeinschaft einen neuen Lebensabschnitt begonnen. Mit ihrer Mitschwester Magdalena lädt sie interessierte Frauen in die Mitlebe-Kommunität Mamre ein. Dafür steht im Haus der Congregatio Jesu ein ganzes Stockwerk zur Verfügung, das früher das Noviziat der Gemeinschaft beherbergte. Für den Namen der Mitlebe-Kommunität stand die Begegnung Abrahams mit den drei Boten (Genesis 18, 1 Mose 18) Pate.

Hilmtrud schreibt: Nachdem unser Noviziat nach Wien verlegt wurde, ergab sich für uns verbliebenen zwei Schwestern die Chance und der Auftrag, die frei gewordenen Räume als Mitlebe-Kommunität zu nutzen.

Magdalena und ich wollen unsere schlichten Räume, unsere Zeit, ein Stück unseres Lebens teilen
  • mit Jugendlichen, die einfach neugierig sind, wie Ordensleute so leben und ticken, („Komm und sieh“!),
  • mit jungen erwachsenen Frauen, die auf der Suche nach ihrem Lebensweg und ihrer Berufung sind, dabei ein Stück Wegbegleitung suchen und unsere Gemeinschaft kennenlernen möchten,
  • mit Frauen jeglichen Alters, die eine (ein- bis zweiwöchige) Auszeit mit der Möglichkeit zu geistlichen Impulsen, Gesprächen… suchen
  • mit solchen, die sich in Ruhe auf Prüfungen vorbereiten wollen, und dabei einen (flexiblen) geistlichen Rahmen schätzen.
Sie können an unseren Mahlzeiten und Gebeten teilnehmen, mit uns ins Gespräch kommen, einfach eine Weile mit uns mit-leben.
Allerdings sind wir weder ein billiges Hotel, noch können wir professionelle Betreuung bieten!
Gruppenangebote für bis zu 7 Personen machen wir gelegentlich auch, z.B. für Schülerinnen vor dem Abschlussexamen „Learn & Pray“, ein Format, das sich schon bewährt hat. Ansonsten sind wir noch offen für Ideen!

Silvia, die häufig zu unserem Samstagsfrühstück kommt und unserer Wohnzimmerlampe einen Text gewidmet hat, hat am Eröffnungswochenende in Nürnberg teilgenommen und berichtet darüber: Ein Wochen-ende im Zelt von Mamre mit Lachen, Gott und vielen Frauen. Der Artikel wird durch viele aussagekräftige Bilder illustriert. Unbedingt lesenswert.

Ein Bericht der Stadtkirche Nürnberg ist hier.

Samstagsfrühstück … mit vielen Ehemaligen

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Beim gestrigen Samstagsfrühstück waren die Mehrzahl unserer Gäste ehemalige Mitbewohner, die zum Teil schon sehr lange nicht mehr hier waren. So habe ich P. , Bäcker und Schauspieler, kennengelernt, der viele leckere Sachen dabei hatte und dessen Tanztheater b-r-o-t schon Thema im Blog war. M. ist in der letzten Phase ihres Psychologiestudiums…  Es ist immer wieder bewegend, wenn Fäden neu geknüpft werden können. Abends kam dann noch Werner, der Weitergeben mit drei Kisten Obst und Gemüse: „Was Ihr nicht braucht, gebt ihr weiter. Ich bin extra noch abends gekommen, damit ihr in die Kirche mitnehmt, was ihr nicht braucht.“ Außerdem hat er uns zur Beerdigung seiner Lebensgefährtin eingeladen, die vor drei Wochen unerwartet verstorben ist und mit der er 35 Jahre zusammen war.

 

Goldenes Ordensjubiläum von Hilmtrud

Ordensjubiläum Sr. Hilmtrud

Vom Spätsommer 2015 bis April 2016 hat Schwester Hilmtrud von aus Nürnberg mit uns gelebt. Sie hatte zu dieser Zeit keine Novizin und hat uns in vielen Bereichen sehr geholfen. Die Hauptarbeit beim Korrekturlesen vom Einfach-ohne-Buch hat sie geleistet.

Vorletztes Wochenende hat sie ihre 50jährige Zugehörigkeit zur Congregatio Jesu gefeiert. Als sie eintrat, wurde sie ein „englisches Fräulein“ (so der frühere Name der Gemeinschaft), dann eine Maria-Ward-Schwester (nach der Ordensgründerin). Ein ausführlicher Bericht ist hier auf der Seite der Congregatio Jesu zu finden. Christian und Iris waren bei diesem bewegenden Fest dabei, zu dem Hilmtrud ganz unterschiedliche Menschen, die ihr auf ihrem Weg im Ordensleben wichtig geworden sind, eingeladen hatte. Wir wünschen alles Gute für die nächsten 50 Jahre.

zum Weiterlesen:
Congregatio Jesu (Wikipedia)

Vorstellung vom Magazin INNENWELTEN

Luke Sonnenglanz schreibt:

Titelbild INNENWELTEN

meine freude ist groß euch mitteilen
zu können dass die erste ausgabe des
INNEN WELTEN – magazins im februar
das licht der welt erblickt hat
aber was ist so besonderes daran außer
dass die idee  gestaltung  und der verleger
ein bewohner der wg ist findet es heraus am zweiundzwanzigsten märz neunzehn uhr in der naunynstraße sechzig
wenn die INNEN WELTEN – redaktion ihr baby
vorstellt mit lesung und live-musik
(auch ein abendessen erwartet euch bereitet
von franz – bringt also hunger mit)
ihr seid herzlich eingeladen zu einen bunten
abend  der euch sicher im gedächtnis bleiben wird