Sind vor dem Virus alle gleich?

Der dümmste Satz der letzten Wochen: „Vor dem Virus sind alle gleich„. Eine Binsenweisheit, daß das Corona-Virus – wie auch jedes andere Virus – keine Wahl trifft, wen es befällt oder nicht. Dieser Satz ist eine Worthülse und täuscht eine Gleichheit vor, die es nicht gibt. Wir sitzen eben nicht alle im gleichen Boot, was die Pandemie betrifft. Das gilt im weltweiten und im lokalen Maßstab.

Corona verschärft die soziale Ungleichheit und macht Fehlentwicklungen deutlich, von denen wir wissen können aber aus unterschiedlichen Gründen nicht wissen wollen, ob es die Ausbeutungsstrukturen in Schlachthöfen sind oder arme Studierende betrifft, die ihre Studentenjobs verloren haben und möglicherweise ihr Studium abbrechen müssen.

Die Armen und Marginalisierten, ob Obdachlose oder illegalisiert lebende Menschen trifft es besonders hart. Viele Anlaufstellen sind geschlossen oder haben ihre Aktivitäten heruntergefahren. Das Flaschensammeln und der Verkauf von Obdachlosenzeitungen fallen weitgehend weg.

Auch jetzt, wo viele Einschränkungen zurückgenommen werden, haben Menschen sehr unterschiedliche Möglichkeiten, kulturelle oder sportliche Angebote zu nutzen: Ob Freiluftkino, Schwimmbad oder Tierparkbesuch, Eintrittskarten müssen im Voraus online gebucht werden. Wer keinen Zugang zu entsprechender Infrastruktur hat, hat Pech gehabt. Computer und Drucker können derzeit auch in öffentlichen Bibliotheken Berlins nicht genutzt werden.

 

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Frühstücksgespräche Mai (8)

Unter der Woche frühstücken wir normalerweise immer um 8.00 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben. Jetzt in Zeiten des Corona-Virus haben wir das Frühstück auf 8.30 h verschoben.  Frühstücksgäste kommen nicht mehr dazu. Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und unterschiedlichen Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Anliegen und Positionen ins Gespräch. Im Mai haben uns folgende Themen bewegt:

  • Warum ist dieses Jahr am 8. Mai in Berlin Feiertag
  • Niederlage, Zusammenbruch, Kapitulation oder Befreiung? Wer hat welche Perspektive
  • Spätfolgen von Kriegsgefangenschaft oder Zwangsarbeit im Gulag auch in den nachfolgenden Generationen
  • Kannibalismus in sowjetischen Gulags und Nazi-Konzentrationslagern
  • Wie wirkt sich Kriegsgefangenschaft auf die nachfolgende Generation aus
  • 80-Millionen Jackpot ging nach Bayern
  • unterwegs mit Schrottautos
  • wann ist in verschiedenen Ländern das Ende des Arbeitslebens, der Beginn der Rente und gibt es eine Rentenversicherung
  • Bedürfnis nach Gurus – was steht dahinter
  • Muttertag und wie es ist, wenn man an diesem Tag schwer oder gar nicht Kontakt zur Mutter aufnehmen kann
  • Wann ist in welchen Ländern Muttertag
  • Wer sind die Eisheiligen – Wetterregeln rund um die Eisheiligen
  • Was fehlt uns besonders während Corona und ist nicht zu ersetzen
  • Jahrestag der Entführung von Adolf Eichmann (11. Mai)
  • Was sind Chia-Samen und wofür sind sie gut
  • Erfahrungen von „Filmriß“ nach Unfall, Alkohol- oder Drogengebrauch
  • Vergleich: Arbeiten auf Baustelle, beim Umzug oder Zimmerreinigung im Hotel
  • Haus- und Stalltiere und ihre Fähigkeiten
  • Schulden machen – auf Pump leben – wie ist das in unterschiedlichen Kulturen
  • erben und vererben
  • Ramadan während Corona in verschiedenen Ländern
  • Verschwörungstheorien rund um Corona
  • Geschwindigkeitsbegrenzungen in verschiedenen Ländern
  • Wo haben verschiedene Autobauer ihre Produktionsorte
  • Satelliten – ihr Weltraumabfall und die Langzeitfolgen
  • Vogelzug über Bosporus und Gibraltar – wie finden die Vögel ihren Weg (Magnetfelder)
  • Sprachgrenzen von bestimmten Wörtern in Deutschland (Kaminkehrer / Schornsteinfeger; Metzger / Schlachter / Fleischer, arbeiten / schaffen etc.)
  • beliebte Vornamen zu unterschiedlichen Zeiten
  • warum gibt es in Deutschland so wenig deutsche Vornamen
  • was für ein Feiertag ist das heute (Christi Himmelfahrt)
  • Film Mosaic über Parallelen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Synagogen und Moscheen in sechs zu unterschiedlichen Zeiten vom Islam geprägten Ländern (Usbekistan, Türkei, Iran, Ägypten, Marokko, Andalusien)
  • Warum segnen Priester Waffen
  • Militärseelsorge – wie ist sie in Deutschland und in den USA organisiert
  • Corona in kapitalistischen und kommunistischen Systemen. Wo läuft es besser?
  • Namenstage von Heiligen und mit ihnen verbundene Pflanz- und Gartenregeln
  • Wie wird in welchen katholischen und orthodoxen Ländern Namenstag gefeiert
  • wenn Kinder in Sekten aufwachsen
  • Unser Haus im Fernsehen
  • Wo bekommt man welche Medikamente: apothekenpflichtig – rezeptpflichtig
  • wie ist die Abgabe von Medikamenten in anderen Ländern geregelt
  • Obduktionen und wie unterschiedliche religiöse Traditionen das sehen
  • Wann sind die (ignatianischen) Exerzitien entstanden
  • Umgang mit schmerzhaften Erfahrungen und Erinnerungen aus früheren Zeiten
  • wie können sich große Altersunterschiede in Partnerschaften auswirken

Noch mehr Frühstücksgespräche

 

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Kommen wir uns näher?

Christian, einer der Mitbegründer unserer WG, derzeit in Kladow wegen Corona, soll einen Artikel für Missio verfassen. Hier ist ein erster Entwurf. Vielleicht mag der eine oder die andere was dazu schreiben – gerne in den Kommentaren.

Kommen wir uns näher? Wie können wir mit Reiseverboten und Kontaktbeschrän-kungen den Menschen in den ärmeren Ländern des Südens näher kommen? Jetzt nehmen wir bei uns wahr, wie ein Leben ohne die Begegnung mit liebgewordenen oder uns herausfordernden Menschen verarmt.
Begegnung braucht Nähe und zur Gesundung auch von seelischen Scherzen Berührung. Berechtigterweise wollen wir uns vor der Ansteckungsgefahr schützen. Die Menschen des Südens kennen die weitgehende Schutzlosigkeit vor Verarmung, Hungersnöten, mangelnde Schulbildung, Krankheiten und Kriege. Unsere Situation ist damit nicht vergleichbar.
Doch da öffnet sich eine Tür (Joh 10,9), um uns im Überlebenskampf gegenseitig wahr zu nehmen? Die Menschen im Süden forderte die Not zum Wachsen ihres Glaubens heraus. Angesteckt von dieser Kraft kamen Missionare von dort zu uns in den Norden. Wegen ihrer mangelnden Sprachkenntnisse bleiben sie uns erst fremd, wie unsere Missionare es bei ihnen waren. Fragen wir sie nach diesen Lebenskräften in der Armut?
Die Tür des Verstehens – hier wie dort – öffnet sich, wenn wir die bekannten Schutzbehauptungen weglegen und uns für das Neue öffnen. Jesus hilft den Jüngern bei diesem Schritt, der wie das Loslaufen der Lämmer in die Welt der Wölfe ist: „Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe.“ (Lk 10, 3). Die Wölfe sehen hungrig auf die Geldbörsen, die deshalb zurückbleiben sollen. Wenn wir uns von der mitempfundene Not der Menschen im Süden leiten lassen, dann teilen wir auch die geldwerten Güter und Erfindungen miteinander und berühren den uns gemeinsam tragenden Boden „ohne Schuhe“ (V. 4 + Ex 3,5)!

Um ihn zu spüren, erinnert Jesus an den Propheten Elija, der seinen Diener zu einer trauernden Mutter schickt: Lass dich nicht aufhalten. Grüße keinen unterwegs und antworte auf keinen Gruß! (2 Kön 4,29) Befremdend? Ja, halten wir die Wirklichkeit der Menschen im Süden in uns lebendig, auch wenn uns unsere Freunde für dumm oder unhöflich halten! In
Straßenexerzitien üben wir das Mitfühlen der Freude und Not anderer, entdecken uns selbst und
Gott, der uns in unserer Not sieht, im neuen Licht. In dieser menschlichen Nähe finden wir zu angemessenem Handeln.
Christian Herwartz SJ
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Sacred space – heiliger Raum

Sonntagabend – Sankt Michael in Kreuzberg: Auf dem Alfred-Döblin-Platz vor der Kirche fahren Jugendliche Skateboard. Kinder haben mit farbigen Straßenkreiden aufs Pflaster gemalt. Getränkeverpackungen und Papiere von Schokoriegeln liegen auf dem Boden. Die Kirche ist geöffnet: Zum Schweigen, zum Verweilen, zum stillen Gebet, um eine Kerze anzuzünden, um an die verschiedenen Meditationsorte zu gehen, zum Innehalten, einfach da sein, nichts müssen, vielleicht ein Gebet aufschreiben oder die Vesper mitbeten …

leidender Jesus

Die beiden alevitischen Jungen von neulich  sind wieder da. Sie haben noch ein etwas größeres Mädchen und einen kleineren Jungen mitgebracht. Erst gehen sie zum Taufstein und betrachteten ihn ausführlich von den verschiedenen Seiten. Dann gehen sie weiter im Gänsemarsch zum Kreuzweg an der Kirchenwand. Das größere Mädchen dreht sich immer wieder zu den Jungen um legt den Zeigefinger auf den Mund. Sie schauen sich aufmerksam drei Kreuzwegstationen an. Dann sind sie auf dem Weg zum leidenden Jesus und stellen sich im Kreis auf. Der Kleinste steht rechts von der Jesusfigur. Nachdem er sie eine Zeitlang angeschaut hat, berührt er ganz behutsam und sanft die Schulter und streichelt sie. Dann nimmt er einen der Steine, die auf dem Boden liegen, in die Hand und versucht ihn in die Hand von Jesus zu legen. Weil die Hand absteht, mißlingen mehrere Versuche.  Er legt den Stein wieder auf den Boden. Nach einigen Augenblicken schweigenden Innehaltens verlassen alle zusammen die Kirche. Und wir anderen durften – sehend oder nicht – bemerkend oder nicht – dabei sein als sich dieser Moment, dieser Raum auftat.

Zum Weiterlesen:
Licht ist da zum Weitergeben
Mehr Infos zur Jesus-Figur im Pfarrbrief April / Mai 2020  (Seite 6)

 

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Frühstücksgespräche im April (7)

Unter der Woche frühstücken wir normalerweise immer um 8.00 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben. Jetzt in Zeiten des Corona-Virus haben wir das Frühstück auf 8.30 h verschoben.  Frühstücksgäste kommen nicht mehr dazu. Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Anliegen und Positionen ins Gespräch. Im April ging es um folgende Themen:

  • neue Interessen in der Corona-Zeit
  • was ist Beschwerdemanagement und wie funktioniert es
  • christliches Gemeinschaftsleben am Beispiel von Taizé, der Communauté von Grandchamp und der Communauté de Saint André
  • welche Gesichtsmasken für wen
  • Brauchtum zu Ostern
  • Gestaltung der kommenden Woche (Pessach, Karwoche, Ostern)
  • Was können welche Tiere nicht
  • Wie lebt Christian Herwartz in Kladow? Kann man Päckchen schicken?
  • Fußball in Zeiten von Corona
  • Wilde Tiere in der Stadt – werden es mehr durch Corona?
  • Bart oder nicht Bart in verschiedenen Lebensphasen
  • Welche Sanktionen / Formen von Strafe gab es in der Schule?
  • Erfahrungen mit Folter
  • welche Automarken sind und waren in welchem Land populär
  • wer hatte wann welche Automarke – Vorteile und Nachteile
  • Unser zeitweiliger tierischer Mitbewohner Luis ist gestorben.
  • unserem Freund Werner, dem Weitergeber, wurde die Frontscheibe und eine Seitenscheibe seines Autos eingeschlagen als er im Auto saß.
  • Umgang mit Ängsten
  • Was ist, wenn durch Corona alte traumatische Erfahrungen hochkommen
  • wie alt werden Kühe unter den unterschiedlichen Haltungsbedingungen
  • psychische Folgen von sich eingesperrt fühlen und schlimme Erinnerungen
  • Erfahrungen mit Motorradfahren und Motorradunfällen
  • Mietpreise zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten
  • wer könnte sich vorstellen unter welchen Umständen die Zeit der Ausgangsbeschränkungen allein zu verbringen
  • Informationsquellen zu Corona
  • was hilft uns dabei achtsam zu bleiben
  • Fastenpraxis muslimisch und jüdisch
  • Bevölkerungsentwicklung in verschiedenen Großstädten, die wir kennen
  • Instrumentalunterricht in Zeiten von Corona
  • Umweltschutz und Umweltpolitik im Vergleich
  • Sicherheitsbedürfnisse rund um Corona
  • Corona und mehr Gewalt in Familien
  • Warum ist am 1. Mai Feiertag
  • Errungenschaften der Arbeiterbewegung
  • Brauchtum zum 1. Mai im europäischen Vergleich

Mehr Frühstücksgespräche

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Krise als Geburtsort

Sprache prägt unser Denken, unser Handeln – unser Bewußtsein. Wie sprechen wir über Corona? Welche Bilder werden von den Medien vermittelt? Was kommt atmosphärisch rüber?

Wenn von „Corona-Krise“ die Rede ist, dann liegt der Schwerpunkt meist auf dem Aspekt der Gefahr. Das ist eine Engführung. Dem Wort „Krise“ liegt das griechische Wort „krinein“ zugrunde, bei dem es um das Unterscheiden geht.

In ihrer Ansprache beim letzten Schabbat-G-ttesdienst in der Central Synagoge in New-York erklärt Rabbinerin Delphine Horvilleur, daß das hebräische Wort für Krise משבר (maschber)im biblischen Hebräisch der Ort ist, an dem Frauen ein Kind auf die Welt bringen, wo die Gebärmutter sich öffnet und so etwas Neues in die Welt kommt und aufbricht.

Eine gute Ergänzung dazu ist der NDR-Podcast von Regula Venske von der Wirkung von Sprache in Krisenzeiten (ca 8 Minuten). Vielen Dank an Hauptschulblues für den Hinweis.

 

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Gruss von unserem Freund Roj

Roj, ein indischer Freund, duch den wir gelernt haben, daß es im Hinduismus auch monotheistische Strömungen gibt, kommt seit Jahren regelmäßig zu unserem Samstagsfrühstück. Vor er geht singt er ein hinduistisches Gebet aus den Upanischaden für uns. Derzeit ruft er uns oft zur Samstagsfrühstückzeit an. Hier ein Gruß von ihm, mit dem er zum Ausdruck bringen will, was ihm unsere Gemeinschaft bedeutet:

Du machtest mich bekannt
mit Freunden, die ich noch nicht kannte.
Du gabest Heimstatt mir in Häusern,
die mir nicht gehörten.

Du brachtest das Entfernte nah
und machtest aus dem Fremdling
einen Bruder.

(aus Gitanjali, einer Gedichtsammlung des bengalischen Dichters Rabindranath Tagore)

Zum Weiterlesen:
Hinduistisches Gebet zum Samstagsfrühstück(gesungen)
Mehr zu Begegnungen beim Samstagsfrühstück

 

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Nachricht von Corona

Hallo Entschuldigen Sie, dass ich ohne Vorwarnung in Ihr Haus eingebrochen bin. Mein Name ist Corona. Sie kennen mich wahrscheinlich. Seien Sie nicht überrascht und haben Sie keine Angst. Ich möchte nur reden und einige Dinge erklären. Zunächst einmal verzeihen Sie mir, wie ich Sie behandelt habe. Ich kam aus dem Nichts und stellte Ihr Leben auf den Kopf. Ich bin aus dem Nichts angekommen und habe Ihr Leben durcheinander gebracht. Sie fragen sich sicher, warum ich gekommen bin und warum gerade jetzt! Eigentlich ist es nicht das erste Mal, dass ich Sie besuche, ich war schon zweimal zu Ihnen eingeladen, 2002 und erst kürzlich, 2012, erinnern Sie sich an den Kamelzustrom?

Jedes Mal dachte ich, dass sie diesmal die Lektion gelernt haben, aber so sind die Menschen. Heute bin ich es leid, zu sehen, wie Sie unermüdlich diesen Weg der Sünde gehen, wie Sie die Erde, die Sie verödet haben, veröden, wie Sie all diese Wälder verbrannt haben, wie Sie diese Atmosphäre und diese Ozeane, die Sie verschmutzt haben, die Flora, die Sie vergiftet haben, sehen, Die Tiere, die ihr geschlachtet habt, und ihr habt nicht damit aufgehört, eure Barbarei hat die Misshandlung der Erde und anderer lebender Spezies übertroffen, eure Wildheit wendet ihr auf euch selbst und untereinander an, wenn eure Brüder in der Menschheit zu euren Feinden werden.

Ja, ich bin es leid, ganze Völker zu sehen, die Sie versklavt haben, Länder und Kontinente, die Sie verarmt haben, die Sie für Ihre eigenen Interessen benutzt haben, Stämme mit chemischen Waffen, die Sie ausgelöscht haben, stolze Generationen, die gierig nach Gerechtigkeit und Freiheit waren, die Sie unterdrückt haben, wie viele Menschen Sie ausgehungert haben. und wie viele Menschenrechtsbewegungen Sie unterdrückt haben, Ihre Integrität haben Sie für mehr Geld verkauft, Sie haben die Welt in Stücke geschnitten, um so viel wie möglich zu essen. Ich mache diese Gefangenschaft, die ich euch auferlege, nicht umsonst, ich möchte, dass ihr daraus lernt, dass ihr die Wut der Unterdrückten fühlt, dass ihr fühlt, was die Hungrigen fühlen, dass ihr fühlt, was die Behinderten fühlen, dass ihr fühlt, was Frauen jeden Tag wie eingesperrte Bestien fühlen.

Sie mögen mich hart, kriminell oder sogar mörderisch finden, aber die Verantwortung für all dieses Unglück liegt bei Ihnen und nur bei Ihnen, ich musste etwas tun, damit Sie endlich aufwachen, damit Sie endlich Ihre Augen öffnen, damit Sie endlich das Feuer löschen, das Sie selbst entzündet haben; Lange habe ich darauf gewartet, dass du näher kommst, aber du entfernst dich immer weiter, ich bin es leid, zuzusehen, wie der Egoismus dich verschlingt, Neid, Hass dich zerreißt, Gier dich unterwandert. Während du in meinem Gefängnis eingesperrt bist, möchte ich, dass du über das Wesentliche nachdenkst. Dinge, die Ihnen egal sind, weil Sie vom Wirbelsturm des Lebens aufgesogen werden.

Ich möchte, dass Sie die Bremse ziehen, dass Sie einen neuen Atemzug nehmen, dass Sie verstehen, dass Ihre menschlichen Beziehungen und Ihre Beziehungen zu dem Land, auf dem Sie leben, und zu der Umwelt, die Sie geboren hat, sich ändern müssen. Ich hoffe, dass Sie diesmal Ihre Lektion gelernt haben und dass dies der letzte Brief ist, den ich Ihnen schicke, Aber Vorsicht, wenn ich Ihnen nicht das Beste zeige, komme ich zurück, um Sie zu besuchen, und dieses Mal werde ich einen neuen Anzug anziehen, und dieses Mal wird Sie nichts retten, weder Handwäsche noch Feuer noch Gegengift. Ich freue mich besonders, wenn Sie klugerweise auf ein Wiedersehen verzichten.

aufgezeichnet von unserem Mitbewohner Nadir