geschenkt am Muttertag

Foto: Maria Cruz

In Sankt Michael werden seit einigen Jahren am Muttertag, der immer auf den zweiten Sonntag im Mai fällt, nach der Messe Rosen aus fairem Handel verkauft. Der Erlös ist für Solwodi Berlin bestimmt –  eine Beratungsstelle für Frauen, die von Zwangsprostitution und Menschenhandel betroffen sind.

Die Comboni-Schwestern Margit und Mabel, die diese Arbeit verantworten, waren in ihrer An-fangszeit in Berlin 2006 auf der Suche nach ihrer Berufung und haben in dieser Zeit einige Monate in unserer Wohngemeinschaft gelebt. Von daher rührt unsere Verbindung, die bis heute besteht. (Mehr dazu hier)

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Unter Kamelen

Conny aus der Schweiz, eine Freundin unserer Gemeinschaft, ist gerade für drei Monate in Israel. Von dort hat sie uns einen fotografischen Gruß geschickt über den wir uns sehr gefreut haben:

unter Kamelen (© Conny Pieren)

W wie Werner oder wie Weitergeber

Später Samstagnachmittag. Es läutet. Eine Männerstimme im Treppenhaus: Kann mal jemand runterkommen und tragen helfen? Es ist Werner, 65 Jahre alt. Man sieht ihm an, daß er kein einfaches Leben hatte. In seiner Nachbarschaft fragt er in den Lebensmittel-geschäften nach Waren, die nicht mehr verkauft werden können und verteilt sie mit seinem eigenen Auto. Manchmal sehen wir ihn monatelang nicht. Letzte Woche und diese Woche war er zwei Mal da. Für uns war das eine willkommene Unterstützung, denn in beiden Wochen haben wir nichts von der Tafel bekommen, was Werner allerdings nicht wissen konnte.

Kennengelernt habe ich ihn vor drei Jahren. Ich erinnere mich noch genau an unsere erste Begegnung. Es war einige Wochen nach Weihnachten. Werner kam schwer atmend mit einem Riesenkarton die Treppe herauf. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen als ich sechzig (!) Packungen Ferrero-Küßchen vor mir sah. Ich habe nachgezählt, weil ich so fassungslos war.  Heute brachte er Gemüse, Kartoffeln, Wurst, Eier und Geleebananen.

Vor ein paar Wochen hatte er einen halben Umzugskarton mit ungewöhnlichem Inhalt bei den Schwestern für uns hinterlassen. An die – geschätzt – 200 Romanhefte warteten auf uns: Arztromane, Adelsromane, Liebesromane, Heimatromane und die Serie „der Bergpfarrer“.

Ich frage ihn, ob er Internet hat. Nein. Ich erzähle ihm von unserem Blog und frage, ob ich über ihn schreiben darf. Kannste machen. Ich bin der Weitergeber. So schreibste das. Ich brauch ja nicht viel für mich. 90 Prozent geb ich weiter. Danke, Werner. für deine Unterstützung.

Schwarzes Feuer Weißes Feuer – mein Glaubensbekenntnis

Cover

Gestern hat uns ein Päckchen von Andreas Ebert überrascht. Er hat uns ein Exemplar seines neuen Buches geschickt mit einer sehr ermutigenden Widmung. Wir haben uns sehr darüber gefreut – vielen Dank dafür.

Letztes Jahr zum Beginn der Fastenzeit – einige Monate vor dem Eintritt in den Ruhestand – hat Andreas dazu eingeladen, eigene Bekenntnisse zu formulieren. Dazu ist dann eine Ausstellung entstanden. Wir kennen Andreas als Begleiter bei Straßenex-erzitien. Zuletzt hat er uns kurz vor Christians Weggang besucht als er mit Christian eine Woche für evangelische Bischöfe aus Norwegen in Berlin gestaltet hat. Neben eigenen Büchern ist er als Übersetzer von Richard Rohr bekannt geworden. Im Verlagstext zum neuen Buch heißt es:

In seinem eindrucksvollen Buch zeigt Andreas Ebert, was die zentralen Inhalte des Glaubensbekenntnisses sind und wie sich rätselhaft gewordene Konzepte wie Schöpfung, der Heilige Geist, Jungfrauengeburt, Sünde, göttliche Allmacht oder ewiges Leben heute verstehen lassen. Ausgehend von seiner eigenen spirituellen Reise fragt der Autor nach den biblischen Quellen des Glaubens und danach, wie sich diese mit persönlichen Erfahrungen von Familie, Sexualität, Leid, Liebe und Schmerz versöhnen lassen. Das Ergebnis ist eine umfassende Erklärung des christlichen Glaubens auf der Höhe unserer Zeit.

Wir sind sehr gespannt.

Frauentagstradition (3)

Inzwischen kann man schon von einer kleinen Tradition sprechen. Franz hat dieses Jahr wieder den Frauentag als Gelegenheit genommen für uns und Freundinnen der WG kulinarische Köstlichkeiten zu zaubern. Eine fröhliche Runde hatte sich um unseren Tisch eingefunden.

Frauentagsessen 2018

Franz hat Wildlachs mit Gemüsereis mit einer fruchtigen Mangosauce zubereitet. Außerdem gab es eine erfrischende Salatkreation mit schwarze Oliven, Feta, Rauke, Wassermelonen und Wiesenblumen mit einem Aprikosen-Hollunder-rote Feigen-Dressing..

Menü beim Frauentagsessen

Der Nachtisch hat uns dann völlig überrascht. Sollte Franz unter die Tortenbäcker gegangen sein? Nein – hier hat er sich externe Unterstützung geholt: Eine luftige und leichte Cremetorte bildete den Abschluß.

Nachtisch: Tortenkreation

Rockn RollF war gekommen um uns mit eigenen und Bob-Dylan-Liedern musikalisch zu unterhalten. Eines kann man auch hier anhören. Einige hat das so motiviert, daß sie Lieder aus der Mundorgel aus fernen Jugendzeiten zu Gehör brachten. Es war ein rundum schöner und gelungener Abend.

Die Fotos hat Luke Sonnenglanz beigesteuert. Vielen Dank dafür.

Frauentag 1
Frauentagsessen und Reiseerlebnisse (2)

 

Sonntagsüberraschung

Mehr als drei Jahre ist es her, daß sie das letzte Mal in der Naunynstraße war. Seit einiger Zeit lebt sie in Berlin, und heute hatten wir die Freude, daß Katharina spontan ganz plötzlich vor der Tür stand. Glücklicherweise waren einige zuhause, was am Sonntagnachmittag nicht so selbstverständlich ist. Bei Kräutertee und Obst hörten wir von der Afrikareise, von der Familie und von der ersten Zeit in Berlin. Und schon am nächsten Samstag sehen wir uns wieder beim Frauentagsessen.

 

Nachgerufen: interreligiös engagiert – ohne Religionszugehörigkeit

Reinhard Schaenke gehörte mit Christian Herwartz (SJ), Mohammed Herzog, Klaus Mertes (SJ), Dhiraj Roy und anderen 2002 zu den Initiatoren des monatlich auf dem Gendarmenmarkt stattfindenden interreligiösen Friedensgebets. Solange die Vorbereitungstreffen bei uns in der Naunynstraße stattfanden, habe ich ihn bei diesem Anlaß gesehen. Manchmal hat er uns auch in der Wohngemeinschaft besucht. Am 29. Januar ist er verstorben. Er hat sich als „nicht religionszugehörig“ definiert. Klaus Mertes schreibt an ihn:

„Ich erinnere mich an unsere Begegnung in Berlin beim interreligiösen Gebet. Du hast von Anfang an dazugehört und hast es mit angestoßen. Du warst einer, der sich nicht als religionszugehörig verstand und trotzdem zu den Treuesten der Treuen gehörte, wenn wir uns einmal im Monat am Gendarmenmarkt getroffen haben. An diese Gebetsgemeinschaft werde ich mich immer erinnern.

 

Dadurch, dass Du Dich als nicht religionszugehörig beschrieben hast, warst Du für mich auch eine Herausforderung. Die Herausforderung hat mich zum Nachdenken gebracht und weitergeführt. Auf der einen Seite ist die Sehnsucht und der Wunsch nach Zugehörigkeit ein tiefer Wunsch, den wohl alle Menschen verspüren, ob es nun die Zugehörigkeit zur einer Familie, einer Gruppe, einer Gesinnungsgemeinschaft, einem Kollegium oder was auch immer ist. Aber gerade im Falle der Religion kann wie im Falle der Nation und bei anderen Zusammenschlüssen von Menschen die Zugehörigkeit eine ausgrenzende Rückseite bekommen und hat sie auch oft genug erhalten. Vielleicht ist das sogar unvermeidlich. Ich habe deswegen Deine Selbstbeschreibung als religiös nicht-zugehörig immer auch verstanden als Widerstand und Widerspruch gegen ausgrenzende Zugehörigkeit bzw. gegen die ausgrenzende Seite von Zugehörigkeit. Gerade dadurch hast Du eben dazugehört. Und so hast Du mir auch geholfen, meinerseits Grenzen der Zugehörigkeit zu überschreiten, gerade auch mit den Freunden und Freundinnen des interreligiösen Gebetes in Berlin.“