Couscous – nächste Runde

Ein Besuch von Christian war der Anlaß, dass Herr Tunesien zum Kochlöffel griff. Hier das Ergebnis: Couscous tunesisch. Herr Tunesien war zufrieden und wir auch.

 

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Erntedank meets Rosch haSchana (jüd. Neujahrsfest)

Erntedank-Altar Sankt Michael

Am letzten Sonntag wurde in der katholischen Gemeinde Sankt Michael, auf deren Gebiet unsere Wohngemeinschaft liegt, das Erntedankfest begangen und ein Kind getauft. Vor dem Altar waren die reichlichen Gaben aufgebaut, die für das Fest mitgebracht worden waren. Anschließend wurde im Gemeindesaal noch bei einem schönen Essen in großer Runde weitergefeiert. In der Wohngemeinschaft freuten wir uns dann über einen großen Teil der Erntedankgaben, die unsere Gemüsekiste füllten und in den darauffolgenden Tagen verarbeitet wurden.

Kiddusch Rosch haSchana 5780

Am Abend begann dann das jüdische Neujahrsfest Rosch haSchana (wörtlich: Kopf des Jahres). Franz hatte ein leckeres Essen für uns und einige Gäste vorbereitet, das wir mit dem Kiddusch zum Feiertag (Bild) begannen – also mit dem Entzünden der Kerzen und den Segenssprüchen zum Feiertag und den Apfelspalten, die in Honig eingetaucht werden mit dem Wunsch, daß es ein süßes neues Jahr 5780 werden möge. Nach dem Essen haben wir noch lange mit unseren Gästen gesungen und hatten einen fröhlichen Abend.

Rosch Haschana ist der Tag, an dem G-tt den Menschen erschaffen hat als Krönung der Schöpfung. Ebenso sagt Rabbi Elieser, dass unsere Stammväter im Monat Tischri geboren wurden, da sie Anfang für eine Welt waren, die bisher sündhaft war. An Rosch Haschana wurden Sara, Rachel und Chana bedacht. Sie waren vorher kinderlos, doch von diesem Tag an schenkte ihnen G-tt die Hoffnung auf Kindersegen.

An Rosch Haschana wurde Josef aus dem Gefängnis entlassen, in dem er zwölf Jahre lang unschuldig eingesperrt war. Von diesem Tag an begann sein Licht zu leuchten. Am Rosch Haschana wurde der Sklaverei unserer Väter in Ägypten ein Ende gesetzt, und so wurde der Tag der Anfang der Erlösung.

Quelle: hier

Sehr phantasievoll gestaltete Erntedankaltäre findet man hier

 

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Ausflug zum Pflaumenpflücken

Am Wochenende waren wir zu dritt unterwegs in Brandenburg. Der Nehemiahof, eine evangelische Gemeinschaft im Süden von Berlin, hat auf seinem Gelände viele Pflaumenbäume. Wir durften zum Ernteeinsatz kommen. Bei wunderbarem Spät-sommerwetter konnten wir uns über die süßen und aromatischen Früchte freuen. Nach dem Ernteeinsatz waren wir noch zu Kaffee und frischen Pflaumenstreußelkuchen eingeladen und haben einiges aus der Geschichte der Gemeinschaft und ihrem gegenwärtigen Anliegen erfahren. Menschen in Krisen finden Aufnahme. Häuser für ein Mehrgenerationen-wohnen sind im Entstehen und einige Ponys haben dort ein Zuhause gefunden. Wir freuen uns über diesen neu entstandenen Kontakt, den wir der Vermittlung von Miriam verdanken.

Zum Weiterlesen:
Website vom Nehemiahof

 

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Spiritualität und Weltverantwortung – gelebte Visionen

Bild Blog „gelebte Visionen“ (Foto: M. Matthias)

An diesem Wochenende geht der dreimonatige Studienurlaub von Monika Matthias, einer langjährigen Freundin unserer Gemeinschaft zu Ende. Er stand unter dem Thema „Spiritualität und Weltverantwortung – gelebte Visionen„. Sie hat in dieser Zeit unterschiedliche Gruppen, Gemeinschaften und Initiativen besucht. Mitte August war sie auch bei unserem Samstagsfrühstück.

In ihrem Weblog kann man über die unterschiedlichen Orte und Begegnungen nachlesen. Mit einigen sind auch wir eng verbunden durch gegenseitige Besuche, Austausch oder praktische Unterstützung, wie etwa die Regenbogenfabrik, ein Kinder-, Kultur- und Nachbarschaftszentrum, das aus einer Hausbesetzer-Initiative entstanden ist. Dort, in der Holzwerkstatt hat auch unser inzwischen verstorbener Mitbewohner Franz, ehrenamtlich mitgearbeitet und Menschen bei Reparaturen oder beim Möbelbauen unterstützt. Oder auch die Schwestern der Mutter Theresa, die in Kreuzberg eine Suppenküche betreiben und einsame Menschen besuchen.

Das Blog von Monika Matthias ist hier zu finden. Dicke Leseempfehlung!

 

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Auf der Treppe …

A. erzählt: Letzte Woche wollte ich euch am Donnerstag Nachmittag besuchen. Leider war niemand zuhause. Da kam ein Mann. Der wollte auch zu euch. Er war groß und dick, hat viel und schnell gesprochen. Ich kannte ihn nicht. Er hatte eine große Tüte voller Pfannkuchen (Eierkuchen) dabei. Wir haben uns auf die Treppe gesetzt und miteinander Pfannkuchen gegessen. 

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Wenn ein Bild von Befreiung erzählt …

Unübersehbar ist dieses Bild von Katja Sommer in unserem Wohnzimmer für jeden, der es betritt. Vor einigen Tagen habe ich in der Textsammlung „Gastfreundschaft – 25 Jahre Wohngemeinschaft Naunynstraße“ die Zeilen entdeckt, die Katja darüber verfaßt hat. Am letzten Kommunitätsabend haben wir diese Geschichte miteinander gelesen. Niemand von den jetzigen Bewohnern kennt Katja, und es ist schön in diesem Text eine Brücke zu haben.

Befreiung

Angefangen hat alles mit der Verbindung meines Vaters zur Naunynstraße. 1997 war das Jahr, in dem ich nach Berlin zog. Meine Freundin hatte mich eingeladen, hierher zu kommen. Von ihrer Wohnung aus suchte ich mir ein Zimmer im Prenzlauer Berg. Mein Vater besuchte mich bald. Er war in Sorge, daß ich in der großen Stadt verloren gehen könnte, und lud mich ein, mit ihm zur Naunynstraße zu kommen und Christian kennenzulernen. Das war der Beginn einer ganz besonderen Freundschaft.

Gab es Momente, in denen sich die Sorge meines Vaters zu bestätigen schien, so fand ich immer wieder Halt und Geborgenheit in langen Gesprä-chen mit Christian, auf Spaziergängen oder in einer Ecke der Wohnung. Und traf auf Menschen, denen es wohl ähnlich ging wie mir. Schritt für Schritt löste sich auf, was ich bisher als mein persönliches, einzigartiges Unglück zu betrachten gelernt hatte.

Kein Schritt, vielmehr ein Sprung auf diesem Weg war Christians Wunsch an mich, für sein Fest ein Bild zum Thema Befreiung zu malen. Inzwischen hatte ich nämlich ein Studium für das Lehramt Bildende Kunst an der Kunsthochschule begonnen, und Christian wußte, daß ich viel malte. Ich freute mich über diese Idee.

Ich wählte ein großformatiges Bild aus, das überwiegend in Blau und Weiß gemalt ist und eine abstrakte Form darstellt, die ich am ehesten als eine Art Zwiebel beschreiben würde. Eine Zwiebel, und das ist das Entscheidende, die sich nach oben öffnet und Farbe sprüht.

Das Bild bekam einen Platz neben den anderen Geschenken, und mehrere Leute fotografierten mich und sich und andere Leute davor. Ich war stolz und glücklich über die positiven Rückmeldungen der Betrachter.

Doch es sollte noch besser kommen. Eines Tages rief Christian mich an und berichtete begeistert, er habe das Bild, und auch eines von Albert, in der Naunynstraße aufgehängt und ich solle vorbeikommen um es mir anzusehen. Es habe einen wunderbaren Platz im Wohnzimmer bekommen, wo es aussehe, als gehöre es dorthin. Ich glaube, ich fuhr noch am selben Tag hin. Und richtig: Das Bild hing im Wohnzimmer, als sei es extra für diesen Platz gemalt. Vielleicht fing es erst jetzt an, auch mir selber zu gefallen. Christian sagt, es erfreue die Menschen, die zu ihm zu Besuch kommen, und erfülle den Raum mit Dynamik, Licht und Freude. Und wenn ich jetzt zu Besuch komme, bin ich für diejenigen, die ich dort zum ersten Mal treffe, oftmals die Künstlerin, die dieses Bild gemalt hat. Das ist eine große Ehre für mich.

Und in diesen Momenten funkt die Hoffnung in mir auf, daß die Befreiung, die ja der Ausgangspunkt dieser Geschichte ist, hier erst ihren Anfang nimmt. Zum Beispiel, daß ich noch viele Bilder malen werde, die anderen Menschen Mut machen, und wir zusammen weitergehen … in Richtung Licht.

Meinen Dank für viele schöne Stunden möchte ich an dieser Stelle auch Hans und Helma aussprechen, die mit ihren Essenseinladungen einen wichtigen Teil zu meinem „Leben in Berlin“-Wohlgefühl beitragen. Und ich möchte auch Franz nicht vergessen, dessen liebes, freundliches Gesicht und Sein mir jedesmal das Herz erwärmt, wenn ich es erlebe.

Katja Sommer – Berlin 1.1.2003 aus der Textsammlung „Gastfreundschaft – 25 Jahre Wohngemeinschaft Naunynstraße“, S. 280

Zum Weiterlesen:
Auch ein Tisch – unser Wohnzimmertisch hat eine besondere Bedeutung: Ein Tisch als Zeichen der Gemeinschaft