Leben mit Menschen am Rand der Gesellschaft

Notübernachtung St. Pius

Seit vielen Jahren gehören Wolfgang Willsch und die „Gemeinschaft Brot des Lebens“, in der er mit seiner Familie und ehemals obdachlosen Menschen in Berlin-Friedrichshain lebt, zu den Freunden unserer Gemeinschaft. Schon oft durften wir die Räume, in denen sie im Winter Gastgeber einer Notübernachtung im Rahmen der Berliner Kältehilfe sind, während der Sommermonate für Exerzitien auf der Straße nutzen.

Was das Leben mit Menschen am Rand der Gesellschaft mit Freiheit zu tun hat, kann man auf einem Beitrag von Deutschlandfunk Kultur über die Gemeinschaft Brot des Lebens nachlesen und nachhören (sieben Minuten) und zwar hier.

Mehr zur Gemeinschaft Brot des Lebens
Exerzitien auf der Straße – Leben mit Straßenkontakt
WG Naunynstraße als Straßenexerzitien-Herberge

 

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Abschied von Heinrich genannt „Eiermann“

Gestern haben wir uns von Heinrich (Müller) genannt „der Eiermann“ verabschiedet. „Der Eiermann“ war sein Spitzname in unserer Gemeinschaft, denn einige der migrantischen Mitbewohner konnten seinen Namen nicht aussprechen. Jahrelang kam er regelmäßig zum Samstagsfrühstück und brachte in großer Menge Eier mit aber auch viel anderes. Toilettenpapier ist den Mitbewohnern in besonderer Erinnerung geblieben. Weil er in den letzten Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen war, konnte er nicht mehr zu uns in die Wohnung kommen. Aber zum Sonntagsfrühstück nach der Messe in Sankt Michael, kam er immer wieder. Und brachte was mit: EIER – wenigstens zwei große Packungen. Es ist immer wieder bewegend, welche Facetten von einer Person sichtbar werden, wenn nach einer Beerdigung von einer verstorbenen Person gesprochen wird oder wie bei uns gestern nach dem Gottesdienst in Sankt Michael zur Erinnerung an ihn:

  • Heinrich war sehr großzügig. Es war unglaublich, was aus der großen Tasche immer auftauchte, die er zum Sonntagsfrühstück mitbrachte.
  • Heinrich wuchs in den 1950iger Jahren in einem Heim in Bayern auf. Dort hat er viel Schlimmes erlebt. Hunger war an der Tagesordnung. Er gehörte zur Heimkindergruppe, die sich regelmäßig in Sankt Michael trifft.
  • Heinrich hat sich für vieles interessiert und war in ganz unterschiedlichen Themenfeldern sehr belesen.
  • Heinrich war immer sehr direkt. Man wußte immer, woran man mit ihm war.
  • Heinrich war streitbar. Mit ihm konnte es sehr laut werden und gleichzeitig war er niemals nachtragend.
  • Heinrich war in Spandau als Mitglied der Alternativen Liste in der Bezirkspolitik aktiv. Für die Jüngeren unter den Mitlesenden: Aus der Alternativen Liste ist die Partei der Grünen hervorgegangen.
  • Heinrich war im Erstberuf Gärtner. Er liebte die Natur. Besonders hat er sich an den Geranien auf seinem Balkon erfreut.
  • Sein Zweitberuf war Krankenpfleger. Er war regelmäßig beim Mittwochscafe in Sankt Marien-Liebfrauen dabei und hat viele arme Menschen in gesundheitlichen Fragen beraten. Von ihnen war er hoch geschätzt.
  • Heinrich hatte sich nach schlechten Erfahrungen von der katholischen Kirche distanziert. Er hat sich viele Jahre kritisch mit Kirche und Glaube auseinandergesetzt , u. a. auch im Sonntagskreis von Sankt Michael und hat bei seiner Suche den Glauben neu und anders kennen und schätzen gelernt. Er ist wieder in die katholische Kirche aufgenommen worden und hat regelmässig an Gottesdiensten und Treffen in St. Michael und beim Neokatechumenat teilgenommen.

Wer noch andere Facetten von Heinrich beitragen mag, schreibe in den Kommentaren dazu. Es wird dann hier in den Beitrag kopiert.

 

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Advent, Advent …

Unsere Adventszeit hat dieses Jahr einen besonderen, neuen Akzent. Unser Mitbewohner F., Koch mit Leib und Seele aus Leidenschaft, machte den Vorschlag, daß wir an den Adventssamstagabenden miteinander und mit dem / der einen oder anderen von unseren Freunden essen könnten und uns anschließend Zeit zum Singen, für eine Geschichte oder was sich sonst daraus ergibt, nehmen könnten. Jeder dieser Abende hatte ein ganz eigenes Gepräge. So leitete Schwester Rita eine Bastelaktion an, die zu einem Gemeinschaftsstern führte, Ex-Bewohner Rockn Rolf stellte neue Eigenkompositionen vor, Bruder Winfried von der Emmausgemeinschaft begleitete uns mit Akkordeon, Anna brachte ihre Geige und Elisabeth ihre Gitarre mit. Unser neues Advents- und Weihnachtsliederheft wächst und gedeiht.

Außerdem haben uns Susanne und Reinhard den Adventskalender „der andere Advent“ geschenkt, der uns schon die beiden letzten Jahre begleitet hat. An den Adventssonntagen gibt es immer eine Meditation über eine biblische Person aus der Weihnachtsgeschichte und deren Sicht auf die Ereignisse. Diese Impulse lesen wir zum Abschluß vom Samstagsfrühstück und schicken unsere Frühstückgäste damit in den Beginn der neuen Adventswoche.

Am Donnerstag wird uns Markus aus Köln mit seiner Trompete besuchen. Das ist immer wieder eine Freude für uns – egal ob es die alten „Hasen“ unter den Bewohnern sind oder die neuen, wenn wir einander erzählen und mit Trompetenbegleitung singen.

Wir sind gespannt, wer am 24. Dezember ab 18.00 h zu uns kommt um mit uns zu feiern. Es ist ja immer eine schöne Mischung von bekannten Menschen, Freunden und denen, die zum allerersten Mal bei uns sind.

 

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Stille für den Frieden mit Gesängen aus Taizé

Gabriele, eine Freundin der WG und regelmäßige Besucherin von unserem Samstags-frühstück, hat einen Impuls aus Taizé aufgenommen und bietet mit anderen jeden Freitag ein Gebet für den Frieden an. Sie schreibt:

Taize-Gebet für den Frieden

Taize-Gebet für den Frieden in Berlin (Foto: Gabriele Hesse)

„Eine halbe Stunde Stille für den Frieden“ mit Gesängen aus Taizé.

Jeden Freitag um 18.30 Uhr, Alt-Katholische Gemeinde, Detmolder Straße 4, 10715 Berlin, Nähe Bundesplatz

Wir laden interreligiös ein!
Taizé ist ein kleines Dorf in Frankreich. In der christlich-ökumenischen Gemeinschaft leben Brüder, die ALLE einladen gemeinsam in STILLE für den FRIEDEN zu beten. Bruder Roger, der Gründer sagte: „Komm, deine Sehnsucht genügt, verweile in der liebenden Gegenwart Gottes, das ist bereits Gebet.“
„In dieser halben Stunde können wir zum einen Gott die Länder und Menschen anvertrauen, die unter Gewalt leiden, und zum anderen den Frieden Christi in uns annehmen, um uns darauf vorzubereiten – dort, wo wir leben – Frieden zu stiften und für Gerechtigkeit einzutreten.“

Anschließend Tee und Austausch

Gabriele, Sven-Ole und  Friedemann

taizestillefriedensgebet (at) gmail (dot) com
Bitte schickt Einladungen an alle, gerne an Mitglieder aller Weltreligionen. Dankeschön.

Wohngemeinschaft als Förderturm

Letzte Woche hat in einem Gespräch eine Freundin der Naunynstraße diesen Ort mit einem Förderturm verglichen. Als Kind des Ruhrgebiets hatte sie einen anderen Bezug dazu als die meisten von uns. Da mir das Bild nicht vertraut ist, habe ich ein Video gefunden, das die Aktivitäten bei der Förderung von Steinkohle zeigt. Das Bild vom Förderturm hat mir noch einmal einen anderen, einen neuen Zugang ermöglicht. Ich war ganz berührt von diesem Geschenk. Dabei fiel mir ein, daß von Steinkohle auch als „schwarzem Gold“ gesprochen wird. Das Video ist hier und dauert 14 Minuten:

Für Jutta – ein musikalischer Gruss aus der Naunynstraße

Im letzten Jahr bevor Christian auszog hat Jutta uns begleitet. Mit den Mitgliedern des Freundeskreises haben wir uns alle paar Wochen zu Gesprächen über die Zukunft unserer Gemeinschaft getroffen, die von Jutta vorbereitet und moderiert wurden

Seit einiger Zeit arbeitet Rockn RollF an einem Album, das im Herbst erscheinen wird und geht dafür jeden Monat mit MusikerkollegINNen ins Studio. Hier ist schon mal vorab einer der Songs – Jutta gewidmet:

 

Nachtrag: Jutta ist am 30. März 2020 verstorben.

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Solwodi – oder vom Suchen, Finden und Gefunden werden

Zu den besonderen Freunden der WG gehören die beiden Comboni-Schwestern Margit und Marbel. Sie sind ehemalige Mitbewohnerinnen, denn 2007 kamen sie nach Berlin ohne zu wissen, was sie hier tun würden. Auf der Suche nach ihrem Weg mit der Frage, was sie in Berlin sollen, sind sie in der WG Naunynstraße gelandet, wo sie dann acht Monate lebten und ihre Berufung fanden. In dieser Zeit des Suchens und Fragens wurde deutlich, daß ihr Platz bei Solwodi (Solidarity for Women in Distress – Solidarität für Frauen in Not) ist. Schwester Lea Ackermann, die Solwodi 1985 in Mombassa (Kenia) gegründet hat, suchte, wer in Berlin eine Beratungsarbeit aufbauen könnte und wurde in Margit und Marbel fündig.

Seit einigen Tagen ist nun die Internet-Präsenz von Solwodi Berlin online mit den Illustrationen von unserem Mitbewohner Rockn RollF. Viel Spaß beim Anschauen 😉

Margit unterstützt uns noch in besonderer Weise, weil sie eine wichtige Gesprächspartnerin in der Zeit des Übergangs und nach Christians Weggang aus der Naunynstraße ist.

Zum Weiterlesen:
Solwodi – ein Ausstiegsprojekt für Prostituierte
Kampf gegen moderne Sklaverei in Berlin

Freundeskreistreffen: Fragen rund um die Zukunft

Alle paar Wochen kommen wir – die Bewohner_innen – mit unserem Freundeskreis zusammen, um miteinander Fragen zu bedenken, die uns im Hinblick auf die Zukunft der Gemeinschaft bewegen wenn, Christian als letzter Jesuit die Naunynstraße im April verlassen wird. Rockn RollF gestaltet dafür die Einladungsplakate.

Einladung zum Freundeskreis-Treffen

Einladung zum Freundeskreis-Treffen

Gestern Abend fanden wir uns in kleinerer Runde als sonst zusammen und haben nach dem Abendessen (Esaus Linsengericht) zwei Fragen bewegt, die durch Christian eingebracht wurden:

  1. Uns fehlt für die Naunynstraße immer noch die dritte Person, die neben Iris und Michael Verantwortung übernimmt, damit die Gemeinschaft in der Naunynstraße weiterbesteht und dafür miteinander gute Formen des Zusammenlebens gestaltet und weiter entwickelt. Welche Aktivitäten und Kontakte gibt es? Was kann der Freundeskreis (noch) tun um die Suche zu unterstützen. Die Idealbesetzung wäre ein Priester oder ein/e PfarrerIN, die einen Ort für ein Schabbat-Jahr suchen.
  2. Am Samstag 16. April wird Christian ein Fest feiern: Seinen Geburtstag, den Abschied von Berlin und die Übergabe. Es wurden schon einige Ideen für die Gestaltung  gesammelt. Michael wird immer dienstags ab 16.00 h in der Naunynstraße ansprechbar sein. Und auch über Vorschlage und Beiträge per eMail freuen wir uns ( naunyn (ät) gmx (dot) de ).

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