den Brunnen tiefer graben … am Kommunitätsabend

Cover des buches

Cover

Der wöchentliche Kommunitätsabend am Dienstag ist das Herzstück unserer Gemeinschaft. Wir treffen uns zum gemeinsamen Abendessen. Danach tauschen wir uns über die zurückliegende Woche aus und teilen miteinander, was uns wichtig war: Schönes und Schweres, Gelungenes und Mißlungenes. Anschließend wird zum Gottesdienst eingeladen.

Vor einigen Tagen hat mir Schwester Ingrid ein Buch mit Meditationen zu Texten von Christian de Cherge geliehen. Er war der Prior der Trappistenmönche von Tibhirine in Algerien, die 1986 ermordet wurden. Die Geschichte ist durch den Film „von Menschen und Göttern“ bekannt geworden.

In dem Büchlein habe ich einige Zeilen von Christian de Cherge gefunden, die ich unserem Austausch vorangestellt habe:

Seit jenem Tag an dem er mich plötzlich bat, ihn beten zu lehren, ist es Mohammed zur Gewohnheit geworden, zu uns zu kommen und sich regelmäßig mit mir zu unterhalten. Er ist ein Nachbar. So haben wir eine lange gemeinsame Geschichte. Oft hatte ich nicht viel Zeit; an manchen Wochenenden, wenn zu viele Gäste da waren und uns ganz in Anspruch nahmen, sah ich ihn gar nicht. Eines Tages fand er eine Formel, um mich zur Ordnung zu rufen und eine Begegnung zu erbitten: „Seit langem haben wir nicht mehr unsere Brunnen tiefer gegraben“. Das Bild ist uns geblieben. Wir greifen darauf zurück, wenn wir das Bedürfnis nach einem tiefen Austausch in uns verspüren.

Am Ende unseres Austausches habe ich die Zeilen nochmals gelesen und auch wie es weitergeht:

Einmal stellte ich ihm im Scherz die Frage: „Und was werden wir auf dem Grund des Brunnens finden? mulimisches oder christliches Wasser?“ Halb lachend, halb ärgerlich blickte er mich an: „Jetzt sind wir schon so lange gemeinsam unterwegs, und du stellst mir immer noch so eine Frage. Du weißt doch, was man auf dem Grund des Brunnens findet, ist das Wasser Gottes“.

Mit dem Bild des Brunnens konnten alle am Gespräch Beteiligten etwas anfangen, und die waren an diesem Abend christlich, jüdisch, muslimisch, buddhistisch und säkular.

Den Brunnen tiefer graben, Meditieren mit Christian de Chergé, Prior der Mönche von Tibhirine (Hrsg. Salenson, Christian), Neue Stadt Verlag, München 2015, S.48

Advertisements

Ernte-Dank und Rosch haSchanah 5777

marmeladenregal

Unser Marmeladenregal

Beim letzten wöchentlichen Kommunitätsabend lag gerade das (christliche) Erntedankfest hinter uns und das jüdische Neujahrsfest Rosch haSchanah vor uns. Deshalb gab es zum Abendessen eine Kürbissuppe mit einem runden Hefebrot, Äpfel in Honig getaucht (für ein süßes neues Jahr) und eine Apfelspeise nachdem die Festtagskerzen angezündet wurden und der Segensspruch über Wein und Brot gesagt worden war. Beide Feste waren ein guter Anlaß um beim Austausch einander mitzuteilen, wofür wir in der zurückliegenden Zeit dankbar sind und was unsere persönliche Ernte ist. Als Einstieg diente das Zitat einer buddhistischen Autorin:

Das Geschenk des Lebens annehmen heißt, sich für den schöpferischen Prozeß zu öffnen, dessen Teil wir sind, gestaltend und als Gestaltete.

Es heißt, sich diesem Prozeß mit der Neugier des Nicht-Wissens zuzuwenden, ohne Furcht vor dem, was das Geschenk für uns bereithält.

Und es heißt, aus diesem Geschenk dankbar all das entstehen zu lassen, was es für uns in sich trägt.

Barbara von Meibom

Besuch vom Bischof

Bischof Heiner Koch

Bischof Heiner Koch

Am  Dienstag hat uns Erzbischof Heimer Koch besucht und am wöchentlichen Kommunitätsabend teilgenommen. Seit Herbst 2015 ist er Erzbischof der Erzdiözese Berlin mit 400 000 Katholiken.

Franz konnte nur mit Mühe davon abgehalten werden ein mehrgängiges Menü zuzubereiten nachdem wir ihm erklärt hatten, daß der Bischof bei vielen Anläßen etwas zu essen bekommt und an diesem Tag sicher auch schon vor uns. So gab es ganz normal Reis mit einer leckeren Gemüsesoße. Beim wöchentlichen Austausch warf Christians Abschied und das Fest, das wir zu seinem Geburtstag, seinem Weggehen und dem Übergang feiern werden, deutliche Schatten voraus. Er reihte sich mit einer Erfahrung in unsere Runde ein.

Anschließend feierten wir nach einer kurzen Pause miteinander die Messe. Im Rahmen seiner Worte zum Tagestext (Johannes 3, Nikodemus) gab er seinen Bischofsring herum, auf dem Jesus mit großen Händen dargestellt ist und für ihn durch die großen Hände das Wirken Gottes symbolisiert. Anschließend gab nahm er auch sein Bischofskreuz ab und gab es herum: Ein Kreuz, das in eine Jakobsmuschel – ein Pilgersymbol – eingearbeitet ist und gab uns Anteil, was diese beiden Zeichen, Ring und Kreuz, für ihn bedeuten.

Er hat uns in dieser Phase des Umbruchs sehr ermutigt und an unserem Leben Anteil genommen, auch an den Aspekten, die nicht öffentlich mitteilbar sind.

Zum Weiterlesen:
Gottesdienst am Küchentisch

 

 

Frauentag in der Naunynstraße

Beim Frühstück verkündete Franz: „Heute ich koche für Frauen“. Mittags kommt er
strahlend vom Lebensmitteleinkauf zurück und erzählt uns folgende Geschichte: „Mann mich gefragt: Heute kochst Du für Kindergarten? Ich sage: Nein heute ich koche für Naunynstaße. Mann geben mir zwanzig Euro. Hier hast du für Einkaufen für Naunynstraße.“ Daraus entstand dann ein wunderbares Essen für unseren Kommunitätsabend mit dieser kreativen und farbenfreudigen Salatkreation:Salat Frauentag

 

Maria Lichtmess

(I.ris schreibt:) Unser Kommunitätsabend vorgestern fiel zusammen mit dem Fest Maria Lichtmess , das am 40. Tag nach Weihnachten begangen wird und das Ende des Weihnachtsfestkreises bedeutet.

Wir haben eine Messe gefeiert mit Kerzenweihe und uns zur Lesung aus dem Lukasevangelium ((Lk 2, 22 – 40) ausgetauscht.

Jede Kultur und  jede Religion hat Formen, um ein neu geborenes Kind Willkommen zu heißen, es in die Gemeinschaft aufzunehmen und einzuführen und zugleich den Eltern eine Vergewisserung zu vermitteln, daß sie von der Gemeinschaft unterstützt werden.  Jesus wird – wie jeder jüdische Junge – am achten Tag beschnitten. Die katholische Kirche kennt das Fest der Beschneidung Jesu (1. Januar) bis zum 2. vatikanischen Konzil. Dann wurde es abgeschafft. Lukas ist es einerseits wichtig, die Familie von Jesus als gesetzestreue jüdische Familie darzustellen. Auch die Nähe zum Tempel ist ihm wichtig. Der Tempel ist in der jüdischen Tradition der Mittelpunkt der Welt und zu biblischen Zeiten der Ort der Anwesenheit G-ttes.

 Lukas verknüpft in seinem Evangelium zwei Rituale, die zehn Tage auseinander liegen. Die rituelle Reinigung der Mutter nach der Geburt eines männlichen Kindes findet am 40. Tag nach der Geburt statt. Das Ritual der “Auslösung des Erstgeborenen” (Pidjon haBen – in der NGÜ “um es dem Herrn zu weihen”) findet am 31. Tag nach der Geburt statt meist im privaten Rahmen. Erforderlich ist die Anwesenheit eines Kohen (Priesters) – in biblischer Zeit jedoch nicht, daß das Ritual im Tempel von Jerusalem stattfindet.
Am Ende des Gottesdienstes haben wir unsere Krippe aus Simbabwe weggeräumt. Wer noch einen Blick auf sie werfen will, kann das mit dem Video tun:

Kommunitätsabend mit den Weisen aus dem Osten

Vor einigen Jahren hat die Gemeinschaft eine Krippe aus Simbabwe geschenkt bekommen. Sie stand am Ende des letzten Kommunitätsabends im Mittelpunkt. Jeden Dienstag treffen wir uns erst zum gemeinsamen Essen, zum Austausch und wer mag ist anschließend noch zur Feier des Gottesdienstes eingeladen. Diese Woche (5. Januar) war das der Vorabend des Dreikönigstages mit einer etwas anderen Gestaltung.

Ich stellte die drei Figuren der Weisen in unsere Mitte, und wir erschlossen die Geschichte mit einem Bibliolog. Um auch den Freundinnen und Freunden der Naunynstraße und anderen Interessierten, die uns nicht während der Weihnachtszeit besuchen können, unsere Krippe zu zeigen, hat luke sonnenglanz eine Fotoserie gemacht. Wir haben daraus eine Bibliolog-Meditation gemacht und ins Internet eingestellt. Sie dauert 8 1/2 Minuten.

Nach den Fragen bleibt 30 Sekunden Zeit um eigene Antworten zu finden. Ich habe die Neue Genfer Übersetzung verwendet. Man kann den Text hier nachlesen.  Zum Anschauen des Videos muß man auf den weißen Pfeil in der Bildmitte klicken.

 

Herzlich Willkommen …

4E6A8236auf dem Naunynblog. 2016 wird für unsere Kommunität ein spannendes, von Umbrüchen geprägtes Jahr werden. Deshalb haben wir beschlossen dieses Blog zu starten um Freunden und Freundinnen der Naunynstraße und anderen Interessierten die Möglichkeit zu geben an unserem Leben Anteil zu nehmen.

Wir freuen uns über Mails unter naunyn (at) gmx (dot) de  und weiterhin natürlich über Euer Klingeln an unserer nach wie vor offenen Tür.

Iris und Michael

Vielen Dank an luke sonnenglanz für das tolle Headerfoto

 

header 1