Leben mit Menschen am Rand der Gesellschaft

Notübernachtung St. Pius

Seit vielen Jahren gehören Wolfgang Willsch und die „Gemeinschaft Brot des Lebens“, in der er mit seiner Familie und ehemals obdachlosen Menschen in Berlin-Friedrichshain lebt, zu den Freunden unserer Gemeinschaft. Schon oft durften wir die Räume, in denen sie im Winter Gastgeber einer Notübernachtung im Rahmen der Berliner Kältehilfe sind, während der Sommermonate für Exerzitien auf der Straße nutzen.

Was das Leben mit Menschen am Rand der Gesellschaft mit Freiheit zu tun hat, kann man auf einem Beitrag von Deutschlandfunk Kultur über die Gemeinschaft Brot des Lebens nachlesen und nachhören (sieben Minuten) und zwar hier.

Mehr zur Gemeinschaft Brot des Lebens
Exerzitien auf der Straße – Leben mit Straßenkontakt
WG Naunynstraße als Straßenexerzitien-Herberge

 

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Tatort Kirche – Macht und Mißbrauch …

Zu diesem Thema gibt es ein etwa einstündiges Gespräch im SWR-Fernsehen mit Klaus Mertes (SJ), das man in den nächsten Wochen noch hier nachhören kann. Es ist ein Live-Mitschnitt von einer Sendung, die Ende Mai aufgezeichnet wurde. Auf der Sendungshomepage heißt es:

Nach der Aufdeckung von Missbrauchsfällen erhielt Pater Mertes Anfeindungen von allen Seiten, auch aus der Kirche. Kurien-Erzbischof Georg Gänswein in Rom bezeichnete ihn noch kürzlich als „abgefallenen Priester“. Das ist er aber nicht. Vielmehr lebt der Jesuitenpater und frühere Rektor des Berliner Canisius-Kollegs heute im Schwarzwald und leitet das Kolleg St. Blasien.

Doch Klaus Mertes ist nicht ruhiger geworden. Er fordert, aus der Aufarbeitung von Missbrauch auch strukturelle Konsequenzen zu ziehen, zum Beispiel monarchische Strukturen sowie Macht- und Elitedenken auf den Prüfstand zu stellen, die Zölibatspflicht für Priester aufzuheben und falsch verstandenen Gehorsam einfach sein zu lassen.

Was hat das mit diesem Blog zu tun? Klaus Mertes ist ein langjähriger Freund unserer WG. Nachdem er den Mißbrauch im Canisius-Kolleg öffentlich gemacht hat, bekam er auch zahlreiche Hassmails. Mitbewohner unserer WG haben seine Mails gelesen und vorsortiert. Immer wieder hat ihn die Kommunität, in der er lebte, nach Kreuzberg geschickt, weil es hier immer Mitbewohner gab, die Erfahrungen mit sexuellen Mißbrauch hatten.

 

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Fünfzigtausend …

Gestern in der Stunde vor Mitternacht war es soweit: Der 50 000 Seitenaufruf auf diesem Nischenblog, in dem von unserer Gemeinschaft und vielem, was uns beschäftigt, die Rede ist. Im Januar 2016 wurde dieser Blog gestartet. 15730 Menschen aus 84 Ländern waren da – kürzer oder länger. 430 Beiträge sind geschrieben worden und  zahlreiche Bilder wurden gezeigt. 301 Kommentare wurden verfaßt.

Allen Freunden, Freundinnen, Wegbegleiter_innen, Unterstützer_innen und Mitlesenden auf diesem Weg ein großes Dankeschön.

 

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Mosaic und Feiertage von drei Religionen

Am Dienstag war der letzte Tag des muslimischen Zuckerfestes, am Donnerstagabend beginnt das jüdische Wochenfest Schawuot und am Sonntag feiern Christen das Pfingstfest. Deshalb haben wir beim Kommunitätsabend, dem wöchentlichen Treffen unserer Gemeinschaft, den Film „Mosaic“ miteinander gesehen. Es ist eine filmische Collage – eine Art Filmmeditation: Bilder von Moscheen und Synagogen aus sechs Ländern mit Musik von Künstlern und Künstlerinnen aus den jeweiligen Kulturen unterlegt mit Instrumenten aus dem jeweiligen kulturellen Kontext bestehend aus tausenden Detailaufnahmen: Eine Symphonie von Bildern, Klängen, Licht, Bewegung …

Die Künstlerin Debora Philipps hat für diesen Film Usbekistan, die Türkei, Ägypten, den Iran, Marokko und Andalusien bereist und ist in über 6000 Detailaufnahmen den Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Gegensätzen von Moscheen und Synagogen nachgegangen. Da beide Religionen figurative Abbildungen nicht erlauben, haben sich die Künstler bei der Ausgestaltung auf botanische, kalligraphische und geometrische Muster konzentriert.

Wer – wie wir – in diesem Gesamtkunstwerk schwelgen will, kann seit kurzem den Film auch im Internet ansehen und zwar hier. 

 

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Unser Haus im Fernsehen

Wer uns besucht, kommt an der Eckkneipe im Erdgeschoß, dem „Trinkteufel – Vorhof zur Hölle“ nicht vorbei. Derzeit ist die Kneipe – wie alle Schankwirtschaften – geschlossen. Vor zwei Monaten war high Life angesagt, denn der Trinkteufel wurde für zwei Tage zur Location für einen Krimidreh und zur „Molle“ umbenannt. Sogar die Bierwerbung wurde ausgetauscht. Unser Haus war bis ins Zwischengeschoß von erster und zweiter Etage – also quasi bis kurz vor unserer Wohnungstür verkabelt. Die Kneipe und auch unser Hinterhof spielten eine tragende Rolle in der Krimireihe „letzte Spur Berlin„. Wir konnten zeitweise bei den Dreharbeiten zuschauen.

Worum geht es: Eine fiktive Einheit des Berliner Landes-kriminalamtes, die eigenständig arbeitende Vermisstenstelle, sucht nach spurlos verschwundenen Menschen. Jedes Verschwinden hat eine Vorgeschichte. In dieser Folge wird eine Kollegin gesucht, die undercover in der Hausbesetzerszene ermittelt und nach einem Anschlag spurlos verschwunden ist. Der Krimi mit dem Titel „Klassenkampf“ ist schon jetzt vorab zu sehen, kommt am Freitag 29. Mai 2020 um 21.15 h im ZDF und zwar hier. Das Video wird bis 21.08.2020 in der Mediathek des ZDF verfügbar sein. Viel Spaß beim Zuschauen.

Auch über unsere WG gibt es eine Sendung – und zwar im Radio: „Wer gastfreundlich sein will …“ kann man hier nachhören.

 

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Vorgeschmack auf 2019

„ein neues jahr  eine neue zahl   die wir dreihundertfünfundsechzig tage schreiben
ein neues jahr  es bleibt keine wahl  auch das müssen wir uns vertreiben“
luke sonnenglanz schrieb diese heiteren worte in seinen song „zweitausendneun“
und damit dieses vertreiben zum verbleiben einlädt  schenkt uns luke einige schöne
bilder  die der „kleine-WELTEN-verlag“ zu drei schönen kalendern werden ließ

Auf der Straße …

Auf der Straße – Foto: Julian Röder

heißt ein Theaterstück, das derzeit im Berliner Ensemble gespielt wird und in dem Gabriele, eine Freundin unserer Wohngemeinschaft als Mitglied des Chors „Different voices of Berlin“ mitwirkt.

„Auf der Website heißt es: „Auf der Straße“ untersucht das Thema der Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit in Berlin. Was passiert mit einem Menschen, der sein Zuhause und damit seinen Schutzraum verliert? Inwiefern bedeutet der Verlust von Wohnraum den Verlust von Existenz? Warum sind Menschen, die Hilfe benötigen, sich selbst überlassen – in einem der reichsten Länder Europas? Was treibt eine Gesellschaft dazu an, sich zu entsolidarisieren? Und was hat diese Entwicklung mit jedem Einzelnen von uns zu tun?

Von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffene Menschen entwerfen gemeinsam mit SchauspielerInnen des Berliner Ensembles verschiedene Perspektiven auf dieses Thema – Schlaglichter einer gesellschaftlichen Debatte, die sich im Kern um die Fragen nach einem sozialen Miteinander und einer solidarischen Gesellschaft dreht.“

An folgenden Tagen um 20.00 Uhr kann man das Stück ansehen: Di 18.9., Do 20.9., Fr 21.9., Di 25.9., Sa 27.10. und So 28.10.

Auf der Website kann man noch mehr erfahren. Das Foto habe ich von dort entnommen.

Heute vor zwei Jahren – und: Uns gibt es nach wie vor

Heute vor zwei Jahren – es war ein Samstag. Es war Christians 73 Geburtstag und wir feierten ein großes Fest mit vielen Gästen. Es war Geburtstag, Abschied und Übergabe zugleich. Dazu hat Christian den Blog-Beitrag „ein Tisch als Zeichen der Gemein-schaft“ verfaßt und auch unser Wohnzimmertisch kam zu Wort. Inzwischen ist viel passiert. Einiges kann man in diesem Blog nachlesen – anderes nicht. Auf jeden Fall war es eine sehr intensive Zeit. Der Weggang von Christian als dem letzten der Gründer der WG war und ist ein Einschnitt. Wie könnte es auch anders sein.

Vor drei Wochen ist im Publik-Forum vom 23. März 2018 der Artikel „eine Arche für Essen“ erschienen, in dem die Willkom-menskommunität der Jesuiten in Essen vorgestellt wird. Leider sind einige Äußerungen mißverständlich und legen für Außen-stehende den Eindruck nahe, daß unsere Wohngemeinschat zwar eine Vergangenheit aber keine Gegenwart hat. Deshalb ist der Redaktion der folgende Leserbrief zugegangen, der leider in der aktuellen Ausgabe vom 12. April nicht abgedruckt wurde:

Sehr geehrte Redaktion,
Der PuFo-Artikel scheint zu meinen, dass es die Wohngemeinschaft in der Naunynstraße nicht mehr gibt und dass nun eine Jesuiten-Kommunität in Essen die Tradition von dort weiterführt.
So heißt es über die beiden Jesuiten:
„Wir stellen uns in die Tradition des langjährigen Miteinander-Wohnprojekts der Jesuiten Franz Keller und Christian Herwartz … Kreuzberg war eine Wohngemeinschaft für Bedürftige aller Art“.
Auch wenn Franz Keller verstorben ist und Christian H erwartz vor zwei Jahren ausge-zogen ist, so führen wir – die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngemeinschaft Naunynstraße, zu denen auch der Jesuit Christian Schmidt gehört, die Traditionen hier am alten Standort in eigener Verantwortung weiter und zwar mit Unterstützung der Jesuiten und auf dem Boden dessen, was seit der Gründung im Jahr 1978 gewachsen ist. Wir freuen uns, wenn das, was hier gelebt wird eine Inspiration für andere ist.
Einen Absatz später schreiben Sie über die zwei Jesuiten in Essen
„Sie wohnen unterm Dach und haben auch einen persönlichen Rückzugs- und
Andachtsraum – anders als im früheren Wohnprojekt in Berlin“
Die beiden Essener Jesuiten haben nicht in der Naunynstraße gewohnt. Es ist auch kein Wohnprojekt, das es „früher“ gegeben hat und somit nichts abgeschlossenes. Bei uns wird nach wie vor jedem geöffnet, der kommt für kürzer oder länger – egal ob jemand um etwas zu essen bittet, eine schwangere Geflüchtete einen Ort braucht oder jemand spirituell auf der Suche ist.
Jede/r kann uns im Rahmen unseres wöchentlichen Samstagsfrühstücks von 9.30 bis 12.30 h kennenlernen. Unser virtuelles Wohnzimmer ist hier:
Mit freundlichen Grüßen
Zum Weiterlesen: