arabisch-deutsches Mißverständnis

Unser jüngster afrikanischer Mitbewohner (Mitte 20)  bekam gestern vom Orthopäden Physiotherapie verschrieben. Ich fragte nach einer Empfehlung und bekam ganz in unserer Nähe eine Praxis genannt mit dem Hinweis: „Das ist der Beste in seinem Fach, den ich kenne. Der hat goldene Hände und arabisch spricht er auch. Das ist doch super für den jungen Mann.“ Gleich für heute gab es einen Termin und machten uns auf den Weg.

Auf einem Schild über der Klingel steht: „Bitte Schuhe ausziehen“. Im Wartebereich liegen Teppiche, und wir stellen die Schuhe in ein Schuhregal. Ein älterer Mann – offensichtlich auch Patient – spricht den Mitbewohner arabisch an. Der strahlt und die beiden unterhalten sich. Die Atmosphäre ist freundlich und warm. Ich setze mich auf eine Couch. Der Mitbewohner setzt sich neben mich.

Schließlich kommt der Physiotherapeut. Er schaut mich an. Er schaut den Mitbewohner an. Er schaut wieder mich an und sagt: „Sie haben einen Übersetzer mitgebracht. Das ist nicht nötig. Ich spreche deutsch.“ Meine Antwort: „Ich bin die Begleitung“ und mit Blick auf meinen Mitbewohner: „Das ist ihr Patient“.

Advertisements

Brunnen graben in der Wüste

Ein jüngerer afrikanischer Mitbewohner wurde nach einem Arbeitsunfall wegen Rückenschmerzen ins Krankenhaus gebracht und mit der Auflage entlassen, sich ambulant untersuchen zu lassen. Wir mußten lange warten. In dieser Zeit unterhalten wir uns, und er zeigt mir auf dem Smartphone ein Video aus seinem Heimatland. Polizisten prügeln auf nackte junge Männer ein, die am Boden liegen uns sich durch Wegrollen versuchen aus der Reichweite der Schläger zu bringen, was nicht gelingt. Sie haben – so mein Mitbewohner – für Meinungsfreiheit und Demokratie demonstriert. Die nächste Einstellung zeigt, wie die jungen Männer – immer noch nackt – hintereinander in einer Reihe mit gesenkten Köpfen vor ihren Peinigern knien.

Bei der Untersuchung vermutet der Arzt, daß es ein Langzeitschaden sein könnte und will wissen, seit wann der Mitbewohner Rückenschmerzen hat? Seit zwei Wochen. Und wann zum ersten Mal? Mit zwölf Jahren. Und was war da? Der Mitbewohner versteht den Zusammenhang und die Frage nicht. Weil wir gerade vorher im Wartezimmer darüber gesprochen haben sage ich: Da hat er Brunnen gegraben in der Sahara. Der Arzt reagiert entsetzt:  Das ist doch keine Arbeit für jemanden mit zwölf Jahren. Bei uns nicht – sage ich.

Warum oder warum nicht?

Letzten Sonntag kurz nach halb zehn, wir saßen noch am Frühstückstisch, klingelte es an der Tür.  Ein Mann kam herein und fragte, ob er bei uns bleiben könne. Er komme geradewegs aus D., einer Kleinstadt in Nordbayern. Er kenne niemand in Berlin und wolle hier ein neues Leben beginnen. Wie er von unserer WG erfahren habe? Er hat den Artikel  das Heilige auf der Straße gelesen, den Philipp Gessler in der taz zum Weggang von Christian Herwartz verfaßt hatte. Nachdem unser Gast sich intensiv über unser Zusammenleben erkundigt hatte, ganz angetan schien und sein Bett selber überzogen hatte („ich laß mich doch hier nicht bedienen“) ging er weg um seinen Koffer aus dem Schließfach zu holen. Wir haben ihn nicht mehr gesehen und wissen nicht warum er nicht mehr gekommen ist.

Gedenkgottesdienst für Godehard Pünder

Godehard Pünder

Am 26. Juni ist Godehard Pünder in Dresden verstorben. Er war Priester in Sankt Michael und der Wohngemeinschaft Naunynstraße eng verbunden. Beim Abschied von Schwester Ingrid Ende April haben wir ihn noch gesehen. Am nächsten Donnerstag (13. Juli) wird es einen Gedenkgottesdienst für ihn um 18.30 h in Sankt Michael geben.

In der Einladung von Sankt Michael heißt es:

Godehard Pünder hat in seiner Zeit als Pfarrer in Kreuzberg zusammen mit der Jesuitenkommunität in der Naunynstraße gelebt und mit seinen Erfahrungen aus Brasilien viele Entwicklungen in der Stadtteilpastoral, der Randgruppenarbeit und Ökumene angestoßen, deren Früchte heute noch in der Gemeinde spürbar sind. Anschließend war er noch einmal mehrere Jahre im Bistum Coroata im Nordosten Brasiliens und dann nach seinem Austritt aus dem Jesuitenorden u. a. als Lehrer am St. Benno Gymnasium und als Referent für die Fortbildung von Religionslehrern im Bistum Dresden Meißen tätig.
Sein Kontakt zu unserer Gemeinde ist nie abgerissen. Zuletzt war er bei der Verabschiedung von Sr. Ingrid am 25.4. in St. Michael. Er ist am 26.6.2017 nach längerer Krankheit im 83. Lebensjahr gestorben und wurde am 6. Juli auf dem Neuen Katholischen Friedhof in Dresden beerdigt.
Weil viele aus Berlin nicht in Dresden dabei sein konnten, wollen wir auch in Berlin einen Gedenkgottesdienst feiern. Pater Michael Beschorner SJ, der in der Dresdener Zeit mit Godehard Pünder zusammengearbeitet hat, wird mit uns den Gottesdienst feiern. Danach wird es noch die Möglichkeit zur Begegnung und Gespräch geben.

Auf der Seite vom Bistum Dresden-Meißen, wo er zuletzt in der Fortbildung von Religionslehrern gearbeitet hat, gibt es einen kurzen Nachruf.

letzten Montag – nächsten Montag: Perspektiven Italiens

Italienplakat von Luke Sonnenglanz

Enrico schreibt: Am letzten Montag (03. April) fand die Premiere vom ersten Teil des Bild – und Textvortrages „Perspektiven Italiens“ in den Räumen unserer WG, statt. Unsere Mitbewohner Marga und Enrico lasen selbstverfasste Texte und zeigten Bilder der Italienfahrt (Florenz und Assisi) von Luke Sonnenglanz, die mit atmosphärischer Musik unterlegt wurden. Auf recht unterschiedliche Weise wirkte der Vortrag auf die Besucher –  jedoch immer emotional und berührend. Nach Abschluss des Vortrags blieben die Gäste noch sitzen und es entspannen sich Gespräche untereinander und mit den Akteuren.

Die nächste Aufführung des ersten Teils von „Perspektiven Italiens“ findet am 04.Mai im Gemeindesaal von St. Michael in Kreuzberg statt. Dann werden Noriko Okamoto mit Kontrabass und der Flötist Robert Würz live für atmosphärische Klänge sorgen. Beginn ist um 19.45 Uhr.

Hier bei uns in der Naunynstrasse geht es mit dem zweiten Teil der „Perspektiven Italiens“ am Ostermontag den 17. April weiter. Diesmal werden wir auf die Reise nach Aosta und Specciolla mitgenommen. Alle Interessierten sind recht herzlich eingeladen ab 19.00 Uhr dieser Exkursion beizuwohnen.

Perspektiven Italiens: Assisi und Florenz

Italienplakat von Luke Sonnenglanz

Unser Mitbewohner Luke Sonnenglanz war einen Monat in Italien unterwegs. Bilder und Texte über diese Reise teilt er am Montag 3. April um 20.00 h bei uns in der Naunynstraße und am Do 4. Mai um 19.45 h im Gemeindezentrum St. Michael, Dresdener Str. 28 (Berlin-Kreuzberg)

Gedenkwand

gedenkwand

Neben unserem Kachelofen im Wohnzimmer haben wir eine Ecke mit Fotos eingerichtet. Sie zeigen alle die Menschen, die hier in der Gemeinschaft gelebt haben und verstorben sind oder die in der letzten Lebensphase von der WG begleitet wurden. Gestern waren die Eltern von Mark da und haben drei Fotos mitgebracht. Gegen Ende eines längeren Gesprächs meinten sie: „Wie gut, daß er hier sterben konnte“.