Fußball WM – Identifikation

Heute am Abend vor dem WM Spiel Deutschland gegen Schweden unterhalten sich vier Mitbewohner aus drei Kontinenten. Ein schwarzer Mitbewohner, dessen Herkunftsland sich nicht qualifiziert hat, fragt: „Und was ist, wenn wir morgen verlieren?“ Irritierte Reaktion des einzigen deutschen Gesprächsteilnehmers: „Von welchem WIR sprichst du?“ Antwort: „Ach von Deutschland“.

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Osterhase – koscher oder nicht?

Ein Mitbewohner bringt für alle Schokoladenosterhasen mit. Nur ich bekomme ein Schokoladenküken.  Auf meine Frage, warum ich mit einem Küken bedacht werde, meint er: „Habe mich erkundigt. Hase ist nicht koscher. Deswegen weiß ich nicht, ob Du Schokohasen ißt. Küken ist koscher. Kannst Du essen und ich bin auf der sicheren Seite.“

Erinnerungsabend Franz Keller

Franz hat die WG und einige Freunde zu einem Erinnerungsabend an Franz Keller eingeladen. Es gab das Lieblingsessen von Franz Keller: Kartoffeln, Kräuterquark, Thunfisch und Salat. Durch das Erzählen haben dann auch diejenigen, die Franz Keller nicht mehr kennengelernt haben, erfahren, wie wichtig er mit seiner Geduld, seinem Wohlwollen und seiner Freundlichkeit – seiner Präsenz – für die Wohngemeinschaft war.

Foto vom Foto: Christian Herwartz,, Franz Keller, Christian Schmidt

Den Abschluß bildete ein G-ttesdienst mit Christian Herwartz, in dem wir einzelne Figuren unserer Krippe in die Mitte stellten und deren unterschiedliches Hören (was haben sie wann gehört und welche Auswirkungen hatte das) präsent war.

Rockn RollF … bei Ernst und im Fernsehen

„Bei Ernst“ ist als Kneipe eine Lokalgröße im Sprengelkiez im Wedding. Vier Mal in der Woche gibt es dort Live-Musik. Auch unser Ex-Mitbewohner Rockn RollF steht dort regelmäßig auf der Bühne. Diese Woche werden in der Abendschau des rbb Berliner Musikkneipen vorgestellt. Und so hat Rockn RollF es jetzt als Bob-Dylan-Interpret ins Fernsehen geschafft. Wer mal reinschauen will, kann auf Minute 26:30 vorspulen und zwar hier.

arabisch-deutsches Mißverständnis

Unser jüngster afrikanischer Mitbewohner (Mitte 20)  bekam gestern vom Orthopäden Physiotherapie verschrieben. Ich fragte nach einer Empfehlung und bekam ganz in unserer Nähe eine Praxis genannt mit dem Hinweis: „Das ist der Beste in seinem Fach, den ich kenne. Der hat goldene Hände und arabisch spricht er auch. Das ist doch super für den jungen Mann.“ Gleich für heute gab es einen Termin und machten uns auf den Weg.

Auf einem Schild über der Klingel steht: „Bitte Schuhe ausziehen“. Im Wartebereich liegen Teppiche, und wir stellen die Schuhe in ein Schuhregal. Ein älterer Mann – offensichtlich auch Patient – spricht den Mitbewohner arabisch an. Der strahlt und die beiden unterhalten sich. Die Atmosphäre ist freundlich und warm. Ich setze mich auf eine Couch. Der Mitbewohner setzt sich neben mich.

Schließlich kommt der Physiotherapeut. Er schaut mich an. Er schaut den Mitbewohner an. Er schaut wieder mich an und sagt: „Sie haben einen Übersetzer mitgebracht. Das ist nicht nötig. Ich spreche deutsch.“ Meine Antwort: „Ich bin die Begleitung“ und mit Blick auf meinen Mitbewohner: „Das ist ihr Patient“.

Brunnen graben in der Wüste

Ein jüngerer afrikanischer Mitbewohner wurde nach einem Arbeitsunfall wegen Rückenschmerzen ins Krankenhaus gebracht und mit der Auflage entlassen, sich ambulant untersuchen zu lassen. Wir mußten lange warten. In dieser Zeit unterhalten wir uns, und er zeigt mir auf dem Smartphone ein Video aus seinem Heimatland. Polizisten prügeln auf nackte junge Männer ein, die am Boden liegen uns sich durch Wegrollen versuchen aus der Reichweite der Schläger zu bringen, was nicht gelingt. Sie haben – so mein Mitbewohner – für Meinungsfreiheit und Demokratie demonstriert. Die nächste Einstellung zeigt, wie die jungen Männer – immer noch nackt – hintereinander in einer Reihe mit gesenkten Köpfen vor ihren Peinigern knien.

Bei der Untersuchung vermutet der Arzt, daß es ein Langzeitschaden sein könnte und will wissen, seit wann der Mitbewohner Rückenschmerzen hat? Seit zwei Wochen. Und wann zum ersten Mal? Mit zwölf Jahren. Und was war da? Der Mitbewohner versteht den Zusammenhang und die Frage nicht. Weil wir gerade vorher im Wartezimmer darüber gesprochen haben sage ich: Da hat er Brunnen gegraben in der Sahara. Der Arzt reagiert entsetzt:  Das ist doch keine Arbeit für jemanden mit zwölf Jahren. Bei uns nicht – sage ich.