Gestern beim Samstagsfrühstück …

… konnten wir einige Gäste begrüßen, die wir schon länger nicht mehr gesehen haben. Walter, der vor Weihnachten zwei Wochen bei uns gewohnt hat, war gekommen. Eine besondere Freude war es, daß Jutta nach langer Zeit wieder einmal unter uns sein konnte. Sie hat die Bewohner der Gemeinschaft und den Freundeskreis in der Übergangszeit intensiv begleitet als klar war, daß Christian gehen würde und sich die Frage stellte, wie und mit wem es danach weiter gehen könnte. Alle paar Wochen hat sie eines unserer Treffen moderiert. Leider konnte sie beim Fest der Übergabe aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein. Gestern haben wir sie dann zum ersten Mal seit fast zwei Jahren wieder gesehen. Sie freut sich, daß sie Zeit hat intensiv Bibel zu lesen und mit Menschen im Gespräch zu sein.

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Nachgerufen: Dieter Kirschner (1953 – 2018)

Dieter Kirschner 2006

Dieter Kirschner ist am Samstag den 13. Januar im Alter von 64 Jahren im St. Josefskrankenhaus verstorben. Seit Februar 2017 war er pastoraler Mitarbeiter in St. Marien-Liebfrauen / St. Michael und regelmäßiger Gast bei unserem Samstagsfrühstück.

Mich verbindet eine längere gemeinsame Geschichte mit ihm. Ich habe ihn 2006 kennengelernt, einige Jahre aus den Augen verloren  und im Frühjahr 2017 bei einer Pfarrge-meinderatsklausur von Sankt Michael wieder getroffen. Ich war eingeladen den biblischen Impuls zu gestalten, und da sah ich ihn sitzen. „Den kenne ich doch – aber von früher“ – war mein erster Gedanke. Er wurde mir als neuer pastoraler Mitarbeiter vorgestellt. Später erzählte er mir, daß er ins Priesteramt zurückkehren wolle und in der Wartezeit in Sankt Marien-Liebfrauen eingesetzt sei.

Ich hatte ihn als „Bruder Johannes“ kennengelernt – so sein Ordensname, den er während des Noviziats bei den Franziskanern erhalten hatte. Und nun stand er in Schöneberg in einem lichtdurchfluteten Raum mit warmen Holzmöbeln hinter dem Tresen vom Cafe-Bereich des interreligiösen Klosters Meister Eckhart.

Kloster Meister Eckhart, Schöneberg

Gegründet hatte er es mit Bruder Frank zusammen, der eher zurückgezogen in der Küche wirkte. Das Kloster Meister Eckhart (KME) wollte als Gemeinschaft ein Ort für Menschen verschiedener Religionen sein, die in ihrer Tradition den mystischen Weg gehen.

Mit der Zeit entwickelte sich ein vielfältiges Veranstaltungsangebot von Konzerten, Lesungen, Gesprächskreisen, Vorträgen und Informationsabenden. Auch ich habe gelegentlich dort interreligiöse Bibliolog-Veranstaltungen angeboten. Später kam eine Bioladen-Ecke dazu und auch Produkte aus verschiedenen Klöstern. Ich habe dort immer wieder anregende Stunden mit guten, vielfältigen Begegnungen verbracht.

Im ersten Stockwerk gab es einen Meditationsraum, in den man sich zurückziehen konnte. Regelmäßig wurde dort Kontemplation und Zen-Meditation angeboten.  Außerdem gab es die „Kapelle der Religionen“ mit den Symbolen der Weltreligionen, in der verschiedene Gebetsformen und einmal monatlich die „Feier des Lebens“ angeboten wurden.

Bruder Johannes war die Seele des Ganzen. Er betrieb das Cafe mit Bioladen-Ecke, organisierte und moderierte Veranstaltungen, initiierte Gesprächsrunden und lud zu Gebetszeiten ein. Besonders am Herzen lag ihm der Gesprächskreis zu Meister Eckhart. Für viele Menschen war er ein gefragter Gesprächspartner. Nach kurzer Zeit hatte Bruder Frank das Kloster verlassen. Es gab immer wieder Menschen, die kürzer oder länger mitleben wollten, aber niemand, der / die sich für ein dauerhaftes Engagement entschied. Auch Ehrenamtliche waren im Cafe aktiv. Dort gab es selbst gebackenen Kuchen, Suppen und kleine Gerichte – alles in Bioqualität. Ein Freundeskreis und ein Förderverein wurden gegründet.

Mit der Zeit erfuhr ich, daß Bruder Johannes in der DDR aufgewachsen war, in Naumburg im Priesterseminar war und 1981 in der Hedwigskathedrale zum Priester geweiht worden und in Berlin als Kaplan tätig war. Zu Meister Eckhart und dessen Mystik war er auf der Insel Juist gekommen, wo er Priester war und eine Frau in seiner Gemeinde einen Vortrag über Meister Eckhart hielt. 1996 bekam er von seinem Bischof die Erlaubnis als Arbeiterpriester in Prenzlau zu leben. Diese Jahre hat er als sehr wichtig und prägend erlebt.  2001 trat er aus Gewissensgründen zur altkatholischen Kirche über, hat dort jedoch nicht die Beheimatung gefunden, die er ersehnte.

So vielfältig die Angebote waren, letztlich trugen sich Cafe, Bioladen und Veranstaltungs-bereich finanziell nicht. Das Cafe und der Veranstaltungsbereich wurden verkleinert und dann ganz geschlossen. Danach eröffneten Maria und er in Friedrichshain einen Bioladen mit Cafe-Ecke, der gut angenommen wurde und drei Jahre lief bis eine Bio-Supermarkt-Kette einige hundert Meter weiter eine Niederlassung eröffnete.

Als ich ihn in St. Marien-Liebfrauen / St. Michael wieder traf, war er schon sichtbar sehr krank. Am Montag und Freitag engagierte er sich in St. Marien-Liebfrauen sowie im Mittwochscafe. Am Dienstag und Donnerstag war er in St. Michael, hielt die Kirche offen und stand für Gespräche bereit. Die Zeit, die er auf den Bescheid aus Rom über die Wiederaufnahme ins Priesteramt warten mußte, wurde ihm sehr lang. Mitte Dezember kam er ins Krankenhaus. Am 12. Januar konnten ihm Mitarbeiter des Ordinariats übermitteln, daß er von Papst Franziskus wieder ins Priesteramt aufgenommen worden ist. Kurz darauf ist er verstorben.

Ich denke gerne an die Gespräche mit ihm. Seine Freundlichkeit, sein Humor und sein wacher und gleichzeitig liebevoll kritischer Blick waren wichtig für mich. Ich verdanke ihm viel bei der Entwicklung meiner interreligiösen Bibliolog-Aktivitäten durch zahlreiche hilfreiche Hinweise und sehr differenziertes Feedback. Er hat sehr unterschiedliche Menschen zusammen gebracht und war so ein Brückenbauer im besten Sinn. Auch beim Samstagsfrühstück und bei der Sonntagsrunde in Sankt Michael wird er fehlen.

Zum Weiterlesen:

Nachruf des Erzbistums Berlin für  Dieter Kirschner .
Artikel über das Kloster Meister Eckhart im Tagesspiegel
Interview auf der Weise-Männer-Seite (ca. 1 Stunde)
Ein TAZ-Artikel über den Bioladen ist hier
Eine Liebeserklärung an den Bioladen ist hier

Samstagsfrühstück … mit dem Provinzial

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Der 6. Januar war für uns in diesem Jahr ein ganz besonderer Tag. Da das Samstagsfrühstück mit dem Dreikönigsfest zusammenfiel, hatten wir auf einen Besuch der Sternsinger gehofft. Aber die wollten sich erst ab 14.00 Uhr auf den Weg machen.

Wir konnten uns wieder über einen reich gedeckten Tisch und viele Besucher freuen – auch von weiter her: Siglinde aus Nürnberg war gerade in der Stadt und später kam auch Jens aus Leipzig dazu. Ein besonderer Höhepunkt und eine besondere Freude für uns war, daß der seit 1. Juni amtierende neue Provinzial Johannes Siebner (SJ )zu uns kam. Er ist Berliner, kennt die WG Naunynstraße und war zuletzt vor über 20 Jahren da. Er wurde befragt, wie viele Jesuiten es in Deutschland gibt (etwas über 300), worum es bei den Jesuiten geht (Bildung, Spiritualität und Gerechtigkeit). Er erzählte uns von seiner Romreise, wo er sich vor kurzem zwei Wochen lang mit anderen im letzten Jahr neu ernannten Provinziälen aus der ganzen Welt getroffen und ausgetauscht hat. ‚Einiges davon kann man auch in seinem Artikel „Wie geht Provinzial?“ nachlesen samt Foto mit Papst Franziskus.

Schwester Rita brachte uns ein Sternsinger-Lied mit und eine Betrachtung von Karl Rahner SJ zum Feiertag, die überschrieben war mit „Reise des Herzens„. Dort heißt es:

„Sie sehen einen Stern seltsam am Himmel emporsteigen. Und wenn sie auch erschrecken vor der Kühnheit ihres Herzens, so gehorchen sie doch und brechen auf. Sie gehen verschlungene Wege, aber vor Gottes Augen ist es der gerade Weg zu ihm, weil sie ihn in Treue suchen …Und wie sie endlich ankommen und niederknien, tun sie nur, was sie eigentlich immer taten, was sie auf der Suche und Reise schon taten: sie bringen das Gold ihrer Liebe, den Weihrauch ihrer Ehrfurcht, die Myrrhe ihrer Schmerzen vor das Antlitz des unsichtbar-sichtbaren Gottes. Still, wie sie gekommen sind, schwinden sie wieder aus dem Gesichtskreis der heiligen Geschichte … Lasst auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Lasst uns aufbrechen und vergessen, was hinter uns liegt … Der Weg geht durch Wüsten und Finsternisse. Aber verzage nicht: der Stern ist da und leuchtet … Brich auf, mein Herz, und wandre! Es leuchtet der Stern. Viel kannst Du nicht mitnehmen auf den Weg. Und viel geht dir unterwegs verloren: Lass es fahren. Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir. Er wird sie annehmen. Denn du wirst ihn finden.“

Mich erinnerte das an das Unterwegssein bei den Exerzitien auf der Straße. Später am Vormittag würde Pater Siebner sagen: „Unser größtes Exerzitienwerk sind die Straßenexerzitien. Und die brauchen keine Häuser“.

Unser Freund Roj erzählte uns, daß dieser Samstag auch der Tag war, an dem Hindus an die Ermordung von Mahatma Gandhi vor siebzig Jahren erinnern. Er hat aus seiner Tradition das Lied mitgebracht und gesungen, das Mahatma Gandhi bei der öffentlichen Versammlung gesungen hat, in deren späteren Verlauf er von einem Fanatiker ermordet worden ist. Es waren für uns alle sehr bewegende Momente.

Auch in der jüdischen Tradition war dieser Samstag ein besonderer: Es war im G-ttesdienst der Synagoge der Schabbat, an dem ein neues Buch im Torahlesezyklus begonnen wurde mit dem Wochenabschnitt Schemot, also das Buch Exodus (2. Buch Mose) mit der Erzählung der Geburt des Moses. Das stellt insofern eine Parallele dar, weil in der Kindheitsgeschichte des Evangelisten Matthäus einige Motive aus der Geburtsgeschichte von Moses auftauchen.

Und dann kamen sie ganz überraschend doch noch: Die Sternsinger von Sankt Michael – eigentlich mehr Sternsingerinnen. Sie hatten Liederhefte dabei, die rasch verteilt waren. So sangen wir miteinander einige Sternsinger-Lieder. Weihrauch zog durch die Wohnung und der Segen für uns und für alle die bei uns ein und aus gehen wurde an die Türpfosten geschrieben.

Sternsinger 2018

Daneben und dazwischen gab es viel Zeit für Gespräche und Kennenlernen. Es war ein reicher Vormittag, der nach dem Frühstück noch nicht zu Ende war, sondern etwas später für die, die wollten und auch andere, die neu dazu kamen mit einem Bibliolog zum Tagesevangelium, dem Besuch der Sterndeuter, weiterging.

Zwischen Advent und Weihnachten

Gestern haben wir die Gäste des Samstagsfrühstück mit einem Gedicht von Frank Howaldt aus dem „Andere Zeiten“-Adventskalender verabschiedet:

Kein Stern, das Dunkel,
kein Engel, die Menschen.

Aber dann waren es die tröstlichen Worte
die im Schneeregen fallen
leise beleuchtet

zum Tanz verleiten
ein paar Schritte und Herztöne
den Weg entlang

Und dann waren es die tröstlichen Worte
die vom Himmel schweben
berechnen nichts
beurteilen niemand
befeuchten das tote Laub
finden die Risse
erleuchten die welt

Und dann war es doch noch das
unerwartete
unübersetzbare
Wunder
einer Adventsnacht

Weihnachtskrippe 2017 (Foto: Maria Cruz)

Heute morgen haben Christian Schmidt, Maria und Rana unsere Weihnachtskrippe aus Afrika (Simbabwe) aufgebaut.

Wir wünschen allen unseren Freunden und Freundinnen, allen, die uns begleiten, die Anteil nehmen und den Mitlesenden ein frohes, lichtvolles Weihnachtsfest und G-ttes Segen für 2017.

Samstagsfrühstück, Purim und Pax Christi

Beim Samstagsfrühstück konnten wir heute einige Gäste und auch einen ehemaligen Mitbewohner begrüßen, die schon lange nicht mehr bei uns vorbei geschaut haben.

Hamantaschen

Wir hatten einander viel zu erzählen, und weil am Abend das jüdische Purim-Fest beginnt, gab es Hamantaschen mit Aprikosen-Dattel-Füllung.

Susanne und Reinhard berichteten, daß die katholische Bischofskonferenz die Zuschüsse für Pax Christi ohne Begründung gestrichen hat, und das in einer Zeit, in der Friedensarbeit nötiger denn je ist. Susanne hatte Unterschriftenlisten für eine Petition dabei, in der die Bischöfe aufgefordert werden, diesen Beschluß zu überdenken und zurückzunehmen. Online kann man sich hier darüber informieren.

 

Kein Samstagsfrühstück an Weihnachten und Sylvester

Liebe Frühstückgäste,

am Sa 24. Dezember und am Sa 31. Dezember findet kein Samstagsfrühstück statt. Wir freuen uns auf weiteres gemeinsames Frühstücken am Samstagmorgen wieder am 7. Januar 2016 ab 9.30 h und wünschen bis dahin allen Freunden, Freundinnen, Wegbegleitern, Unterstützerinnen und Mitlesenden frohe Weihnachten oder ein fröhliches Chanukka.

Geschenk in der U-Bahn

Roj, ein Hindu-Freund und regelmäßiger Gast hat uns zum letzten Samstagsfrühstück ein Gebet mitgebracht, daß ihm eine Frau in der U-Bahn geschenkt hat und das er mit uns teilen will. Es ist inspiriert von Psalm 138,3:

Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht,
hört er dein Gebet.
Wenn dich Furcht befällt vor der langen Nacht,
hört er dein Gebet.
Wenn du kraftlos bist und verzweifelt weinst,
hört er dein Gebet.
Wenn du ängstlich bist und dich selbst verneinst,
hört er dein Gebet.
Wenn die Menschheit vor ihrem Ende steht,
hört er dein Gebet.
Wenn die Sonne sinkt und die Welt vergeht,
hört er dein Gebet.
Er hört dein Gebet, hört auf dein Gebet.
Er versteht, was sein Kind bewegt.
Gott hört dein Gebet.

Roj singt: Hinduistisches Gebet beim Samstagsfrühstück

Nachtrag: Auch zu „Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht …“ gibt es eine Melodie, die man hier anhören kann.