Samstagsfrühstück, Purim und Pax Christi

Beim Samstagsfrühstück konnten wir heute einige Gäste und auch einen ehemaligen Mitbewohner begrüßen, die schon lange nicht mehr bei uns vorbei geschaut haben.

Hamantaschen

Wir hatten einander viel zu erzählen, und weil am Abend das jüdische Purim-Fest beginnt, gab es Hamantaschen mit Aprikosen-Dattel-Füllung.

Susanne und Reinhard berichteten, daß die katholische Bischofskonferenz die Zuschüsse für Pax Christi ohne Begründung gestrichen hat, und das in einer Zeit, in der Friedensarbeit nötiger denn je ist. Susanne hatte Unterschriftenlisten für eine Petition dabei, in der die Bischöfe aufgefordert werden, diesen Beschluß zu überdenken und zurückzunehmen. Online kann man sich hier darüber informieren.

 

Kein Samstagsfrühstück an Weihnachten und Sylvester

Liebe Frühstückgäste,

am Sa 24. Dezember und am Sa 31. Dezember findet kein Samstagsfrühstück statt. Wir freuen uns auf weiteres gemeinsames Frühstücken am Samstagmorgen wieder am 7. Januar 2016 ab 9.30 h und wünschen bis dahin allen Freunden, Freundinnen, Wegbegleitern, Unterstützerinnen und Mitlesenden frohe Weihnachten oder ein fröhliches Chanukka.

Geschenk in der U-Bahn

Roj, ein Hindu-Freund und regelmäßiger Gast hat uns zum letzten Samstagsfrühstück ein Gebet mitgebracht, daß ihm eine Frau in der U-Bahn geschenkt hat und das er mit uns teilen will. Es ist inspiriert von Psalm 138,3:

Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht,
hört er dein Gebet.
Wenn dich Furcht befällt vor der langen Nacht,
hört er dein Gebet.
Wenn du kraftlos bist und verzweifelt weinst,
hört er dein Gebet.
Wenn du ängstlich bist und dich selbst verneinst,
hört er dein Gebet.
Wenn die Menschheit vor ihrem Ende steht,
hört er dein Gebet.
Wenn die Sonne sinkt und die Welt vergeht,
hört er dein Gebet.
Er hört dein Gebet, hört auf dein Gebet.
Er versteht, was sein Kind bewegt.
Gott hört dein Gebet.

Roj singt: Hinduistisches Gebet beim Samstagsfrühstück

Nachtrag: Auch zu „Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht …“ gibt es eine Melodie, die man hier anhören kann.

 

Ein Zelt tanzt – Bibliolog zum Jahr der Barmherzigkeit (3)

 

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Sieger Köder: Besuch im Hain Mamre

Beim dritten Bibliolog-Treffen nach dem Samstagsfrühstück war die Runde der Teilnehmenden sehr international (vier Länder) und interreligiös besetzt (christlich – jüdisch – muslimisch).

Wir beschäftigten uns mit dem Besuch der drei Boten bei Abraham und Sarah (1 Mose 18 / Bereschit 18).  Der Midrasch erzählt von Abrahams großzügiger Gastfreundschaft: Sein Zelt sei nach allen vier Seiten offen gewesen, damit er möglichst frühzeitig ankommende Gäste sehen konnte. In Beersheva hatte er eigens einen großen Obst- und Gemüsegarten anlegen lassen. Jeder, der vorbei kam, durfte davon nehmen. Die Geschichte vom Besuch der drei Boten folgt direkt auf die Beschneidung von Abraham mit 99 Jahren und allen Männern, die mit ihm wohnten. Deshalb wird der Besuch der Boten / Engel auch als Krankenbesuch gesehen. In diesen Kontext habe ich dann die Hinführung eingebettet.

Besonders aufgefallen ist mir die bildhafte Sprache der Teilnehmerinnen aus romanischen Ländern (Frankreich und Italien). Ich hatte das Zelt (der Sarah) gefragt, wie es die Worte hört, daß Sarah in einem Jahr einen Sohn haben wird: Ich tanze vor Freude, wenn ich mir vorstelle …

Beim anschließenden Austausch wurden wir von einer Teilnehmerin auf den Zusammenhang zwischen der Gastfreundschaft und der entstehenden Fruchtbarkeit von Sarah hingewiesen.

Bibliolog und die Werke der Barmherzigkeit

blühende Buchstaben

blühende Buchstaben

Gestern haben wir uns zum zweiten Mal zur monatlichen Bibliolog-Runde nach dem Samstagsfrühstück getroffen. In unserem Wohngemeinschaftswohnzimmer wurde es eng.

Beim ersten Treffen im Juli sind wir der Frage nachgegangen: „Wer ist mein Nächster?“ und zwar anhand der Parabel vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25 ff). Wir haben uns damit beschäftigt, was Barmherzigkeit in verschiedenen religiösen Traditionen bedeutet. Bis November begeht die katholische Kirche das Jahr der Barmherzigkeit, was mir als Anregung für die Auswahl des Textes diente.

Die christliche Tradition kennt sieben Werke der Barmherzigkeit:

  • Hungrige speisen
  • Durstige tränken
  • Fremde beherbergen
  • Nackte bekleiden
  • Kranke besuchen
  • Gefangene besuchen
  • Tote bestatten

Die ersten sechs Werke finden sich in der Endzeitrede im Evangelium nach Mätthäus (Kapitel 25). Der Kirchenvater Lactantius (verstorben um 250) hat das siebte Werk (Tote bestatten) hinzugefügt und sich dabei auf das Buch Tobit bezogen, das im nicht zum jüdischen Kanon gehört.

In einem anderen Werk (Epitome divinarum institutionum) benennt dieser Kirchenvater jedoch neun Werke der Barmherzigkeit:

  • Hungernde speisen
  • Nackte kleiden
  • Unterdrückte befreien
  • Fremde und Obdachlose beherbergen
  • Waisen verteidigen
  • Witwen schützen
  • Gefangene vom Feind loskaufen
  • Kranke und Arme besuchen
  • Tote bestatten

Katholische Internetseiten betonen, daß diese Aufzählung nicht aus einer Bibelstelle herzuleiten ist. Mein Kommentar: Sie stammt aus der rabbinischen Tradition des Judentums. Es gibt nach jüdischem Verständnis Gebote, die einen so hohen Stellenwert haben, daß – wenn man sie ausführt – der Lohn nicht erst in der kommenden Welt eintritt, sondern schon in dieser Welt zuteil wird. Im Morgengebet, wie es jeder orthodoxe Jude täglich betet, werden genau diese neun Mizwot (Gebote) in diesem Zusammenhang benannt.

Vorgestern habe ich dann eine Geschichte zum Thema Barmherzigkeit ausgewählt, die normalerweise eher im Kontext von Wundergeschichten thematisiert wird, nämlich die Begegnung vom Propheten Elischa und einer Witwe (2 Könige 4). Die beiden Söhne der Witwe sollen in Schuldknechtschaft verkauft werden. Die Witwe hat noch einen kleinen Krug mit Öl. Der Prophet weist sie an, bei den Nachbarn Gefäße auszuleihen, was sie tut. Diese Gefäße werden mit Öl gefüllt, das sie verkaufen kann und damit die Schulden bezahlen kann.

Im anschließenden Gespräch haben wir unterschiedliche Aspekte vertieft. Dabei fühlte sich ein Teilnehmer auch an die Exerzitien auf der Straße erinnert, bei denen das Hören im Mittelpunkt steht und oft ein Impuls, der ungewohnt ist, der quer liegt, zu etwas führt, was man überhaupt nicht im Blickfeld hatte und so neue Perspektiven eröffnet ähnlich wie bei der Witwe, die sich auf die Anweisung des Elischa einläßt und Gefäße ausleiht.

Die nächsten Termine für die Bibliolog-Treffen werden auf der Termin-Seite unter dem Headerbild zu finden sein.

Zum Weiterlesen:
Bibliolog – aus Liebe zur Schrift (eigener Artikel auf dem Bibliolog-Weblog)

Samstagsfrühstück mit … Sevim Aydin

naunyn-tisch 05Vorletzte Woche hatte Sevim Aydin, SPD-Kandidatin für die Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses durch Plakate an den Hauseingangstüren angekündigt, daß sie Besuche in der Naunynstraße machen wird. Da wir zu sehr unterschiedlichen Zeiten anzutreffen sind, habe ich sie für das Samstagsfrühstück heute eingeladen.

Sevim Aydin ist in der Naunynstraße aufgewachsen und hat dort auch bis vor ein paar Jahren gewohnt. Ihr besonderes Anliegen ist die Bildungspolitik (gebührenfreie Bildung vom Kindergarten bis zum Universitätsabschluß), Wohnungs- und Arbeitsmarktpolitik. Die Frühstücksgäste befragten sie auch zu einigen anderen Themen: Bedingungsloses Grundeinkommen, Integration von Geflüchteten, Schaffung von Arbeitsplätzen, die fair bezahlt werden, Inklusion … Der Austausch war sehr anregend.

Zum Abschluß rezitierte Roj noch einige Zeilen aus einem Gedicht aus dem Gitanjali (Gedichtsammlung von Rabindranath Tagore), das er mitgebracht hatte:

Du machtest mich bekannt
mit Freunden, die ich noch nicht kannte.
Du gabest Heimstatt mir in Häusern,
die mir nicht gehörten.
Du brachtest das Entfernte nah
und machtest aus dem Fremdling
einen Bruder

Website von Sevim Aydin

Samstagsfrühstück und Bibliolog

blühende Buchstaben

blühende Buchstaben

In den letzten Wochen kam mehrmals von BesucherINNEN die Frage, ob es nicht einmal im Monat nach dem Samstagsfrühstück ein Bibliolog-Angebot und einmal monatlich Straßenexerzitien geben könnte.

Wir greifen das gerne auf und laden am Sa. 9. Juli um 14.00 h zum Bibliolog ein. Es wird um das Thema Barmherzigkeit gehen.

Wer Lust hat, kann gerne dazu kommen: Zum Frühstück allein, zum Bibliolog allein oder zu beidem.
Leider ist die Klingelanlage derzeit defekt. Hoffentlich ändert sich das bis Samstag. Ansonsten versuchen wir die Haustür offen zu halten.
Notfalls: Telefon 030 / 614 92 51.
Zum Weiterlesen:
Bibliolog in Berlin