Sommer-Ferien-Samstags-Frühstück

Am Samstag konnten wir wieder viele Gäste zum offenen Frühstück begrüßen: bekannte und neue Gesichter, alte und junge, Berlinbesucher und Berlinbewohner … Am reich gedeckten Tisch konnten wir über unterschiedliche Themen ins Gespräch kommen. Besonders bewegt hat uns das Erzählen von Christian vom Besuch bei Franziska und der letzten Begegnung mit ihr. Sie ist in der Nacht von Freitag auf Samstag nach langer Krankheit verstorben. In der Wohngemeinschaft war sie zu Straßenexerzitien. Als Obdachlosenseelsorgerin war sie in Köln im Gubbio engagiert.

Roj feierte mit uns seinen Geburtstag und sang das hinduistische Gebet, auf das sich viele von uns als Abschluß des Frühstücks freuen. Am Samstag hatte er noch ein anderes Lied mitgebracht, dessen Text von R. Tagore ist:

Advertisements

blumig … und Grenzen überschreitend

Foto: Maria Cruz

Blumig war unser Samstagsfrühstückstisch heute gedeckt. Abends beginnt für Juden das Wochenfest Schawuot und für Christen der Vorabend von Pfingsten. Der Midrasch (mündliche Tradition des Judentums) erzählt: Als der Ewige dem jüdischen Volk am Sinai die Torah übergab, standen alle Pflanzen der Erde in voller Blüte. Und so fanden sich Quarkspeise, Frischkäse, Obst und eine nachträgliche Geburtstagstorte in Blumenform auf unserem Frühstückstisch. Einige Gäste, die schon länger nicht mehr bei uns waren, konnten wir wieder einmal begrüßen und zum ersten Mal seit ganz langer Zeit war Werner, der Weitergeber, in unserer Mitte. Muslimische Gäste hatten wir heute nicht wegen des Fastenmonats Ramadan, der auch der Monat ist, in dem der Koran offenbart wurde. So fallen dieses Jahr drei Feste, in denen es um Offenbarung geht, zusammen: Schawuot, Pfingsten und Ramadan.

Foto: Maria Cruz

Einige Katholikentagsbesucher erzählten von ihren Erlebnissen und Begegnungen in Münster. Christian Herwartz war anschließend nach Solingen gefahren um dort Heinz-Jürgen Metzger zu treffen, mit dem er schon seit 15 Jahren in Verbindung ist. Heinz-Jürgen Metzger ist Zen-Meister und führt in Deutschland die Street Retreats, die von Bernie Glassman entwickelt wurden, durch. Nun scheint die Zeit gekommen und reif zu sein miteinander eine Form von Straßenexerzitien / Streetretreats zu entwickeln. Im nächsten Jahr wird es zwei zehntägige Kurse geben.  Sobald Termine und Details bekannt sind, werden sie auf der Straßenexerzitien-Seite zu finden sein.

Street-Retreat mit Bernie Glassman (auf englisch)

 

Immer wieder in der Bibliothek …

treffe ich Abdulla. Zum ersten Mal sind wir uns an einem kühlen Tag im Herbst in der AGB (Amerika-Gedenkbibliothek) begegnet. Ich setzte mich mit einem Stapel Zeitungen an den Tisch, an dem er Hausaufgaben machte. Er fragte mich etwas zum Unterrichtsstoff und so kamen wir ins Gespräch. Damals wohnte er in einer Flüchtlingsunterkunft weit draußen in Spandau mit Landleuten und beklagte, daß er kaum Möglichkeiten habe deutsch zu üben. So lud ich ihn zum Samstagsfrühstück ein, und er kam oft. Auch Weih-nachten hat er mit uns gefeiert. Inzwischen hat er eine Wohnung im Nachbarstadtteil und wartet darauf, seine Frau und die beiden Kinder nachholen zu können. Seinen Beruf kann er in Deutschland nicht ausüben. In den letzten Wochen kam er nicht mehr, und wir fragten uns schon, was mit ihm los sein mag.

Heute stand er unerwartet in der Stadtteilbibliothek neben mir. Beide haben wir uns über dieses Zusammentreffen gefreut. Er arbeitet am Samstag jetzt immer als Integrations-lotse. Er hilft Geflüchteten, die erst kurz da sind, sich besser hier zurechtzufinden, erklärt, wie das bei den Behörden läuft und wie man Alltagsdinge organisieren kann. Seine Augen leuchten wenn er davon erzählt. Man spürt, mit wie viel Engagement er das macht. Und eine große Freude ist, daß er in zwei Monaten eine Erzieherausbildung beginnen kann. Er möchte gerne mit Jugendlichen im Freizeitbereich arbeiten. Wir freuen uns mit und wünschen ihm und allen Muslimen Ramadan mubarak – einen gesegneten Ramadan.

Gestern beim Samstagsfrühstück …

… konnten wir einige Gäste begrüßen, die wir schon länger nicht mehr gesehen haben. Walter, der vor Weihnachten zwei Wochen bei uns gewohnt hat, war gekommen. Eine besondere Freude war es, daß Jutta nach langer Zeit wieder einmal unter uns sein konnte. Sie hat die Bewohner der Gemeinschaft und den Freundeskreis in der Übergangszeit intensiv begleitet als klar war, daß Christian gehen würde und sich die Frage stellte, wie und mit wem es danach weiter gehen könnte. Alle paar Wochen hat sie eines unserer Treffen moderiert. Leider konnte sie beim Fest der Übergabe aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein. Gestern haben wir sie dann zum ersten Mal seit fast zwei Jahren wieder gesehen. Sie freut sich, daß sie Zeit hat intensiv Bibel zu lesen und mit Menschen im Gespräch zu sein.

Nachgerufen: Dieter Kirschner (1953 – 2018)

Dieter Kirschner 2006

Dieter Kirschner ist am Samstag den 13. Januar im Alter von 64 Jahren im St. Josefskrankenhaus verstorben. Seit Februar 2017 war er pastoraler Mitarbeiter in St. Marien-Liebfrauen / St. Michael und regelmäßiger Gast bei unserem Samstagsfrühstück.

Mich verbindet eine längere gemeinsame Geschichte mit ihm. Ich habe ihn 2006 kennengelernt, einige Jahre aus den Augen verloren  und im Frühjahr 2017 bei einer Pfarrge-meinderatsklausur von Sankt Michael wieder getroffen. Ich war eingeladen den biblischen Impuls zu gestalten, und da sah ich ihn sitzen. „Den kenne ich doch – aber von früher“ – war mein erster Gedanke. Er wurde mir als neuer pastoraler Mitarbeiter vorgestellt. Später erzählte er mir, daß er ins Priesteramt zurückkehren wolle und in der Wartezeit in Sankt Marien-Liebfrauen eingesetzt sei.

Ich hatte ihn als „Bruder Johannes“ kennengelernt – so sein Ordensname, den er während des Noviziats bei den Franziskanern erhalten hatte. Und nun stand er in Schöneberg in einem lichtdurchfluteten Raum mit warmen Holzmöbeln hinter dem Tresen vom Cafe-Bereich des interreligiösen Klosters Meister Eckhart.

Kloster Meister Eckhart, Schöneberg

Gegründet hatte er es mit Bruder Frank zusammen, der eher zurückgezogen in der Küche wirkte. Das Kloster Meister Eckhart (KME) wollte als Gemeinschaft ein Ort für Menschen verschiedener Religionen sein, die in ihrer Tradition den mystischen Weg gehen.

Mit der Zeit entwickelte sich ein vielfältiges Veranstaltungsangebot von Konzerten, Lesungen, Gesprächskreisen, Vorträgen und Informationsabenden. Auch ich habe gelegentlich dort interreligiöse Bibliolog-Veranstaltungen angeboten. Später kam eine Bioladen-Ecke dazu und auch Produkte aus verschiedenen Klöstern. Ich habe dort immer wieder anregende Stunden mit guten, vielfältigen Begegnungen verbracht.

Im ersten Stockwerk gab es einen Meditationsraum, in den man sich zurückziehen konnte. Regelmäßig wurde dort Kontemplation und Zen-Meditation angeboten.  Außerdem gab es die „Kapelle der Religionen“ mit den Symbolen der Weltreligionen, in der verschiedene Gebetsformen und einmal monatlich die „Feier des Lebens“ angeboten wurden.

Bruder Johannes war die Seele des Ganzen. Er betrieb das Cafe mit Bioladen-Ecke, organisierte und moderierte Veranstaltungen, initiierte Gesprächsrunden und lud zu Gebetszeiten ein. Besonders am Herzen lag ihm der Gesprächskreis zu Meister Eckhart. Für viele Menschen war er ein gefragter Gesprächspartner. Nach kurzer Zeit hatte Bruder Frank das Kloster verlassen. Es gab immer wieder Menschen, die kürzer oder länger mitleben wollten, aber niemand, der / die sich für ein dauerhaftes Engagement entschied. Auch Ehrenamtliche waren im Cafe aktiv. Dort gab es selbst gebackenen Kuchen, Suppen und kleine Gerichte – alles in Bioqualität. Ein Freundeskreis und ein Förderverein wurden gegründet.

Mit der Zeit erfuhr ich, daß Bruder Johannes in der DDR aufgewachsen war, in Naumburg im Priesterseminar war und 1981 in der Hedwigskathedrale zum Priester geweiht worden und in Berlin als Kaplan tätig war. Zu Meister Eckhart und dessen Mystik war er auf der Insel Juist gekommen, wo er Priester war und eine Frau in seiner Gemeinde einen Vortrag über Meister Eckhart hielt. 1996 bekam er von seinem Bischof die Erlaubnis als Arbeiterpriester in Prenzlau zu leben. Diese Jahre hat er als sehr wichtig und prägend erlebt.  2001 trat er aus Gewissensgründen zur altkatholischen Kirche über, hat dort jedoch nicht die Beheimatung gefunden, die er ersehnte.

So vielfältig die Angebote waren, letztlich trugen sich Cafe, Bioladen und Veranstaltungs-bereich finanziell nicht. Das Cafe und der Veranstaltungsbereich wurden verkleinert und dann ganz geschlossen. Danach eröffneten Maria und er in Friedrichshain einen Bioladen mit Cafe-Ecke, der gut angenommen wurde und drei Jahre lief bis eine Bio-Supermarkt-Kette einige hundert Meter weiter eine Niederlassung eröffnete.

Als ich ihn in St. Marien-Liebfrauen / St. Michael wieder traf, war er schon sichtbar sehr krank. Am Montag und Freitag engagierte er sich in St. Marien-Liebfrauen sowie im Mittwochscafe. Am Dienstag und Donnerstag war er in St. Michael, hielt die Kirche offen und stand für Gespräche bereit. Die Zeit, die er auf den Bescheid aus Rom über die Wiederaufnahme ins Priesteramt warten mußte, wurde ihm sehr lang. Mitte Dezember kam er ins Krankenhaus. Am 12. Januar konnten ihm Mitarbeiter des Ordinariats übermitteln, daß er von Papst Franziskus wieder ins Priesteramt aufgenommen worden ist. Kurz darauf ist er verstorben.

Ich denke gerne an die Gespräche mit ihm. Seine Freundlichkeit, sein Humor und sein wacher und gleichzeitig liebevoll kritischer Blick waren wichtig für mich. Ich verdanke ihm viel bei der Entwicklung meiner interreligiösen Bibliolog-Aktivitäten durch zahlreiche hilfreiche Hinweise und sehr differenziertes Feedback. Er hat sehr unterschiedliche Menschen zusammen gebracht und war so ein Brückenbauer im besten Sinn. Auch beim Samstagsfrühstück und bei der Sonntagsrunde in Sankt Michael wird er fehlen.

Zum Weiterlesen:

Nachruf des Erzbistums Berlin für  Dieter Kirschner .
Artikel über das Kloster Meister Eckhart im Tagesspiegel
Interview auf der Weise-Männer-Seite (ca. 1 Stunde)
Ein TAZ-Artikel über den Bioladen ist hier
Eine Liebeserklärung an den Bioladen ist hier

Samstagsfrühstück … mit dem Provinzial

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Der 6. Januar war für uns in diesem Jahr ein ganz besonderer Tag. Da das Samstagsfrühstück mit dem Dreikönigsfest zusammenfiel, hatten wir auf einen Besuch der Sternsinger gehofft. Aber die wollten sich erst ab 14.00 Uhr auf den Weg machen.

Wir konnten uns wieder über einen reich gedeckten Tisch und viele Besucher freuen – auch von weiter her: Siglinde aus Nürnberg war gerade in der Stadt und später kam auch Jens aus Leipzig dazu. Ein besonderer Höhepunkt und eine besondere Freude für uns war, daß der seit 1. Juni amtierende neue Provinzial Johannes Siebner (SJ )zu uns kam. Er ist Berliner, kennt die WG Naunynstraße und war zuletzt vor über 20 Jahren da. Er wurde befragt, wie viele Jesuiten es in Deutschland gibt (etwas über 300), worum es bei den Jesuiten geht (Bildung, Spiritualität und Gerechtigkeit). Er erzählte uns von seiner Romreise, wo er sich vor kurzem zwei Wochen lang mit anderen im letzten Jahr neu ernannten Provinziälen aus der ganzen Welt getroffen und ausgetauscht hat. ‚Einiges davon kann man auch in seinem Artikel „Wie geht Provinzial?“ nachlesen samt Foto mit Papst Franziskus.

Schwester Rita brachte uns ein Sternsinger-Lied mit und eine Betrachtung von Karl Rahner SJ zum Feiertag, die überschrieben war mit „Reise des Herzens„. Dort heißt es:

„Sie sehen einen Stern seltsam am Himmel emporsteigen. Und wenn sie auch erschrecken vor der Kühnheit ihres Herzens, so gehorchen sie doch und brechen auf. Sie gehen verschlungene Wege, aber vor Gottes Augen ist es der gerade Weg zu ihm, weil sie ihn in Treue suchen …Und wie sie endlich ankommen und niederknien, tun sie nur, was sie eigentlich immer taten, was sie auf der Suche und Reise schon taten: sie bringen das Gold ihrer Liebe, den Weihrauch ihrer Ehrfurcht, die Myrrhe ihrer Schmerzen vor das Antlitz des unsichtbar-sichtbaren Gottes. Still, wie sie gekommen sind, schwinden sie wieder aus dem Gesichtskreis der heiligen Geschichte … Lasst auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Lasst uns aufbrechen und vergessen, was hinter uns liegt … Der Weg geht durch Wüsten und Finsternisse. Aber verzage nicht: der Stern ist da und leuchtet … Brich auf, mein Herz, und wandre! Es leuchtet der Stern. Viel kannst Du nicht mitnehmen auf den Weg. Und viel geht dir unterwegs verloren: Lass es fahren. Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir. Er wird sie annehmen. Denn du wirst ihn finden.“

Mich erinnerte das an das Unterwegssein bei den Exerzitien auf der Straße. Später am Vormittag würde Pater Siebner sagen: „Unser größtes Exerzitienwerk sind die Straßenexerzitien. Und die brauchen keine Häuser“.

Unser Freund Roj erzählte uns, daß dieser Samstag auch der Tag war, an dem Hindus an die Ermordung von Mahatma Gandhi vor siebzig Jahren erinnern. Er hat aus seiner Tradition das Lied mitgebracht und gesungen, das Mahatma Gandhi bei der öffentlichen Versammlung gesungen hat, in deren späteren Verlauf er von einem Fanatiker ermordet worden ist. Es waren für uns alle sehr bewegende Momente.

Auch in der jüdischen Tradition war dieser Samstag ein besonderer: Es war im G-ttesdienst der Synagoge der Schabbat, an dem ein neues Buch im Torahlesezyklus begonnen wurde mit dem Wochenabschnitt Schemot, also das Buch Exodus (2. Buch Mose) mit der Erzählung der Geburt des Moses. Das stellt insofern eine Parallele dar, weil in der Kindheitsgeschichte des Evangelisten Matthäus einige Motive aus der Geburtsgeschichte von Moses auftauchen.

Und dann kamen sie ganz überraschend doch noch: Die Sternsinger von Sankt Michael – eigentlich mehr Sternsingerinnen. Sie hatten Liederhefte dabei, die rasch verteilt waren. So sangen wir miteinander einige Sternsinger-Lieder. Weihrauch zog durch die Wohnung und der Segen für uns und für alle die bei uns ein und aus gehen wurde an die Türpfosten geschrieben.

Sternsinger 2018

Daneben und dazwischen gab es viel Zeit für Gespräche und Kennenlernen. Es war ein reicher Vormittag, der nach dem Frühstück noch nicht zu Ende war, sondern etwas später für die, die wollten und auch andere, die neu dazu kamen mit einem Bibliolog zum Tagesevangelium, dem Besuch der Sterndeuter, weiterging.

Zwischen Advent und Weihnachten

Gestern haben wir die Gäste des Samstagsfrühstück mit einem Gedicht von Frank Howaldt aus dem „Andere Zeiten“-Adventskalender verabschiedet:

Kein Stern, das Dunkel,
kein Engel, die Menschen.

Aber dann waren es die tröstlichen Worte
die im Schneeregen fallen
leise beleuchtet

zum Tanz verleiten
ein paar Schritte und Herztöne
den Weg entlang

Und dann waren es die tröstlichen Worte
die vom Himmel schweben
berechnen nichts
beurteilen niemand
befeuchten das tote Laub
finden die Risse
erleuchten die welt

Und dann war es doch noch das
unerwartete
unübersetzbare
Wunder
einer Adventsnacht

Weihnachtskrippe 2017 (Foto: Maria Cruz)

Heute morgen haben Christian Schmidt, Maria und Rana unsere Weihnachtskrippe aus Afrika (Simbabwe) aufgebaut.

Wir wünschen allen unseren Freunden und Freundinnen, allen, die uns begleiten, die Anteil nehmen und den Mitlesenden ein frohes, lichtvolles Weihnachtsfest und G-ttes Segen für 2017.