Strassenexerzitien

FußsohleDie Exerzitien auf der Straße sind nicht nur in der Wohngemeinschaft Naunynstraße entstanden. Die Naunynstraße ist seitdem auch immer ein Ort gewesen, an dem Einzelne für einige Tage kommen konnten, „auf die Straße gehen konnten“ und dabei durch abendliche Einzelgespräche begleitet wurden. Letzte Woche konnten wir die erste Exerzitantin nach Christians Weggang willkommen heißen. Sie hatte Vorerfahrungen mit anderen Exerzitienformen. Im Rahmen der Sonntagsgespräche von Kloster Nütschau war sie auf diese Möglichkeit aufmerksam geworden und hatte mit uns Kontakt aufgenommen. Es ist immer wieder neu bewegend, wie schnell die eigenen Lebensthemen bei den Exerzitien auf der Straße präsent werden.

Seit vielen Jahren kommen in der Karwoche junge Frauen nach Berlin, die sich bei den Steyler Missionarinnen auf einen Auslandseinsatz als „Missionarinnen auf Zeit“ vorbereiten. In Berlin kommen sie in dieser Zeit in Kontakt mit verschiedenen Formen von Armut hier im reichen Deutschland. Sie sind in der katholischen Gemeinde Sankt Michael untergebracht, zu der wir eine enge Verbindung haben. Während dieser Zeit machen sie dann einen Tag Exerzitien auf der Straße.  Dieses Jahr wurden sie dabei von Christian und Bewohnerinnen aus der Wohngemeinschaft begleitet.

Magdalena Beier hat im aktuellen MAZ-Rundbrief Nr. 16 beschrieben, was die Impulse und dieser Tag für sie und die Vorbereitungen auf den Auslandseinsatz bedeutet haben und zwar hier (im 2. Drittel des Rundbriefs).

 

Exerzitien auf der Straße als Einzelexerzitien

FußsohleImmer wieder erreichen uns Anfragen, ob auch nach Christians Weggang Exerzitien auf der Straße als Einzelexerzitien in der Naunynstraße möglich sind.

Ja, das Angebot der Straßenexerzitien ist eines unserer Kernanliegen und wird weitergeführt. In der Wohngemeinschaft leben ein Begleiter und eine Begleiterin und auch im Umfeld der Naunynstraße gibt es Begleitende, die bereit sind – sich hier zu engagieren.

Auch weiterhin ist es möglich zeitweise in der Naunynstraße mitzuleben – auch ohne Exerzitien auf der Straße zu machen. Anfragen erreichen uns am besten über eMail: naunyn (at) gmx (dot) de

Mehr zu Straßenexerzitien steht hier (Website)

 

Mehr zuhören statt zu reden …

Rockn RollF und Christian Herwartz im Karmel Plötzensee / Foto: Cornelia Klaebe

… ist ein Artikel in der Osterausgabe 2016 der katholischen Kirchenzeitung „Tag des Herrn“ überschrieben, in dem es um eine Lesung von Christian mit Musikbegleitung von Rockn RollF im Karmel in Berlin-Plötzensee geht. Diese Art von musikalischer Darbietung war sicher einmalig in der Krypta der Kirche, in der normalerweise die Stundengebete der Ordensfrauen stattfinden. Zum Artikel geht es hier. Die Schwestern hatten das Buch „im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen“ bereits in den davor liegenden Tagen im Rahmen ihrer Tischlesungen kennengelernt.

Karmel-Kloster Berlin-Plötzensee

Foto: Quelle: Cornelia Klaebe, Mit freundlicher Genehmigung der Kirchenzeitung Tag des Herrn. www.tag-des-herrn.de, Alle Rechte vorbehalten. © St. Benno-Verlag, Leipzig

 

 

Wenn die Straße heiliger Boden wird …

Bild: Andrea Stölzl

Bild: Andrea Stölzl

Die Gemeinschaft in der Naunynstraße ist immer wieder ein Ort für Menschen, die Exerzitien auf der Straße machen wollen. Morgen wird eine Mutter mit zwei Kindern für einige Tage zu uns kommen. Am Karfreitag und Karsamstag begleiten drei von uns zwei Gruppen, die für einen Tag auf die Straße gehen wollen.

Michael Schindler, Pastoralreferent und selbst Begleiter von Exerzitien auf der Straße hat eine Doktorarbeit über „Exerzitien auf der Straße“ verfaßt.  Auf dem feinschwarz-Blog berichtet er  von Erfahrungen mit „Straßenexerzitien“ und den Ergebnissen seiner pastoraltheologischen Forschung: Weiterlesen

Die Welt im Wohnzimmer (1): Schweiz Teil 2 – weggestossen, ausgeschafft, abgeschafft

a1adc86d1a7a0512c8a6f89729c68b09Vor zwei Tagen hatte ich einen Blogbeitrag über Conny und ihr Engagement gegen die Durchsetzungsinitiative verfaßt und zwar hier.  Ich habe Conny eingeladen, selber ein paar Zeilen zu schreiben, was sie zu diesem Engagement gebracht hat. 

Conny schreibt: Im Sommer 2015, während meinen 10tägigen Exerzitien auf der Strasse, wachte ich kurz vor Ende dieser guten Zeit nachts auf. Ein starker und deutlicher innerer Anruf, doch einmal wirklich genau hin zu sehen, ließ mich nicht mehr in den Schlaf finden.

Dann fiel es mir plötzlich, im wahrsten Sinne des Wortes, wie Schuppen von den Augen. Ich fand mich emotional und gefühlsmäßig zutiefst verbunden mit den Menschen, die in der Ausschaffungshaft sitzen.

Genau hier befand sich mein tiefster Schmerz, meine grösste Verletzung. Tagelang hatte ich mich während den Exerzitien davor gescheut hin zu sehen und auch hinzugehen. Doch in dieser Nacht verband sich mein Leid mit dem Leid dieser Menschen. Ich fühlte meinen Schmerz und konnte gleichzeitig den Schmerz meiner Geschwister fühlen. Nicht willkommen, weggestossen, ausgeschafft, abgeschafft!!!

Es wäre besser, wenn es dich/euch gar nicht erst gäbe. Weinend betete ich meinen Namen Gottes, der mir in dieser Nacht geschenkt wurde. Nach diesem Erlebnis war mir klar, dass meine Exerzitien im Oktober mit der Mahnwache vor der Abschiebehaft am Flughafen Schönefeld in Berlin weitergehen werden. Ich musste dahin und mich solidarisch zeigen!

In der Schweiz wurde die Ausschaffungsinitiative 2010 angenommen. Nun hat die Schweizerische Volkspartei, der rechte Flügel im Parteienspektrum und deren Anhänger, das Gefühl, dass die Regierung diese Initiative zu lasch oder gar nicht umsetzt. Sie bringen am 28. Februar eine neue Initiative an die Urne: die Durchsetzungsinitiative. Diese Initiative setzt den Rechtsstaat, die Gewalten-teilung und die Menschenrechte außer Kraft!

Hier ein kleines Beispiel zu den möglichen Folgen: Der 19-jährige Hochbauzeichner- lehrling José Zúñiga, Sohn chilenischer Eltern, ist an einem lauen Freitagabend im Sommer mit Freunden unterwegs; sie grillieren am See, trinken über den Durst. Als ihr Getränkevorrat zur Neige gegangen ist, beschließt die Clique, sich Nachschub zu besorgen – im Kiosk der lokalen Seebad.

José Zúñiga, angetrunken und angestachelt durch seine Kumpel, übernimmt die Sache: Er hebt eine Holzverriegelung aus den Angeln, bricht in den Kiosk ein und schnappt sich ein paar Flaschen Bier aus dem Kühlschrank. Am Tag darauf plagt José Zúñiga das schlechte Gewissen. Er beichtet die Tat seinen Eltern. Sie überzeugen ihren Sohn, sich bei der Polizei zu melden und sich bei der Badi zu entschuldigen. Die Staatsanwaltschaft brummt dem 19-Jährigen eine geringfügige bedingte Geldstrafe auf. Zúñiga will die Verfahrenskosten und die Buße mit seinem Lehrlingslohn abstottern, doch damit ist es nicht getan: Er wird für zehn Jahre des Landes verwiesen und muss nach Chile, wo er nie gelebt hat. Mit seinem Einbruch erfüllt Zúñiga die Straftatbestände Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Diebstahl – darauf steht die automatische Ausschaffung.

Ich setzte momentan alles mir Mögliche ein, dass diese unmenschliche Initiative nicht angenommen wird. Ohne meine Erfahrungen bei den Strassenexerzitien wäre ich nicht auf diesem Weg – auf dieser Strasse! Dem Geist Gottes sei Dank!

Conny Pieren, Thun, Schweiz, 16.02.2016

Nachtrag 28. Februar 2016: Die Durchsetzungsinitiative wurde bei der Volksabstimmung abgelehnt.

Buch über Exerzitien auf der Straße

Heute erscheint unter dem Titel „Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen“ ein Buch über Straßenexerzitien im Neukirchener Verlag. Es ist eine Mischung aus Theorie und Praxis. Die Erfahrungen aus der Praxis kommen von 30 Teilnehmenden an Straßenexerzitien. Beim Treffen der Begleiterinnen und Begleiter von Straßenexerzitien im Januar 2015 haben sich einige von ihnen zusammengetan um ein Buch über Exerzitien auf der Straße gemeinsam zu schreiben.

 

Der Verlag schreibt:

Jesuitenpater Christian Herwartz lebt seit über 35 Jahren in einer offenen Wohngemeinschaft in Berlin-Kreuzberg, hat jahrzehntelang als Arbeiterpriester in Fabriken gearbeitet und ist überzeugt, dass Spiritualität und gesellschaftliches Engagement zusammengehören.

In diesem Band beschreiben er und viele andere Autoren und Autorinnen ihre sehr persönlichen Erfahrungen bei Exerzitien auf der Straße.

Sich auf fremde Orte und Menschen sowie überraschende Erfahrungen einzulassen, gehört bei dieser Form der „geistlichen Übungen“ dazu. Eine Frage lautet: Wer will mir heute begegnen? Von diesen Begegnungen mit einer alten türkischen Frau, einem fünfjährigen Mädchen und einem Obdachlosen erzählen die Teilnehmer genauso wie von berührenden Einsichten unter der Brücke. Von dem, was sie als Mensch, Christ verändert hat, wie Gott ihr Herz traf. Geistliche und biblische Reflexionen zu den verschiedenen Etappen der Straßenexerzitien runden diesen Band ab und können eigene Straßenexerzitien anleiten.

Christoph Albrecht (SJ) schreibt:

Ein wundervolles Buch und wohl die gegenwärtig beste Lektüre zum Thema weltzugewandter Spiritualität. Die vielen sehr persönlich erzählten Erfahrungen laden ein, das eigene Leben in einem vielleicht neuen, vielleicht erlösenden Licht zu sehen und der Sehnsucht Raum zu geben, dem göttlichen Geheimnis im eigenen Alltag auf die Spur zu kommen. Nicht unbedingt durch akribisches Studium aller heiligen Schriften, nicht unbedingt durch die strenge Befolgung individueller Frömmigkeitsregeln, sondern eher in der Haltung eines bedürftigen Menschen, der sich überraschen und beschenken lassen kann. Das Buch verbindet poetische Texte und Zeugnisse ehemaliger Straßenexerzitien-Teilnehmer_innen mit sehr praktischen Hinweisen und theologischen Reflexionen zur Gestaltung und Begleitung solcher geistlicher Übungen. Es wird Kenner_innen und Exerzitien-Begleiter_innen genauso ansprechen, wie solche, denen das Wort Exerzitien (noch) nichts sagt.

Für die nächste Zeit sind schon einige Lesungen geplant. Orte und Zeiten sind unter „Termine“ unter dem Headerbild zu finden.

Mehr zu Exerzitien auf der Straße findet sich hier.

Beim Treffen der BegleiterINNEN von Strassenexerzitien in München

(Iris schreibt:) Für mich war es das erste Treffen der Begleiterinnen und Begleiter von Straßenexerzitien, an dem ich am letzten Januarwochenende im spirituellen Zentrum St. Martin in München teilgenommen habe. Vierzig Menschen aus Deutschland, der Schweiz (2) und Frankreich (2) hatten sich angemeldet.

Einige bekannte Gesichter würde ich dort wohl treffen, aber großenteils würde ich auf Unbekannte stoßen – so meine Vorstellung. Einige Begleitende kenne ich, weil sie in der Naunynstraße zu Besuch waren, dort Straßenexerzitien in der Form von Einzelexerzitien machten oder als Begleitende von Straßen-exerzitien dort wohnten. Ich war nicht schlecht erstaunt, als ich feststellte, daß ich fast drei Viertel der Anwesenden bereits kannte. Ich traf sozusagen auf unbekannte Bekannte – oder andersrum, wie man es nimmt 😉 Bei der Vorstellungsrunde sollten wir uns mit einer (noch) unbekannten Person zusammentun und uns zu einer Impulsfrage austauschen (z.B. wann und in welcher Situation hast du zum ersten Mal von Exerzitien auf der Straße erfahren). Es gab mehrere Durchgänge mit unterschiedlichen Fragen und mit wechselnden Unbekannten. Ich hatte richtig Schwierigkeiten unter den bis zu diesem Zeitpunkt Anwesenden so viele Unbekannte zu finden. Von einigen Leuten, die im letzten Jahr seit ich dazugekommenbin in der Naunynstraße waren, hatte ich gar nicht gewußt, daß sie zum Kreis der Begleiterinnen und Begleiter gehören.

Das Vorbereitungsteam hatte Lebensmittel gekauft, die Räume und das Abendessen vorbereitet. Alles andere lag in der Verantwortung der gesamten Gruppe. Wir sammelten die Fragestellungen, die uns auf dem Herzen lagen und entwickelten daraus, welche Themen bedacht werden sollten.

So wurde etwa der Stellenwert einzelner „Basics“ in den Blick genommen und daraufhin befragt, was diese aus der Sicht von Teilnehmenden und aus der Sicht von Begleitenden bedeuten. Welchen Stellenwert hat die abendliche Erzählrunde, in der Erfahrungen des Tages benannt werden können? Wie ist das mit den abendlichen Gottesdienst als freiwilligem oder verbindlichem Angebot? Mit großer Offenheit und großem Respekt konnten die unterschiedlichen Sichtweisen thematisiert werden.

Christian wies darauf hin, daß in Zukunft der Anteil der Priester, die Straßenexerzitien begleiten werden, kleiner werden wird. Von daher werden die Begleitenden vor der Herausforderung stehen, in der jeweiligen Situation kreativ Gottesdienstformen zu entwickeln und andere Arten von Impulsen auszuprobieren. Diese Realität war mir bis dahin noch gar nicht in den Blick gekommen, weil bei den Straßenexerzitien, die ich bis jetzt begleitet habe, immer mindestens ein katholischer Prieser und eine evangelische Pfarrerin begleitet haben.

Ein besonderes Highlight am Samstagabend war die Lesung aus dem Buch über Straßenexerzitien (Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen), das im Februar 2016 erscheinen wird. Erst beim Begleitertreffen im letzten Jahr war die Idee zu diesem Buch entstanden. Sechs Interessierte haben sich zusammengefunden und innerhalb eines Jahres das Buch auf den Weg gebracht. Dreißig Teilnehmende haben ihnen dabei geholfen indem sie eigene Erfahrungen mit Exerzitien auf der Straße aufgeschrieben haben. So ist eine gute Mischung aus Theorie und praktischen Erfahrungen entstanden. Und aus diesem Erfahrungsschatz wurde vorgelesen. Bei einem solchen Vorhaben finde ich es eine anspruchsvolle Aufgabe, die Balance zu finden, an Persönlichem Anteil zu geben und doch die Distanz so zu wählen, daß die spirituelle Intimsphäre des Einzelnen gewahrt bleibt. Das fand ich bei den Erfahrungsberichten, die ich gehört habe, sehr gelungen.

Die Anteilnahme und das Interesse wie es in der Naunynstraße nach dem Weggang von Christian weitergehen wird, war sehr groß. Deshalb machten wir dazu am Sonntagmorgen eine Runde, in der Christian, Michael und ich unsere unterschiedlichen Sichtweisen und auch die Prozesse, in denen wir sind, zur Sprache bringen konnten. Ich fragte am Anfang meines Beitrages, wer noch nicht in der Naunynstraße gewesen ist. Es meldeten sich gerade mal zwei Leute. Mir hat das nochmals deutlich gemacht, daß die Gruppe der Begleitenden eine Verbindung zur Naunynstraße hat ohne daß mir das vorher so bewußt gewesen wäre. Auch nach einzelnen Mitbewohnern wurde gefragt. Und als noch viele Lebensmittel übrig waren, hieß es: „Das kann doch die Naunynstraße brauchen“.

Den Abschluß des Treffens bildete ein Gottesdienst, in dem wir die Texte, die in der evangelischen Kirche an diesem Sonntag dran waren, zu uns sprechen ließen und im gemeinsamen Austausch (deutsch und französisch) auf die Straßenexerzitien bezogen.

In der Lesung aus Jesaja 55 hieß es:

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben…“

Im Gleichnis vom Sämann (Lukas Kapitel 8,4 ff) ging es um die Saat, die auf ganz unterschiedlichen Boden fällt und was mit ihr passiert:

Als wieder einmal eine große Menschenmenge aus allen Städten zusammengekommen war, erzählte Jesus dieses Gleichnis:„Ein Bauer säte Getreide aus. Dabei fielen ein paar Saatkörner auf den Weg. Sie wurden zertreten und von den Vögeln aufgepickt.Andere Körner fielen auf felsigen Boden. Sie gingen auf, aber weil es nicht feucht genug war, vertrockneten sie.Einige Körner fielen zwischen die Disteln, in denen die junge Saat bald erstickte.Die übrige Saat aber fiel auf fruchtbaren Boden. Das Getreide wuchs heran und brachte das Hundertfache der Aussaat als Ertrag.“

 

Gottesdienst 3
Gottesdienst mit einer senegalesischen Trommlergruppe

Ein besonderes Geschenk waren einige geflüchtete junge Männer aus dem Senegal, die regelmäßig im spirituellen Zentrum St. Martin trommeln. Sie brachten sich als Muslime mit einem Gebet und später mit ihren Trommeln ein. Christian ermutigte sie – soweit sie das wollten – auch zu den Texten etwas zu sagen. Dann teilten wir Wasser und Brot miteinander. Mich hat berührt, daß die Senegalesen sich als Glaubende an verschiedenen Stellen im Gottesdienst einbringen konnten und nicht auf die exotische Sonderrolle derer reduziert wurden, die etwas Musikalisches „beitragen“ durften wie ich das leider schon erlebt habe.

Auch wenn ich danach müde war, so hatte dieses Wochenende für mich etwas Ermutigendes und Stärkendes. Wer von den Teilnehmenden mag, kann gerne in den Kommentaren noch ergänzen, was hier noch nicht oder zu wenig benannt ist.

Zum Weiterlesen:
Exerzitien auf der Straße
Spirituelles Zentrum St. Martin

Jahr der Barmherzigkeit und Straßenexerzitien

Dominikaner-Kloster St. Paulus in Berlin-Moabit

(Iris schreibt:) Am Sonntag ist zum „Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“ im Dominikanerkloster St. Paulus in Berlin-Moabit eine „Pforte der Barmherzigkeit“ eröffnet worden. Deshalb fand dort heute ein Tag für Priester und Diakone aus dem Erzbistum Berlin statt. Am Vormittag gab es unterschiedliche Kleingruppen. Christian, Michael und ich (Iris) waren eingeladen worden,  Strassenexerzitien zu begleiten. 14 Interessierte fanden sich ein und wurden nach einer Einführung für eine Stunde auf die Straße geschickt und ihnen die Anregung mitgegeben, achtsam zu sein, welcher Ort oder welche Situation sie besonders berührt.

Exerzitien auf der Straße sind vor zwanzig Jahren in der Wohngemeinschaft Naunynstraße entstanden als ein junger Jesuit Antwort auf die Frage suchte, ob er in einem Aidshospiz mitarbeiten sollte oder nicht und deshalb in der Naunynstraße Exerzitien machen wollte, also unter Bedingungen, die völlig anders sind als das üblicherweise bei Exerzitienhäusern der Fall ist.

Nach einer Stunde kamen die Teilnehmer wieder zurück und fanden sich in zwei Gruppen zusammen um über das, was sie auf der Straße erlebt hatten zu sprechen. Wir staunten, was die Teilnehmenden in dieser kurzen Zeit von der Straße mitbrachten und mitteilten.

Ich habe für mich die Anregung mitgenommen, in der nächsten Zeit in der Kommunität darüber nachzudenken, inwieweit Straßenexerzitien dazu beitragen können, Barmherzigkeit neu in den Blick zu bekommen. Ich ahne, daß die Straße uns deutlich machen kann, wie Barmherzigkeit und Gerechtigkeit zusammenhängen, denn dort begegnen wir Menschen, die ausgegrenzt werden. Sie zeigen uns, wo es an Gerechtigkeit mangelt.

Moabit wird als Kiez „zwischen Knast und Kanzleramt“ beschrieben. Teilnehmern fiel auf, wieviel Armut es gibt, aber gleichzeitig viele Orte und Initiativen, die Räume für vielfältige Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten eröffnen.

(Christian schreibt:) In meinem Verständnis von solchen geistlichen Übungen ist es sehr wichtig, dass die Teilnehmenden mit ihren Erfahrungen anschließend auf Zuhörende stoßen. Beim Erzählen werden die Ereignisse im geschützten Bereich öffentlich, die darin liegenden Impulse werden auch durch das Nachfragen der Einladenden wie der anderen Teilnehmenden deutlich und von verdeckenden Vorurteilen getrennt. So können richtungsweisende Entscheidungen vorbereitet werden.

Als Einladende hatten wir die Aufgabe die Übenden mit einem Impuls in die Aufmerksamkeit zu locken. Ich habe es mit zwei Sätzen aus dem Lukasevangelium aus dem 10. Kapitel versucht und bemerkte eine große Aufmerksamkeit.

Jesus sendet 72 Jünger und Jüngerinen aus, sein Kommen anzukündigen. Im ersten Satz bereitet er sie auf die Realität vor, in die er sie schickt: Ihr geht wie Schafe unter die Wölfe. Die Lebensgefahr wird deutlich benannt, im Kontext von Jesus unterwegs zu sein. Dann sind vier Regeln aufgelistet sich in dieser Situation zu verhalten: 1. Nehmt kein Futter für die Wölfe mit – lasst Eure Geldbörse weg! 2. Kauft aus falscher Vorsorge kein Überlebenspaket ein – lasst auch den Rucksack weg! 3. Wenn Ihr in die Häuser geht, dann werdet Ihr aus Respekt vor den Menschen die Schuhe ausziehen – vertagt diese Geste der Achtung nicht und lasst auch Eure Schuhe gleich hier. Auch wenn wir diese Anweisungen in unsere Lebensverhältnisse übersetzen, ist das Weglassen vieler von dem Nächsten distanzierenden Dinge oder die uns anscheinend unabhängig machen sollen, eine wichtige Vorübung zum aufmerksamen sehen und hören. Die 4. Anweisung lautet: Grüßt nicht unterwegs! Lasst das „Man muss doch“ weg und grüßt vielleicht mal die, die ihr sonst nicht grüßt. 

Was werden sie sehen, wenn sie mit diesem Impuls und einem von Barmherzigkeit geleiteten Blick auf die Straße gehen? Das war für mich die spannende Frage, als wir sie für eine Stunde auf die Straße geschickt haben. Viele ließen ihre Taschen und Geldbörsen da und gingen um den Häuserblock.

Ihre Erzählungen waren nach der Rückkehr für alle herausfordernd und bereichernd. Viele beteiligten sich beim Freilegen der darin enthaltenen Botschaften.

Hier ist ein Video über Strassenexerzitien beim Katholikentag in Regensburg (ca. 6 Minuten):


Exerzitien auf der Straße – Leben mit Straßenkontakt
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Erzbistum Berlin

Herzlich Willkommen …

4E6A8236auf dem Naunynblog. 2016 wird für unsere Kommunität ein spannendes, von Umbrüchen geprägtes Jahr werden. Deshalb haben wir beschlossen dieses Blog zu starten um Freunden und Freundinnen der Naunynstraße und anderen Interessierten die Möglichkeit zu geben an unserem Leben Anteil zu nehmen.

Wir freuen uns über Mails unter naunyn (at) gmx (dot) de  und weiterhin natürlich über Euer Klingeln an unserer nach wie vor offenen Tür.

Iris und Michael

Vielen Dank an luke sonnenglanz für das tolle Headerfoto

 

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