Interreligiöses Friedensgebet November 2020

AKTUELL: Auf Grund der Corona-Pandemie haben wir seit April 2020 nicht zum interreligiösen Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt eingeladen. Am ersten Sonntag des Monats zwischen 15 und 16 Uhr sind Sie aber herzlich eingeladen, Ihre Wünsche und Hoffnungen für eine friedliche Welt in Worte zu fassen oder ins stille Gebet zu gehen – wo auch immer Sie sich aufhalten:

Wenn der Zeitplan zerbricht

Die Macher der Zahlen und Zeiten, die uns den Wechsel von Sommerzeit und Winterzeit verordnen: Diese sind es nicht, die den Zeitgeist steuern könnten! Die Kenner der Zahlen und Zeiten, die uns Abstand, Abwasch und Abwehr verordnen:

Diese sind es nicht, die Anstand und Achtsamkeit gegenüber allem Lebendigen wecken. Die Mächtigen der Zeiten, die Zahlen verwalten und Maßnahmen gestalten:

Diese sind es nicht, die den Hauch des Todes und auch nicht den Atem des Lebens aufhalten. Des Meisters kraftvolles Wort steuert, weckt, gestaltet. Wort ist Zeitansage und Lebenszusage.

Die Meisterung der Lebenszeit geschieht nie als Über-Macht, aber in Kraft, um den Ohnmächtigen zu erheben und die ÜbermächtigTen zu befreien. Das geschieht in diesen Tagen, wenn der Zeitplan zerbricht und die Risse zutage kommen, alljährlich im Übergang von Monat zehn zu elf – nach altem Kalender von acht zu neun.

Daran erinnern die Namen oct. und nov.

Die Monatswende markiert für den abendländischen Kulturkreis seit alters her eine Zeitenwendeund ist durch Ökumene und Weltkirche weltweit bewusst. Lichtgestützt sind die kräftigenden Worte des Thesenklopfers und seiner Tischreden. Sein Weckruf am letzten Oktobertag nistet sich ein im Chor aller Heiligen – durch den alle Seelen wieder zum klingen kommen.

Das wird erinnert nur einmal im Jahr, im Licht des Oktobers bevor der November dämmert, in dessen Halblicht die Umformung geschah und die Umwertung der Werte beschleunigt wurde, wie geschehen im November:

Ein ganzes Zeitalter geht unter mit Weltkriegsende 1918.
Eine Kalte Kriegs Epoche vergeht 1989.
Brandfackeln der Pogromnacht 1938 lodern und sind kein Licht für die Toten.
Ein Leuchten im November 1989 sollte das Pogromfeuer nicht dämpfen.

Heiße Herzen der Bürgerrechtler wärmten das im Kalten Krieg frierende Haus Europa. Und heute? Das Haus Europa friert im Halbdunkel, wenn zu Halloween die Gruselgeister herbeigerufen werden und in grinsenden Schädel-Masken sichtbar sind. So lebhaft zeigt sich der unbedachte Zeitgeist mit Todeshauch und gibt sich zu erkennen als Abstand vom Anstand, als Abkehr und Abschied statt Einkehr in den Lebenskreis, der aus der Quelle des Lebens gebildet, Worte der einhelligen und einsichtigen Weisheit in Indien hervorbrachte und – als des Meisters kraftvolles Wort – steuert, weckt, gestaltet.

‚Lass Glauben in meinen Taten sein. Er ist Wasser, das ins verdorrte Land strömt.
Lass Liebe in meinen Taten sein, sie sät die gute Tat ins tote Land.
Lass Hoffnung in meinen Taten sein, sie ist die ermutigende Vision der großen Ernte.‘

 

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Einladung zum interreligiösen Friedensgebet im Oktober 2020

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying
Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

4. Oktober 2020 – an getrennten Orten

Heilung und Leben – Klang und Licht


Mit Beginn des Monats Oktober hat vor zehn Jahren die ‚UN – Dekade der Biodiversität – Biologische Vielfalt‘ begonnen. Nun wurde sie unter Beteiligung von zehn mal zehn Regierungsvertretern aus einhundert UNO-Mitgliedsstaaten beendet.

Alle Beteiligten und Mitwirkenden sind von den bedrückenden Ergebnissen getrieben,
dass noch vor Ablauf der folgenden zehn Wochen eine Auswertung der Ergebnisse
und die Weiterführung der Untersuchungen und Maßnahmen beschlossen werden soll.
Das Helmholtz – Umweltzentrum Leipzig – gegründet 1990 mit der Vereinigung der zwei deutschen Staaten und deren verschiedenen Volksgruppen wird weiterhin kompetente Mitarbeit koordinieren und im UN-Generalsekretariat einbringen, um die noch verbliebene Vielfalt vor weiterer Zerstörung zu sichern.

Weitere Strategien zur Förderung des Lebens und dessen Vielfalt werden erarbeitet,
damit lebenzerstörende Gesellschaftsformen und zerstörerische Siedlungsformen, unreflektierte Denkweisen und unbedachte Verhaltensweisen korrigiert werden.

Die vielgestaltigen Religionen und diversen Weltanschauungen in unserer Stadt werden um so mehr ihre Verantwortung erkennen und die Sinne öffnen zum Dank an den Schöpfer. Sie begegnen ihm durch erwiesene Ehrfurcht vor dem Leben und erhöhte Achtsamkeit für die heilige Gabe und Fülle des Lebens. So wie dieses sich äußert bei Erntedankfesten in allen Religionen, findet das auch im Gedenken an Franziskus von Assisi statt, dessen Todestag der 3. Oktober 1226 war.

Die Erinnerung an diesen Heiligen findet ihren besonderen Ausdruck in einer aktuellen 95 Cent Briefmarke. Im Jahr 1220, vor 800 Jahren geschieht weltgeschichtlich Bewegendes:
Der christliche Franziskus trifft sich mit dem muslimischen Sultan. Die franziskanische Regel entsteht. Sein Sonnengesang verkündet:

Klang und Licht – Heilung und Leben.

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interreligiöses Friedensgebet 8/2020: innerer Halt und äußere Haltung

Alle sind willkommen  /  Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden  /  Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin
August 2020 – an getrennten Orten

Der innere Halt und die äußere Haltung

Das Verlangen nach Aufrichtigkeit angesichts der Verunsicherungen breitet sich von den Rändern der Gesellschaft in ihre Mitte aus. Fahrlässig ist der müde Spott: Die Menschen wollen eben betrogen sein !? Wirklich? Eben nicht – und immer häufiger artikuliert sich die Erwartung: Es wäre erst mal wichtig, wenn man überhaupt mal wüsste, woran man hier eigentlich ist …! In den bestehenden Verunsicherungen wirken die Religionen und markieren Wege  und setzen Zeichen zur Orientierung.

Jedoch: Die einen sehen in ihnen lediglich ein Verwirrspiel mit manipulierten Hirnfunktionen; aber andererseits leugnen diese nicht, dass die Religion zumindest das Potential der Wahrhaftigkeit in sich trägt.

Es fällt uns auf, dass in den gegenwärtig verunsichernden Ereignissen und Krisen Sprache und Zeichen verwendet werden, die in den religiösen Kernbereich gehören. Ist das eine übergreifende Anerkennung – ob Gott nun gedanklich eingebildet oder handwerklich hergestellt ist –  dass eine höchste Instanz ‚Gott‘ sich mitteilt dem Gegenüber ‚Mensch‘? Weil er bei Gott bekannt und von ihm erkannt ist, weiß er sich erst recht in Stand gesetzt, um aufrichtig zu sein. Und wenn es der Klärung dienen kann, beteiligt er sich mit Worten und Zeichen und durch Kreativität und Körpersprache. So findet die religiöse Denkwelt und Körpersprache überraschenden Eingang in den gesellschaftlichen Diskurs und erklärt uns mehr als es Worte zum Ausdruck bringen können, worumes den Akteuren eigentlich geht.

Sie knien bei ihren Protesten. Auf Straßen und Plätzen in Amerika knien Menschen aufgerichtet, weil ein am Boden liegender Mensch unter dem Knie eines Staats-beamten erstickt wurde. Dem anwachsenden Protest setzte der Staatslenker die hochreckte Bibel in einem ganz anderen religionsmächtigen Gestus als Kampfansage entgegen. Jahrzehnte davor reckte ‚Black Panther‘ Fäuste in den Olympiahimmel und wurden bestraft. Im vergangenen Monat kniete ein weißer Polizeipräsident in Kalifornien mit den Protestierenden. Sie sichern die Stimme der friedlichen Demonstranten.
Gebeugte Knie sind in allen Religionen der Welt die Körpersprache derer, die sich dem Heiligen betend überlassen.

Wer vor Gott kniet, kann sich eigentlich nicht als Gott aufspielen. Er wird sich von ihm aufrichten lassen und empfängt die höchste Würde: Du bist ein vom erhabenen Gott erhobenes Geschöpf ! Wir sind gerufen, die göttlichen Zeichen der Zuversicht zu entziffern und betend alle menschliche Zuwendung zu begleiten.

 

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Interreligiöses Friedensgebet 7/20: Respekt und Achtsamkeit

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin – gemeinsam an unterschiedlichen Orten

Juli 2020

RESPEKT UND ACHTSAMKEIT

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

In dieser Zeit der pandemischen Bedrohung durch Corona lasst uns zusammenstehen als große Gemeinschaft für das Leben und in Solidarität mit den Leidenden und Hungernden. Sie bedürfen unserer Nächstenliebe in Form von aktiver Hilfe.

In seiner Lehre vom <Achtgliedrigen Pfad> ermahnt Sintharta Gautama, der Buddha und Religionsstifter, uns zur Aufmerksamkeit für die Zeichen der Zeit und Achtsamkeit für die Menschen in der Zeit. Mögen die heutigen bedrohlichen Lebensumstände sich zu einer Pandemie des aufmerksamen Lernens, des achtsamen Lebens und der gelebten Nächstenliebe ausweiten.

Jesus hat uns Respekt und Achtsamkeit füreinander gelehrt und damit Nächstenliebe vorgelebt. Wir leben seit Monaten in einer Zeit, in der Begriffe wie Respekt und Acht-samkeit eine besondere Bedeutung zukommen. Dieses sind heute keine bloßen Begriffe mehr, die auch mal vernachlässigt werden könnten. Nachlässigkeit hat möglicher-weise tödliche Folgen für meine Mitgeschöpfe. Deshalb müssen Respekt und Aufmerk-samkeit und Achtsamkeit in diesen Zeiten aktiv gelebt werden.

Lasst uns achtsame Menschen sein, die sich der heiligen Gabe des Lebens bewusst sind und dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.

 

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Sterben auf dem Weg der Hoffnung

In unserer Gemeinschaft leben seit den Anfängen vor vierzig Jahren immer auch Menschen, die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind und auf ihren Wegen in lebensbedrohliche Situationen geraten sind: Bei manchen ein Wunder, daß sie noch leben. Das ist immer wieder  Thema in unseren Gesprächen am Frühstückstisch oder auch sonst im Alltag. Im Einfach-Ohne-Buch unserer Gemeinschaft sind einige dieser Erfahrungen nachzulesen. Weil am Samstag (20. Juni) Weltflüchtlingstag ist und uns dieses Thema sehr nahe ist und auch jetzt einige Menschen mit Fluchterfahrung unter uns leben,  weisen wir auf diese Veranstaltung der „Kapelle der Versöhnung“ hin:

Sterben auf dem Weg der Hoffnung – Einladungsplakat

 

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interreligiöses Friedensgebet 6/20: Für Würde und Gerechtigkeit

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying
Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

Juni 2020

Heute ist wieder ein erster Sonntag im Monat – seit 18 Jahren der Tag, an dem das interreligiöse Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt stattfindet, als Mahnwache und Demonstration zu Friedensthemen. Durch Corona ist der Termin vor Ort ausgesetzt, dennoch rufen wir als Gruppe zu einem Innehalten und Gebet ein. Heute stellen wir den Tod von George Floyd in den Mittelpunkt und beten für eine Welt ohne Rassismus.

Für Würde und Gerechtigkeit

Entsetzt über die Ermordung von George Floyd, den Polizeibeamte in der USA auf Grund seiner Hautfarbe erdrosselten. Einem weißen Menschen wäre dies wahrscheinlich nicht passiert und er könnte weiter leben. Bei der Festnahme und dem Herumschubsen fiel George Floyd zu Boden. Da kniete sich ein Polizist auf seinen Nacken und drückte ihm mit dem Knie die Luft ab. Er flehte: „I cant breath“ („Ich kann nicht atmen“) – bis er bewusstlos wurde und starb.

Mitten in einer Pandemie, in der Menschen an Atemnot sterben, zeigt sich erneut die Grausamkeit eines strukturellen Rassismus, der sich gegen Menschen of Color (POC) richtet. Sie werden auf Grund ihres Aussehens ausgegrenzt, verdächtigt, und als kriminell oder exotisch markiert. In ihrem Alltag sind sie von Übergriffen verschiedenster Art betroffen.Rassismus ist ein Verbrechen. Menschen werden auf Grund von äußeren Merkmalen abgewertet, ihnen werden unmenschliche Verhaltensweisen zugeschrieben. Entmenschlicht wird ihnen auf Grund ihrer äußeren Erscheinung ein innerer Unterschied unterstellt.

Dieser Todesfall geschah in der USA. Doch wir kennen in Europa diese Art der Abwer-tung auch. Bei der Unterwerfung ganzer Kontinente durch europäische Staaten in der Zeit des Kolonialismus wurden Menschen mit dunkler Hautfarbe ihrer Würde beraubt, versklavt und verkauft. Die Folgen dieser Unterwerfung kennen wir auch in Europa, wenn Menschen in entwürdigender Armut gehalten und weiter auf vielfältige Weise ausgesondert und ausgebeutet werden.

Doch es gibt auch viele andere Formen von rassistischem Verhalten. Selbst wenn eine
Aussage nicht bewusst rassistisch gemeint ist, doch rassistische Elemente enthält, setzt sie die Ungerechtigkeit fort. Wir alle sind aufgerufen, unser Verhalten zu ändern. Vor allem Menschen mit heller Hautfarbe erhalten dieses System der Ungerechtigkeit aufrecht, wenn sie als nicht davon Betroffene oft meinen, es gäbe dieses Unrecht nicht. In Scherzen oder Komplimenten zeigt es sich und wird dann mit dem Hinweis gerechtfertigt: „Das ist ein Teil unserer Kultur“. Ja diese Erniedrigung von Menschen gehört zu unserer Kulturgeschichte, die vom ersten Moment an ungerecht war; sie tötete und entwürdigte.

Formen wir sie Schritt für Schritt zu einer Kultur um, in der jeder Mensch geachtet wird. Wir beten und hoffen dringend, dass eine grundlegende Erneuerung unserer Kultur und der Abbau vom vielfältig auftretenden Rassismus fortschreitet. Diese Änderungen müssen von vor allem jenen realisiert werden, die nicht direkt von den Ausgrenzungen betroffen sind.

Für eine Welt, in der alle Menschen mit ihrer Herkunft und ihren vielfältigen Begabungen geachtet leben können.

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Ein Interview vom 7.6.2020 mit Pfr. Miriam Gross, die in New York die deutsche evangelische Gemeinde betreut, als Polizeiseelsorgerin arbeitet und die EKD bei der UN vertritt, ist hier nachzulesen.

 

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Interreligiöses Friedensgebet – Mai 2020: Gewisse Verluste und gewissenhafte Gewinne

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin: an getrennten Orten

Gewisse Verluste und gewissenhafte Gewinne

Das Verlangen nach einem neuen Anfang hat mit diesem neuen Monat Mai neuen Auftrieb genommen. Wir ziehen eine Zwischenbilanz.

Der zu Beginn riesige Schreck über Covit19 hat sich gewandelt. Nach der anfängli-chen Schockstarre, die in der Gesellschaft eher Resignation und Rückzug verursach-te als Herausforderung, gibt es einen neuen Klang im welt weiten Konzert der Stim-men. Es duftet nach einer Spur für eine überlebensfähige Gesellschaft, wenn wir über ein neues Medikament hinaus auch ein neues Konzept für eine überlebensfähi-ge Gesellschaft bedenken und angehen.

Wir wissen nicht erst seit Beginn des erneuernden Monat Mai: Auf unserem Planeten muss nicht nur etwas verbessert, sondern noch viel mehr grundlegend verändert wer-den. Nachdem wir überaus deutlich und weltweit durch Corona an die Grenzen des Bezwingbaren und Mach-baren geführt sind, wird die neue Richtung der Nach-Coro-na-Ära Neuland sein.

Landmarkierungen und Leuchtzeichen sind schon aufgestellt, um zu lernen, wo es lang geht: Respektvoller Umgang mit dem Leben der Menschen und verantwortlicher Umgang mit der Macht über Menschen. Die Religionen haben viele Erfahrungen und Weisheiten über das Wesen und die Verwaltung der menschlichen Macht.
In der Zeit der Krise und des Übergangs gelten fast alle Maßnahmen der Erhaltung der Heiligen Gabe des Lebens. Mit Eifer wird ein rettender Impfstoff erforscht und ent-wickelt und ein der Krise angemessenes  anständiges Verhalten eingeübt. Interessant ist, wie medizinisches Wissen die erforderlichen politischen Maßnahmen und interna-tionalen Absprachen anregt.

Es ist bekannt, dass jede medizinische Maßnahme auch Nebenwirkungen hat, die ebenso behandelt werden müssen. Auch wenn die Ehrfurcht vor dem Leben als ein universaler Wert allgemein anerkannt ist, muss die Frage nach dem gelingenden Leben gestellt werden. Die Kontexte sind verschieden, in denen sich das Leben in unseren Kontinenten entfaltet. Um nicht einzig mit dem Impfstoff die Einladung zum Leben zu verbinden, ist auch ein jeder von uns für ein lebensförderndes Verhalten verantwortlich.

Benötigt werden solidarische Sensibilität und kritische Lernbereitschaft für das Leben nach Corona. Dafür brauchen wir transnationale Solidarität und planetarisches Be-wusstsein. Die Sichtweisen auf die bisher erfolgte Globalisierung als profitable Herr-schaftsform sollte so nicht länger akzeptiert werden, sondern als weltweit agierende  Helfergemeinschaft fungieren und angesehen werden. So lässt sich die Befreiung von Corona-Ohnmacht und  Abhängigkeit schon vor dem Ergebnis erleben, Diese Heilung ist die eigentliche Herausforderung, vor die uns Corvit 19 stellt.

Nicht erst wenn das Mittel gefunden sein wird – und dafür beten wir mit klaren ein-deutigen Worten an den uns geheiligten Orten  – sondern hier und jetzt handeln wir für die überall gefährdeten Menschen.

Beten für neue wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Einsichten be-wegen uns im Mai beim Interreligiösen Friedensgebet. Jeder Einzelne ist in dieser Krise angeregt, sein eigenes Handeln neu inspirieren zu lassen. Nur so kann ein le-bens-unverträglicher Rückzug ins Eigene abgebogen und solidarisch neu gehandelt werden.

Anfragen/Korrespondenz: christian.herwartz@jesuiten.org
Infos unter: http://www.friedensgebet-berlin.de

Die Themen früherer interreligiöser Friedensgebete sind hier.

Gruppe interreligiöses Friedensgebet: Abstand und Anstand

Was brauchen wir – und was muss sich dafür verändern: In uns und um uns. Was können wir dazu beitragen? Diese Frage steht hinter dem monatlichen interreligiösen Friedensgebet in Berlin. Und weil es auch von unserer WG und Freunden von uns nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausging, geben wir hier immer auch die Einladungen bekannt: Zum ersten Mal seit 2001 findet aufgrund der Corona-Krise kein Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt statt. Die Vorbereitungsgruppe hat dafür folgenden Text verfaßt: 

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

Sonntag, 5. April 2020

Abstand und Anstand befördern Nähe mit Respekt

Die Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin wird am ersten Sonntag dieses Monats
nicht zusammenkommen, sondern die besprochene Anregung für den kommenden Monat April zur persönlichen Anwendung empfehlen. Wir werden nicht auf dem Gendarmenmarkt stehen und die Vorübergehenden zum Innehalten oder Hinzutreten ermuntern. Doch wir werden mit Euch verbunden sein mit unserer erklärten Absicht: Betend den Mut finden zu sprechen.

Neben den angstvoll-entmutigenden Diskussionen über die Corona – Pandemie, ist auch zu vernehmen, dass ermutigend-verantwortungsvoll im Umgang mit der Virus-gefährdung gehandelt wird: Abstand halten bedeutet gleichzeitig Anstand wahren.
Solches Verhalten hat die Epidemologie wissenschaftlich begründet und das medizi- nische Wissen gebietet es so. Die wissenschaftliche Herkunft der Formel erhöht die Bereitschaft zur Annahme, denn wir tragen das Zeitalter der Aufklärung in uns. Wir folgen daher dem ärztlichen Rat zum Abstand und auch der sozialwissenschaftlichen Empfehlung zum Anstand gemäßen Umgang – und beten für baldige wissenschaftlich-medizinische Lösung.

Nun aber gibt es – von den Religionen bewahrt – Einsichten in ein Heilungsgeschehen, die nie an Gültigkeit verlieren. Gerade sie werden ausgelöst durch liebende menschliche Nähe und wo nötig respektvolle Rücksichtnahme. Sie leiten sich ab von der Ehrfurcht vor der heiligen Gabe des Lebens und daraus folgender Ehrerbietung gegenüber der belebten und unbelebten Mitwelt.

Wohl wissend um den Ungeist der etablierten Selbstsucht, lassen wir es nicht unterdrücken, dieses kostbare Wissen, wo sich aus Liebe, aus Solidarität und Helferwille, aus Respekt und Nähe ein lebensförderndes Gedankengut immer wieder neu bildet.

Wir beteiligen uns daran betend und geben Ihnen einen Gruß aus unserer Korres-pondenz mit auf den Gang durch die Zeiten: Wir wünschen Ihnen, dass Sie die Zeit der erzwungenen Entschleunigung gut und vor allem gesund überstehen. Vielleicht ist es auch eine Chance über unsere Abhängigkeiten in der globalisierten Welt nachzudenken.

Die Themen früherer interreligiöser Friedensgebete sind hier.

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interreligiöses Friedensgebet 3/20: Wandel ist Not wendend

Was brauchen wir – und was muss sich dafür verändern: In uns und um uns. Was können wir dazu beitragen? Diese Frage steht hinter dem monatlichen interreligiösen Friedensgebet in Berlin. Und weil es auch von unserer WG und Freunden von uns nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausging, geben wir hier immer auch die Einladungen bekannt:

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying
Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

auf dem Gendarmenmarkt
Sonntag, 1. März 2020 um 15:00 Uhr (nahe Deutscher Dom)

Wandel ist Not wendend

In vielen Kulturen und Religionen wird die Jahreswende erst im Frühling, aber nun begeistert als ein neuer Lebens-aufbruch begrüßt. Nur wenn man die Welt nicht organisch, sondern lediglich astronomisch betrachtet, wird Neujahr mit der Wintersonnenwende in Zusammenhang gebracht, gerade wenn das Leben in Winterruhe versunken ist. Daher sind die Feste unter dem Frühlingsmond beliebter, weil lebensvoller. Denn in allen Lebewesen regt sich Lebensenergie und erwartungsvoller Aufbruch zur Veränderung und Erneuerung.

Seit der Jahreswende 2020 erscheint die Bereitschaft zu Veränderung und zum Wandel mit heftigen Impulsen aus allen möglichen Richtungen. So wächst auch die Bereitschaft, gleichzeitig mit den Erwartungen an das Leben, auch auf den Erhalt der Lebens-grundlagen zu achten. Warnzeichen mahnen uns auch ohne Worte, die Not unserer ‚Mutter Erde‘ nicht nur zu beschreiben, sondern einen Not wendenden Wandel herbeizuführen. Dafür gibt es Impulse weltweit aus allen Wissensbereichen zwischen Erde und Himmel: Astronomen und Geographen, Klimaforscher und Ökologen, Bevölkerungspolitiker und Ökonomen. Es gibt auch Philosophen und Religionsführer,
die teils entsetzliches Unheil orakeln und teils mit Visionen locken – damit eine Wende eintritt, das Neujahr anbricht für das auf uns zukommende Zeitalter..Wir wollen als Interreligiöses Friedensgebet in der Zeit des Leben weckenden März uns bewusst werden, wie Menschen guten Willens beteiligt sind an der freudigen Bereitschaft für
das Leben.

Wir erkennen, dass vielerorts Not wendendes geschieht. Dieses zu fördern, wollen wir am Streit zur Wiedergewinnung der ‚Ehrfurcht vor dem Leben` und um die Bewahrung der Schöpfung und erst recht um Frieden und Gerechtigkeit beteiligt sein.
Wir sprechen betend um die notwendige Wende in der persönlichen Eigenwelt der Gefühle, in der verantwortlichen Mitwelt der Menschen und im sorgsamen Umgang mit der bedrohten Umwelt.

Unsere Bereitschaft zur Wende – hin zum notwendigen Notwendenden – lässt uns die Dringlichkeit der Beschränkung von Macht und der Anerkennung der Grenzen des Wachstums auf unserer begrenzten Erde erkennen. Nur so gewinnt alles Leben seinen Raum zur organischen Entfaltung. Der innerlich verankerte Respekt vor der grenzenlosen Vielfalt des Lebens bleibt Voraussetzung für gelingendes Leben.

 

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