Interreligiöses Friedensgebet 7/20: Respekt und Achtsamkeit

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin – gemeinsam an unterschiedlichen Orten

Juli 2020

RESPEKT UND ACHTSAMKEIT

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

In dieser Zeit der pandemischen Bedrohung durch Corona lasst uns zusammenstehen als große Gemeinschaft für das Leben und in Solidarität mit den Leidenden und Hungernden. Sie bedürfen unserer Nächstenliebe in Form von aktiver Hilfe.

In seiner Lehre vom <Achtgliedrigen Pfad> ermahnt Sintharta Gautama, der Buddha und Religionsstifter, uns zur Aufmerksamkeit für die Zeichen der Zeit und Achtsamkeit für die Menschen in der Zeit. Mögen die heutigen bedrohlichen Lebensumstände sich zu einer Pandemie des aufmerksamen Lernens, des achtsamen Lebens und der gelebten Nächstenliebe ausweiten.

Jesus hat uns Respekt und Achtsamkeit füreinander gelehrt und damit Nächstenliebe vorgelebt. Wir leben seit Monaten in einer Zeit, in der Begriffe wie Respekt und Acht-samkeit eine besondere Bedeutung zukommen. Dieses sind heute keine bloßen Begriffe mehr, die auch mal vernachlässigt werden könnten. Nachlässigkeit hat möglicher-weise tödliche Folgen für meine Mitgeschöpfe. Deshalb müssen Respekt und Aufmerk-samkeit und Achtsamkeit in diesen Zeiten aktiv gelebt werden.

Lasst uns achtsame Menschen sein, die sich der heiligen Gabe des Lebens bewusst sind und dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.

 

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Sterben auf dem Weg der Hoffnung

In unserer Gemeinschaft leben seit den Anfängen vor vierzig Jahren immer auch Menschen, die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind und auf ihren Wegen in lebensbedrohliche Situationen geraten sind: Bei manchen ein Wunder, daß sie noch leben. Das ist immer wieder  Thema in unseren Gesprächen am Frühstückstisch oder auch sonst im Alltag. Im Einfach-Ohne-Buch unserer Gemeinschaft sind einige dieser Erfahrungen nachzulesen. Weil am Samstag (20. Juni) Weltflüchtlingstag ist und uns dieses Thema sehr nahe ist und auch jetzt einige Menschen mit Fluchterfahrung unter uns leben,  weisen wir auf diese Veranstaltung der „Kapelle der Versöhnung“ hin:

Sterben auf dem Weg der Hoffnung – Einladungsplakat

 

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interreligiöses Friedensgebet 6/20: Für Würde und Gerechtigkeit

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying
Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

Juni 2020

Heute ist wieder ein erster Sonntag im Monat – seit 18 Jahren der Tag, an dem das interreligiöse Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt stattfindet, als Mahnwache und Demonstration zu Friedensthemen. Durch Corona ist der Termin vor Ort ausgesetzt, dennoch rufen wir als Gruppe zu einem Innehalten und Gebet ein. Heute stellen wir den Tod von George Floyd in den Mittelpunkt und beten für eine Welt ohne Rassismus.

Für Würde und Gerechtigkeit

Entsetzt über die Ermordung von George Floyd, den Polizeibeamte in der USA auf Grund seiner Hautfarbe erdrosselten. Einem weißen Menschen wäre dies wahrscheinlich nicht passiert und er könnte weiter leben. Bei der Festnahme und dem Herumschubsen fiel George Floyd zu Boden. Da kniete sich ein Polizist auf seinen Nacken und drückte ihm mit dem Knie die Luft ab. Er flehte: „I cant breath“ („Ich kann nicht atmen“) – bis er bewusstlos wurde und starb.

Mitten in einer Pandemie, in der Menschen an Atemnot sterben, zeigt sich erneut die Grausamkeit eines strukturellen Rassismus, der sich gegen Menschen of Color (POC) richtet. Sie werden auf Grund ihres Aussehens ausgegrenzt, verdächtigt, und als kriminell oder exotisch markiert. In ihrem Alltag sind sie von Übergriffen verschiedenster Art betroffen.Rassismus ist ein Verbrechen. Menschen werden auf Grund von äußeren Merkmalen abgewertet, ihnen werden unmenschliche Verhaltensweisen zugeschrieben. Entmenschlicht wird ihnen auf Grund ihrer äußeren Erscheinung ein innerer Unterschied unterstellt.

Dieser Todesfall geschah in der USA. Doch wir kennen in Europa diese Art der Abwer-tung auch. Bei der Unterwerfung ganzer Kontinente durch europäische Staaten in der Zeit des Kolonialismus wurden Menschen mit dunkler Hautfarbe ihrer Würde beraubt, versklavt und verkauft. Die Folgen dieser Unterwerfung kennen wir auch in Europa, wenn Menschen in entwürdigender Armut gehalten und weiter auf vielfältige Weise ausgesondert und ausgebeutet werden.

Doch es gibt auch viele andere Formen von rassistischem Verhalten. Selbst wenn eine
Aussage nicht bewusst rassistisch gemeint ist, doch rassistische Elemente enthält, setzt sie die Ungerechtigkeit fort. Wir alle sind aufgerufen, unser Verhalten zu ändern. Vor allem Menschen mit heller Hautfarbe erhalten dieses System der Ungerechtigkeit aufrecht, wenn sie als nicht davon Betroffene oft meinen, es gäbe dieses Unrecht nicht. In Scherzen oder Komplimenten zeigt es sich und wird dann mit dem Hinweis gerechtfertigt: „Das ist ein Teil unserer Kultur“. Ja diese Erniedrigung von Menschen gehört zu unserer Kulturgeschichte, die vom ersten Moment an ungerecht war; sie tötete und entwürdigte.

Formen wir sie Schritt für Schritt zu einer Kultur um, in der jeder Mensch geachtet wird. Wir beten und hoffen dringend, dass eine grundlegende Erneuerung unserer Kultur und der Abbau vom vielfältig auftretenden Rassismus fortschreitet. Diese Änderungen müssen von vor allem jenen realisiert werden, die nicht direkt von den Ausgrenzungen betroffen sind.

Für eine Welt, in der alle Menschen mit ihrer Herkunft und ihren vielfältigen Begabungen geachtet leben können.

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Ein Interview vom 7.6.2020 mit Pfr. Miriam Gross, die in New York die deutsche evangelische Gemeinde betreut, als Polizeiseelsorgerin arbeitet und die EKD bei der UN vertritt, ist hier nachzulesen.

 

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Interreligiöses Friedensgebet – Mai 2020: Gewisse Verluste und gewissenhafte Gewinne

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin: an getrennten Orten

Gewisse Verluste und gewissenhafte Gewinne

Das Verlangen nach einem neuen Anfang hat mit diesem neuen Monat Mai neuen Auftrieb genommen. Wir ziehen eine Zwischenbilanz.

Der zu Beginn riesige Schreck über Covit19 hat sich gewandelt. Nach der anfängli-chen Schockstarre, die in der Gesellschaft eher Resignation und Rückzug verursach-te als Herausforderung, gibt es einen neuen Klang im welt weiten Konzert der Stim-men. Es duftet nach einer Spur für eine überlebensfähige Gesellschaft, wenn wir über ein neues Medikament hinaus auch ein neues Konzept für eine überlebensfähi-ge Gesellschaft bedenken und angehen.

Wir wissen nicht erst seit Beginn des erneuernden Monat Mai: Auf unserem Planeten muss nicht nur etwas verbessert, sondern noch viel mehr grundlegend verändert wer-den. Nachdem wir überaus deutlich und weltweit durch Corona an die Grenzen des Bezwingbaren und Mach-baren geführt sind, wird die neue Richtung der Nach-Coro-na-Ära Neuland sein.

Landmarkierungen und Leuchtzeichen sind schon aufgestellt, um zu lernen, wo es lang geht: Respektvoller Umgang mit dem Leben der Menschen und verantwortlicher Umgang mit der Macht über Menschen. Die Religionen haben viele Erfahrungen und Weisheiten über das Wesen und die Verwaltung der menschlichen Macht.
In der Zeit der Krise und des Übergangs gelten fast alle Maßnahmen der Erhaltung der Heiligen Gabe des Lebens. Mit Eifer wird ein rettender Impfstoff erforscht und ent-wickelt und ein der Krise angemessenes  anständiges Verhalten eingeübt. Interessant ist, wie medizinisches Wissen die erforderlichen politischen Maßnahmen und interna-tionalen Absprachen anregt.

Es ist bekannt, dass jede medizinische Maßnahme auch Nebenwirkungen hat, die ebenso behandelt werden müssen. Auch wenn die Ehrfurcht vor dem Leben als ein universaler Wert allgemein anerkannt ist, muss die Frage nach dem gelingenden Leben gestellt werden. Die Kontexte sind verschieden, in denen sich das Leben in unseren Kontinenten entfaltet. Um nicht einzig mit dem Impfstoff die Einladung zum Leben zu verbinden, ist auch ein jeder von uns für ein lebensförderndes Verhalten verantwortlich.

Benötigt werden solidarische Sensibilität und kritische Lernbereitschaft für das Leben nach Corona. Dafür brauchen wir transnationale Solidarität und planetarisches Be-wusstsein. Die Sichtweisen auf die bisher erfolgte Globalisierung als profitable Herr-schaftsform sollte so nicht länger akzeptiert werden, sondern als weltweit agierende  Helfergemeinschaft fungieren und angesehen werden. So lässt sich die Befreiung von Corona-Ohnmacht und  Abhängigkeit schon vor dem Ergebnis erleben, Diese Heilung ist die eigentliche Herausforderung, vor die uns Corvit 19 stellt.

Nicht erst wenn das Mittel gefunden sein wird – und dafür beten wir mit klaren ein-deutigen Worten an den uns geheiligten Orten  – sondern hier und jetzt handeln wir für die überall gefährdeten Menschen.

Beten für neue wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Einsichten be-wegen uns im Mai beim Interreligiösen Friedensgebet. Jeder Einzelne ist in dieser Krise angeregt, sein eigenes Handeln neu inspirieren zu lassen. Nur so kann ein le-bens-unverträglicher Rückzug ins Eigene abgebogen und solidarisch neu gehandelt werden.

Anfragen/Korrespondenz: christian.herwartz@jesuiten.org
Infos unter: http://www.friedensgebet-berlin.de

Die Themen früherer interreligiöser Friedensgebete sind hier.

Gruppe interreligiöses Friedensgebet: Abstand und Anstand

Was brauchen wir – und was muss sich dafür verändern: In uns und um uns. Was können wir dazu beitragen? Diese Frage steht hinter dem monatlichen interreligiösen Friedensgebet in Berlin. Und weil es auch von unserer WG und Freunden von uns nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausging, geben wir hier immer auch die Einladungen bekannt: Zum ersten Mal seit 2001 findet aufgrund der Corona-Krise kein Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt statt. Die Vorbereitungsgruppe hat dafür folgenden Text verfaßt: 

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

Sonntag, 5. April 2020

Abstand und Anstand befördern Nähe mit Respekt

Die Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin wird am ersten Sonntag dieses Monats
nicht zusammenkommen, sondern die besprochene Anregung für den kommenden Monat April zur persönlichen Anwendung empfehlen. Wir werden nicht auf dem Gendarmenmarkt stehen und die Vorübergehenden zum Innehalten oder Hinzutreten ermuntern. Doch wir werden mit Euch verbunden sein mit unserer erklärten Absicht: Betend den Mut finden zu sprechen.

Neben den angstvoll-entmutigenden Diskussionen über die Corona – Pandemie, ist auch zu vernehmen, dass ermutigend-verantwortungsvoll im Umgang mit der Virus-gefährdung gehandelt wird: Abstand halten bedeutet gleichzeitig Anstand wahren.
Solches Verhalten hat die Epidemologie wissenschaftlich begründet und das medizi- nische Wissen gebietet es so. Die wissenschaftliche Herkunft der Formel erhöht die Bereitschaft zur Annahme, denn wir tragen das Zeitalter der Aufklärung in uns. Wir folgen daher dem ärztlichen Rat zum Abstand und auch der sozialwissenschaftlichen Empfehlung zum Anstand gemäßen Umgang – und beten für baldige wissenschaftlich-medizinische Lösung.

Nun aber gibt es – von den Religionen bewahrt – Einsichten in ein Heilungsgeschehen, die nie an Gültigkeit verlieren. Gerade sie werden ausgelöst durch liebende menschliche Nähe und wo nötig respektvolle Rücksichtnahme. Sie leiten sich ab von der Ehrfurcht vor der heiligen Gabe des Lebens und daraus folgender Ehrerbietung gegenüber der belebten und unbelebten Mitwelt.

Wohl wissend um den Ungeist der etablierten Selbstsucht, lassen wir es nicht unterdrücken, dieses kostbare Wissen, wo sich aus Liebe, aus Solidarität und Helferwille, aus Respekt und Nähe ein lebensförderndes Gedankengut immer wieder neu bildet.

Wir beteiligen uns daran betend und geben Ihnen einen Gruß aus unserer Korres-pondenz mit auf den Gang durch die Zeiten: Wir wünschen Ihnen, dass Sie die Zeit der erzwungenen Entschleunigung gut und vor allem gesund überstehen. Vielleicht ist es auch eine Chance über unsere Abhängigkeiten in der globalisierten Welt nachzudenken.

Die Themen früherer interreligiöser Friedensgebete sind hier.

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interreligiöses Friedensgebet 3/20: Wandel ist Not wendend

Was brauchen wir – und was muss sich dafür verändern: In uns und um uns. Was können wir dazu beitragen? Diese Frage steht hinter dem monatlichen interreligiösen Friedensgebet in Berlin. Und weil es auch von unserer WG und Freunden von uns nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausging, geben wir hier immer auch die Einladungen bekannt:

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

auf dem Gendarmenmarkt
Sonntag, 1. März 2020 um 15:00 Uhr (nahe Deutscher Dom)

Wandel ist Not wendend

In vielen Kulturen und Religionen wird die Jahreswende erst im Frühling, aber nun begeistert als ein neuer Lebens-aufbruch begrüßt. Nur wenn man die Welt nicht organisch, sondern lediglich astronomisch betrachtet, wird Neujahr mit der Wintersonnenwende in Zusammenhang gebracht, gerade wenn das Leben in Winterruhe versunken ist. Daher sind die Feste unter dem Frühlingsmond beliebter, weil lebensvoller. Denn in allen Lebewesen regt sich Lebensenergie und erwartungsvoller Aufbruch zur Veränderung und Erneuerung.

Seit der Jahreswende 2020 erscheint die Bereitschaft zu Veränderung und zum Wandel mit heftigen Impulsen aus allen möglichen Richtungen. So wächst auch die Bereitschaft, gleichzeitig mit den Erwartungen an das Leben, auch auf den Erhalt der Lebens-grundlagen zu achten. Warnzeichen mahnen uns auch ohne Worte, die Not unserer ‚Mutter Erde‘ nicht nur zu beschreiben, sondern einen Not wendenden Wandel herbeizuführen. Dafür gibt es Impulse weltweit aus allen Wissensbereichen zwischen Erde und Himmel: Astronomen und Geographen, Klimaforscher und Ökologen, Bevölkerungspolitiker und Ökonomen. Es gibt auch Philosophen und Religionsführer,
die teils entsetzliches Unheil orakeln und teils mit Visionen locken – damit eine Wende eintritt, das Neujahr anbricht für das auf uns zukommende Zeitalter..Wir wollen als Interreligiöses Friedensgebet in der Zeit des Leben weckenden März uns bewusst werden, wie Menschen guten Willens beteiligt sind an der freudigen Bereitschaft für
das Leben.

Wir erkennen, dass vielerorts Not wendendes geschieht. Dieses zu fördern, wollen wir am Streit zur Wiedergewinnung der ‚Ehrfurcht vor dem Leben` und um die Bewahrung der Schöpfung und erst recht um Frieden und Gerechtigkeit beteiligt sein.
Wir sprechen betend um die notwendige Wende in der persönlichen Eigenwelt der Gefühle, in der verantwortlichen Mitwelt der Menschen und im sorgsamen Umgang mit der bedrohten Umwelt.

Unsere Bereitschaft zur Wende – hin zum notwendigen Notwendenden – lässt uns die Dringlichkeit der Beschränkung von Macht und der Anerkennung der Grenzen des Wachstums auf unserer begrenzten Erde erkennen. Nur so gewinnt alles Leben seinen Raum zur organischen Entfaltung. Der innerlich verankerte Respekt vor der grenzenlosen Vielfalt des Lebens bleibt Voraussetzung für gelingendes Leben.

 

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Einladung zum interreligiösen Friedensgebet Februar 2020: Da kommt was auf uns zu

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin
auf dem Gendarmenmarkt

Sonntag, 2. Februar 2020 um 15:00 Uhr (nahe Deutscher Dom)

Da kommt was auf uns zu

Erneut sind wir durch die verheerenden Brände in Australien und im brasilianischen Urwald herausgefordert, unsere Fähigkeiten einzusetzen, um weiteren Schaden an Anderen und an uns selbst abzuwenden. Mit dieser besonderen Fähigkeit sind wir als Menschen begabt und darin unterscheiden wir uns von allen anderen Geschöpfen. Wir müssen nicht einer festgelegten Rolle folgen und wir sind nicht fixiert auf eine einzige Sichtweise und Verhaltensform. Es gibt nicht einen festgelegten Zwang zur Maximierung der Gewinne oder zur Anheizung der Atmosphäre, die zur Überflutung ganzer Landesteile führen kann! Keine Macht zwingt uns, unser aller Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hier muss ein Rollenverzicht stattfinden.

Lässt uns die Angst vor einem Weltende starr werden, dann geht uns die Gabe des
Rollenwechsels verloren und die Gesellschaft spaltet sich immer mehr in jene, die die Gefahr erkennen und bekämpfen und jene, die sie mit einem lautstarken „Weiter so!“übersehen wollen. Einige können sich ein Leben ohne Besitzermacht und Naturbe-herrschung nicht vorstellen.

Ist es Angst oder nur niedere Gier, die uns vor einem gerechten Teilen und damit ver-bundenen Bewahren lebenserhaltender Güter und Fähigkeiten zurückschrecken oder gar erblinden lässt? Nehmen wir sie noch wahr, die ermutigenden Impulse oder ver-spotten wir gar die Einladungen zum Verzicht, zur Rücksichtnahme und zum Mitge-fühl, wie sie in allen Religionen mit Pilgern, Fasten, Stille, Dankesliedern und dem zweckfreien Gebet eingeübt werden?

Doch nur so können sie entstehen, die tragfähigen Brücken zwischen uns Menschen auf dem gemeinsamen Weg für alle, in der die Freude auf eine Zukunft wächst, die uns den Mut zur Umkehr schenkt und stärker ist als apokalyptische Schreckensszenarien.
Die Freude wird in vielen Visionen beschrieben, die uns zum solidarischen Handeln
ermutigen. Sie sind ein kostbarer Schatz, auf den wir zugreifen können. Lasst uns mit großer Offenheit zusammenstehen und uns gegenseitig in unserer Hoffnung stärken und bereichern.

 

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Segen bringen, Segen sein…

… Frieden! Im Libanon und weltweit ist in diesem Jahr das Motto, unter dem die Sternsinger dieses Jahr unterwegs sind. Sie sammeln für Kinder, die in Flüchtlingslagern im Libanon leben. Der Libanon hat gerade sechs Millionen Einwohner. Im Land leben über eine Million Geflüchtete aus dem Nachbarland Syrien. Während des Samstagsfrühstücks werden morgen die Sternsinger auch zu uns kommen.

Einige von denen, die hier mitlesen, werden sich noch an Schwester Hilmtrud von der Congregatio Jesu erinnern. Sie war Novizenmeisterin ihrer Gemeinschaft und hat ab Herbst 2016 einige Monate in unserer Gemeinschaft gelebt. Eine ihrer Novizinnen war Anna Schenck, die seit Oktober 2019 ihre Tertiatszeit im Libanon verbringt. (Das Tertiat ist die letzte Phase vor den ewigen Gelübden.) Anna arbeitet beim Jesuitenflüchtlings-dienst genau in dem Bereich, für den die Sternsinger sammeln. Erste Erfahrungen von ihrer Zeit im Libanon kann man hier nachlesen.

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interreligiöses Friedensgebet Dezember 2019

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, prayingGruppe Interreligiöses
Friedensgebet Berlin auf dem Hausvogteiplatz
Sonntag, 1. Dezember 2019 um 15:00 Uhr 

Einladung zu einer veränderten Rolle in der Gesellschaft

Mitten in der lärmenden Vielfalt von unterschiedlichen Interessen wollen besonders junge Menschen ihre Eigen-verantwortung erkennen und lernen. Die Suche nach dem selbstver-antworteten Leben findet sich auch bei Genesen-den nach einer schweren Krankheit, bei Gedemütigten nach schwerer seelischer Verletzung oder bei Men-schen nach der Übe-rwindung einer Sucht. Entscheidend ist der das eigene Leben aufbauende Schritt in eine neue Zukunft. Doch dieser Impuls alleine kann zu einer Haltung führen, in der nur das eigene Ich, der eigene Verein, das eigene Land und – bei der häufigen Verkürzung der Perspektiven – nur noch das eigene Geld gesehen wird.

Es widerspricht grundsätzlich nicht dem Eigeninteresse, dass die Menschen für sich
entwickeln, wenn sie auch die Not des Anderen in den Blick nehmen und bereit sind, auf eigene Interessen zu verzichten. Denn dann fallen die Mauern zwischen Men-schen und eine Zukunft des Miteinanderlebens kommt in den Blick. Das solidarische Handeln, zu dem alle Menschen von Anbeginn berufen sind, rückt in den Mittelpunkt. Das Wissen um den gemeinsamen Ursprung meldet sich gegen alles Vergessen und Vertuschen bei den Menschen zurück.

Wir vernehmen darin eine Einladung zum Ändern unserer Rolle in der Gesellschaft. Das Angebot wird besonders aktuell, wenn sich Menschen in eine gesellschaftliche Komfort-zone zurückgezogen haben, oder wenn sie in die Isolation gedrängt wurden. Die Alter-native dazu wird Wirklichkeit, wenn sich der Blick auf das gemeinsame Le-ben mit allen Menschen und mit der Natur öffnet. Dann können wir uns nicht mehr verschließen vor den 50 Millionen Kindern, die weltweit auf Müllkippen leben und auch nicht vor den Opfern von Menschenhandel, die zur Gewinnmaximierung verschleppt wurden.

Die Bewusstwerdung unserer veränderten gesellschaftlichen Rolle verpflichtet uns zu
solidarischem Handeln mit allen Menschen gleicher Gesinnung. Im Gebet bringen wir die Not des Nächsten ins Wort vor Gott – in welcher Sprache auch immer. Und es wird ein Dank sein für das immer wieder gelingende Miteinander von Gott und Mensch, von Mensch zu Mensch, von Mensch und Mitwelt.

Die Themen früherer interreligiöser Friedensgebete sind hier

 

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