Nachgerufen: interreligiös engagiert – ohne Religionszugehörigkeit

Reinhard Schaenke gehörte mit Christian Herwartz (SJ), Mohammed Herzog, Klaus Mertes (SJ), Dhiraj Roy und anderen 2002 zu den Initiatoren des monatlich auf dem Gendarmenmarkt stattfindenden interreligiösen Friedensgebets. Solange die Vorbereitungstreffen bei uns in der Naunynstraße stattfanden, habe ich ihn bei diesem Anlaß gesehen. Manchmal hat er uns auch in der Wohngemeinschaft besucht. Am 29. Januar ist er verstorben. Er hat sich als „nicht religionszugehörig“ definiert. Klaus Mertes schreibt an ihn:

„Ich erinnere mich an unsere Begegnung in Berlin beim interreligiösen Gebet. Du hast von Anfang an dazugehört und hast es mit angestoßen. Du warst einer, der sich nicht als religionszugehörig verstand und trotzdem zu den Treuesten der Treuen gehörte, wenn wir uns einmal im Monat am Gendarmenmarkt getroffen haben. An diese Gebetsgemeinschaft werde ich mich immer erinnern.

 

Dadurch, dass Du Dich als nicht religionszugehörig beschrieben hast, warst Du für mich auch eine Herausforderung. Die Herausforderung hat mich zum Nachdenken gebracht und weitergeführt. Auf der einen Seite ist die Sehnsucht und der Wunsch nach Zugehörigkeit ein tiefer Wunsch, den wohl alle Menschen verspüren, ob es nun die Zugehörigkeit zur einer Familie, einer Gruppe, einer Gesinnungsgemeinschaft, einem Kollegium oder was auch immer ist. Aber gerade im Falle der Religion kann wie im Falle der Nation und bei anderen Zusammenschlüssen von Menschen die Zugehörigkeit eine ausgrenzende Rückseite bekommen und hat sie auch oft genug erhalten. Vielleicht ist das sogar unvermeidlich. Ich habe deswegen Deine Selbstbeschreibung als religiös nicht-zugehörig immer auch verstanden als Widerstand und Widerspruch gegen ausgrenzende Zugehörigkeit bzw. gegen die ausgrenzende Seite von Zugehörigkeit. Gerade dadurch hast Du eben dazugehört. Und so hast Du mir auch geholfen, meinerseits Grenzen der Zugehörigkeit zu überschreiten, gerade auch mit den Freunden und Freundinnen des interreligiösen Gebetes in Berlin.“

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Einladung zum interreligiösen Friedensgebet Februar 2018: Gemeinsamkeit

G E M E I N S A M K E I T

Alle sind willkommen All are welcome
Hoffnung für Frieden Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying

zum Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt
am Sonntag den 4. 2. 2018 um 15 Uhr (Nähe Deutscher Dom)

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

Nach dem Gemeinsamen, was alle Menschen verbindet, suchen wir.
Wir wollen anregen, eigenständig weiter zu suchen. Wo bin ich eingeladen, selbst auf die Suche zu gehen nach dem, was uns alle offen ansprechbarer werden lässt. Menschen so zu begegnen, dass über trennende Verschiedenheiten hinweg das Gemeinsame zu sehen ist – im respektvollen, liebevollen Blick füreinander.

Unsere Antworten wollen anregen, eigenständig weiter zu suchen. Wo bin ich eingeladen, selbst auf die Suche zu gehen nach dem, was uns alle eher offen ansprechbarer werden lässt, Menschen so zu begegnen, dass über trennende Verschiedenheiten hinweg das Gemeinsame zu sehen ist – in respektvollem, liebevollem Blick füreinander.

Was uns alle verbindet ist, dass wir nicht aus eigener Kraft entstanden sind. Dabei müssen wir nicht zu einer Einigung kommen über das Woher und Wohin. Auch die Frage nach den Sinn des Lebens kann für verschiedene Lebenskonzepte oder religiöse Antworten offen bleiben.

Doch wir können über jeden unter uns froh sein, der sich bewusst darauf bezieht, dass wir geschaffen sind. Das führt zu Demut und Dankbarkeit in unserem Verhalten. Wir nähern uns damit der Wirklichkeit an. Ob sich der Einzelne von Wahrscheinlichkeiten oder ein der großen Glaubensrichtungen leiten lässt lassen wir offen.

Wir stellen Fragen. Die Antworten führen zu neuen Fragen. Wir sind auch getrieben von der Sehnsucht nach Sicherheit oder Heimat oder einer umfassend friedenserhaltenden Antwort.
Darin finden wir immer wieder zusammen: Wir Menschen sind wertvoller, als was wir leisten.

Wir stehen hier, um für den Frieden zu beten oder um einander um Frieden zu bitten. Dies kann geschehen in Demut oder Dankbarkeit, in einer gefundenen Offenheit, in Eindeutigkeit der Antwort oder im Suchen:
Sprecht Eure Impulse für ein respektvolles Miteinander aus.
Wir haben Hunger in diesem Geist zu wachsen.

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet Januar 2018

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin
auf dem Gendarmenmarkt

Sonntag 7.1.2018 um 15:00 Uhr (Nähe Deutscher Dom)

Erneut ein Jahr des Friedens beginnen

Mitten in schwierigen friedlosen Zeiten nach den Zeichen der Verständigung zu suchen, ist ein erster Schritt auf dem Weg zum Frieden. Sich zu den Suchenden zu stellen oder von ihren Impulsen zu erzählen, ist dann ein zweiter Schritt. Im Mai 2002 beteiligten wir uns als Interreligiöses Friedensgebet am Rand der Groß-Demo in Berlin für den Erhalt des Friedens im Irak. Gleichzeitig landete Präsident Busch. Er suchte Verbündete für seinen geplanten Krieg. Als er begann, beteten wir mit unseren unterschiedlichen Gottesvorstellungen und vielfältigen Idealen weiter, jeweils am ersten Sonntag jeden Monats um 15 Uhr auf dem Gendarmenmarkt.

Die vielfältigen Gefährdungen des Friedens durch innere und äußere gesellschaftliche Konflikte brachten wir an diesem Ort immer wieder im Gebet zur Sprache. Unser Stellplatz ist für Suchende und Hinhörende offen, die Friedenssehnsucht aufzunehmen und mit Gesängen aus ihrer religiösen Tradition zu bekräftigen.

Auch Menschen außerhalb der großen religiösen Traditionen regten wir hier an, das Verlangen nach Frieden mit eigenen Worten auszudrücken. Wenn wir die vorhandenen Unterschiede unter uns zulassen, dann leben wir in „betender Aufmerksamkeit“ und bereiten friedenswillig der Mitmenschlichkeit einen offenen Raum. Einschlägige Untersuchungen belegen: Religiöse Menschen verhalten sich Fremden gegenüber auffällig tolerant, weil sie sich mit Menschen aus anderen Religionen verwandt fühlen. Sie sind sich nahe durch eine innere Suche und stehen, wenn Spott geäußert wird, zu den entdeckten Wahrheiten.

Auch in schwierigen Zeiten suchen wir 2018 nach Möglichkeiten der Verständigung, ermutigen uns gegenseitig auf allen Wegen zum Frieden und laden ein, sich an welchem Ort auch immer, innerlich mit uns auf den Gendarmenmarkt zu stellen.

lebendiger Adventskalender auch bei uns

In diesem Jahr gibt es erstmals im neuen pastoralen Raum Berlin-Mitte einen lebendigen Adventskalender. Jeden Tag gibt es eine Einladung zu einem Angebot. Wir sind drei Mal dabei: Zweimal sind wir mit dem Samstagsfrühstück dabei und am Montag den 18. Dezember um 19.00 h laden wir in den Gemeindesaal von Sankt Michael ein zum Bibliolog über „Tochter Zion freue dich“ aus dem Buch Sacharja und singen mit Trompetenbegleitung Adventslieder.

Lebendiger Adventskalender 2017 im pastoralen Raum Mitte

Das Buch des Propheten Sacharja kennen Sie nicht? Kennen Sie doch, wenigstens diesen einen Vers:

Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.“ (Sach 9,9) Wir laden ein zum Bibliolog über diese Stelle, aus der eines der bekanntesten Adventslieder entstand, dazu Adventslieder mit Trompete (Ort: Waldemar Straße 8-10 / Ecke Dresdner Straße).

Der Kalender als Liste ist hier.

 

 

Kreuzberger Armutskonferenz 2017 in Bildern

Vor einem Jahr fand die erste Armutskonferenz in Kreuzberg für den neuen pastoralen Raum Mitte statt (mehr dazu hier und im Gemeindebrief vom Februar 2017 auf Seite 18 und 19) Schon damals beschlossen wir eine Fortsetzung ein Jahr später. Das Treffen hat am Samstag den 25. November wieder im St. Marien-Liebfrauen stattgefunden. Hier sind erste Eindrücke in Bildern – fotografiert von Christoph Boisseree:

Teilnehmende der Armutskonferenz 2018

Arme Menschen aus den Gemeinden, Ehrenamtliche und einige Hauptamtliche fanden sich im liebevoll vorbereiteten Gemeindesaal an diesem Samstag zusammen. Auch eine Reihe neuer Gesichter waren zu sehen.

Bodenbild zum Impuls von Schwester Rita

Schwester Rita von der Kreuzberger Kommunität der Franziskanerinnen aus Siessen stimmte uns auf den Nachmittag ein. Sie zeigte auf, wie Franziskus von Assisi Armut sah und wie er mit den Armen lebte – welche Veränderungen das bei ihm erfuhr und wie seine Brüder das aufnahmen. Auf dem Bodenbild sieht man ein braunes Stück Stoff, eine brennende Kerze, eine Ikone, eine aufgeschlagene Bibel und Tonscherben eines zerbrochenen Gefäßes.

Pastoraler Raum Mitte

Hier sieht man die Umrisse des neuen pastoralen Raumes Mitte, der aus den vier Gemeinden St. Marien-Liebrauen/ St. Michael, St Bonifatius (beide Kreuzberg), Herz-Jesu (Prenzlauer Berg) und der Hedwigskathedrale (Mitte) bestehen wird. Bei der Vorstellungsrunde steckte jede/r eine Stecknadel an dem Ort ein, an dem er / sie sich am stärksten zugehörig fühlt – wo der Schwerpunkt des eigenen Engagements ist.

einige der Verabredungen der Armutskonferenz 2016 (erstes Blatt)gi

Wir gingen die Absprachen und Verabredungen durch, die wir 2016 getroffen haben um zu sehen, was daraus geworden ist. Dann schauten wir in den Themenspeicher vom letzten Jahr um zu sehen, was noch offen geblieben ist und entwickelten mit den vorgeschlagenen Themen fünf Punkte die wir noch in der großen Runde besprechen wollten. Aber erst einmal wurde eine Kaffeepause eingelegt. Davon und von den leckeren Kuchen, die uns die Frauenfazenda aus Riewend gebacken hatte, gibt es kein Foto. Anschließend gingen wir ins Gespräch über die offenen Punkte. Großen Raum nahm die Frage ein, was Kirchengemeinden auf politischer Ebene tun können gegen vie Vertreibung von Menschen in ihrem Umfeld durch die zunehmende Gentrifizierung. Ein ausführlicherer Bericht wird folgen.

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet im Dezember 2017

Alle sind willkommen
All are welcome
Hoffnung für Frieden
Hope for Peace

innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

auf dem Hausvogteiplatz
3. 12. 2017 vom 15.00 h bis 16.00 h

Ein Frieden für alle

Im Anschluss an das Jahr der Barmherzigkeit (2016) ruft die katholische Kirche in diesem Jahr erstmalig den „Welttag der Armen“ aus. Zwei Wochen vor dem 1. Advent, also am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres soll auf den König der Armen hinge-wiesen werden, der mit dem Fest Christkönig geehrt wird. Sein Fest wurde 1925 nach den Gräueltaten des Weltkrieges eingeführt. Die Machthaber Europas sollten an ihre Verantwortung für den Frieden erinnert werden.

Am Ende des Jahres der Barmherzigkeit lud Papst Franziskus 1000 Strafgefangene aus
Italien und am Sonntag darauf 4500 Obdachlose aus Europa nach Rom ein und sagte ihnen: „Ihr seid nicht der Rand sondern die Mitte der Kirche. Durch Euch müssen wir den Weg der Liebe lernen.“ Mit dieser Deutung des Festes erinnert er an die Verantwortung aller, sich von der schöpferischen Liebe des Ursprungs anstecken zu lassen, die sich besonders gegenüber den Ausgegrenzten beweisen soll. Und er zeigt allen ihre Würde, sich selbst an der Gestaltung der Welt mit zu beteiligen.

Auch der Berliner Bischof setzt am 19. 11. ein Zeichen und sagt: „Liebt nicht mit Worten,
sondern in Taten.“ Der Mitzvah Day fällt dieses Jahr auf dasselbe Datum: Zusammen mit dem jüdischen Geschäftsführer bediente der Bischof an diesem Tag die Gäste der
Suppenküche.

Wohl alle Religionen kennen die Pflicht, dem Frieden schöpferisch zu dienen. Der Friede
für alle Menschen hört auf die Notleidenden und ist solidarisch mit ihnen. An ihnen „geht heute nicht vorbei“. Mit diesem Slogan weist der Malteser Hilfsdienst uns auf die Menschen hin, die auf unsere Hilfe warten, da sie darauf angewiesen sind. Wir sind
ja alle ihre Geschwister (www.geh-heute-nicht-vorbei.de).

Dieser Friede des Ursprungs unserer Welt schenkt neues Leben. Auf vielfältige Weise leben religiöse Menschen mit dieser Hoffnung.

 

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet im November 2017

Alle sind willkommen All are welcome Hoffnung für Frieden Hope for Peace

innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten

pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying

Interreligiöses Friedensgebet Berlin 5. 11. 2017

Gendarmenmarkt 15 Uhr beim Deutschen Dom

Wir kommen her – wir gehen hin

Im November ist die Gruppe Interreligiöses Friedensgebet weder
herbstmüde oder gar winter-schläfrig. Vielmehr wurde im
Vorbereiungsgespräch nachgedacht über die Horizonte, die uns der
vorangegangene Monat Oktober eröffnet hat:

In der Mitte des Monats beim Höhepunkt und Abschluss der Internationalen Gartenausstellung (IGA) wurde mit unserer Beteiligung vor dem Pavillon der Kulturen sinnbildlich dargestellt, wie unsere Zeit durch die Dynamik der Welt-religionen bewegt wird. Sollte man sich so nicht wieder einfinden und hineinfragen, um sich dem Ursprung
der Bewegung zu nähern? Wir nehmen diese Anregung mit als Botschaft für den Monat November.

Wir haben Ende Oktober die Botschaft der Kirchen gehört, die für einen neuen Aufbruch mit den Erkenntnissen der Reformation vor 500 Jahren einladen. Können die Weltreligionen diese Botschaft aus dem Christentum auch neu hören – als Aufbruch in ein Leben in Vielfalt der Gotteserfahrungen? So könnte ein Erwachen folgen unter dem Horizont einer globalen Erneuerung. Wir nehmen dies mit als Botschaft für den
Monat November.

Im Oktober erinnerten sich die Menschen weltweit der ‚Großen Sozialistischen Oktober-Revolution“ in Russland vor 100 Jahren. Damals war die Welt müde geworden, sich länger an religiösen Vertröstungen zu orientieren. Heute fragen wir eher skeptisch, welche Geister durch Revolutionen geweckt werden?! Wir nehmen dies mit als Anregung für den November mit seinen umstürzenden Ereignissen.

Während sich der Monat November über unsere Stadt breitet, weiten sich auch die Horizonte für unsere Gebete hin zu den Menschen, die auf eine grundlegende Veränderung und Erneuerung der Verhältnisse hoffen – teils mit revolutionärer Ungeduld und teils mit hingebungsvoll – tätiger Hoffnung. Sie erwarten mit den Menschen guten Willens, dass wahr werde, was allen verheißen ist: Ein neuer Himmel und eine neue
Erde, darauf Gerechtigkeit wohnt für die Flüchtenden und Bleibenden, für Widerständige und Aufbegehrende – und die Ermüdeten.

Wo immer dies geschieht – das Interreligiöse Friedensgebet will für diese Mahnwache sein.