Einladung zum interreligiösen Friedensgebet August 2018

Alle sind willkommen All are welcome
Hoffnung für Frieden Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying 

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin auf dem Gendarmenmarkt
SONNTAG, 5.8. 2018 UM 15:00 UHR (NäHE DEUTSCHER DOM) 

HELFENDE WERDEN KRIMINALISIERT

Aus unterschiedlichen religiösen und religionsfernen Traditionen kommend, stehen wir alle mit unserer menschlichen Verantwortung vor der von uns nicht eingrenzbaren Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit, in der hilflose Menschen gequält und getötet werden. Eine Wirklichkeit, in der ihre Helfer immer wieder behindert, kriminalisiert und sogar selbst zu Verfolgten werden. Besonders am 30. Juli, dem Welttag gegen Menschen-handel, wurde uns wieder bewusst, dass fast ein Drittel aller Opfer weltweit Kinder sind.(UNICEF). Diese moderne Sklaverei ist eine widerliche Plage, von der über 40 Millionen Menschen betroffen sind – über 30 Millionen in Asien und im Pazifikraum und 9 Millionen in Afrika (NGO Anti-Slavery). Die vielen Millionen Kinder und ihre Angehörigen sind auf unseren Schutz angewiesen. Staatlicher Schutz ist notwendig, doch auch das Hinsehen vieler, die diese Verbrechen öffentlich machen. Neben dem auffälligen Sexgeschäft werden Menschen beim Handel mit Organen und wegen anderer gewinnbringender Güter und Rechte verschleppt und getötet. Diese Art wirtschaftlichen Handelns, an dem letztlich auch wir teilhaben, ist im höchsten Grade verwerflich und hat hier jede zu achtende Grenze überschritten. Ein weiterer Punkt ist die Zwangsverheiratung von Mädchen. In Indien werden Jungen leider oft bevorzugt und Mädchen oft nach der Geburt getötet. So mangelt es an Frauen im heiratsfähigen Alter. Da wächst der Frauenhandel aus dem Süden. Auch werden aus Nepal jährlich etwa 15.000 Frauen und Mädchen gegen ihren Willen in das Rotlicht-Milieu der großen Städte Indiens verschleppt.

UNSER GEBET WIRD HOFFENTLICH ZUM UNüBERSEHBAREN SCHREI
MIT UNSEREN ZUR WARE GEWORDENEN GESCHWISTERN.

Lasst uns aber auch die vielen tausend Helferinnen und Helfer in unser Gebet einschließen, die sich aktiv im Namen der Menschlichkeit für all diese geschundenen Menschen einsetzen. Da werden Besatzungen von Rettungsschiffen offiziell daran gehindert, auszulaufen und müssen hilflos zusehen, wie hunderte Männer, Frauen und Kinder vor ihren Augen ertrinken. Helfen sie trotzdem, werden sie wie Kriminelle behandelt. Büros von NGOs, die sich um verschleppte Frauen und Mädchen kümmern, werden angezündet und die Mitglieder verfolgt. Viele Helfer können nur im Verborgenen agieren und notwendigerweise Gesetze brechen, wenn es der Sache hilft. Für sie alle steht Menschlichkeit an erster Stelle. Dafür nehmen sie Diskriminierung, Kriminalisierung bis hin zur Gefahr für das eigene Leben in Kauf. Angesichts dieser Verbrechen an Opfern und Helfern suchen wir im Gebet unsere Verantwortung. Denn die Sensibilisierung beginnt bei uns selbst. Dann kommen wir in die Lage, mit wachem Bewusstsein dafür einzutreten, dass kein Mensch mehr zum Handelsobjekt wird.

Wendet den Blick weg von der Fixierung auf den (Geldgott) Gewinn!
Lasst Menschen auf der Flucht vor Kriegen, Menschenhandel
und anderen lebensbedrohlichen Situationen nicht allein!!!
Wir bitten um Aufmerksamkeit für diese vernachlässigten Probleme!

EINLADUNG ZUM VORBEREITUNGSTREFFEN. Interessierte sind herzlich willkommen.
Das nächste Vorbereitungstreffen findet statt am Mittwoch, 15.Aug. um 18:00 Uhr
bei Helga Ottow, Prenzlauer Promenade 147, 13189 Berlin-Pankow. Tel: 030 912 048 62
Anfahrt: S/U Bhf Pankow, Bus 255 (Richtung Schwarzelfenweg) bis Binzstraße
oder: M 2 ab Alexanderplatz bis Prenzl. Prom. Am Steinberg, Bus 255 (Richtung Osloerstr) bis Binzstr.

Die Gruppe Interreligiöses Friedensgebet trifft sich immer an ersten Sonntag eines Monats zu einer Mahn-
wache und einem Friedensgebet um 15:00 Uhr (meist) auf dem Gendarmenmarkt vor dem Deutschen Dom. Anfragen/Korrespondenz: christian.herwartz@jesuiten.org / Infos unter: www.friedensgebet-berlin.de

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Einladung zum interreligiösen Friedensgebet Juli 2018: Sprachlosigkeit überwinden

Hoffnung für Frieden
Hope for Peace

innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin auf dem Gendarmenmarkt

Sonntag, 1. Juli 2018 um 15:00 Uhr (Nähe Deutscher Dom)

Sprachlosigkeit überwinden

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

Bei Verallgemeinerungen und diffamierenden Reden werden auch wir oft sprachlos und suchen nach passenden Worten, um uns aus der Sprachlosigkeit zu befreien. Auch religiös gestimmte Menschen haben es offenbar nicht leicht, ihre Meinung zu vertreten. Zeigt
nicht das weitreichende Schweigen, wie sich ausgrenzendes, sogar rassistisches Gedankengut
ausbreiten und einschüchternd wirken kann?
Wortwahl und Sprachgestalt – aber auch Wortlosigkeit und Sprachunfähigkeit – haben Wirkung auf Menschen, die mit uns nach einem Leben im Miteinander und in Würde suchen. Das betrifft
ebenso Mitmenschen, deren Lebenskonzept vom Durchschnitt oder von der gewohnten Norm abweicht. Ausgrenzung wird im Wesentlichen durch mit Vorurteilen belastete Sprache gelegt und vorbereitet. Gestörte Beziehungen, die durch Sprache entstehen, können auch durch Sprache geheilt wer

Wo Menschen beten, lassen sie sich anleiten zu einem bewussten und achtsamen Umgang mit Sprache. Mit Gebeten lassen sich Menschen sensibilisieren, dort wo Sprache verflacht und missbraucht wird. Sprachliche Bilder aus dem faschistischen Deutschland, die Falsches als wahr erscheinen lassen und Worte, die zur Verharmlosung von Ausgrenzung, Massenmord und dessen Vorbereitung genutzt
wurden, werden in den letzten Jahren wieder lautstark und instrumentalisierend genutzt: Und das zeigt Wirkung. Der Gebrauch dieser Worte und Bilder beeinflusst verunsicherte und suchende Menschen.

Durch Herunterspielen von Grausamkeiten der Geschichte und der Verwendung von überholten rassistischen Gedankengängen werden Ängste geschürt und Hass verbreitet. Ein klares Nein und ein bewusster und reflektierter Umgang mit Sprache, öffnet Wege in eine menschenwürdige Gesellschaft.

Wir beten für eine neue Sprachfähigkeit jenseits aller Sprachlosigkeiten. Und wir beten für alle, die sich in dieser Welt unverstanden fühlen, dass sie einen Weg zum Miteinander finden.

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet Juni 2018: Lebenszeichen

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin
auf dem Gendarmenmarkt

Sonntag, 3. Juni 2018 um 15:00 Uhr (Nähe Deutscher Dom)

Lebenszeichen

Am Beginn des Monats Juni schon erfüllt die hochsommerliche Feststimmung und heiße Festlaune unsere Stadt Berlin. Die Religionen feiern ihre so beliebten Feste auf ihren
Höfen unter schattigen Bäumen. Mit Gästen – versteht sich – denn gerade Gäste sind Teil der Menschheitsfamilie – vielleicht entdecken sie sich als Geschwister in der Familie Gottes, wenn sie gemeinsam die Festfreude erleben am Ende des Ramadan oder beim Johannisfeuer und zur Sommersonnenwende?

Vielfältig sind die Einladungen zu den Festen. An vorgerückter Stelle sind Licht und Leben – Essen und Trinken – Lebensfreude und Lebenshilfe. Die Botschaft vom Wachsen und Werden hat uns erreicht. Die Religionen dieser Stadt tragen insgesamt dazu bei, dass wir eintreten ins volle Leben. Das geschieht durch die Schlüsselworte ihrer Botschaften. Wir erleben es in diesen Tagen. Aber wir erfahren auch dieses: Unter den Gästen unserer Sommerfeste befinden sich auch diejenigen, die vom vollen Leben ausgeschlossen sind. Sie sind unter uns als Opfer und Zeugen der dunklen und lebenszerstörenden Kräfte. Sie kommen als Schutzsuchende zu uns. Ein neuer Klang in der traditionellen Feststimmung weckt die Aufmerksamkeit für Stimmen der Verfolgten und Bedrängten. Und dann hören wir deren Aufatmen und sehen die wiederkehrende Hoffnung in ihren Gesichtern. Das Seufzen derer, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, steht unter der Verheißung: ‚…denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.‘

Unter diesem Licht zeigen wir unsere Verbundenheit mit denen, die an Geist und Seele wachsen und werden. Darauf hat der in der Weltgeschichte geachtete Prophet Johannes, genannt der Täufer, hingewiesen. Einem alten Brauch folgend, brennen und glühen deshalb am Johannistag an den Seen und in unseren Parks die Johannisfeuer.
Wachsame Frauen und Männer feiern in den Sommerfesten ihrer Gemeinschaften also nicht den Übergang aus dem längsten Tag in eine romantische Nacht, sondern die wiederkehrende Hoffnung und bleibende Gewissheit:

Das schöpferische Licht in unserer Welt wird nicht abnehmen. Das Feuer der Liebe wird nicht verlöschen. Die Wärme der Barmherzigkeit wird nicht erkalten. Dieses Wissen und Glauben und Verstehen verbindet angesichts aller dunklen Drohkulissen erst recht die Familie der Kinder Gottes. Sie findet sich zusammen bei abnehmendem und zunehmen-dem Licht in allen Religionen. Das ist das Zeugnis des Lebens der Menschheitsfamilie.

Nacht der offenen Kirchen

Am Pfingstsonntag findet in Berlin wieder die Nacht der offenen Kirchen statt. Auch in Sankt Michael wird es ein Angebot geben. Die beiden Bibliologe werden den Zusammenhang zwischen dem jüdischen Wochen-fest Schawuot und dem Pfingstfest erschließen. An Schawuot feiern Juden die Gabe der Torah am Sinai.

Licht bricht auf – aufbrechen im Licht
Wir laden ein, sich vom Spiel der Farben des Lichtkreuzes von Ludger Hinse und den Themen des Abends bewegen zu lassen.
19.30 Uhr Meditative Stille und lyrische Texte unter dem Lichtkreuz
20.00 Uhr Bibliolog zu einem neutestamentlichen Pfingstzeugnis
20.45 Uhr Meditative Stille und pfingstliche Gesänge
21.30 Uhr Bibliolog zum Buch Ruth
22.00 Uhr Meditative Stille und lyrische Texte unter dem Lichtkreuz
22.30 Uhr Pfingstliches Nachtgebet

kath. Gemeinde St. Michael
Waldemarstraße 8 /Ecke Dresdner Straße
Kreuzberg, 10999Berlin
Anfahrt: 

U8 Moritzplatz; Bus M29 Oranienplatz

geöffnet ab 19:30
Einige Fotos vom Lichtkreuz gibt es hier.
Das Gesamtprogramm der Nacht der offenen Kirchen ist hier.

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet Mai 2018: Hineinwachsen

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin
auf dem Gendarmenmarkt

Sonntag, 6. Mai 2018 um 15:00 Uhr (Nähe Deutscher Dom)

Hineinwachsen

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

Wir wachsen in diese Welt hinein, wenn wir aufwachsen. Eine friedliche Welt mit Menschen, die einander begegnen und die Würde der und des anderen erkennen und achten, die wünschen wir uns. Wie kann die Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Religionen, gegenüber anders denkender, anders aussehender, anders geprägter Menschen erlernt werden? Am besten geht das wohl als Kind. In einer Lebensphase, in der alle Begegnung als gut und gegeben wahrgenommen wird. Was wir sehen, so ist es. Hinterfragt und reflektiert, oder bewusst ein anderer Weg eingeschlagen wird erst nach den ersten prägenden Erfahrungen.

Doch jedes Kind wird von einer Vielzahl von Menschen in der Entwicklung seines Welt-
und Menschenbildes beeinflusst. Die Beeinflussung findet mal bewusst, mal unbewusst statt. In jedem Fall sind wir alle verantwortlich da, wo wir Vorbild sind, wo wir Haltung
zeigen, wo wir direkt oder indirekt an den Erfahrungen und Entwicklungen von jungen
Menschen beteiligt sind.

Wenn wir wünschen, dass die Welt sich zu einer friedlicheren Welt hin entwickelt, in der die Menschen einander als Menschen sehen, sind wir also gefragt. Wir, die wir erwachsen, bereits in diese Welt hineingewachsen sind. Da sind wir gefragt, bewusst die Veränderung zu sein, die wir sehen wollen. Bewusst an uns zu arbeiten und im Austausch mit anderen Menschen zu stehen, die das Weltbild von Kindern mitprägen, hin zu der gewünschten Offenheit, wo wir Menschen als Menschen begegnen mit einem echten Interesse am anderen Individuum. Manchmal ist wahrnehmen, mit Liebe antworten und begleiten gefragt. Manchmal ist Interesse wecken und leiten notwendig. Wenn wir sensibel sind mit der Liebe zum Menschen und mit der Wahrnehmung zum Göttlichen im Menschen leben und im Miteinander entstehen lassen, sind wir auf einem guten Weg.

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet März 2018: Hoffnung

Alle sind willkommen All are welcome –
Hoffnung für Frieden Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying

 

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin auf dem Gendarmenmarkt
Sonntag 4. 3. 2018 um 15:00 Uhr (Nähe Deutscher Dom)

Hoffnung auf einen neuen Anfang

In den blühenden Städten des Nahen und Mittleren Osten erheben sich Berge aus Schutt und Asche. Darunter sind Menschen verschüttet und mit ihnen starb die Hoff-nung auf einen neuen Anfang. Die Friedenskräfte Europas setzten sich ein – gegen die Fortsetzung alter Kriege und für den Beginn einer neuen Friedensordnung in den arabi-schen Ländern. Wir sind als Interreligiöses Friedensgebet Berlin und Mahnwache seit dem Jahr 2002 aufgestanden gegen den Krieg der Völker.

Die heutigen verschütteten Kulturstätten in Nahost wecken die Erinnerungen an die damaligen Schuttberge der europäischen Städte nach 1945. Unter ihnen sind hier wie dort begraben Hoffnungsträger und Erneuerer, die uns heute fehlen. Hierzulande fehl-ten sie, um den siegreichen Militärs zu widerstehen, die das Trauma von heißen
Weltkriegen in die Wünsche um den Sieg im Kalten Krieg verhüllten mit Ideologien der Ver-ängstigung und Geschäften mit todbringenden Waffen.

Das Ergebnis waren eine Mauer aus Beton und ein Vorhang aus Atomraketen.
Aber es blieb – Gott sei Dank – ein Zwischenergebnis, denn die Friedenbotschaft der Religionen, mit ihnen der biblische Prophet Amos, erstarkten in jenen Jahren: ‚Schwer-ter zu Pflugscharen!‘ hieß die Losung. Diese spirituelle Kraft regte sich in unserem ver-storbenen Mitbeter Reinhard Schaenke. Sein Name ist verbunden mit dem Inter- religiösen Friedensgebet Berlin von Anfang an. Die Erinnerung an ihn lebt. Seine Mitstreiter ehren seine Mahnung zur Achtsamkeit für alle, die sich zu Wort melden im Eintreten für die Suche nach Frieden, der höher ist als Vernunft und Unvernunft der Menschen.

Auf diesem Wege ermutigen uns einmal mehr der Ökumenische Weltgebetstag der Frauen und der Internationale Frauentag. Denken und Handeln machen die friedens- willigen Menschen glaubwürdig. Darum vermeiden wir als Friedensgebet und Mahn-wache eine Agitation mit hochfliegenden Sprüchen ‚Nie wieder Krieg‘ oder ‚Die Waffen nieder‘.

Hingegen bekennen, dass wir vom erlösenden Wort nicht gefunden werden, solange wir uns der dröhnenden Propaganda nicht verschließen. Deshalb bitten wir um Beistand beim aufrichtenden Gebet am Anfang dieses Monats.

Wir beten nicht um Partei für eine der Parteien bei der drohenden Völkerschlacht in Nahost. Wir laden ein zum Gebet für einen Völkerfrieden, der als erstrebenswertes Ziel durch die Religionen der Welt mitbedacht, erbetet und praktiziert wird. Um dazu ermutigt und angeleitet zu werden, helfe uns Gott und Mitmensch.

Nachgerufen: interreligiös engagiert – ohne Religionszugehörigkeit

Reinhard Schaenke gehörte mit Christian Herwartz (SJ), Mohammed Herzog, Klaus Mertes (SJ), Dhiraj Roy und anderen 2002 zu den Initiatoren des monatlich auf dem Gendarmenmarkt stattfindenden interreligiösen Friedensgebets. Solange die Vorbereitungstreffen bei uns in der Naunynstraße stattfanden, habe ich ihn bei diesem Anlaß gesehen. Manchmal hat er uns auch in der Wohngemeinschaft besucht. Am 29. Januar ist er verstorben. Er hat sich als „nicht religionszugehörig“ definiert. Klaus Mertes schreibt an ihn:

„Ich erinnere mich an unsere Begegnung in Berlin beim interreligiösen Gebet. Du hast von Anfang an dazugehört und hast es mit angestoßen. Du warst einer, der sich nicht als religionszugehörig verstand und trotzdem zu den Treuesten der Treuen gehörte, wenn wir uns einmal im Monat am Gendarmenmarkt getroffen haben. An diese Gebetsgemeinschaft werde ich mich immer erinnern.

 

Dadurch, dass Du Dich als nicht religionszugehörig beschrieben hast, warst Du für mich auch eine Herausforderung. Die Herausforderung hat mich zum Nachdenken gebracht und weitergeführt. Auf der einen Seite ist die Sehnsucht und der Wunsch nach Zugehörigkeit ein tiefer Wunsch, den wohl alle Menschen verspüren, ob es nun die Zugehörigkeit zur einer Familie, einer Gruppe, einer Gesinnungsgemeinschaft, einem Kollegium oder was auch immer ist. Aber gerade im Falle der Religion kann wie im Falle der Nation und bei anderen Zusammenschlüssen von Menschen die Zugehörigkeit eine ausgrenzende Rückseite bekommen und hat sie auch oft genug erhalten. Vielleicht ist das sogar unvermeidlich. Ich habe deswegen Deine Selbstbeschreibung als religiös nicht-zugehörig immer auch verstanden als Widerstand und Widerspruch gegen ausgrenzende Zugehörigkeit bzw. gegen die ausgrenzende Seite von Zugehörigkeit. Gerade dadurch hast Du eben dazugehört. Und so hast Du mir auch geholfen, meinerseits Grenzen der Zugehörigkeit zu überschreiten, gerade auch mit den Freunden und Freundinnen des interreligiösen Gebetes in Berlin.“