Gebet der Kinder Abrahams

Papst Franziskus besucht derzeit den Irak. In Ur, dem Ort, aus dem Abraham stammte, und von wo aus er aufbrach, fand ein interreligiöses Treffen statt. Dort wurde das von Papst Franziskus verfaßte Gebet von einem Priester vorgetragen: 

Gebet der Kinder Abrahams

Allmächtiger Gott, unser Schöpfer, du liebst die Menschheitsfamilie und auch sonst alles, was deine Hände vollbracht haben. Wir, die Söhne und Töchter Abrahams, die dem Judentum, dem Christentum und dem Islam angehören, danken dir zusammen mit anderen Gläubigen und allen Menschen guten Willens, dass du uns Abraham, einen berühmten Sohn dieses edlen und geschätzten Landes, als gemeinsamen Vater im Glauben geschenkt hast.

Wir danken dir für das Beispiel dieses gläubigen Mannes, der dir bis zum Äußersten gehorchte und seine Familie, seinen Stamm und sein Land verließ, um in ein Land zu gehen, das er nicht kannte.

Wir danken dir auch für das Beispiel an Mut, Durchhaltevermögen, Seelenstärke, Großzügigkeit und Gastfreundschaft, das uns unser gemeinsamer Vater im Glauben gegeben hat.

Wir danken dir insbesondere für seinen heroischen Glauben, den er bewies, als er bereit war, seinen Sohn zu opfern, um deinem Befehl zu gehorchen. Wir wissen, dass dies eine äußerst schwierige Prüfung war, aus der er dennoch als Sieger hervorging, weil er dir ohne Vorbehalt traute, der du barmherzig bist und immer neue Wege für einen Neubeginn eröffnest.

Wir danken dir, denn dadurch, dass du unseren Vater Abraham gesegnet hast, hast du ihn zu einem Segen für alle Völker gemacht.

Wir bitten dich, du Gott unseres Vaters Abraham und unser Gott: Schenke uns einen starken Glauben, der sich für das Gute einsetzt, einen Glauben, der unsere Herzen für dich und für alle unsere Brüder und Schwestern öffnet, und eine Hoffnung, die sich nicht unterdrücken lässt und überall die Treue deiner Verheißungen zu erkennen vermag.

Mache jeden von uns zu einem Zeugen deiner liebenden Sorge für alle, besonders für die Flüchtlinge und Vertriebenen, die Witwen und Waisen, die Armen und Kranken.

Öffne unsere Herzen, schenke uns die Bereitschaft, einander zu vergeben und mache uns zu Werkzeugen der Versöhnung und des Friedens, zu Erbauern einer gerechteren und geschwisterlicheren Gesellschaft.

Nimm alle Verstorbenen, besonders die Opfer von Gewalt und Krieg, auf in dein Reich des Lichtes und des Friedens.

Steh den Verantwortlichen darin bei, die Entführten zu suchen und zu finden und vor allem Frauen und Kinder zu schützen.

Hilf uns für den Planeten Sorge zu tragen, das gemeinsame Haus, das du uns allen in deiner Güte und Großzügigkeit gegeben hast.

Komm uns beim Wiederaufbau dieses Landes zu Hilfe und gib uns die Kraft, die wir brauchen, um denen zu helfen, die ihre Heimat und ihr Land verlassen mussten, so dass sie sicher und in Würde zurückzukehren und ein neues Leben in Frieden und Wohlstand beginnen können. Amen.

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Wohngemeinschaft mit Gott

 

Das Magazin 3_2020 zeigt die Lichtinstallation mit dem Hashtag #hope auf das Matterhorn

Was für eine Überraschung als letzte Woche die aktuelle Ausgabe von andere Zeiten – Magazin zum Kirchenjahr bei uns im Briefkasten lag. Reportagen, Betrachtungen und informative Texte eröffnen Zugänge zu den besonderen Tagen und Zeiten des Kirchenjahres – dieses Mal vom Franziskus-tag über das Rosenkranzfest, den-Reformations-tag und Buß- und Bettag bis hin zum Ewigkeitssonntag. Erst einmal blieb das Heft bis zum Wochenende liegen um mit mehr Zeit und Muße hineinzuschauen. Aber am Samstag war es dann soweit, gerade noch rechtzeitig vor dem Franziskusfest, das bei uns eine herausgehobene Rolle spielt, weil der Chefkoch an diesem Tag Namenstag feiert.  Die letzten Jahre waren immer einige von uns beim Transitus, einer Liturgie der franziskanischen Gemeinschaften am Vorabend des Namenstags, in dem der Heimgang von Franziskus im Mittelpunkt steht. Jedes Jahr lädt eine andere der franziskanischen Gemeinschaften in Berlin dazu ein. Und wir durften dazu kommen. Aber aus den bekannten Gründen fand dieses feierliche Treffen mit Gottesdienst und anschließendem Beisammensein mit einem schönen Essen und anregenden Gesprächen leider nicht in dieser Form statt. 

Ich nehme nun am Samstagabend das „andere Zeiten“ – Heft zur Hand, lese auf den ersten beiden Seiten einige kurze Hinweise und schlage dann auf Seite vier den ersten doppelseitigen Artikel auf: „Wohngemeinschaft mit Gott“ springt mir die Überschrift entgegen. Da steht auf einer Rasenfläche ein langer Tisch mit Gartenstühlen. Nicht unser Tisch – einen solchen Tisch haben wir nicht, aber es geht um uns, um unsere WG in Kreuzberg.

Zum Franziskusfest erzählt Schwester Birgitta Harsch, eine Franziskanerin aus Reute, wie die Frage „wie wir unseren einfachen und alternativen Lebensstil in unserer Gemeinschaft leben oder an manchen Stellen nicht leben“ sie auf neues Terrain führte, nämlich zu Exerzitien auf der Straße in unsere Wohngemeinschaft mitten in Kreuzberg, was sie erlebt hat und wie das ihren weiteren Weg in ihrem Ordensleben beeinflußt hat. Sie schreibt: 

„Moment mal … waren da vor meiner Zeit in der WG nicht auch Vorbehalte und Ängste gegenüber Menschen aus verschiedenen Kulturen und anderer Hautfarbe? Monate zuvor hatte ich die Sehnsucht verspürt, ganz einfach leben zu wollen. Und wo hatte Gott mich hingeführt? Wunderbare Menschen hatten mich unkompliziert und selbstverständlich abgeholt in ihre Gemeinschaft hinein und einer, Gott, war mittendrin, um mich zu empfangen – einfach! Er wußte um meine tiefe Sehnsucht …“

Wir wußten nichts von diesem Artikel. Er war und ist ein Geschenk. Wir haben ihn am Sonntagmorgen beim Feiertagsfrühstück zum Franziskusfest gelesen, waren sehr berührt und haben uns sehr gefreut. Was für ein schöner Tagesbeginn mit diesem Gruß von einer den meisten jetzigen Mitbewohnern unbekannten Schwester.

Wer das Magazin „Andere Zeiten“ kostenlos beziehen möchte, kann die aktuelle Ausgabe      hier bestellen. Es liegt dann drei Mal im Jahr im Briefkasten. 

Zum Weiterlesen:
Wer gastfreundlich sein will, muß Platz schaffen…  – ein Gespräch von Angela Krumpen (domradio) mit Christian Herwartz
Mehr zu Exerzitien auf der Straße

 

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Samstagsfrühstück: Monastische und andere Traditionen …

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Unter besonderen Umständen, im kleinen Kreis, fand heute unser Samstagsfrühstück statt. Auch wenn wir eine kleine Gruppe waren, so waren wir bunt gemischt: Christlich, muslimisch, buddhistisch, jüdisch oder agnostisch unterwegs. Bruder Winfried von der Emmausgemeinschaft, einer franziskanischen Gemeinschaft auf dem Josefshof war gekommen. Manche werden ihn und seine Akkordeonbegleitung noch von unseren Adventsabenden in Erinnerung haben.  Zum ersten Mal war Frank, einer aus der gastgebenden Gemeinschaft unserer Straßenexerzitien Ende August unser Frühstücksgast.

Gestern war der Jahrestag des Anschlags in New York auf die Twin Towers. Mitbewohner aus muslimischen Ländern erzählen, wie sie danach als Muslime wahrgenommen und behandelt werden, welche Formen von Diskriminierung sie erleben und was sich für sie zum Negativen verändert hat.

Drei Personen am Frühstückstisch haben Erfahrungen mit unterschiedlichen Strömungen des Ordenslebens in verschiedenen Ordensgemeinschaften: Trappisten, Franziskaner und Jesuiten. Das lädt zu Vergleichen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ein. Außerdem kommen durch Gastaufenthalte in Klöstern auch noch Erfahrungen mit der Spiritualität der Benediktiner, Zisterzienser und Kartäuser dazu.  Frank war 15 Jahre Trappistenmönch und einige Zeit auch für die Neuankömmlinge zuständig. Auch jetzt ist er immer wieder Gast in verschiedenen Trappistenklöstern in Belgien und den Niederlanden und kann viel über die Veränderungen während der letzten 30 Jahre erzählen.

So kommen wir auf den Film „von Menschen und Göttern“ über das Leben und die Ermordung der Trappistenmönche von Tibhirine. Die meisten am Tisch haben den Film einmal oder mehrmals gesehen und wir erfahren voneinander die unterschiedliche Sichten christlicher und muslimischer und anderer Frühstücksteilnehmer. Wie gut, daß Frank heute bei uns ist. Er kann einiges zu der Frage beitragen, wie typisch das Leben der Mönche von Tibhirine für Trappisten ist. Dieses Kloster ist – so Frank – eine Aus-nahmeerscheinung unter Trappistenklöstern.

Weil auch noch jemand am Tisch sitzt, der einen buddhistischen Weg (Zen) geht, landen wir bei Zen-Meditation und Kontemplation  und der Begegnung mit mystischen Traditionen in unterschiedlichen Religionen sowie der Transfer verschiedener buddhistischer Richtungen in europäische Gesellschaten.

Wie wir dann bei den Stärken und Schwächen unterschiedlicher Bibelübersetzungen gelandet sind, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls ergab sich darauf noch die Frage, warum sich biblische Namen in jüdischen und christlichen Bibelübersetzungen unterscheiden (Mosche – Moses, Jochanan – Johannes, Miriam – Maria, Schlomo – Salomo, Jeschua – Jesus).

Nachdem die letzten Frühstückstreffen sehr stark von politischen Themen geprägt waren lag heute der Schwerpunkt auf dem Themenbereich Religion und Spiritualität.

Unser ältester Mitbewohner Christian Schmidt (SJ) zog folgendes Fazit: „Das war heute außergewöhnlich – ein besonders schönes Samstagsfrühstück“.

Zum Weiterlesen:
Der letzte Überlebende von Tibhirine, Bruder Jean-Pierre Schumacher
Was unser Samstagsfrühstück  ausmacht
Das Kloster von Tibhirine – von Mönchen, Mördern und Muslimen   (Deutschlandradio)

 

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Juni – ein Monat voller Geschenke

 

Der Juni kommt und damit ein Monat voller Geschenke:

Musliminnen und Muslime feiern das Ende des Fastenmonats Ramadan und lassen Arme und Mittellose an ihrer Freude teilhaben. Kinder bekommen zum Zuckerfest Geschenke.

Juden und Jüdinnen feiern Schawuot – das Wochenfest und damit, daß G-tt das Geschenk der Torah, die der Ewige am Sinai gegeben hat.

Christen und Christinnen feiern das Geschenk der Geistkraft G-ttes an Pfingsten.

Aleviten erinnern sich an Abdal Musa, der ihnen die Ordnung ihres religiösen Wissens und ihrer Gebetsurituale geschenkt hat.

Katholiken feiern Fronleichnam – und damit das Geschenk der ständigen Gegenwart Christi.

Hindus begehen die Ganga Puja. Der Ganges ist der heilige Fluß Indiens. Sie geben damit ihrer Wertschätzung Ausdruck für alles, was ihnen durch den Fluß geschenkt wird.

Das Thema vom interreligiösen Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt am 2. Juni ist deshalb: Empfangen und Annehmen. Mehr dazu hier.

Frühstücksgespräche (1)

Unter der Woche frühstücken wir immer um 8.00 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben. Manchmal kommt der eine oder andere Frühstücksgast dazu. Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Themen und Positionen ins Gespräch. In der letzten Zeit kam folgendes auf den Tisch:

  • Gewalt in Familien – wann wird von außen eingegriffen
  • Gewalt gegen Männer (von Frauen ausgeübt)
  • Arbeiten auf der Baustelle
  • Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus: Wer erinnert sich wie und an was?
  • Was genau ist der Unterschied zwischen Prostituierte, Nutte, Hure, Flittchen
  • Eifersucht
  • Trauer – ist sie kulturspezifisch?
  • Schlachten, Verhältnis zu Haustieren
  • Umgang mit Nacktheit – FKK
  • Schnarchverhalten einzelner Mitbewohner
  • Kalendersysteme und Zeiterleben
  • Fastenzeiten in unterschiedlichen Kulturen
  • Taize und Assisi: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Zum Weiterlesen:
mehr Frühstücksgespräche

CAJ Berlin für Ketteler-Preis 2017 nominiert

 

CAJ-Gruppe im Hamburger Hafen  

Unsere beiden muslimischen Mitbewohner engagieren sich in der CAJ (christliche Arbeiterjugend). Das Projekt „viele Sprachen – eine Stimme“, an dem sie beteiligt sind, ist für den Kettelerpreis nominiert worden.  Damit zeichnet die Stiftung ZASS der KAB (katholische Arbeitnehmerbewegung) Persönlichkeiten oder Projekte und Initiativen aus, die sich für die Zukunft der Arbeit und/oder der sozialen Sicherung sei es grundsätzlich, sei es für einzelne Gruppen einsetzen. Ziel des Preises ist es, das Engagement dieser Menschen zu würdigen, sie zu unterstützen und ihre Arbeit in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Alle 2017 nominierten Projekte werden   hier  vorgestellt.

CAJ Berlin: Projekt „Viele Sprachen – eine Stimme“

Bei dem Projekt „Viele Sprachen – eine Stimme“ ist der Name Programm: hier schließen sich junge Menschen mit und ohne Fluchthintergrund zusammen, um ihr Leben zu betrachten, anhand ihrer Werte zu beurteilen und eine gemeinsame Stimme auszubilden, durch die sie in der Gesellschaft „mitreden“. Kern des Projekts ist die Anwendung der Methode „Reflektion des Lebens und der Arbeiteraktion“ auf die eigene Lebensrealität: indem sie ihre Situation u.a. auf deren Ursachen und Folgen hin untersuchen, sich fragen, ob ihre Situation ihrer „Würde und Verantwortung“ entspricht, und mögliche Widersprüche durch Aktionen ausräumen, üben die Jugendlichen gemeinsam eine menschenrechtlich-politische Praxis aus.

So entstand z.B. die Schulaktion: Die Jugendlichen stellten fest, dass es für Schüler*innen mit nicht deutscher Herkunftssprache ungleich schwieriger ist, bei Prüfungen ihre Lernleistung zu zeigen. Die Prüfungen sollen eigentlich den Lernfortschritt messen; aufgrund der sprachlichen Herausforderungen gehen aber die Sprachkenntnisse oft stark in die Messung ein.

Daher entwickelten die Jugendlichen die Forderung, Wörterbücher Deutsch-Herkunftssprache benutzen zu dürfen und eine Verlängerung der Bearbeitungszeit eingeräumt zu bekommen. Es gelang ihnen, diese Ideen konkret an ihren Schulen vorzustellen und Verbesserungen zu erreichen. Auch brachten sie die Forderung erfolgreich in Gremien der CAJ und des BDKJs, sowie mit dessen Hilfe in den Landesjugendrings ein und gaben Impulse für einen Beschluss der DGB Jugend Brandenburg.

Abstimmen kann man online bis zum 15. November 2017 und zwar hier.

Rosch haSchanah 5778

Das jüdische Neujahrsfest (Rosch ha Schanah) haben wir am Mittwochabend mit einigen ehemaligen MitbewohnerINNEn und Freunden in fröhlicher Runde gefeiert. Franz hat ein wunderbares Fischcurry, bunten Reis und eine fruchtige Salatplatte gezaubert. Der Karotten-Zimmes (ein traditionelles Karottengericht zum jüdischen Neujahrsfest) muß besonders hervorgehoben werden – fruchtig und mit Honig – so als ob Franz mit jüdischer Küche aufgewachsen wäre. Foto gibt es leider keines.