Von Häuptling Seattle zu Häuptling White Eagle

Vor 40 Jahren zu Beginn der Ökologie-Bewegung spielte die Rede von Häuptling Seattle „wir sind ein Teil der Erde“ eine große Rolle. Nun findet ein Text seinen Weg durch die sozialen Medien von Häuptling White Eagle. Eine Mitbewohnerin hat ihn entdeckt:

Der Häuptling der Hopi-Indianer, White Eagle, äußerte sich vor einigen Tagen zur aktuellen Situation:

„Diesen Moment, den die Menschheit gerade erlebt, kann man als eine Tür oder ein Loch betrachten. Die Entscheidung, ob du in das Loch oder durch die Tür fällst, liegt bei dir. Wenn du 24 Stunden am Tag die Nachrichten konsumierst, mit negativer Energie, ständig nervös, pessimistisch, wirst du in dieses Loch fallen.

Aber wenn du die Gelegenheit ergreifst, dich selbst zu betrachten, über Leben und Tod nachzudenken, dich um dich selbst und andere zu kümmern, dann wirst du durch das Portal gehen.

Kümmere dich um dein Zuhause, kümmere dich um deinen Körper. Verbinde dich mit deinem spirituellen Zuhause. Wenn man sich um sich selbst kümmert, kümmert man sich gleichzeitig auch um alle anderen.

Unterschätze die spirituelle Dimension dieser Krise nicht. Nimm die Perspektive eines Adlers ein, der alles von oben sieht und einen weiten Blick hat. Diese Krise ist eine soziale Frage, aber auch eine spirituelle Frage. Die beiden gehen Hand in Hand.

Ohne die soziale Dimension verfallen wir in Fanatismus. Ohne die geistige Dimension verfallen wir in Pessimismus und Aussichtslosigkeit.

Du bist bereit, dich dieser Krise zu stellen. Hole deinen Werkzeugkasten und benutze alle Werkzeuge, die dir zur Verfügung stehen.
Lerne Widerstand am Beispiel der indigenen und afrikanischen Völker: Wir wurden und werden ausgerottet. Aber wir haben nie aufgehört zu singen, zu tanzen, ein Feuer anzuzünden und uns zu freuen. Fühle dich nicht schuldig, wenn du in diesen schwierigen Zeiten glücklich bist. Traurig oder wütend zu sein, hilft überhaupt nicht. Widerstand ist Widerstand durch Freude!

Du hast das Recht, stark und positiv zu sein. Und es gibt keinen anderen Weg, dies zu tun, als eine schöne, glückliche und strahlende Haltung zu bewahren. Es hat nichts mit Entfremdung (Unwissenheit über die Welt) zu tun. Es ist eine Strategie des Widerstandes.

Wenn wir die Schwelle überschreiten, haben wir einen neuen Blick auf die Welt, weil wir uns unseren Ängsten und Schwierigkeiten gestellt haben. Das ist alles, was du jetzt tun kannst:

– Gelassenheit im Sturm
– Ruhe bewahren, jeden Tag beten
– Mache es dir zur Gewohnheit, dem Heiligen jeden Tag zu begegnen.
Zeige Widerstandsfähigkeit durch Kunst, Freude, Vertrauen und Liebe.

Häuptling der Hopi-Indianer, White Eagle 9. Juli 2021

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Urlaubszeit – Nichtstun – Müßiggang

Müßiggang ist aller Laster Anfang, hieß es früher im Volksmund. Ich würde sagen: Müßiggang ist allen guten Lebens Anfang, ist Lebenskunst. Einfach mal nichts tun ist Widerstand gegen die heillose Hektik unserer Zeit, gegen Konsumrausch und Selbstoptimierungszwang. Der Advent ist eine Zeit, in der Nichtstun sogar zur religiösen „Tugend“ wird: eine Zeit der Unterbrechung des Alltags mit seinen hundertfachen Anforderungen und Erwartungen an uns. Eine Zeit der Offenheit für Unerwartetes, der Besinnung auf das Wesentliche und der stillen Gewissheit, dass da eine Verheißung in der Luft liegt: dass da etwas kommen wird, das nicht einfach machbar ist und über unsere Erwartungen hinausweist.

Doris Strahm
(aus: S. Burster, P. Heilig, S. Herzog: Frauenkalender 2020 Was wag
en)

Was Doris Stahm hier über den Advent schreib läßt sich auch auf die Ferien und Urlaubszeit übertragen. In der Mediathek vom ORF Radio findet sich eine Sendung Diagonal: Zum Thema Nichtstun entdeckt mit Dank an Herrn Hauptschulblues.

Allen, die hier mitlesen schöne Sommertage daheim oder woanders.

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Pfingsten 2021

Pfingsten – ein schwieriges Fest. Was feiern wir da eigentlich? Wie ist das mit der Be-Geist-erung nach dieser langen Zeit der Pandemie?

„Du hast schon lange nichts mehr auf die Tassen geschrieben“ – meint ein Mitbewohner. Ich nehme den Denkanstoß auf. Pfingsten ist ein guter Anlaß dafür:

Tassen am Geschirr-Regal

Jede/r Mitlesende darf sich was aussuchen:
Freude – Kreativität – Mut – Trost – Stärke – Ruhe – Vollendung – Klarheit – Kraft – Weisheit – Gnade – Erkenntnis – Sanftmut – Mut –  Geduld – Unterscheidungsfähigkeit – Friede – Reinheit – Freundlichkeit – Klarheit – Gelassenheit – Glaube …

Allen, die es feiern, ein frohes Pfingstfest mit einigen Zeilen von Karl Rahner:

Ich glaube an den Heiligen Geist.
Ich glaube, dass er meine Vorurteile abbauen kann.
Ich glaube, dass er meine Gewohnheiten ändern kann.
Ich glaube, dass er meine Gleichgültigkeit überwinden kann.
Ich glaube, dass er mir Fantasie zur Liebe geben kann.
Ich glaube, dass er mir Warnung vor dem Bösen geben kann.
Ich glaube, dass er mir Mut für das Gute geben kann.
Ich glaube, dass er meine Traurigkeit besiegen kann.
Ich glaube, dass er mir Liebe zu Gottes Wort geben kann.
Ich glaube, dass er mir Minderwertigkeitsgefühle nehmen kann.
Ich glaube, dass er mir Kraft in meinem Leiden geben kann.
Ich glaube, dass er mir einen Bruder an die Seite geben kann.
Ich glaube, dass er mein Wesen durchdringen kann.
(Karl Rahner)

Aus früheren Jahren:
Gruss zu Pfingsten 2020 – Gedicht
Schawuot und Pfingsten am gleichen Tag
Gedanken von Dietrich Bonhoeffer zu Pfingsten 1944
Gedicht von Wilhelm Bruners zu  Pfingsten

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Gebet für Frieden im Nahen Osten

For Peace in the Middle East
Sons of Abraham,
Sons of Hagar and Sarah,
Of Isaac and Ishmael:
Have you forgotten the day we buried our father?
Have you forgotten the day we carried his dead body into the cave near Hebron?
Have you forgotten the day we entered the darkness of Machpaelah
To lay our Patriarch to rest?

Sons of Esau and Jacob:
Have you forgotten the day we made peace?
The day we set aside past injustices and deep wounds to lay down our weapons and live?
Or the day we, too, buried our father? Have you forgotten that we took Isaac’s corpse into that humble cave
To place him with his father for eternity?

Brother, I don’t remember crying with you.
Sister, I don’t remember mourning with you.
We should have cried the tears of generations.
We should have cried the tears of centuries,
The tears of fatherless sons
And motherless daughters,
So that we would remember in our flesh that we are one people,
From one father on earth and one Creator in heaven,
Divided only by time and history.

One G-d,
My brother calls you Allah.
My sister calls you Adonai.
You speak to some through Moses.
You speak to some through Mohammed.
We are one family, cousins and kin.

Holy One,
Light of truth,
Source of wisdom and strength,
In the name of our fathers and mothers,
In the name of justice and peace,
Help us to remember our history,
To mourn our losses together,
So that we may,
Once more,
Lay down our weapons and live.

G-d of All Being,
Bring peace and justice to the land,
And joy to our hearts.

© 2010 Alden Solovy 

Weitere Gebete von Alden Solovy sind hier

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Pessach-Impuls: Maror (Bitteres)

Im letzten Blog-Eintrag habe ich vom Pessach-Paket erzählt und den Impuls- bzw. Meditationskarten, die es enthielt. Ein Beispiel möchte ich hier vorstellen, nämlich die Maror-Karte. „Mar“ ist das hebräische Wort für „bitter“. „Maror“ sind die bitteren Kräuter, die wir zu Pessach in einer der symbolischen Speisen zu uns nehmen, die an die bittere Situation des Sklavendaseins erinnern. 

Hier ist die künstlerische Darstellung von Polina Lifshitz :
Maror Karte
Den Impuls-Text findet man hier.

Zum Weiterlesen:
Pessach 5779
die einzelnen Teile des Seder
Was gehört auf den Seder-Teller?

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Gebet der Kinder Abrahams

Papst Franziskus besucht derzeit den Irak. In Ur, dem Ort, aus dem Abraham stammte, und von wo aus er aufbrach, fand ein interreligiöses Treffen statt. Dort wurde das von Papst Franziskus verfaßte Gebet von einem Priester vorgetragen: 

Gebet der Kinder Abrahams

Allmächtiger Gott, unser Schöpfer, du liebst die Menschheitsfamilie und auch sonst alles, was deine Hände vollbracht haben. Wir, die Söhne und Töchter Abrahams, die dem Judentum, dem Christentum und dem Islam angehören, danken dir zusammen mit anderen Gläubigen und allen Menschen guten Willens, dass du uns Abraham, einen berühmten Sohn dieses edlen und geschätzten Landes, als gemeinsamen Vater im Glauben geschenkt hast.

Wir danken dir für das Beispiel dieses gläubigen Mannes, der dir bis zum Äußersten gehorchte und seine Familie, seinen Stamm und sein Land verließ, um in ein Land zu gehen, das er nicht kannte.

Wir danken dir auch für das Beispiel an Mut, Durchhaltevermögen, Seelenstärke, Großzügigkeit und Gastfreundschaft, das uns unser gemeinsamer Vater im Glauben gegeben hat.

Wir danken dir insbesondere für seinen heroischen Glauben, den er bewies, als er bereit war, seinen Sohn zu opfern, um deinem Befehl zu gehorchen. Wir wissen, dass dies eine äußerst schwierige Prüfung war, aus der er dennoch als Sieger hervorging, weil er dir ohne Vorbehalt traute, der du barmherzig bist und immer neue Wege für einen Neubeginn eröffnest.

Wir danken dir, denn dadurch, dass du unseren Vater Abraham gesegnet hast, hast du ihn zu einem Segen für alle Völker gemacht.

Wir bitten dich, du Gott unseres Vaters Abraham und unser Gott: Schenke uns einen starken Glauben, der sich für das Gute einsetzt, einen Glauben, der unsere Herzen für dich und für alle unsere Brüder und Schwestern öffnet, und eine Hoffnung, die sich nicht unterdrücken lässt und überall die Treue deiner Verheißungen zu erkennen vermag.

Mache jeden von uns zu einem Zeugen deiner liebenden Sorge für alle, besonders für die Flüchtlinge und Vertriebenen, die Witwen und Waisen, die Armen und Kranken.

Öffne unsere Herzen, schenke uns die Bereitschaft, einander zu vergeben und mache uns zu Werkzeugen der Versöhnung und des Friedens, zu Erbauern einer gerechteren und geschwisterlicheren Gesellschaft.

Nimm alle Verstorbenen, besonders die Opfer von Gewalt und Krieg, auf in dein Reich des Lichtes und des Friedens.

Steh den Verantwortlichen darin bei, die Entführten zu suchen und zu finden und vor allem Frauen und Kinder zu schützen.

Hilf uns für den Planeten Sorge zu tragen, das gemeinsame Haus, das du uns allen in deiner Güte und Großzügigkeit gegeben hast.

Komm uns beim Wiederaufbau dieses Landes zu Hilfe und gib uns die Kraft, die wir brauchen, um denen zu helfen, die ihre Heimat und ihr Land verlassen mussten, so dass sie sicher und in Würde zurückzukehren und ein neues Leben in Frieden und Wohlstand beginnen können. Amen.

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Advent – Zeit der Erschütterung

Advent ist eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst.

(Alfred Delp, Jesuit, Mitglied des Kreisauer Kreises, im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, im Januar 1945 zum Tod verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet)   Dieser Gedanke von Alfred Delp hat uns gestern im Kommunitätsgottesdienst begleitet auch zum Evangelium, das als Geschichte einer Erschütterung gelesen werden kann, nämlich die Verkündigung des Engels Gabriel an Maria (Lk 1,26-38).

Ein anderer Advent

Müßiggang ist aller Laster Anfang, hieß es früher im Volksmund. Ich würde sagen: Müßiggang ist allen guten Lebens Anfang, ist Lebenskunst. Einfach mal nichts tun ist Widerstand gegen die heillose Hektik unserer Zeit, gegen Konsumrausch und Selbstoptimierungszwang. Der Advent ist eine Zeit, in der Nichtstun sogar zur religiösen „Tugend“ wird: eine Zeit der Unterbrechung des Alltags mit seinen hundertfachen Anforderungen und Erwartungen an uns. Eine Zeit der Offenheit für Unerwartetes, der Besinnung auf das Wesentliche und der stillen Gewissheit, dass da eine Verheißung in der Luft liegt: dass da etwas kommen wird, das nicht einfach machbar ist und über unsere Erwartungen hinausweist.

Doris Strahm
(aus: S. Burster, P. Heilig, S. Herzog: Frauenkalender 2020 Was wag
en)

zum Weiterlesen:
Advent als Perspektivwechsel (Gedicht)

 

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Zuflucht in Zeiten von Corona (Psalm 91)

Manche Gedanken und Impulse für Blogposts liegen länger im Entwürfe-Ordner. Einige reifen, andere werden gelöscht – dann und wann scheint einer aktueller als zu der Zeit als man ihn ursprünglich entdeckte und ablegte. So ging es mir mit einer Neufassung von Psalm 91, die ich vor mehr als zwei Jahren bei Conny, einer Freundin unserer Gemeinschaft, entdeckte und kopierte.

Psalm 91 kommt täglich im Abendgebet der Kirche (Komplet) vor und wird bei jüdischen Beerdigungen gesprochen. Er paßt gut in diese Jahreszeit, in der Christen den Ewigkeitssonntag / Christkönigssonntag begehen, auf Advent und Weihnachten zugehen und in der Juden sich auf das Chanukka-Fest vorbereiten:

Dass deine Flügel über uns sich breiten,
und Schatten spenden in der Glut.
Dass wir nicht irre geh’n in dunklen Zeiten:
Gott, gib uns Zuversicht und Mut.

Dass wir geschützt sind
vor dem Pfeil der Lüge,
vor Falschheit, vor Betrug und Gier.
Und dass wir aufsteh’n
gegen Hass und Kriege:
Die Kraft dazu erbitten wir.

Dass auf der Welt Vernunft
und Rücksicht walten,
dass nie ein Mensch mit Menschen spielt,
dass wir die Erde pflegen und gestalten
als Garten Gottes, sei uns Ziel.

Dass deine Engel uns auf Händen tragen,
uns retten vor der Feindschaft Pest.
dass mutig wir Versöhnungswege wagen
und uns dein Geist niemals verlässt.

Dass wir wie Kinder uns dir anvertrauen
dass uns niemals die Angst verzehrt,
dass wir am Ende unverhüllt dich schauen
in deinem Reich, sei uns gewährt.

Helmut Schlegel OFM

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Aktuell: Martin Luther zur Corona Seuche

Vermutlich weil gestern Reformationstag war, hat F.cebook mehrfach ein Zitat von Martin Luther angespült. Als 1527 in Wittenberg die Pest ausbrach sagte er:

„Wenn Gott tödliche Seuchen schickt, will ich Gott bitten, gnädig zu sein und der Seuche zu wehren. Dann will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte meiden, wo man mich nicht braucht, damit ich nicht andere vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tode werde. Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen. Siehe, das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dumm und dreist ist und Gott nicht versucht.“ (Quelle: Luthers Werke, Band 5, Seite 334f)

 

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