Pessach-Impuls: Maror (Bitteres)

Im letzten Blog-Eintrag habe ich vom Pessach-Paket erzählt und den Impuls- bzw. Meditationskarten, die es enthielt. Ein Beispiel möchte ich hier vorstellen, nämlich die Maror-Karte. „Mar“ ist das hebräische Wort für „bitter“. „Maror“ sind die bitteren Kräuter, die wir zu Pessach in einer der symbolischen Speisen zu uns nehmen, die an die bittere Situation des Sklavendaseins erinnern. 

Hier ist die künstlerische Darstellung von Polina Lifshitz :
Maror Karte
Den Impuls-Text findet man hier.

Zum Weiterlesen:
Pessach 5779
die einzelnen Teile des Seder
Was gehört auf den Seder-Teller?

x

xxx

Gebet der Kinder Abrahams

Papst Franziskus besucht derzeit den Irak. In Ur, dem Ort, aus dem Abraham stammte, und von wo aus er aufbrach, fand ein interreligiöses Treffen statt. Dort wurde das von Papst Franziskus verfaßte Gebet von einem Priester vorgetragen: 

Gebet der Kinder Abrahams

Allmächtiger Gott, unser Schöpfer, du liebst die Menschheitsfamilie und auch sonst alles, was deine Hände vollbracht haben. Wir, die Söhne und Töchter Abrahams, die dem Judentum, dem Christentum und dem Islam angehören, danken dir zusammen mit anderen Gläubigen und allen Menschen guten Willens, dass du uns Abraham, einen berühmten Sohn dieses edlen und geschätzten Landes, als gemeinsamen Vater im Glauben geschenkt hast.

Wir danken dir für das Beispiel dieses gläubigen Mannes, der dir bis zum Äußersten gehorchte und seine Familie, seinen Stamm und sein Land verließ, um in ein Land zu gehen, das er nicht kannte.

Wir danken dir auch für das Beispiel an Mut, Durchhaltevermögen, Seelenstärke, Großzügigkeit und Gastfreundschaft, das uns unser gemeinsamer Vater im Glauben gegeben hat.

Wir danken dir insbesondere für seinen heroischen Glauben, den er bewies, als er bereit war, seinen Sohn zu opfern, um deinem Befehl zu gehorchen. Wir wissen, dass dies eine äußerst schwierige Prüfung war, aus der er dennoch als Sieger hervorging, weil er dir ohne Vorbehalt traute, der du barmherzig bist und immer neue Wege für einen Neubeginn eröffnest.

Wir danken dir, denn dadurch, dass du unseren Vater Abraham gesegnet hast, hast du ihn zu einem Segen für alle Völker gemacht.

Wir bitten dich, du Gott unseres Vaters Abraham und unser Gott: Schenke uns einen starken Glauben, der sich für das Gute einsetzt, einen Glauben, der unsere Herzen für dich und für alle unsere Brüder und Schwestern öffnet, und eine Hoffnung, die sich nicht unterdrücken lässt und überall die Treue deiner Verheißungen zu erkennen vermag.

Mache jeden von uns zu einem Zeugen deiner liebenden Sorge für alle, besonders für die Flüchtlinge und Vertriebenen, die Witwen und Waisen, die Armen und Kranken.

Öffne unsere Herzen, schenke uns die Bereitschaft, einander zu vergeben und mache uns zu Werkzeugen der Versöhnung und des Friedens, zu Erbauern einer gerechteren und geschwisterlicheren Gesellschaft.

Nimm alle Verstorbenen, besonders die Opfer von Gewalt und Krieg, auf in dein Reich des Lichtes und des Friedens.

Steh den Verantwortlichen darin bei, die Entführten zu suchen und zu finden und vor allem Frauen und Kinder zu schützen.

Hilf uns für den Planeten Sorge zu tragen, das gemeinsame Haus, das du uns allen in deiner Güte und Großzügigkeit gegeben hast.

Komm uns beim Wiederaufbau dieses Landes zu Hilfe und gib uns die Kraft, die wir brauchen, um denen zu helfen, die ihre Heimat und ihr Land verlassen mussten, so dass sie sicher und in Würde zurückzukehren und ein neues Leben in Frieden und Wohlstand beginnen können. Amen.

x

xxx

 

Advent – Zeit der Erschütterung

Advent ist eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst.

(Alfred Delp, Jesuit, Mitglied des Kreisauer Kreises, im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, im Januar 1945 zum Tod verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet)   Dieser Gedanke von Alfred Delp hat uns gestern im Kommunitätsgottesdienst begleitet auch zum Evangelium, das als Geschichte einer Erschütterung gelesen werden kann, nämlich die Verkündigung des Engels Gabriel an Maria (Lk 1,26-38).

Ein anderer Advent

Müßiggang ist aller Laster Anfang, hieß es früher im Volksmund. Ich würde sagen: Müßiggang ist allen guten Lebens Anfang, ist Lebenskunst. Einfach mal nichts tun ist Widerstand gegen die heillose Hektik unserer Zeit, gegen Konsumrausch und Selbstoptimierungszwang. Der Advent ist eine Zeit, in der Nichtstun sogar zur religiösen „Tugend“ wird: eine Zeit der Unterbrechung des Alltags mit seinen hundertfachen Anforderungen und Erwartungen an uns. Eine Zeit der Offenheit für Unerwartetes, der Besinnung auf das Wesentliche und der stillen Gewissheit, dass da eine Verheißung in der Luft liegt: dass da etwas kommen wird, das nicht einfach machbar ist und über unsere Erwartungen hinausweist.

Doris Strahm
(aus: S. Burster, P. Heilig, S. Herzog: Frauenkalender 2020 Was wag
en)

zum Weiterlesen:
Advent als Perspektivwechsel (Gedicht)

 

xxx

Zuflucht in Zeiten von Corona (Psalm 91)

Manche Gedanken und Impulse für Blogposts liegen länger im Entwürfe-Ordner. Einige reifen, andere werden gelöscht – dann und wann scheint einer aktueller als zu der Zeit als man ihn ursprünglich entdeckte und ablegte. So ging es mir mit einer Neufassung von Psalm 91, die ich vor mehr als zwei Jahren bei Conny, einer Freundin unserer Gemeinschaft, entdeckte und kopierte.

Psalm 91 kommt täglich im Abendgebet der Kirche (Komplet) vor und wird bei jüdischen Beerdigungen gesprochen. Er paßt gut in diese Jahreszeit, in der Christen den Ewigkeitssonntag / Christkönigssonntag begehen, auf Advent und Weihnachten zugehen und in der Juden sich auf das Chanukka-Fest vorbereiten:

Dass deine Flügel über uns sich breiten,
und Schatten spenden in der Glut.
Dass wir nicht irre geh’n in dunklen Zeiten:
Gott, gib uns Zuversicht und Mut.

Dass wir geschützt sind
vor dem Pfeil der Lüge,
vor Falschheit, vor Betrug und Gier.
Und dass wir aufsteh’n
gegen Hass und Kriege:
Die Kraft dazu erbitten wir.

Dass auf der Welt Vernunft
und Rücksicht walten,
dass nie ein Mensch mit Menschen spielt,
dass wir die Erde pflegen und gestalten
als Garten Gottes, sei uns Ziel.

Dass deine Engel uns auf Händen tragen,
uns retten vor der Feindschaft Pest.
dass mutig wir Versöhnungswege wagen
und uns dein Geist niemals verlässt.

Dass wir wie Kinder uns dir anvertrauen
dass uns niemals die Angst verzehrt,
dass wir am Ende unverhüllt dich schauen
in deinem Reich, sei uns gewährt.

Helmut Schlegel OFM

xxx

Aktuell: Martin Luther zur Corona Seuche

Vermutlich weil gestern Reformationstag war, hat F.cebook mehrfach ein Zitat von Martin Luther angespült. Als 1527 in Wittenberg die Pest ausbrach sagte er:

„Wenn Gott tödliche Seuchen schickt, will ich Gott bitten, gnädig zu sein und der Seuche zu wehren. Dann will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte meiden, wo man mich nicht braucht, damit ich nicht andere vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tode werde. Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen. Siehe, das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dumm und dreist ist und Gott nicht versucht.“ (Quelle: Luthers Werke, Band 5, Seite 334f)

 

xxx

Realpräsenz

Ein Sonntagsgruß:

Realpräsenz

am blühenden Baum
nicht entatmet vorüberhasten
einen Augenblick lang
stehen und staunen
den duftenden Kaffee
nicht gedankenlos
hinunterstürzen
einen Schluck lang
schmecken und kosten
die Stimmen in mir
zum Schweigen bringen
um ganz Ohr zu sein
wenn du mir erzählst
nicht im Vergangenen verbleiben
nicht ins Künftige auswandern

ganz hin und weg sein
und darin ganz da
leben
in der reinen Gegenwart
sie ist Gottes.

(Andreas Knapp)

 

xxx

Corona: Wunden führen zusammen …

… ist ein Gespräch mit Hildegund Keul überschrieben, in dem es um die Corona-Krise, unsere Verwundbarkeit und Anregungen zum Umgang mit der veränderten Realität geht. Die Autorin forscht seit vielen Jahren zum Thema Vulnerabilität (Verletzbarkeit). Sie sagt:

Wir dürfen uns nicht im Selbstschutz verschanzen, sondern im Bewusstsein möglicher Risse im eigenen Schutzschild Risiken eingehen, die dem Leben dienen.

Der ganze Artikel ist hier zu finden.

 

xxx

Fülle und Leere

Diese Geschichte hat jemand mit uns geteilt, der auf einem buddhistischen Weg unterwegs ist:

Eines Tages kam eine junge Frau zu einem Meister.Sie hatte schon so viel von dem weisen Mann gehört, dass sie unbedingt bei ihm studieren wollte. Vor ihrer Reise zu ihm hatte sie alle ihre Angelegenheiten geregelt, ihr Bündel geschnürt und war den Berg zu ihm hinauf gestiegen, was sie zwei Tage Fußmarsch gekostet hatte.

Als die Frau beim Meister ankam, saß der im Lotussitz vor seinem Haus auf dem Boden und trank Tee. Sie begrüßte ihn überschwänglich und erzählte ihm, was sie bisher schon alles gelernt hatte, wie viel sie schon weiß und kann. Dann bat sie den Meister, bei ihm weiter lernen zu dürfen.

Der Meister lächelte freundlich und sagte: „Komm in einem Monat wieder.“
Von dieser Antwort verwirrt ging die Frau zurück ins Tal. Sie diskutierte mit Freunden und Bekannten darüber, aus welchem Grund der Meister sie wohl zurückgeschickt hatte.

Einen Monat später erklomm sie wieder den Berg und kam zu dem Meister, der wieder Tee trinkend am Boden saß. Diesmal erzählte die Schülerin auch von all den Vermutungen, die sie und  ihre Freunde darüber hatten, warum er sie wohl fortgeschickt hatte. Und wieder bat sie ihn, bei ihm lernen zu dürfen. Der Meister lächelte sie freundlich an und sagte: „Komm in einem Monat wieder.“ Dieses „Spiel“ wiederholte sich einige Male. Es waren also schon viele vergebliche Versuche in vielen Monaten, nach denen sich die Frau wiederum aufmachte, um zu dem Meister zu gehen. Als sie diesmal bei dem Meister ankam und ihn wieder Tee trinkend antraf, setzte sie sich ihm gegenüber, lächelte nur und sagte nichts.

Nach einer Weile ging der Meister in sein Haus und kam mit einer Tasse zurück.
Er schenkte ihr Tee ein und sagte dabei: „Jetzt kannst Du hier bleiben, damit ich Dich lehren kann.“  Als sie ihn fragte, warum er sie vorher immer wieder weg geschickt hatte, antwortete er ihr: „In ein volles Gefäß kann ich nichts füllen.“
(Quelle: unbekannt)

 

xxx

Kommen wir uns näher?

Christian, einer der Mitbegründer unserer WG, derzeit in Kladow wegen Corona, soll einen Artikel für Missio verfassen. Hier ist ein erster Entwurf. Vielleicht mag der eine oder die andere was dazu schreiben – gerne in den Kommentaren.

Kommen wir uns näher? Wie können wir mit Reiseverboten und Kontaktbeschrän-kungen den Menschen in den ärmeren Ländern des Südens näher kommen? Jetzt nehmen wir bei uns wahr, wie ein Leben ohne die Begegnung mit liebgewordenen oder uns herausfordernden Menschen verarmt.
Begegnung braucht Nähe und zur Gesundung auch von seelischen Scherzen Berührung. Berechtigterweise wollen wir uns vor der Ansteckungsgefahr schützen. Die Menschen des Südens kennen die weitgehende Schutzlosigkeit vor Verarmung, Hungersnöten, mangelnde Schulbildung, Krankheiten und Kriege. Unsere Situation ist damit nicht vergleichbar.
Doch da öffnet sich eine Tür (Joh 10,9), um uns im Überlebenskampf gegenseitig wahr zu nehmen? Die Menschen im Süden forderte die Not zum Wachsen ihres Glaubens heraus. Angesteckt von dieser Kraft kamen Missionare von dort zu uns in den Norden. Wegen ihrer mangelnden Sprachkenntnisse bleiben sie uns erst fremd, wie unsere Missionare es bei ihnen waren. Fragen wir sie nach diesen Lebenskräften in der Armut?
Die Tür des Verstehens – hier wie dort – öffnet sich, wenn wir die bekannten Schutzbehauptungen weglegen und uns für das Neue öffnen. Jesus hilft den Jüngern bei diesem Schritt, der wie das Loslaufen der Lämmer in die Welt der Wölfe ist: „Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe.“ (Lk 10, 3). Die Wölfe sehen hungrig auf die Geldbörsen, die deshalb zurückbleiben sollen. Wenn wir uns von der mitempfundene Not der Menschen im Süden leiten lassen, dann teilen wir auch die geldwerten Güter und Erfindungen miteinander und berühren den uns gemeinsam tragenden Boden „ohne Schuhe“ (V. 4 + Ex 3,5)!

Um ihn zu spüren, erinnert Jesus an den Propheten Elija, der seinen Diener zu einer trauernden Mutter schickt: Lass dich nicht aufhalten. Grüße keinen unterwegs und antworte auf keinen Gruß! (2 Kön 4,29) Befremdend? Ja, halten wir die Wirklichkeit der Menschen im Süden in uns lebendig, auch wenn uns unsere Freunde für dumm oder unhöflich halten! In
Straßenexerzitien üben wir das Mitfühlen der Freude und Not anderer, entdecken uns selbst und
Gott, der uns in unserer Not sieht, im neuen Licht. In dieser menschlichen Nähe finden wir zu angemessenem Handeln.
Christian Herwartz SJ
xxx