Neugestaltung unserer Wohnzimmer-Gedenkwand

Viele Jahre war sie neben dem Kachelofen. Jetzt ist sie nach der Renovierung des Wohnzimmers umgezogen: Unsere Gedenkwand mit den Fotos, die an Menschen erinnern, die hier in der Gemeinschaft gelebt haben und verstorben sind oder in der letzten Lebensphase von der Gemeinschaft begleitet wurden sowie verstorbene Freunde und Freundinnen der Kommunität.

 

Gedenkwand im Wohnzimmer

 

Und so sah sie vor der Renovierung aus: die Gedenkwand
Mehr zur Renovierung und Neugestaltung steht hier und  hier und  hier.

 

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Sterben auf dem Weg der Hoffnung

In unserer Gemeinschaft leben seit den Anfängen vor vierzig Jahren immer auch Menschen, die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind und auf ihren Wegen in lebensbedrohliche Situationen geraten sind: Bei manchen ein Wunder, daß sie noch leben. Das ist immer wieder  Thema in unseren Gesprächen am Frühstückstisch oder auch sonst im Alltag. Im Einfach-Ohne-Buch unserer Gemeinschaft sind einige dieser Erfahrungen nachzulesen. Weil am Samstag (20. Juni) Weltflüchtlingstag ist und uns dieses Thema sehr nahe ist und auch jetzt einige Menschen mit Fluchterfahrung unter uns leben,  weisen wir auf diese Veranstaltung der „Kapelle der Versöhnung“ hin:

Sterben auf dem Weg der Hoffnung – Einladungsplakat

 

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Sprachlos …

Eine ehemalige Mitbewohnerin hat uns am Sonntag besucht. Ihre Oma, zu der sie ein sehr enges Verhältnis hat, war drei Tage vorher verstorben und ist ohne sie beerdigt worden. Wegen des Corona-Virus konnte sie nicht zur Beerdigung anreisen. Sie hat ihre Traurigkeit mit uns geteilt.

„Gibt es ein Lied, das deine Oma besonders gern mag, das dich mit ihr verbindet und das wir mit dir singen können?“
„Meine Oma mochte besonders gern Marienlieder“

Da müssen wir leider passen. Unser ältester Mitbewohner – katholisch – singt nicht, und die beiden anderen Katholiken unserer WG sind aus anderen Erdteilen. Dann fällt ihr noch ein Lied ein, das wir mit ihr singen können:

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.
(Nikolaus von Flue)

 

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Vom Bauarbeiter-Professor, vom Taxi-Doktor und unseren Blindheiten

Eine Geschichte, die vor einiger Zeit in unserer Nähe passiert ist, kam mir in den Sinn. Einige Details habe ich verändert. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht ganz zufällig.

Es war einmal – nein es ist – ein Mann in einem armen Land. Er ist ein angesehener Professor an einer großen sozialwissenschaftlichen Fakultät der Hauptstadt seines Landes, Vize-Dekan genau genommen. Philosophie hat er mehrere Semester studiert, und er hat ein außerordentliches Interesse und Wissen über Geschichte. Für die Verhältnisse in seinem Land verdient er gut. Eine enge Verwandte braucht eine Operation, die von der Gesundheitsversorgung in seinem Land nur zu einem geringen Teil abgedeckt ist, großenteils privat bezahlt werden muß und trotz seines für sein Land guten Verdienstes – weit jenseits seiner Möglichkeiten liegt. Es geht um Weiterleben oder Sterben.

Deshalb beschließt er ein Freisemester zu nehmen und in eine große Stadt eines reichen Landes zu gehen um dort mit Hilfsarbeiten Geld für die Operation zu verdienen. Er war bereits in der großen Stadt zu wissenschaftlichen Fachkongressen. Die Landessprache spricht er nicht. Englisch spricht er fließend, denn das ist seine Fachsprache, in der er auch publiziert. In der großen Stadt kann er bei einem Cousin wohnen, der schon länger da ist und zur Untermiete wohnt. Hauptmieterin ist eine Frau, deren alte Mutter auch in der Wohnung lebt und immer wieder an Gedächtnisstörungen leidet.

Der Professor findet durch seinen Cousin schnell Arbeit auf einer Baustelle in der großen Stadt. Er steht immer sehr früh auf und kommt müde und erschöpft zu einer Zeit nach Hause, zu der für seinen Nachbarn gegenüber, den Taxi-Doktor das eigentliche Leben erst beginnt. So kommt es, daß sich der Bauarbeiter-Professor und der Taxi-Doktor wochenlang nicht begegnen, obwohl sie Tür an Tür wohnen und der Taxi-Doktor sogar immer wieder die alte Mutter der Hauptmieterin besucht. Beide sind Nachteulen und leben antizyklisch zum Bauarbeiter-Professor. Dem ist eingeschärft worden, niemand in die Wohnung zu lassen, den er nicht kennt, wenn er allein in der Wohnung ist. Da gibt es welche, die wollen zu der alten Dame, fragen um Geld, und dann waren schon gewisse Beträge aber auch andere Dinge verschwunden …

An einem Sonntagnachmittag klingelt es. Der Bauarbeiter-Professor öffnet die Tür und vor ihm steht ein Mann, den er nur flüchtig vom Treppenhaus her kennt. Es ist der Taxi-Doktor. Philosophie hat er studiert, ist in diesem Fach promoviert worden, und er hat ein außerordentliches Interesse und Wissen über Geschichte, besonders an der von ethnischen Minderheiten. Wegen einer chronischen Krankheit fand seine wissenschaftliche Karriere ein frühes Ende. Er spricht fließend englisch, denn das ist seine Wissenschaftssprache. Nun spricht er sein Gegenüber auf deutsch an. Er will die alte Dame besuchen. Die ist aber nicht da. Sie ist ausgegangen. Der Bauarbeiter-Professor sagt: „Nicht da“. Das will der Taxifahrer-Doktor nicht hinnehmen. Er bewegt sich doch sonst selbstverständlich in der Wohnung. Er will die Tür aufdrücken, sich selbst überzeugen – von was eigentlich?

Das läßt der Bauarbeiter-Professor, ein stiller und bescheidener Mensch, nicht zu, denn er denkt an die Direktiven, die er bekommen hat, was den Umgang mit Unbekannten an der Tür betrifft. So drückt er die Tür zu und läßt den Taxi-Doktor nicht rein, was diesen unglaublich wütend macht. Der schreibt einen bösen Brief an die Hauptmieterin, mit welchen aggressiven Zeitgenossen aus … (hier das vermutete Herkunftsland des Bauarbeiter-Professors einfügen) man unter einem Dach leben müsse …

Die Geschichte nimmt kein gutes Ende, denn bevor die beiden einander vorgestellt werden können, fährt der Bauarbeiter-Professor wieder zurück in sein Land.

Wie anders hätte die Begegnung verlaufen können und wie Gemeinsamkeiten hätten die beiden entdecken können und was hätte daraus entstehen können…

Diese Geschichte habe ich den MitbewohnerINNEn erzählt, bevor wir miteinander den Evangeliumstext vom nächsten Sonntag wie er in der evangelischen Kirche dran ist, gelesen und uns darüber ausgetauscht haben:

35 Als Jesus in die Nähe von Jericho kam, saß dort ein Blinder am Straßenrand und bettelte. 36 Er hörte, wie eine große Menschenmenge vorüberzog, und erkundigte sich, was das zu bedeuten habe. 37 »Jesus von Nazaret kommt vorbei«, erklärte man ihm. 38 Da rief er: »Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!« 39 Die Leute, die vor Jesus hergingen, fuhren ihn an, er solle still sein. Doch er schrie nur umso lauter: »Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!« 40 Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich holen. Als der Blinde vor ihm stand, fragte ihn Jesus: 41 »Was möchtest du von mir?« – »Herr«, antwortete er, »ich möchte sehen können!« 42 Da sagte Jesus zu ihm: »Du sollst sehen können! Dein Glaube hat dich gerettet.« 43 Im selben Augenblick konnte der Mann sehen. Er folgte Jesus nach und lobte und pries Gott. Und auch die ganze Volksmenge, die seine Heilung miterlebt hatte, gab Gott die Ehre. (Lukas 18,35 – 43 Neue Genfer Übersetzung)

Sommerbesuche – Kreuz-und-Quer-Verbindungen

In Berlin sind die Sommerferien bereits vorbei, in anderen Bundesländern sind sie voll im Gange. Bei uns ist es eine Zeit vieler Besuche. Den Anfang machte Jens aus Leipzig im Juli, der unsere Gemeinschaft schon mehr als zwanzig Jahre kennt. Er besucht uns einmal im Vierteljahr zum Samstagsfrühstück. Als Begleiter von Strassenexerzitien in Berlin hat er während dieser Zeit 2016 auch schon bei uns mitgelebt und darüber den Beitrag Strassenexerzitien-Herberge verfaßt.

Annette aus Franken kennen wir seit vier Jahren und freuen uns über den regelmäßigen Kontakt und die Unterstützung. Als Pfarrerin in ihrer Gemeinde war das Thema „Leben mit armen Menschen“ ein Kernanliegen und ist es auch jetzt im Ruhestand. Sie ist Mitglied bei ATD vierte Welt. Sie hat mit Gemeindemitgliedern ein Buch herausgegeben: Sichtbar aber auch nicht stumm. Was Menschen mit Armutserfahrung zu sagen haben. (Auf der Website kann eine Leseprobe heruntergeladen werden.) Im April 2016 – kurz nach Christians Weggang – hat sie einige Wochen bei uns gelebt und darüber geschrieben: Auszeit – Atem holen in der Naunynstraße.

Verbindungen leben wir auch mit anderen Gemeinschaften in Berlin, so etwa mit der Basisgemeinde im Prenzlauer Berg, die im Stadtteilladen „Kiezladen zusammenhalten“ in der Dunckerstraße 14 engagiert. Dort gibt es eine Kleiderkammer, die maßgeblich von Hilde betreut wird. Als die anderen Mitglieder der Kommunität im Urlaub waren, kam Hilde zu einem Samstagsfrühstück und während eines Mittagessens vorbei. Sie ist über 80 Jahre alt, schaut eine Person an und kann sofort sagen, welche Kleidungsstücke dieser Person passen würden. Diese Kleiderkammer ist wegen der Freundlichkeit der Mitarbeitenden etwas ganz besonderes. Niemand muss seine Bedürftigkeit nachweisen, und während der Öffnungszeit am Montagnachmittag gibt es Kaffee und Kuchen. Der Kuchen wird von einem Bäcker in der Nachbarschaft gespendet.

An einem Mittwochnachmittag hat uns Andrea von der Berliner Tafel besucht. Sie arbeitet dort schon seit vielen Jahren mit. In gewissen zeitlichen Abständen ist jede/r Mitarbeitende einen Tag lang in einem anderen Arbeitsbereich zum Hospitieren dabei um einen Blick über den Tellerrand des eigenen Einsatzbereichs hinaus zu fördern. Bei uns in Kreuzberg liegt es nahe dann die Franziskanerinnen, das Gesundheitsprojekt Heile Haus, das es seit 1981 gibt und unsere Wohngemeinschaft kennenzulernen als Orte, die von der Berliner Tafel unterstützt werden.

Ganz überraschend, weil sie den letzten Zug verpaßt hatte, landete Claudia vom Achor-Hof in Märkisch-Wilmersdorf bei uns. Dort lebt seit Mai auch ein ehemaliger Mitbewohner unserer Wohngemeinschaft.

Beim Samstagsfrühstück haben uns zwei von den Schwestern der Mutter Teresa – offiziell die Missionaries of Charity besucht. Sie führen auf dem Gemeindegebiet von St. Marien-Liebfrauen / St. Michael eine Suppenküche und besuchen Menschen in Heimen, Krankenhäusern und zuhause. Schwester Franziska aus Indien stammend war schon zu Zeiten der geteilten Stadt einige Jahre in Ostberlin in der St. Adalbert-Gemeinde. Nach Aufenthalten in unterschiedlichen Ländern ist sie seit fünf Jahren hier in Berlin-Kreuzberg.

Kurz nach den Schwestern kam Monika Matthias an. Sie ist Pfarrerin in der Martha-Gemeinde in Kreuzberg, mit der wir schon lange verbunden sind. Ihre Vorgängerin, Jutta Becker, hat in der Übergangszeit als Christian sein Weggehen vorbereitet hat und die Frage der Zukunft der WG im Raum stand, regelmäßig Treffen der WG-Bewohner und des Freundeskreises moderiert und hat uns damit sehr geholfen. Monika Matthias ist gerade im letzten Drittel ihrer dreimonatigen Studienzeit angekommen, in der sie unterschiedliche Gemeinschaften besucht und sie unter der Fragestellung „gelebte Visionen – Spiritualität und Weltverantwortung anschaut. Dazu hat sie ein Weblog begonnen, in dem sie auch von ihren Eindrücken vom letzten Samstagsfrühstück erzählt.

Im September wird Roland wieder einen Monat bei uns sein. Er lebt in Süddeutschland und möchte hier wieder die Gelegenheit nützen seinen Meditationsweg weiterzugehen.

Während ich diese Zeilen schreibe, landet eine eMail von Rana im Postfach, der während seines ersten Studiums bei uns gelebt hat und das letzte Augustwochenende kommen möchte. Wir sind gespannt, was er von seinem Studienjahr in München zu erzählen hat. Dort hat er in einer christlichen Gemeinschaft im Osten von München gelebt und ehrenamtlich in der Gefangenenseelsorge mitgearbeitet.

Frühstücksbesuch vom Dorf

Ein Teilnehmer der Straßenexerzitien, die gestern zu ende gegangen sind, hat uns heute zum Frühstück besucht. Wir freuen uns über Frühstücksbesuche. Sie bringen immer wieder Themen aus ihrer Lebenswelt mit und auf den Tisch, die unsere Sichtweisen – auch untereinander und über unsere Kulturen erweitern. Heute sind wir über folgende Themen ins Gespräch gekommen:

  • Was ist ein Waldkindergarten?
  • Wie ist das Leben auf dem Dorf und in der Stadt
  • Kinder und Großeltern: Das Miteinander in verschiedenen Kulturen
  • Dienste von Laien in der katholischen Kirche

Frühstücksgespräche (1)

Unter der Woche frühstücken wir immer um 8.00 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben. Manchmal kommt der eine oder andere Frühstücksgast dazu. Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Themen und Positionen ins Gespräch. In der letzten Zeit kam folgendes auf den Tisch:

  • Gewalt in Familien – wann wird von außen eingegriffen
  • Gewalt gegen Männer (von Frauen ausgeübt)
  • Arbeiten auf der Baustelle
  • Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus: Wer erinnert sich wie und an was?
  • Was genau ist der Unterschied zwischen Prostituierte, Nutte, Hure, Flittchen
  • Eifersucht
  • Trauer – ist sie kulturspezifisch?
  • Schlachten, Verhältnis zu Haustieren
  • Umgang mit Nacktheit – FKK
  • Schnarchverhalten einzelner Mitbewohner
  • Kalendersysteme und Zeiterleben
  • Fastenzeiten in unterschiedlichen Kulturen
  • Taize und Assisi: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Zum Weiterlesen:
mehr Frühstücksgespräche

Lachendes und weinendes Auge

Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich Abdulla in der AGB (Amerika-Gedenk-Bibliothek) kennengelernt. Einige Monate kam er dann oft zum Samstagsfrühstück bis er eine Arbeit als Integrationslotse bekam und eine Erzieherausbildung begann. In unseren Gesprächen sprach er immer wieder darüber, wie sehr er seine Frau und die beiden Kinder (10 und 12 Jahre), die er seit mehr als zwei Jahren nicht mehr gesehen hat, vermißt.

In der taz von vorgestern heißt es:

„Die Aufregung war groß: Wer darf kommen? Und vor allem wie viele? Über kaum ein migrationspolitisches Thema war vor und in den Koalitionsverhandlungen so heftig gestritten worden wie über den Familiennach-zug für subsidiär geschützte Geflüchtete. Nun wird die Aufregung von der Realität eingeholt – und relativiert. Im August wurden 853 Anträge auf Familienzusammen-führung eingereicht, 65 davon bekamen einen positiven Bescheid, 42 Personen erhielten ein Visum.“  mehr dazu hier.

Zwei davon sind die beiden Kinder von Abdulla, die Ende August in Berlin angekommen sind. Seine Frau wartet noch immer.

Nachtrag am 30. Mai 2019:

Heute hat Abdulah mir geschrieben, daß seine Frau diese Woche in Berlin angekommen ist: „Bei meiner Frau war leider alles schwer.  Sie hat zwei Monaten auf der Samos Insel gewartet und danach hat sie 6 Monaten auf eine Antwort von der deutschen Botschaft  in Athen  gewartet. Aber die Botschaft hat weder unsere Unterlagen nach Deutschland weitergegeben noch uns eine Antwort gegeben. Daher musste meine Frau als Flüchtling nach Brüssel fliegen, danach habe ich sie von Dort abgeholt.“

Fussball-Freude

Beim Halbfinalspiel der Fußball-WM waren die Sympathien der WG-Bewohner auf der Seite von Kroatien, haben doch zwei Mitbewohner eine besondere Beziehung zu dieser Region. Unser ältester Mitbewohner, Bruder Christian, wurde dort geboren und hat dort die ersten Lebensjahre verbracht. So fieberten wir gemeinschaftlich mit der kroatischen Fußballmannschaft, und die Freude war groß und lautstark als sie sich gegen das Team aus Großbritannien durchsetzen konnten und ins WM-Finale gegen Frankreich einzogen.  Am Sonntag fiebern wir weiter.

Immer wieder in der Bibliothek …

treffe ich Abdulla. Zum ersten Mal sind wir uns an einem kühlen Tag im Herbst in der AGB (Amerika-Gedenkbibliothek) begegnet. Ich setzte mich mit einem Stapel Zeitungen an den Tisch, an dem er Hausaufgaben machte. Er fragte mich etwas zum Unterrichtsstoff und so kamen wir ins Gespräch. Damals wohnte er in einer Flüchtlingsunterkunft weit draußen in Spandau mit Landleuten und beklagte, daß er kaum Möglichkeiten habe deutsch zu üben. So lud ich ihn zum Samstagsfrühstück ein, und er kam oft. Auch Weih-nachten hat er mit uns gefeiert. Inzwischen hat er eine Wohnung im Nachbarstadtteil und wartet darauf, seine Frau und die beiden Kinder nachholen zu können. Seinen Beruf kann er in Deutschland nicht ausüben. In den letzten Wochen kam er nicht mehr, und wir fragten uns schon, was mit ihm los sein mag.

Heute stand er unerwartet in der Stadtteilbibliothek neben mir. Beide haben wir uns über dieses Zusammentreffen gefreut. Er arbeitet am Samstag jetzt immer als Integrations-lotse. Er hilft Geflüchteten, die erst kurz da sind, sich besser hier zurechtzufinden, erklärt, wie das bei den Behörden läuft und wie man Alltagsdinge organisieren kann. Seine Augen leuchten wenn er davon erzählt. Man spürt, mit wie viel Engagement er das macht. Und eine große Freude ist, daß er in zwei Monaten eine Erzieherausbildung beginnen kann. Er möchte gerne mit Jugendlichen im Freizeitbereich arbeiten. Wir freuen uns mit und wünschen ihm und allen Muslimen Ramadan mubarak – einen gesegneten Ramadan.