Pfingsten 1944 – Pfingsten 2018

Dietrich Bonhoeffer, weggesperrt und später ermordet, schrieb 1944 zu Pfingsten aus der Haft.

„Ich beobachte immer wieder, dass es so wenige Menschen gibt, die viele Dinge gleichzeitig in sich beherbergen können; wenn Flieger kommen, sind sie nur Angst; wenn es etwas Gutes zu essen gibt, sind sie nur Gier; wenn ihnen ein Wunsch fehlschlägt, sind sie nur verzweifelt; wenn etwas gelingt, sehen sie nichts anderes mehr. Sie gehen an der Fülle des Lebens und an der Ganzheit einer eigenen Existenz vorbei. […] Demgegenüber stellt uns das Christentum in viele verschiedene Dimensionen des Lebens zu gleicher Zeit; wir beherbergen gewissermaßen Gott und die ganze Welt in uns. Wir weinen mit den Weinenden und freuen uns zugleich mit den Fröhlichen; wir bangen … um unser Leben, aber wir müssen doch zugleich Gedanken denken, die uns viel wichtiger sind, als unser Leben.“

Allen, die es feiern: ein fröhliches, begeisterndes und gesegnetes Pfingstfest.

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blumig … und Grenzen überschreitend

Foto: Maria Cruz

Blumig war unser Samstagsfrühstückstisch heute gedeckt. Abends beginnt für Juden das Wochenfest Schawuot und für Christen der Vorabend von Pfingsten. Der Midrasch (mündliche Tradition des Judentums) erzählt: Als der Ewige dem jüdischen Volk am Sinai die Torah übergab, standen alle Pflanzen der Erde in voller Blüte. Und so fanden sich Quarkspeise, Frischkäse, Obst und eine nachträgliche Geburtstagstorte in Blumenform auf unserem Frühstückstisch. Einige Gäste, die schon länger nicht mehr bei uns waren, konnten wir wieder einmal begrüßen und zum ersten Mal seit ganz langer Zeit war Werner, der Weitergeber, in unserer Mitte. Muslimische Gäste hatten wir heute nicht wegen des Fastenmonats Ramadan, der auch der Monat ist, in dem der Koran offenbart wurde. So fallen dieses Jahr drei Feste, in denen es um Offenbarung geht, zusammen: Schawuot, Pfingsten und Ramadan.

Foto: Maria Cruz

Einige Katholikentagsbesucher erzählten von ihren Erlebnissen und Begegnungen in Münster. Christian Herwartz war anschließend nach Solingen gefahren um dort Heinz-Jürgen Metzger zu treffen, mit dem er schon seit 15 Jahren in Verbindung ist. Heinz-Jürgen Metzger ist Zen-Meister und führt in Deutschland die Street Retreats, die von Bernie Glassman entwickelt wurden, durch. Nun scheint die Zeit gekommen und reif zu sein miteinander eine Form von Straßenexerzitien / Streetretreats zu entwickeln. Im nächsten Jahr wird es zwei zehntägige Kurse geben.  Sobald Termine und Details bekannt sind, werden sie auf der Straßenexerzitien-Seite zu finden sein.

Street-Retreat mit Bernie Glassman (auf englisch)

 

Nacht der offenen Kirchen

Am Pfingstsonntag findet in Berlin wieder die Nacht der offenen Kirchen statt. Auch in Sankt Michael wird es ein Angebot geben. Die beiden Bibliologe werden den Zusammenhang zwischen dem jüdischen Wochen-fest Schawuot und dem Pfingstfest erschließen. An Schawuot feiern Juden die Gabe der Torah am Sinai.

Licht bricht auf – aufbrechen im Licht
Wir laden ein, sich vom Spiel der Farben des Lichtkreuzes von Ludger Hinse und den Themen des Abends bewegen zu lassen.
19.30 Uhr Meditative Stille und lyrische Texte unter dem Lichtkreuz
20.00 Uhr Bibliolog zu einem neutestamentlichen Pfingstzeugnis
20.45 Uhr Meditative Stille und pfingstliche Gesänge
21.30 Uhr Bibliolog zum Buch Ruth
22.00 Uhr Meditative Stille und lyrische Texte unter dem Lichtkreuz
22.30 Uhr Pfingstliches Nachtgebet

kath. Gemeinde St. Michael
Waldemarstraße 8 /Ecke Dresdner Straße
Kreuzberg, 10999Berlin
Anfahrt: 

U8 Moritzplatz; Bus M29 Oranienplatz

geöffnet ab 19:30
Einige Fotos vom Lichtkreuz gibt es hier.
Das Gesamtprogramm der Nacht der offenen Kirchen ist hier.

Immer wieder in der Bibliothek …

treffe ich Abdulla. Zum ersten Mal sind wir uns an einem kühlen Tag im Herbst in der AGB (Amerika-Gedenkbibliothek) begegnet. Ich setzte mich mit einem Stapel Zeitungen an den Tisch, an dem er Hausaufgaben machte. Er fragte mich etwas zum Unterrichtsstoff und so kamen wir ins Gespräch. Damals wohnte er in einer Flüchtlingsunterkunft weit draußen in Spandau mit Landleuten und beklagte, daß er kaum Möglichkeiten habe deutsch zu üben. So lud ich ihn zum Samstagsfrühstück ein, und er kam oft. Auch Weih-nachten hat er mit uns gefeiert. Inzwischen hat er eine Wohnung im Nachbarstadtteil und wartet darauf, seine Frau und die beiden Kinder nachholen zu können. Seinen Beruf kann er in Deutschland nicht ausüben. In den letzten Wochen kam er nicht mehr, und wir fragten uns schon, was mit ihm los sein mag.

Heute stand er unerwartet in der Stadtteilbibliothek neben mir. Beide haben wir uns über dieses Zusammentreffen gefreut. Er arbeitet am Samstag jetzt immer als Integrations-lotse. Er hilft Geflüchteten, die erst kurz da sind, sich besser hier zurechtzufinden, erklärt, wie das bei den Behörden läuft und wie man Alltagsdinge organisieren kann. Seine Augen leuchten wenn er davon erzählt. Man spürt, mit wie viel Engagement er das macht. Und eine große Freude ist, daß er in zwei Monaten eine Erzieherausbildung beginnen kann. Er möchte gerne mit Jugendlichen im Freizeitbereich arbeiten. Wir freuen uns mit und wünschen ihm und allen Muslimen Ramadan mubarak – einen gesegneten Ramadan.

geschenkt am Muttertag

Foto: Maria Cruz

In Sankt Michael werden seit einigen Jahren am Muttertag, der immer auf den zweiten Sonntag im Mai fällt, nach der Messe Rosen aus fairem Handel verkauft. Der Erlös ist für Solwodi Berlin bestimmt –  eine Beratungsstelle für Frauen, die von Zwangsprostitution und Menschenhandel betroffen sind.

Die Comboni-Schwestern Margit und Mabel, die diese Arbeit verantworten, waren in ihrer An-fangszeit in Berlin 2006 auf der Suche nach ihrer Berufung und haben in dieser Zeit einige Monate in unserer Wohngemeinschaft gelebt. Von daher rührt unsere Verbindung, die bis heute besteht. (Mehr dazu hier)

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet Mai 2018: Hineinwachsen

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin
auf dem Gendarmenmarkt

Sonntag, 6. Mai 2018 um 15:00 Uhr (Nähe Deutscher Dom)

Hineinwachsen

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

Wir wachsen in diese Welt hinein, wenn wir aufwachsen. Eine friedliche Welt mit Menschen, die einander begegnen und die Würde der und des anderen erkennen und achten, die wünschen wir uns. Wie kann die Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Religionen, gegenüber anders denkender, anders aussehender, anders geprägter Menschen erlernt werden? Am besten geht das wohl als Kind. In einer Lebensphase, in der alle Begegnung als gut und gegeben wahrgenommen wird. Was wir sehen, so ist es. Hinterfragt und reflektiert, oder bewusst ein anderer Weg eingeschlagen wird erst nach den ersten prägenden Erfahrungen.

Doch jedes Kind wird von einer Vielzahl von Menschen in der Entwicklung seines Welt-
und Menschenbildes beeinflusst. Die Beeinflussung findet mal bewusst, mal unbewusst statt. In jedem Fall sind wir alle verantwortlich da, wo wir Vorbild sind, wo wir Haltung
zeigen, wo wir direkt oder indirekt an den Erfahrungen und Entwicklungen von jungen
Menschen beteiligt sind.

Wenn wir wünschen, dass die Welt sich zu einer friedlicheren Welt hin entwickelt, in der die Menschen einander als Menschen sehen, sind wir also gefragt. Wir, die wir erwachsen, bereits in diese Welt hineingewachsen sind. Da sind wir gefragt, bewusst die Veränderung zu sein, die wir sehen wollen. Bewusst an uns zu arbeiten und im Austausch mit anderen Menschen zu stehen, die das Weltbild von Kindern mitprägen, hin zu der gewünschten Offenheit, wo wir Menschen als Menschen begegnen mit einem echten Interesse am anderen Individuum. Manchmal ist wahrnehmen, mit Liebe antworten und begleiten gefragt. Manchmal ist Interesse wecken und leiten notwendig. Wenn wir sensibel sind mit der Liebe zum Menschen und mit der Wahrnehmung zum Göttlichen im Menschen leben und im Miteinander entstehen lassen, sind wir auf einem guten Weg.