Abschied von Michael

Am 16. April 2016 haben wir mit einem großen Fest Christians Geburtstag, seinen Abschied und die Weitergabe der Verantwortung gefeiert. Christian schrieb dazu:

In der Feier übergab ich mitten unter den versammelten Bewohnern und Unterstützern die beiden Seitenteile unseres Wohnzimmertisches an Iris und Michael als Zeichen der Übergabe der Verantwortung (Mehr dazu hier).

Michael, der seit April 2015 jede Woche zwei Tage von Münster nach Berlin gekommen ist, hat uns Ende April bei einem Kommunitätsabend gesagt, daß er sich aus der Naunynstraße zurückzieht. Dem war ein langer Prozess intensiven Ringens vorausgegangen. An diesem Tisch werden wir auch den Abschied von Michael begehen.

Michael schreibt:
Zum Sonntag, den 9, Juli 2017 lade ich Euch in die Naunynstr. ein.
Ab 14.00 Uhr soll dort Zeit sein, mir Adieu zu sagen, Euch von mir Auf Wiedersehen sagen zu lassen, miteinander zu essen und so Gottes Dienst an uns zu feiern.
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Abschied von Schwester Ingrid

 

Am Weissen Sonntag (23. April) war die Michaelskirche gefüllt bis auf den letzten Platz. Viele Menschen waren gekommen um sich von Schwester Ingrid zu verabschieden, die nach 22 Jahren in Berlin in das Mutterhaus ihres Klosters in Siessen zurückgeht. Für viele Menschen – auch in unserer Wohngemeinschaft – war sie eine wichtige Ansprechpartnerin, hat – wo immer sie konnte – mit Rat und Tat weitergeholfen und für viele Menschen mit ihren unterschiedlichen Anliegen gebetet.  Es war ein fröhlicher und feierlicher Gottesdienst, eine Art Erntedank, der mit einem selbst gedichteten Lied auf Schwester Ingrid abschloß. Anschließend war noch Zeit zum Zusammensein mit reichhaltigen kulinarischen Köstlichkeiten bis der Reisesegen gegeben wurde. Auf der Homepage vom Kloster Siessen kann man einige Fotos von diesem Tag sehen.

Zum Weiterlesen:
Samstagsfrühstück mit Besuch aus Siessen

 

Ausgang und Eingang …

Wir haben einen schönen Jahresübergang miteinander und einigen Freunden verbracht. Eine große Freude waren für uns die Besuche – auch von einigen ehemaligen MitbewohnerINNEn:
– Nico aus Italien, der immer in der Woche nach Weihnachten für einige Tage kommt. Er hat 1996 einige Zeit in der Naunynstraße gewohnt
– Rana, der im Priesterseminar in Sankt Georgen ist, hatte einiges vom Start in die neue Lebensphase zu erzählen und auch vom Taize-Treffen in Riga
– Nadine ist aus Aachen gekommen und hat nun die Phase der Themenfindung für ihre Promotion abgeschlossen
– Moni kommt immer wieder aus Charlottenburg und nimmt Anteil an dem, was in der Naunynstraße passiert
– Schwester Annette, Schwester Ingrid und Schwester Rita kamen zum Chanukka-Abend vorbei …

Wir sind sehr erschüttert und traurig über den unerwarteten Tod von Mark, der bei uns zu Gast war und in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mit 39 Jahren bei uns verstorben ist. Noch am Dienstag hat er uns beim Kommunitätsabend daran teilhaben lassen, was für ihn Gemeinschaft bedeutet. Nach langen Jahren der Drogenabhängigkeit hat er nach dem Entzug ein Jahr auf der Fazenda da Esperança („Hof der Hoffnung“) Gut Neuhof bei Nauen gelebt und war einen Urlaubsmonat unterwegs um Freunde zu besuchen. Er wollte am Donnerstag sehr früh nach Augsburg zu einer Konferenz vom Gebetshaus Augsburg fahren und hatte deshalb angefragt, ob er ein paar Tage in die Naunynstraße kommen könnte.

Am 2. Februar um 18.30 h werden wir in Sankt Michael den jährlichen Gedenkgottesdienst für Michael Balzer und Franz Keller feiern. Dabei werden wir auch an Mark erinnern.

Nachtrag:
Die genaue Todesursache von Mark ist bis jetzt noch unbekannt. Der Arzt vermutet eine Lungenembolie. Da die Todesursache nicht genau festgestellt werden konnte, mußte die Polizei gerufen werden, die dann die Gerichtsmedizin hinzuzog und eine Obduktion veranlaßt hat.

Weitere Infos zur Fazenda:
Youtube-Video über Gut Neuhof – Fazenda da Esperanca
(der Marc im Film ist nicht identisch mit dem Mark, der bei uns verstorben ist)
Botschaft von Papst Franziskus an und über die Fazenda

 

 

Dank – Abschied – Neubeginn

… ist der Artikel von Reinhard Herbolte in der Juni/Juli-Ausgabe des Pfarrbriefs von St. Michael überschrieben:

Dank, Abschied und Neubeginn Am 16. April feierte die Wohngemeinschaft (WG) Naunynstraße im Refugio des Share-Hauses (Haus des Teilens) in der Lenaustraße ein großes Fest: den 73. Geburtstag von Christian Herwartz SJ, seinen Abschied von der Wohngemeinschaft, die er mitgegründet und geleitet hat und die Übergabe an die neuen Verantwortlichen. Ca. 300 Personen aus Nah und Fern waren gekommen.

Symbol der Übergabe war der Wohnzimmertisch, der seit 40 Jahren Mittelpunkt des Lebens in der WG ist und an dem Hunderte von Bewohnern und Besuchern gesessen haben. Dieser Tisch wurde feierlich an die nachfolgende „neue Generation“ übergeben. Lieder, Texte, Erinnerungen und Grußworte wurden reichlich vorgetragen. Und es gab Begegnungen mit vielen Bekannten aus „längst vergangenen Zeiten“.

Am Tag danach, am Sonntag, 17. April, ging es weiter mit dem Gottesdienst in St. Michael unter dem Thema „Gastfreundschaft“. Drei biblische Lesungen dazu wurden von Christian Herwartz und Mitgliedern der WG ins Heute übersetzt und von einigen Anwesenden ergänzt. Wieder stand der Tisch aus der Naunynstraße im Mittelpunkt, jetzt als Tisch der Eucharistie, wie es auch dort der Fall ist, von mehreren Stuhlkreisen umgeben.

Freunde der WG hatten die musikalische Gestaltung übernommen. Kommentar einer Ordensfrau: „Hier ist es ja wie in der Urkirche.“ Dank des Guten Wetters konnte das Nachtreffen auf dem Platz vor der Kirche stattfinden. Wieder stand der Tisch in der Mitte, voll von den übrig gebliebenen Speisen des Festes und auch von neu mitgebrachten Gaben. Abschiedstrauer und Dank an Christian Herwartz, aber auch viele Wünsche für den Neubeginn an Iris Weiss und Michael Peck, die jetzt die Verantwortung tragen, prägten die Gespräche.

Das neue Buch „Naunynstraße – Einfach ohne“ mit vielen Beiträgen von Freunden und Gefährten der Naunynstraße wurde an beiden Tagen von vielen als Erinnerung mitgenommen. Ich wünsche der WG mit ihrer ganz besonderen Ausstrahlung, dass sie im neu gegründeten Pastoralen Raum als ein „Ort kirchlichen Lebens“ wahrgenommen und unterstützt wird.

 

Aktuell: Nächste Generation übernimmt

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Die Internetseite der Jesuiten schreibt zum Abschied von Christian Herwartz aus Kreuzberg:

Über der Kneipe „Tor zur Hölle“ in Berlin-Kreuzberg gibt es seit 40 Jahren eine kleine jesuitische Gemeinschaft, die Randständigen jeglicher Art die Tür öffnet. Bekanntester Kopf der „Jesuiten-WG“ war Christian Herwartz,  der nun zu neuen Ufern aufbricht…

weiterlesen hier

Ein Tisch erzählt … vom Fest (1)

Ich bin der Tisch von der Wohngemeinschaft Naunynstraße. Seit 38 Jahren stehe ich nun schon hier mitten im im Wohnzimmer. Ganz viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und aus aller Welt haben sich schon an mir versammelt, gegessen, erzählt, gespielt, gearbeitet, gelacht und geweint … Mit dem Zählen habe ich schon lange aufgehört. Was ich schon alles gehört und erlebt habe, das geht auf keine Kuhhaut hat auf keiner Tischplatte Platz

Nur manchmal, wenn viele Leute zusammen kommen – wie an Weihnachten oder bei Freundeskreistreffen – werde ich in die Küche gebracht, mit einer Tischdecke geschmückt und habe dann viele gute Sachen anzubieten. Jeder, wirklich JEDER, der in die Naunynstraße kommt, kennt mich.

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

der Tisch beim Samstagsfrühstück – Foto: Luke Sonnenglanz

In den letzten Monaten und Wochen wurde an mir viel über das Fest geredet und diskutiert, das zu Christians 73. Geburtstag, zu seinem Abschied von der WG in der Naunynstraße und zur Übergabe der Verantwortung an Iris und Michael – oft Generations-wechsel genannt. In den letzten Wochen haben sich dann regelmäßig am Dienstag Nachmittag einige Menschen um mich versammelt, um die konkrete Planung des Festes zu besprechen. Viele Fragen standen im Raum: Wo kann das Fest stattfinden? Wieviele Menschen würden wohl kommen? Was wird es zu essen und zu trinken geben? Wieviele Getränke müssen bestellt werden?  Welche Programmbeiträge wird es geben? Ist genug Geschirr und Besteck da? Wo bekommen wir Biertische und Bänke? Wer hat Ideen für die Deko? Wer begrüßt die Gäste? Wer hilft beim Aufbau und beim Aufräumen?  Listen wurden geschrieben und dauernd verändert. Ich habe schon heftig bedauert, daß ich nicht dabei sein kann.

Aber es sollte alles ganz anders kommen. Denn da gab es auch noch andere Zusammenkünfte, Treffen, die ich nur am Rande mitbekommen habe. Sie fanden hinter verschlossener Tür – genauer gesagt in Christians Büro mit Iris und Michael – statt. Heute weiß ich, daß es bei diesen Gesprächen um das Ritual zur Übergabe und um den Dankgottesdienst am Sonntag in der Sankt Michaelskirche ging.

Aber selbst in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir nie vorstellen können, daß ich dabei eine tragende Rolle – eine Hauptrolle spielen würde…

zum Weiterlesen:
Ein Tisch erzählt … vom Fest: Teil 2

Ein Tisch … als Zeichen der Gemeinschaft (Teil 3)