interreligiöses Friedensgebet 6/20: Für Würde und Gerechtigkeit

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying
Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

Juni 2020

Heute ist wieder ein erster Sonntag im Monat – seit 18 Jahren der Tag, an dem das interreligiöse Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt stattfindet, als Mahnwache und Demonstration zu Friedensthemen. Durch Corona ist der Termin vor Ort ausgesetzt, dennoch rufen wir als Gruppe zu einem Innehalten und Gebet ein. Heute stellen wir den Tod von George Floyd in den Mittelpunkt und beten für eine Welt ohne Rassismus.

Für Würde und Gerechtigkeit

Entsetzt über die Ermordung von George Floyd, den Polizeibeamte in der USA auf Grund seiner Hautfarbe erdrosselten. Einem weißen Menschen wäre dies wahrscheinlich nicht passiert und er könnte weiter leben. Bei der Festnahme und dem Herumschubsen fiel George Floyd zu Boden. Da kniete sich ein Polizist auf seinen Nacken und drückte ihm mit dem Knie die Luft ab. Er flehte: „I cant breath“ („Ich kann nicht atmen“) – bis er bewusstlos wurde und starb.

Mitten in einer Pandemie, in der Menschen an Atemnot sterben, zeigt sich erneut die Grausamkeit eines strukturellen Rassismus, der sich gegen Menschen of Color (POC) richtet. Sie werden auf Grund ihres Aussehens ausgegrenzt, verdächtigt, und als kriminell oder exotisch markiert. In ihrem Alltag sind sie von Übergriffen verschiedenster Art betroffen.Rassismus ist ein Verbrechen. Menschen werden auf Grund von äußeren Merkmalen abgewertet, ihnen werden unmenschliche Verhaltensweisen zugeschrieben. Entmenschlicht wird ihnen auf Grund ihrer äußeren Erscheinung ein innerer Unterschied unterstellt.

Dieser Todesfall geschah in der USA. Doch wir kennen in Europa diese Art der Abwer-tung auch. Bei der Unterwerfung ganzer Kontinente durch europäische Staaten in der Zeit des Kolonialismus wurden Menschen mit dunkler Hautfarbe ihrer Würde beraubt, versklavt und verkauft. Die Folgen dieser Unterwerfung kennen wir auch in Europa, wenn Menschen in entwürdigender Armut gehalten und weiter auf vielfältige Weise ausgesondert und ausgebeutet werden.

Doch es gibt auch viele andere Formen von rassistischem Verhalten. Selbst wenn eine
Aussage nicht bewusst rassistisch gemeint ist, doch rassistische Elemente enthält, setzt sie die Ungerechtigkeit fort. Wir alle sind aufgerufen, unser Verhalten zu ändern. Vor allem Menschen mit heller Hautfarbe erhalten dieses System der Ungerechtigkeit aufrecht, wenn sie als nicht davon Betroffene oft meinen, es gäbe dieses Unrecht nicht. In Scherzen oder Komplimenten zeigt es sich und wird dann mit dem Hinweis gerechtfertigt: „Das ist ein Teil unserer Kultur“. Ja diese Erniedrigung von Menschen gehört zu unserer Kulturgeschichte, die vom ersten Moment an ungerecht war; sie tötete und entwürdigte.

Formen wir sie Schritt für Schritt zu einer Kultur um, in der jeder Mensch geachtet wird. Wir beten und hoffen dringend, dass eine grundlegende Erneuerung unserer Kultur und der Abbau vom vielfältig auftretenden Rassismus fortschreitet. Diese Änderungen müssen von vor allem jenen realisiert werden, die nicht direkt von den Ausgrenzungen betroffen sind.

Für eine Welt, in der alle Menschen mit ihrer Herkunft und ihren vielfältigen Begabungen geachtet leben können.

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Ein Interview vom 7.6.2020 mit Pfr. Miriam Gross, die in New York die deutsche evangelische Gemeinde betreut, als Polizeiseelsorgerin arbeitet und die EKD bei der UN vertritt, ist hier nachzulesen.

 

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Das Buch der Straße öffnen

FußsohleLore war die älteste Teilnehmerin bei den Exerzitien auf der Straße, die im Juli in Berlin stattfanden. Sie schreibt im Rückblick:

Der Begriff „Exerzitien“ war für mich besetzt von dem Verständnis eines Erlebens der inneren Hinwendung zu Gott. In den Strassenexerzitien fand ich ein ganz anderes Verständnis: Jesus unter den Menschen und zwischen den Menschen zu erleben. Er, der von sich sagt, dass Er die Strasse ist – „ich bin der Weg…..“ (Joh. 14,6) – Ihm wollte ich in und bei den Menschen begegnen und Seine Sprache verstehen, wenn Er sagt: „kommt her zu mir alle, die Ihr mühselig und beladen seid.“ (Mat 11,28).

Zum Weiterlesen geht es hier.