Interreligiöses Friedensgebet 7/20: Respekt und Achtsamkeit

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin – gemeinsam an unterschiedlichen Orten

Juli 2020

RESPEKT UND ACHTSAMKEIT

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

In dieser Zeit der pandemischen Bedrohung durch Corona lasst uns zusammenstehen als große Gemeinschaft für das Leben und in Solidarität mit den Leidenden und Hungernden. Sie bedürfen unserer Nächstenliebe in Form von aktiver Hilfe.

In seiner Lehre vom <Achtgliedrigen Pfad> ermahnt Sintharta Gautama, der Buddha und Religionsstifter, uns zur Aufmerksamkeit für die Zeichen der Zeit und Achtsamkeit für die Menschen in der Zeit. Mögen die heutigen bedrohlichen Lebensumstände sich zu einer Pandemie des aufmerksamen Lernens, des achtsamen Lebens und der gelebten Nächstenliebe ausweiten.

Jesus hat uns Respekt und Achtsamkeit füreinander gelehrt und damit Nächstenliebe vorgelebt. Wir leben seit Monaten in einer Zeit, in der Begriffe wie Respekt und Acht-samkeit eine besondere Bedeutung zukommen. Dieses sind heute keine bloßen Begriffe mehr, die auch mal vernachlässigt werden könnten. Nachlässigkeit hat möglicher-weise tödliche Folgen für meine Mitgeschöpfe. Deshalb müssen Respekt und Aufmerk-samkeit und Achtsamkeit in diesen Zeiten aktiv gelebt werden.

Lasst uns achtsame Menschen sein, die sich der heiligen Gabe des Lebens bewusst sind und dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.

 

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Sterben auf dem Weg der Hoffnung

In unserer Gemeinschaft leben seit den Anfängen vor vierzig Jahren immer auch Menschen, die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind und auf ihren Wegen in lebensbedrohliche Situationen geraten sind: Bei manchen ein Wunder, daß sie noch leben. Das ist immer wieder  Thema in unseren Gesprächen am Frühstückstisch oder auch sonst im Alltag. Im Einfach-Ohne-Buch unserer Gemeinschaft sind einige dieser Erfahrungen nachzulesen. Weil am Samstag (20. Juni) Weltflüchtlingstag ist und uns dieses Thema sehr nahe ist und auch jetzt einige Menschen mit Fluchterfahrung unter uns leben,  weisen wir auf diese Veranstaltung der „Kapelle der Versöhnung“ hin:

Sterben auf dem Weg der Hoffnung – Einladungsplakat

 

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interreligiöses Friedensgebet 6/20: Für Würde und Gerechtigkeit

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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

Juni 2020

Heute ist wieder ein erster Sonntag im Monat – seit 18 Jahren der Tag, an dem das interreligiöse Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt stattfindet, als Mahnwache und Demonstration zu Friedensthemen. Durch Corona ist der Termin vor Ort ausgesetzt, dennoch rufen wir als Gruppe zu einem Innehalten und Gebet ein. Heute stellen wir den Tod von George Floyd in den Mittelpunkt und beten für eine Welt ohne Rassismus.

Für Würde und Gerechtigkeit

Entsetzt über die Ermordung von George Floyd, den Polizeibeamte in der USA auf Grund seiner Hautfarbe erdrosselten. Einem weißen Menschen wäre dies wahrscheinlich nicht passiert und er könnte weiter leben. Bei der Festnahme und dem Herumschubsen fiel George Floyd zu Boden. Da kniete sich ein Polizist auf seinen Nacken und drückte ihm mit dem Knie die Luft ab. Er flehte: „I cant breath“ („Ich kann nicht atmen“) – bis er bewusstlos wurde und starb.

Mitten in einer Pandemie, in der Menschen an Atemnot sterben, zeigt sich erneut die Grausamkeit eines strukturellen Rassismus, der sich gegen Menschen of Color (POC) richtet. Sie werden auf Grund ihres Aussehens ausgegrenzt, verdächtigt, und als kriminell oder exotisch markiert. In ihrem Alltag sind sie von Übergriffen verschiedenster Art betroffen.Rassismus ist ein Verbrechen. Menschen werden auf Grund von äußeren Merkmalen abgewertet, ihnen werden unmenschliche Verhaltensweisen zugeschrieben. Entmenschlicht wird ihnen auf Grund ihrer äußeren Erscheinung ein innerer Unterschied unterstellt.

Dieser Todesfall geschah in der USA. Doch wir kennen in Europa diese Art der Abwer-tung auch. Bei der Unterwerfung ganzer Kontinente durch europäische Staaten in der Zeit des Kolonialismus wurden Menschen mit dunkler Hautfarbe ihrer Würde beraubt, versklavt und verkauft. Die Folgen dieser Unterwerfung kennen wir auch in Europa, wenn Menschen in entwürdigender Armut gehalten und weiter auf vielfältige Weise ausgesondert und ausgebeutet werden.

Doch es gibt auch viele andere Formen von rassistischem Verhalten. Selbst wenn eine
Aussage nicht bewusst rassistisch gemeint ist, doch rassistische Elemente enthält, setzt sie die Ungerechtigkeit fort. Wir alle sind aufgerufen, unser Verhalten zu ändern. Vor allem Menschen mit heller Hautfarbe erhalten dieses System der Ungerechtigkeit aufrecht, wenn sie als nicht davon Betroffene oft meinen, es gäbe dieses Unrecht nicht. In Scherzen oder Komplimenten zeigt es sich und wird dann mit dem Hinweis gerechtfertigt: „Das ist ein Teil unserer Kultur“. Ja diese Erniedrigung von Menschen gehört zu unserer Kulturgeschichte, die vom ersten Moment an ungerecht war; sie tötete und entwürdigte.

Formen wir sie Schritt für Schritt zu einer Kultur um, in der jeder Mensch geachtet wird. Wir beten und hoffen dringend, dass eine grundlegende Erneuerung unserer Kultur und der Abbau vom vielfältig auftretenden Rassismus fortschreitet. Diese Änderungen müssen von vor allem jenen realisiert werden, die nicht direkt von den Ausgrenzungen betroffen sind.

Für eine Welt, in der alle Menschen mit ihrer Herkunft und ihren vielfältigen Begabungen geachtet leben können.

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Ein Interview vom 7.6.2020 mit Pfr. Miriam Gross, die in New York die deutsche evangelische Gemeinde betreut, als Polizeiseelsorgerin arbeitet und die EKD bei der UN vertritt, ist hier nachzulesen.

 

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Interreligiöses Friedensgebet – Mai 2020: Gewisse Verluste und gewissenhafte Gewinne

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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin: an getrennten Orten

Gewisse Verluste und gewissenhafte Gewinne

Das Verlangen nach einem neuen Anfang hat mit diesem neuen Monat Mai neuen Auftrieb genommen. Wir ziehen eine Zwischenbilanz.

Der zu Beginn riesige Schreck über Covit19 hat sich gewandelt. Nach der anfängli-chen Schockstarre, die in der Gesellschaft eher Resignation und Rückzug verursach-te als Herausforderung, gibt es einen neuen Klang im welt weiten Konzert der Stim-men. Es duftet nach einer Spur für eine überlebensfähige Gesellschaft, wenn wir über ein neues Medikament hinaus auch ein neues Konzept für eine überlebensfähi-ge Gesellschaft bedenken und angehen.

Wir wissen nicht erst seit Beginn des erneuernden Monat Mai: Auf unserem Planeten muss nicht nur etwas verbessert, sondern noch viel mehr grundlegend verändert wer-den. Nachdem wir überaus deutlich und weltweit durch Corona an die Grenzen des Bezwingbaren und Mach-baren geführt sind, wird die neue Richtung der Nach-Coro-na-Ära Neuland sein.

Landmarkierungen und Leuchtzeichen sind schon aufgestellt, um zu lernen, wo es lang geht: Respektvoller Umgang mit dem Leben der Menschen und verantwortlicher Umgang mit der Macht über Menschen. Die Religionen haben viele Erfahrungen und Weisheiten über das Wesen und die Verwaltung der menschlichen Macht.
In der Zeit der Krise und des Übergangs gelten fast alle Maßnahmen der Erhaltung der Heiligen Gabe des Lebens. Mit Eifer wird ein rettender Impfstoff erforscht und ent-wickelt und ein der Krise angemessenes  anständiges Verhalten eingeübt. Interessant ist, wie medizinisches Wissen die erforderlichen politischen Maßnahmen und interna-tionalen Absprachen anregt.

Es ist bekannt, dass jede medizinische Maßnahme auch Nebenwirkungen hat, die ebenso behandelt werden müssen. Auch wenn die Ehrfurcht vor dem Leben als ein universaler Wert allgemein anerkannt ist, muss die Frage nach dem gelingenden Leben gestellt werden. Die Kontexte sind verschieden, in denen sich das Leben in unseren Kontinenten entfaltet. Um nicht einzig mit dem Impfstoff die Einladung zum Leben zu verbinden, ist auch ein jeder von uns für ein lebensförderndes Verhalten verantwortlich.

Benötigt werden solidarische Sensibilität und kritische Lernbereitschaft für das Leben nach Corona. Dafür brauchen wir transnationale Solidarität und planetarisches Be-wusstsein. Die Sichtweisen auf die bisher erfolgte Globalisierung als profitable Herr-schaftsform sollte so nicht länger akzeptiert werden, sondern als weltweit agierende  Helfergemeinschaft fungieren und angesehen werden. So lässt sich die Befreiung von Corona-Ohnmacht und  Abhängigkeit schon vor dem Ergebnis erleben, Diese Heilung ist die eigentliche Herausforderung, vor die uns Corvit 19 stellt.

Nicht erst wenn das Mittel gefunden sein wird – und dafür beten wir mit klaren ein-deutigen Worten an den uns geheiligten Orten  – sondern hier und jetzt handeln wir für die überall gefährdeten Menschen.

Beten für neue wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Einsichten be-wegen uns im Mai beim Interreligiösen Friedensgebet. Jeder Einzelne ist in dieser Krise angeregt, sein eigenes Handeln neu inspirieren zu lassen. Nur so kann ein le-bens-unverträglicher Rückzug ins Eigene abgebogen und solidarisch neu gehandelt werden.

Anfragen/Korrespondenz: christian.herwartz@jesuiten.org
Infos unter: http://www.friedensgebet-berlin.de

Die Themen früherer interreligiöser Friedensgebete sind hier.

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet Februar 2020: Da kommt was auf uns zu

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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin
auf dem Gendarmenmarkt

Sonntag, 2. Februar 2020 um 15:00 Uhr (nahe Deutscher Dom)

Da kommt was auf uns zu

Erneut sind wir durch die verheerenden Brände in Australien und im brasilianischen Urwald herausgefordert, unsere Fähigkeiten einzusetzen, um weiteren Schaden an Anderen und an uns selbst abzuwenden. Mit dieser besonderen Fähigkeit sind wir als Menschen begabt und darin unterscheiden wir uns von allen anderen Geschöpfen. Wir müssen nicht einer festgelegten Rolle folgen und wir sind nicht fixiert auf eine einzige Sichtweise und Verhaltensform. Es gibt nicht einen festgelegten Zwang zur Maximierung der Gewinne oder zur Anheizung der Atmosphäre, die zur Überflutung ganzer Landesteile führen kann! Keine Macht zwingt uns, unser aller Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hier muss ein Rollenverzicht stattfinden.

Lässt uns die Angst vor einem Weltende starr werden, dann geht uns die Gabe des
Rollenwechsels verloren und die Gesellschaft spaltet sich immer mehr in jene, die die Gefahr erkennen und bekämpfen und jene, die sie mit einem lautstarken „Weiter so!“übersehen wollen. Einige können sich ein Leben ohne Besitzermacht und Naturbe-herrschung nicht vorstellen.

Ist es Angst oder nur niedere Gier, die uns vor einem gerechten Teilen und damit ver-bundenen Bewahren lebenserhaltender Güter und Fähigkeiten zurückschrecken oder gar erblinden lässt? Nehmen wir sie noch wahr, die ermutigenden Impulse oder ver-spotten wir gar die Einladungen zum Verzicht, zur Rücksichtnahme und zum Mitge-fühl, wie sie in allen Religionen mit Pilgern, Fasten, Stille, Dankesliedern und dem zweckfreien Gebet eingeübt werden?

Doch nur so können sie entstehen, die tragfähigen Brücken zwischen uns Menschen auf dem gemeinsamen Weg für alle, in der die Freude auf eine Zukunft wächst, die uns den Mut zur Umkehr schenkt und stärker ist als apokalyptische Schreckensszenarien.
Die Freude wird in vielen Visionen beschrieben, die uns zum solidarischen Handeln
ermutigen. Sie sind ein kostbarer Schatz, auf den wir zugreifen können. Lasst uns mit großer Offenheit zusammenstehen und uns gegenseitig in unserer Hoffnung stärken und bereichern.

 

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interreligiöses Friedensgebet Dezember 2019

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, prayingGruppe Interreligiöses
Friedensgebet Berlin auf dem Hausvogteiplatz
Sonntag, 1. Dezember 2019 um 15:00 Uhr 

Einladung zu einer veränderten Rolle in der Gesellschaft

Mitten in der lärmenden Vielfalt von unterschiedlichen Interessen wollen besonders junge Menschen ihre Eigen-verantwortung erkennen und lernen. Die Suche nach dem selbstver-antworteten Leben findet sich auch bei Genesen-den nach einer schweren Krankheit, bei Gedemütigten nach schwerer seelischer Verletzung oder bei Men-schen nach der Übe-rwindung einer Sucht. Entscheidend ist der das eigene Leben aufbauende Schritt in eine neue Zukunft. Doch dieser Impuls alleine kann zu einer Haltung führen, in der nur das eigene Ich, der eigene Verein, das eigene Land und – bei der häufigen Verkürzung der Perspektiven – nur noch das eigene Geld gesehen wird.

Es widerspricht grundsätzlich nicht dem Eigeninteresse, dass die Menschen für sich
entwickeln, wenn sie auch die Not des Anderen in den Blick nehmen und bereit sind, auf eigene Interessen zu verzichten. Denn dann fallen die Mauern zwischen Men-schen und eine Zukunft des Miteinanderlebens kommt in den Blick. Das solidarische Handeln, zu dem alle Menschen von Anbeginn berufen sind, rückt in den Mittelpunkt. Das Wissen um den gemeinsamen Ursprung meldet sich gegen alles Vergessen und Vertuschen bei den Menschen zurück.

Wir vernehmen darin eine Einladung zum Ändern unserer Rolle in der Gesellschaft. Das Angebot wird besonders aktuell, wenn sich Menschen in eine gesellschaftliche Komfort-zone zurückgezogen haben, oder wenn sie in die Isolation gedrängt wurden. Die Alter-native dazu wird Wirklichkeit, wenn sich der Blick auf das gemeinsame Le-ben mit allen Menschen und mit der Natur öffnet. Dann können wir uns nicht mehr verschließen vor den 50 Millionen Kindern, die weltweit auf Müllkippen leben und auch nicht vor den Opfern von Menschenhandel, die zur Gewinnmaximierung verschleppt wurden.

Die Bewusstwerdung unserer veränderten gesellschaftlichen Rolle verpflichtet uns zu
solidarischem Handeln mit allen Menschen gleicher Gesinnung. Im Gebet bringen wir die Not des Nächsten ins Wort vor Gott – in welcher Sprache auch immer. Und es wird ein Dank sein für das immer wieder gelingende Miteinander von Gott und Mensch, von Mensch zu Mensch, von Mensch und Mitwelt.

Die Themen früherer interreligiöser Friedensgebete sind hier

 

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Interreligiöses Friedensgebet November 2019: Lichtkräfte gegen Dunkelmächte

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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin auf dem Gendarmenmarkt
Sonntag, 3. November 2019 um 15:00 Uhr (nahe Deutscher Dom)

Lichtkräfte gegen Dunkelmächte im November

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

Lichterketten werden auch in den kommenden dunklen Novembertagen leuchten. Sie rufen Erinnerungen wach an Menschenketten, die 1989 Lichter in ihren Händen hielten, als Leuchtzeichen einer friedlichen Revolution und richtungsweisend wie der weitergeh-ende gesellschaftliche Wandel gestaltet werden kann. In Gerechtigkeit und Frieden!

Vor 101 Jahren gab es hier keine solchen Leuchtzeichen. Da blitzte das tödliche Feuer aus Kanonen und Gewehrläufen bis endlich am 11. November 1918 die Waffen schwiegen. Doch die neue Staatsform von 1919 verhinderte nicht, dass 30 Jahre später die wahre Bedeutung von Gerechtigkeit und Frieden von den Machthabern erneut ins Gegenteil verkehrt wurden.

Das Recht jedes einzelnen Menschen auf Gerechtigkeit wird zwar, vor allem bei Kriegswirren, oft überhört, kann aber niemals außer Kraft gesetzt werden, denn es ist uns zugesprochen und damit unumstößlich. Es ist die übergeordnete Grundlage, die die Gemeinschaft der Menschen verbindet. Dafür erheben die Religionen ihre Stimme und bringen nicht nur ‚im Namen des Volkes‘ sondern im Namen Gottes das Recht zur Sprache. Denn Gerechtigkeit und Frieden bilden eine Einheit und können das friedvolle Miteinander nicht nur in unserem Land, sondern mit und unter allen Menschen befördern.

Dreißig Jahre nach den Ereignissen vom November 1989 stehen wir betend und in Gedanken bei allen heute entrechteten Menschen. Wir beten für die indigenen Völker am Amazonas, für die Papuas in Indonesien, für die Adivasis in Indien, für die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, für die Kriegsopfer in Mittelost, für die Brexit-Geschädigten in Mittel-europa und für die vielen Namenlosen. Auch wenn ihnen der Zugang zu ihren Grund-rechten aus rassistischen oder religiösen Gründen oder aus wirtschaftlicher Gier oder aus Ignoranz und Dummheit verwehrt ist, sind sie deshalb nicht rechtlos. Vielmehr sind sie berechtigt zur Teilhabe an Würde und Werten, die der Schöpfer den Menschen zuerkannt hat. Grundsätzlich! Die Verursacher der Ungerechtigkeiten aber mögen erleuchtet werden, damit sie sich zur Einsicht und Umkehr und zur Erneuerung leiten lassen.

Wir sind dankbar für jeden, der auf Umsetzung des gegebenen Rechtes und die Würde jedes einzelnen aufmerksam macht und sich dafür einsetzt. Wir stehen auch  in Dankbarkeit an der Seite derjenigen, die den Gedemütigten beistehen und ihnen helfen, damit sie wieder Vertrauen fassen, den von Gott gewollten Weg zurück in ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden zu finden.

 

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Interreligiöses Friedensgebet Oktober 2019: Staunen und Erschrecken

Meistens in der Mitte des Vormonats trifft sich eine Gruppe um das interreligiöse Friedensgebet für den kommenden Monat vorzubereiten. Die Anwesenden tauschen sich aus, welche Fragestellungen sie bewegen und entscheiden ein Thema, für das dann ein Einladungstext entwickelt wird. Beim letzten Treffen standen die weltweiten Klimaproteste im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Lange Zeit fanden diese Treffen in unserem WG-Wohnzimmer statt. Hier nun die Einladung für Oktober:
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GRUPPE INTERRELIGIöSES FRIEDENSGEBET BERLIN
AUF DEM GENDARMENMARKT
SONNTAG, 6. OKTOBER 2019
UM 15:00 UHR (NAHE DEUTSCHER DOM)
STAUNEN UND ERSCHRECKEN

Religiöse Menschen kennen mit allen Menschen guten Willens das Staunen über das Leben in seiner wunderbaren Vielfalt. Aber wir kennen auch das staunende Erschrecken und erschrockenes Staunen, wenn Leben eingegrenzt, verhindert und zerstört wird. Das benennen wir als eiskalten Missbrauch der Macht, wenn Menschen und das sie umgebende anvertraute Lebendige zu Opfern von Machtinteressen und eigensüchtigem Lebenswillen gemacht werden. Wo aber Ehrfurcht vor dem Lebendigen waltet, erkennen wir den heilsamen Einfluss der Religionen. Sie verdeutlichen mit Lehren und Gebräuchen den Dienst am Leben, das aus der Quelle des Lebens zu uns gelangt. Sie erinnern uns daran, dass Gott den Menschen dient und sie von Gott zu einem lebensdienlichen Handeln gerufen sind.

Staunend stehen wir im Gebet vor diesem auch uns geheimnisvollen und unergründlichen Gott, den wir mit seinem Handeln leicht übersehen und leugnen. In seinem Angesicht erschrecken wir im Blick auf unserer Handeln und richten uns täglich neu auf ein friedliches Zusammenleben mit allen Menschen aus. Deshalb versammeln wir uns an jedem ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr auf dem Gendarmenmarkt am Deutschen Dom mit dieser – oft nicht wahrgenommenen und auch unter uns durch Machtinteressen gefährdeten – Gemeinsamkeit mit allen Menschen guten Willens. Wir bestärken unseren gemeinsamen Herzenswunsch auf unterschied-liche Weise in Stille oder im ausgesprochenen Gebet.

Die staunende Ehrfurcht vor der ganzen Wirklichkeit lädt uns zum Dank gegenüber dem Leben und zum Widerspruch gegenüber allem Unrecht ein. Wir sagen ein bekennendes JA zur offenen Zukunft im Respekt gegenüber allen Menschen und mit unserer Verantwortung in der Gesellschaft ein schützendes NEIN besonders bei Leugnung der Menschenwürde und Bestreitung von Menschenrechten. Lebensmut empfangen wir von denen, die im Dienst des Lebens für unseren Lebensweg zum Licht und Zeichen wurden. Wir erkennen sie auch im bewundernden Staunen bei Kindern. So wird Frieden wachsen, wenn wir mit Demut und im Respekt gegenüber der ganzen Schöpfung leben, die uns anvertraut ist um Lebensräume zu gestalten.

Wir begrüßen die Initiative der evangelischen Kirchen Deutschlands, die den Schrei der Ertrinkenden aufnahmen und ein Rettungsschiff ins Mittelmeer entsenden werden. Bekenntnis zum Leben, das ist auch der Widerstand der katholischen Weltkirche gegen den weltweiten Menschenhandel – und die universale Erkenntnis von der heiligen Gabe des Lebens in Glaubensgemeinschaften und Religionen.

 

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nachträglich: interreligiöses Friedensgebet im September 2019

Leider ist die Einladung zu diesem Friedensgebet zu spät in meinem Postfach gelandet. Ich finde die Denkanstöße über Beziehungen und aufeinander bezogen sein so wichtig, dass sie auch jetzt noch im Blog Platz finden sollen:
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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin auf dem Gendarmenmarkt
Sonntag, 1. September 2019 um 15:00 Uhr (nahe Deutscher Dom)

Leben und Frieden

Miteinander Leben gestalten oder miteinander leben, selbst wenn es Menschen gibt,
die sich allein gelassen oder einsam fühlen mögen, oder mit Absicht und aus Erfahrung Abstand suchen: das Leben ist ein Miteinander. Ein Miteinander auf diesem unserem Planeten, in einer Welt, auf der wir uns gegenseitig beeinflussen: die Pflanzen- und Tierwelt, wir Menschen, Stein und Wasser, Klima und Erde.

Zu realisieren, dass wir miteinander zu tun haben, und wir diesem Aufeinander-Ange-wiesensein und Aufeinander-Reagieren nicht entgehen können, mag auch beklemmend sein. Es liegt darin aber die Chance, ernsthaft sich darauf einzustellen, Frieden miteinander zu gestalten, Frieden zu ermöglichen und Frieden zuzulassen.

Wir tragen Verantwortung dafür, einander wahrzunehmen und einander Leben zu
ermöglichen. Wir alle sind Suchende, die nach dem Leben greifen. Was wir glauben, ist dabei ein Aspekt unter vielen. Bedürfnisse wollen erfüllt werden. Neben den Grundbe-dürfnissen auch Wünsche und Hoffnungen und Vorstellungen von dem, wie das eigene Leben und das Leben anderer verlaufen mag.

Wir sind so unterschiedlich, in unseren Voraussetzungen, Begabungen, Möglichkeiten, Erfahrungen und Prägungen. Das einander Erkennen ist eine wichtige Voraussetzung, um zu einem friedvollen Miteinander zu kommen.
Wir beten in aller Bescheidenheit und voller Hoffnung für ein Leben in Frieden.

Interreligiöses Friedensgebet zur Langen Nacht der Religionen

Am Samstag den 15. Juni findet zum achten Mal die „lange Nacht der Religionen“ statt. Thema ist „Wasser des Lebens“. Die Initiative „interreligiöses Friedensgebet Berlin“ lädt zum Abschluß der langen Nacht um 23.00 Uhr zum Friedensgebet ein – wie immer auf dem Gendarmenmarkt. Hier der Einladungstext:

Wasser des Lebens
Die Lange Nacht der Religionen Berlin lädt in diesem Jahr am 15. Juni zu Gebeten und Veranstaltungen zum Thema Wasser des Lebens ein.
Notwendig ist das Leben schenkende Wasser, das wir innerlich und äußerlich dringend brauchen. Ist der freie Zugang zu sauberem Wasser nicht ein Menschenrecht?

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Mahnen – Nachdenklich machen – Danken – Hoffen
Damit den flüchtenden Menschen das Wasser wieder zum Wasser des Lebens wird, sehen wir kritisch auf uns. Wir sehen unsere eigene Verantwortung durch unser Konsumverhalten, durch Raubbau in Afrika und anderen Teilen dieser Welt. Wir sehen unseren Anteil an Klimaveränderungen, Wassermangel, Wüstenbildungen und Verschmutzungen der Umwelt, die zu Fluchtursachen werden. Und nicht zuletzt sind wir entsetzt darüber, wie das Mittelmeer zum Friedhof wird. Seeleute bleiben lieber unter Deck, denn sie sind angewiesen, Ertrinkende nicht zu retten. Die Europäische Union nimmt Tote in Kauf – durch die Absperrung der Häfen und Landesgrenzen und durch die Kriminalisierung von Helfenden auf dem Meer. Traurig gedenken wir der Toten.
Nach dem Aussprechen der Klage sehen wir Ermutigendes
Sehen wir die Menschen, die sich gegen offensichtliches Unrecht stellen, Worte erheben und sich gegenseitig Kraft spenden. Ja, da sind Menschen, die hinsehen, löschen, retten und Brunnen bauen. Sie entwickeln voll erwachender Kreativität Ideen und Aktionen, die uns auf dieser Erde eine menschenwürdigere Zukunft ermöglichen. Ihnen gilt unser Dank.
Wir in der Europäischen Union werden von der UN mit Sitz in New York zu selbstverständlichem Handeln ermahnt: Menschen vor dem Ertrinken zu retten.
Doch längst sind da Menschen, die das Unrecht nicht aushalten und aus den Häfen aufbrechen, um im Mittelmeer Leben zu retten. Strafandrohungen erschrecken sie nicht. Dass Ihr das einzig Richtige tut, nämlich zu retten, wo Rettung nötig ist, gibt uns unsere Menschlichkeit zurück. Ihr seid ein Segen. Danke.Wir hoffen auf ein besseres Miteinander. In dem wir uns gegenseitig ermöglichen, was wir brauchen, uns sehen und wahrnehmen als Mitwesen in dieser Welt und bereitwilliger werden, uns zu verändern.

Das Programm der langen Nacht der Religionen ist hier