Bibliolog: Meiner Sehnsucht Raum geben

Anbetung der Könige (St. Lazare / Autun)

Bis jetzt gibt es gelegentlich, aber für das neue Jahr ist es monatlich geplant – einen Bibliolog nach dem Samstagsfrühstück. Die einen kommen schon zum Frühstück, und andere kommen dann um 13.30 zum Bibliolog. Am 6. Januar (Dreikönigstag – Epiphanias) fanden sich nach einem sehr bewegenden Samstagsfrühstück mit Besuch der Sternsinger noch elf Interessierte zusammen, um das Evangelium des Tages, nämlich den Besuch der Sterndeuter, miteinander zu entdecken und (neu) auszulegen.

Die Skulptur aus Autun (siehe Bild) führte uns in den Raum des Textes: Was bewegte die Sterndeuter auf ihrem Weg? Wie reagierte König Herodes als er von der Suche der Sterndeuter nach dem neugeborenen König hörte? Was genau erschreckt die Bewohner von Jerusalem? Was reden die Diener im Palast des Königs Herodes untereinander als sie erfahren, daß er die Sterndeuter den neugeborenen König suchen läßt um ihn anzubeten? Wie reagieren die Weisen als sie den Stern über Bethlehem sehen und er dort stehen bleibt? Wie reagiert Maria beim Besuch der Sterndeuter auf die Gaben, die mitgebracht werden (Gold, Weihrauch und Myrrhe)? Die Sterndeuter gehen auf einem anderen Weg / anders zurück- wie und mit welchen Gedanken und Gefühlen sind sie jetzt unterwegs?

Wer nicht dabei sein konnte, kann sich unsere Bibliolog-Meditation von vor zwei Jahren anschauen und dort auch unsere Krippe sehen:

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Samstagsfrühstück … mit dem Provinzial

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Der 6. Januar war für uns in diesem Jahr ein ganz besonderer Tag. Da das Samstagsfrühstück mit dem Dreikönigsfest zusammenfiel, hatten wir auf einen Besuch der Sternsinger gehofft. Aber die wollten sich erst ab 14.00 Uhr auf den Weg machen.

Wir konnten uns wieder über einen reich gedeckten Tisch und viele Besucher freuen – auch von weiter her: Siglinde aus Nürnberg war gerade in der Stadt und später kam auch Jens aus Leipzig dazu. Ein besonderer Höhepunkt und eine besondere Freude für uns war, daß der seit 1. Juni amtierende neue Provinzial Johannes Siebner (SJ )zu uns kam. Er ist Berliner, kennt die WG Naunynstraße und war zuletzt vor über 20 Jahren da. Er wurde befragt, wie viele Jesuiten es in Deutschland gibt (etwas über 300), worum es bei den Jesuiten geht (Bildung, Spiritualität und Gerechtigkeit). Er erzählte uns von seiner Romreise, wo er sich vor kurzem zwei Wochen lang mit anderen im letzten Jahr neu ernannten Provinziälen aus der ganzen Welt getroffen und ausgetauscht hat. ‚Einiges davon kann man auch in seinem Artikel „Wie geht Provinzial?“ nachlesen samt Foto mit Papst Franziskus.

Schwester Rita brachte uns ein Sternsinger-Lied mit und eine Betrachtung von Karl Rahner SJ zum Feiertag, die überschrieben war mit „Reise des Herzens„. Dort heißt es:

„Sie sehen einen Stern seltsam am Himmel emporsteigen. Und wenn sie auch erschrecken vor der Kühnheit ihres Herzens, so gehorchen sie doch und brechen auf. Sie gehen verschlungene Wege, aber vor Gottes Augen ist es der gerade Weg zu ihm, weil sie ihn in Treue suchen …Und wie sie endlich ankommen und niederknien, tun sie nur, was sie eigentlich immer taten, was sie auf der Suche und Reise schon taten: sie bringen das Gold ihrer Liebe, den Weihrauch ihrer Ehrfurcht, die Myrrhe ihrer Schmerzen vor das Antlitz des unsichtbar-sichtbaren Gottes. Still, wie sie gekommen sind, schwinden sie wieder aus dem Gesichtskreis der heiligen Geschichte … Lasst auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Lasst uns aufbrechen und vergessen, was hinter uns liegt … Der Weg geht durch Wüsten und Finsternisse. Aber verzage nicht: der Stern ist da und leuchtet … Brich auf, mein Herz, und wandre! Es leuchtet der Stern. Viel kannst Du nicht mitnehmen auf den Weg. Und viel geht dir unterwegs verloren: Lass es fahren. Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir. Er wird sie annehmen. Denn du wirst ihn finden.“

Mich erinnerte das an das Unterwegssein bei den Exerzitien auf der Straße. Später am Vormittag würde Pater Siebner sagen: „Unser größtes Exerzitienwerk sind die Straßenexerzitien. Und die brauchen keine Häuser“.

Unser Freund Roj erzählte uns, daß dieser Samstag auch der Tag war, an dem Hindus an die Ermordung von Mahatma Gandhi vor siebzig Jahren erinnern. Er hat aus seiner Tradition das Lied mitgebracht und gesungen, das Mahatma Gandhi bei der öffentlichen Versammlung gesungen hat, in deren späteren Verlauf er von einem Fanatiker ermordet worden ist. Es waren für uns alle sehr bewegende Momente.

Auch in der jüdischen Tradition war dieser Samstag ein besonderer: Es war im G-ttesdienst der Synagoge der Schabbat, an dem ein neues Buch im Torahlesezyklus begonnen wurde mit dem Wochenabschnitt Schemot, also das Buch Exodus (2. Buch Mose) mit der Erzählung der Geburt des Moses. Das stellt insofern eine Parallele dar, weil in der Kindheitsgeschichte des Evangelisten Matthäus einige Motive aus der Geburtsgeschichte von Moses auftauchen.

Und dann kamen sie ganz überraschend doch noch: Die Sternsinger von Sankt Michael – eigentlich mehr Sternsingerinnen. Sie hatten Liederhefte dabei, die rasch verteilt waren. So sangen wir miteinander einige Sternsinger-Lieder. Weihrauch zog durch die Wohnung und der Segen für uns und für alle die bei uns ein und aus gehen wurde an die Türpfosten geschrieben.

Sternsinger 2018

Daneben und dazwischen gab es viel Zeit für Gespräche und Kennenlernen. Es war ein reicher Vormittag, der nach dem Frühstück noch nicht zu Ende war, sondern etwas später für die, die wollten und auch andere, die neu dazu kamen mit einem Bibliolog zum Tagesevangelium, dem Besuch der Sterndeuter, weiterging.

Weihnachtszeit – Besuchszeit

An Weihnachten und in der Weihnachtszeit konnten wir uns über viel Besuch freuen. Es ging schon los am letzten Adventswochenende der dieses Mal kurzen Adventszeit.

Markus aus Köln, der uns immer im Dezember besucht, kam über das letzte Adventswochenende mit seiner Trompete und war wieder auf Berliner Plätzen unterwegs um Menschen mit Weihnachtsliedern zu erfreuen. Seine musikalische Unterstützung kam uns auch im Rahmen des lebendigen Adventskalenders zugute, an dem wir mit einem Bibliolog zum Lied „Tochter Zion freue dich …“, dem der biblische Text aus Sacharja 9 zugrunde liegt, beteiligt waren. In einer konfessionell gemischten Runde (katholisch, evangelisch, altkatholisch und freikirchlich) legten wir den Text miteinander aus.

Zu Weihnachten kam unser ehemaliger Mitbewohner Rana zu uns, der jetzt im dritten Semester in Frankfurt studiert und blieb mit einer kurzen Unterbrechung bis heute morgen bei uns. Zwischen den Jahren überraschte uns dann Bruder Wilfried von der Emmaus-Gemeinschaft, der zwei Tage bei uns blieb. Manchen ist er als Esels-Pilger bekannt. Er brachte sein Akkordeon mit. Das Weihnachtsliedersingen am ersten Abend hat uns so viel Freude gemacht, daß wir am nächsten Abend gleich noch einige Freunde eingeladen haben zu einem weiteren Singen dazuzukommen.

In den letzten Jahren hat uns regelmäßig Nico aus Italien eine Woche besucht und zwar um den Jahreswechsel herum. Leider kann er dieses Jahr nicht kommen, weil er auf einer Reha ist wegen seines Rückens. Wir sind darüber traurig und hoffen, daß es Nico bald wieder gut geht und der Besuch nachgeholt werden kann. Ein besonderer Höhepunkt war das Samstagsfrühstück am 6. Januar, an dem die Weihnachtszeit endet. Davon soll dann in einem neuen Posting die Rede sein, nämlich hier (Samstagsfrühstück mit dem Provinzial).

Jesuiten-Salat …

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… heißt eine neue kulinarische Kreation von Franz anlässlich des Besuches von Markus Franz (SJ), der für die älteren Brüder 70plus verantwortlich ist und deshalb unseren ältesten Mitbewohner Christian Schmitt besucht hat.

Als Beilagen wurden würzige Mini-Buletten (obere Bildleiste rechts) und eine Gemüselasagne (obere und untere Bildleiste Mitte) gereicht.

Wer sich selbst daran versuchen möchte:

  • Chinakohl
  • orange Paprikaschoten
  • Mandarinenspalten
  • frische Minze

Dressing: französischer Senf – Frischkäse

Genauere Details verrät Franz nicht. Die Fotos sind von unserem neuen Mitbewohner Luke Sonnenglanz.

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Geschenk aus der Schweiz

Ovomaltine

Ovomaltine

 

Felix hat vor einiger Zeit bei uns in der WG Exerzitien auf der Straße gemacht. Jetzt war er mit einer Gruppe junger Erwachsener aus seiner Pfarrgemeinde in Berlin. Er hat sich daran erinnert, daß ein Mitbewohner besonders gern Ovomaltine trinkt. Die Dose mit dem WG Naunynstraße – Schriftzug hat uns allen sehr gefallen. Und der beschenkte Mitbewohner wußte gar nicht, ob ihn nun die Dose oder der Inhalt mehr erfreut.

Samstagsfrühstück mit Besuch aus Siessen

naunyn-tisch 05Vor einiger Zeit erzählte Schwester Ingrid von der Kreuzberger Kommunität der Franziskanerinnen aus Siessen, daß die Generaloberin Schwester Anna-Franziska dieses Wochenende in Berlin sein wird. Als diese dann überraschend mit Schwester Elsbeth zu unserem gut besuchten Samstagsfrühstück kommt, gibt es ein großes Hallo. Eine Generaloberin hat man schließlich nicht alle Tage am Frühstückstisch. Und so wurde vor allem von unseren männlichen Gästen die Gelegenheit reichlich genutzt, Fragen rund um das Ordensleben zu stellen: Wie viele Mitglieder in wie vielen Gemeinschaften der Orden hat (über 350), ob die Ordenstracht Pflicht oder freiwillig ist (Pflicht), wann man sie bekommt (während des ersten Noviziatsjahres), wie lange es zu den ewigen Gelübden dauert (nach der zeitlichen Profeß am Ende des Noviziats noch fünf Jahre), was die Schwestern tun und wovon sie leben …

Dabei wurde deutlich, daß unsere Frühstücksgäste kein Blatt vor den Mund nehmen. W. wollte wissen, wie die Generaloberin das Buch von Veronika Peters findet – kannte sie nicht (es geht dabei um eine Frau, die nach 12 Jahren Ordensleben das Benediktinerinnenkloster verläßt). Ja, das gäbe es bei ihnen auch, meinte die Generaloberin. W. hackt nach, ob es dann für die, die geht „eine Apanage gibt“. Eine Apanage nicht, aber es gibt Hilfen für den Neuanfang: Unterstützung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche… Jetzt will es J. ganz genau wissen: Ob es „auch bei Ihnen Schwierigkeiten mit den Finanzen gegeben hat“. Schwester Anna-Franziska begreift nicht gleich, was er meint. „Na, bei den Franziskanern – die haben doch Geld verzockt an der Börse. Und jetzt ist der Orden pleite und die Franziskaner sind wieder arm“. Schwester Anna-Franziska versteht, macht eine wegwerfende Handbewegung und kommentiert: „Ach – M-ä-n-n-e-r“ und der ganze Tisch, der interessiert und gespannt zugehört hat, bricht in Lachen aus.

Bernd aus der Lüneburger Heide war wieder da (wieder mit großem Käsepaket), um „Euch nach dem Weggang von Christian zu zeigen, daß ihr mir weiterhin wichtig seid“, was uns freut. Einige waren neu da, und andere fanden nach längerer Zeit wieder einmal den Weg in die Naunynstraße.

 

Besuch vom Bischof

Bischof Heiner Koch

Bischof Heiner Koch

Am  Dienstag hat uns Erzbischof Heimer Koch besucht und am wöchentlichen Kommunitätsabend teilgenommen. Seit Herbst 2015 ist er Erzbischof der Erzdiözese Berlin mit 400 000 Katholiken.

Franz konnte nur mit Mühe davon abgehalten werden ein mehrgängiges Menü zuzubereiten nachdem wir ihm erklärt hatten, daß der Bischof bei vielen Anläßen etwas zu essen bekommt und an diesem Tag sicher auch schon vor uns. So gab es ganz normal Reis mit einer leckeren Gemüsesoße. Beim wöchentlichen Austausch warf Christians Abschied und das Fest, das wir zu seinem Geburtstag, seinem Weggehen und dem Übergang feiern werden, deutliche Schatten voraus. Er reihte sich mit einer Erfahrung in unsere Runde ein.

Anschließend feierten wir nach einer kurzen Pause miteinander die Messe. Im Rahmen seiner Worte zum Tagestext (Johannes 3, Nikodemus) gab er seinen Bischofsring herum, auf dem Jesus mit großen Händen dargestellt ist und für ihn durch die großen Hände das Wirken Gottes symbolisiert. Anschließend gab nahm er auch sein Bischofskreuz ab und gab es herum: Ein Kreuz, das in eine Jakobsmuschel – ein Pilgersymbol – eingearbeitet ist und gab uns Anteil, was diese beiden Zeichen, Ring und Kreuz, für ihn bedeuten.

Er hat uns in dieser Phase des Umbruchs sehr ermutigt und an unserem Leben Anteil genommen, auch an den Aspekten, die nicht öffentlich mitteilbar sind.

Zum Weiterlesen:
Gottesdienst am Küchentisch