Jerusalem in Kreuzberg

Vorletztes Weihnachten kam als große Überraschung neben einem opulenten  Süßigkeitenpaket, das er schon viele Jahre an uns schickt, sein Seidenmalbild Jerusalem bei uns an. Es ist das Erste, das Gäste sehen, wenn sie unsere Wohnung betreten. Es hängt gleich gegenüber von unserer Wohnungseingangstür:

– Jerusalem – von Michael KagelD

Diese Woche haben wir Michael, der um 2002 für ein halbes Jahr hier gelebt hat, endlich persönlich kennengelernt. Wegen Corona mußte der Besuch zwei Mal verschoben werden. Wir freuen uns sehr über die gemeinsame Zeit mit ihm und sind lecker beim Kommunitätsabend bekocht worden (Nudeln mit Tomaten-Thunfisch-Sauce). Der Chefkoch will das Rezept übernehmen, was einem Ritterschlag gleichkommt. 

xxxx

#WMDEDGT April 2022: Immer wieder dienstags …

Am 5. des Monats ruft die Nachbarbloggerin immer zum Tagebuchbloggen auf unter dem Motto „WMDEDGT?“ (kurz und knackig für „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“). Manchmal melde ich mich auch hier im Blog zu Wort und dieses Mal habe ich wieder einiges zu erzählen. 

Ich bin der Tisch von der Wohngemeinschaft Naunynstraße mitten in Kreuzberg  im ehemaligen SO 36. Ich stehe hier mitten im Wohnzimmer seit 38 Jahren und habe schon viele kommen und gehen sehen. Zur Zeit steht neben mir ein kleiner Kollege, auf dem ein Bild von Christian mit Blumen und Kerzen steht. Christian hat die WG mit Michael und Peter 1979 in der Sorauer Straße – auch in Kreuzberg – begonnen. Da war ich auch schon dabei und bin 1984 dann mit umgezogen. Christian ist Ende Februar gestorben. Und sein Tod beschäftigt alle hier sehr.

Christian Herwartz im Herbst 2021

Hier sieht man Christian in Kladow, im Garten des Seniorenheims der Jesuiten. Dorthin mußten wegen Corona die Jesuiten der Altersgruppe 70plus. Es ist das letzte Foto, das wir von ihm haben. 

Zur Zeit wohnen nur zehn Leute um mich herum. Seit letzter Woche findet das Frühstück wieder um 8.00 h statt, zu dem alle kommen, die nicht unterwegs in der Arbeit oder bei anderen Terminen (Ämter, Jobcenter …) sind. Jobcenter findet ja im Moment auch online statt. 

Beim Frühstück waren zwei Menschen aus der Nachbarschaft dabei, die öfter dazu kommen. Es gibt immer interessante Gesprächsthemen. Die beiden Gäste sind politisch sehr interessiert und einer seit Jahrzehnten in der Kommunalpolitik in Kreuzberg aktiv. Da gibt es dann immer interessante Neuigkeiten. Morgen, am Mittwoch, wir der Maria-von-Maltzan-Platz in unserer Nachbarschaft eingeweiht. Maria von Maltzan  war während der Zeit des Nationalsozialsozialismus in einerA Widerstandsgruppe aktiv und hat Juden in ihrer Wilmersdorfer Wohnung versteckt und versteckten Juden geholfen. Später war sie als Zirkustierärztin unterwegs. Am Ende der Naunynstraße ist ein Rondell, das nach ihr benannt wird. Dort hatte sie ab 1984 eine Tierarztpraxis, in der sie die Tiere von Punkern und armen Leuten umsonst behandelt hat. 

 Außerdem wurde noch von Mabels Besuch am Montag erzählt. Sie hat mit ihrer Mitschwester Margit hier ein neun Monate gelebt. Es war eine Art Schwangerschaft. Danach haben sie die Berliner Beratungsstelle von Solwodi gegründet.  Dort bekommen Frauen, die von Menschenhandel und Zwangsprostitution betroffen sind, Hilfe. Bei uns haben auch schon welche gewohnt, wenn in der Zufluchtswohnung von Solwodi kein Platz mehr war. Unser Ex-Mitbewohner Rockn Rolf hat auf mir die Karrikaturen zur Illustration der Solwodi-Website gezeichnet, die hier zu sehen sind. Mabel hat hier von ihren Erinnerungen an die Zeit in der WG erzählt. Für die Gedenkwand hat sie uns ein Foto von Margit mitgebracht, die vor zwei Jahren verstorben ist. 

Ein Besuch hat von der Angst erzählt, durch die steigenden Lebensmittel- und Energiepreise nicht mehr mit dem Geld von der Grundsicherung auszukommen. 

Um die Mittagszeit war es dann recht ruhig hier – abgesehen von einigen Frühjahrsputzaktivitäten – bis dann am Nachmittag der Chefkoch von der Arbeit nach Hause kam. Ein Mitbewohner hatte schon einige Packungen Champignons, die wir von der Tafel bekommen haben, vorbereitet. Sie wurden zu einer Pizza für unseren Gemeinschaftsabend vorbereitet, der jeden Dienstag stattfindet.

Um 18.00 Uhr treffen wir uns immer zum Abendessen. Zwei waren nicht da, weil sie gerade an Straßenexerzitien teilnehmen. Nach dem Essen sitzen wir immer zusammen und erzählen, was uns bewegt: Was uns freut, was uns beschäftigt, was schwer ist.

Einer hat eine Ausbildung zum Lokführer begonnen und muß sich in eine neue Tagesstruktur hineinfinden. Ein anderer hofft, daß er endlich in den Sprachkurs einsteigen kann, für den er im März 2020 eine Zusage hatte, der aber wegen dem Lockdown ausgefallen ist. Ein anderer beschäftigt sich mit einer längeren Perspektive für seine Zukunftsplanung …

Danach machen wir eine Viertelstunde Pause und dann treffen sich die BewohnerINNEN, die miteinander singen, meditieren, beten, Texte aus heiligen Schriften hören und sich darüber austauschen wollen – eine Form von Gottesdienst, zu dem jeder etwas beitragen und mitbringen kann. Danach wird es ruhig hier im Wohnzimmer. 

Mehr zu Maria-von-Malteizan
Mehr Beiträge zu #WMDEDGT April 2022 sind hier am Ende des Postings

xxx

Absolut ruhig …

… is des bei Euch. So gut wie bei Euch hab ich schon lang nimmer geschlafen. Ich hab mich richtig gut bei Euch erholt“ – so Orginalton von unserem Freund Rudi, den es vor zwei Jahren in die Brandenburgische Provinz verschlagen hat. Vorher hat er in Berlin gelebt und uns mehrmals wöchentlich besucht – meist mit Dackel Benny (Bild links) – manchmal auch mit Rottweiler Blacky. Nun ist er seit gut zehn Tagen bei uns, schläft direkt über dem „Trinkteufel“, der Punk-Kneipe, in der es täglich rund geht bis in die frühen Morgenstunden und am Wochenende gerne länger..

 

xxx

Besuch von Markus Franz (SJ)

Einmal im Jahr bekommt unser ältester Mitbewohner Bruder Christian Schmidt (SJ) Besuch aus München. Markus Franz (SJ) ist verantwortlich für Jesuiten der Altersgruppe 70plus. Neben diesem Engagement gibt er noch etwa sechs Exerzitienkurse im Jahr, vorwiegend bei Ordensgemeinschaften.

Neben Gesprächen mit Christian selbst und den Mitbewohnern hatten wir noch ein schönes Abendessen, ein Abschiedsessen, weil ein Mitbewohner morgen in sein Heimatland zurückkehren wird.

 

 

x

Auf der Treppe …

A. erzählt: Letzte Woche wollte ich euch am Donnerstag Nachmittag besuchen. Leider war niemand zuhause. Da kam ein Mann. Der wollte auch zu euch. Er war groß und dick, hat viel und schnell gesprochen. Ich kannte ihn nicht. Er hatte eine große Tüte voller Pfannkuchen (Eierkuchen) dabei. Wir haben uns auf die Treppe gesetzt und miteinander Pfannkuchen gegessen. 

x

 

Sonntagsüberraschung

Mehr als drei Jahre ist es her, daß sie das letzte Mal in der Naunynstraße war. Seit einiger Zeit lebt sie in Berlin, und heute hatten wir die Freude, daß Katharina spontan ganz plötzlich vor der Tür stand. Glücklicherweise waren einige zuhause, was am Sonntagnachmittag nicht so selbstverständlich ist. Bei Kräutertee und Obst hörten wir von der Afrikareise, von der Familie und von der ersten Zeit in Berlin. Und schon am nächsten Samstag sehen wir uns wieder beim Frauentagsessen.

 

Bibliolog: Meiner Sehnsucht Raum geben

Anbetung der Könige (St. Lazare / Autun)

Bis jetzt gibt es gelegentlich, aber für das neue Jahr ist es monatlich geplant – einen Bibliolog nach dem Samstagsfrühstück. Die einen kommen schon zum Frühstück, und andere kommen dann um 13.30 zum Bibliolog. Am 6. Januar (Dreikönigstag – Epiphanias) fanden sich nach einem sehr bewegenden Samstagsfrühstück mit Besuch der Sternsinger noch elf Interessierte zusammen, um das Evangelium des Tages, nämlich den Besuch der Sterndeuter, miteinander zu entdecken und (neu) auszulegen.

Die Skulptur aus Autun (siehe Bild) führte uns in den Raum des Textes: Was bewegte die Sterndeuter auf ihrem Weg? Wie reagierte König Herodes als er von der Suche der Sterndeuter nach dem neugeborenen König hörte? Was genau erschreckt die Bewohner von Jerusalem? Was reden die Diener im Palast des Königs Herodes untereinander als sie erfahren, daß er die Sterndeuter den neugeborenen König suchen läßt um ihn anzubeten? Wie reagieren die Weisen als sie den Stern über Bethlehem sehen und er dort stehen bleibt? Wie reagiert Maria beim Besuch der Sterndeuter auf die Gaben, die mitgebracht werden (Gold, Weihrauch und Myrrhe)? Die Sterndeuter gehen auf einem anderen Weg / anders zurück- wie und mit welchen Gedanken und Gefühlen sind sie jetzt unterwegs?

Wer nicht dabei sein konnte, kann sich unsere Bibliolog-Meditation von vor zwei Jahren anschauen und dort auch unsere Krippe sehen:

Samstagsfrühstück … mit dem Provinzial

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Der 6. Januar war für uns in diesem Jahr ein ganz besonderer Tag. Da das Samstagsfrühstück mit dem Dreikönigsfest zusammenfiel, hatten wir auf einen Besuch der Sternsinger gehofft. Aber die wollten sich erst ab 14.00 Uhr auf den Weg machen.

Wir konnten uns wieder über einen reich gedeckten Tisch und viele Besucher freuen – auch von weiter her: Siglinde aus Nürnberg war gerade in der Stadt und später kam auch Jens aus Leipzig dazu. Ein besonderer Höhepunkt und eine besondere Freude für uns war, daß der seit 1. Juni amtierende neue Provinzial Johannes Siebner (SJ )zu uns kam. Er ist Berliner, kennt die WG Naunynstraße und war zuletzt vor über 20 Jahren da. Er wurde befragt, wie viele Jesuiten es in Deutschland gibt (etwas über 300), worum es bei den Jesuiten geht (Bildung, Spiritualität und Gerechtigkeit). Er erzählte uns von seiner Romreise, wo er sich vor kurzem zwei Wochen lang mit anderen im letzten Jahr neu ernannten Provinziälen aus der ganzen Welt getroffen und ausgetauscht hat. ‚Einiges davon kann man auch in seinem Artikel „Wie geht Provinzial?“ nachlesen samt Foto mit Papst Franziskus.

Schwester Rita brachte uns ein Sternsinger-Lied mit und eine Betrachtung von Karl Rahner SJ zum Feiertag, die überschrieben war mit „Reise des Herzens„. Dort heißt es:

„Sie sehen einen Stern seltsam am Himmel emporsteigen. Und wenn sie auch erschrecken vor der Kühnheit ihres Herzens, so gehorchen sie doch und brechen auf. Sie gehen verschlungene Wege, aber vor Gottes Augen ist es der gerade Weg zu ihm, weil sie ihn in Treue suchen …Und wie sie endlich ankommen und niederknien, tun sie nur, was sie eigentlich immer taten, was sie auf der Suche und Reise schon taten: sie bringen das Gold ihrer Liebe, den Weihrauch ihrer Ehrfurcht, die Myrrhe ihrer Schmerzen vor das Antlitz des unsichtbar-sichtbaren Gottes. Still, wie sie gekommen sind, schwinden sie wieder aus dem Gesichtskreis der heiligen Geschichte … Lasst auch uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Lasst uns aufbrechen und vergessen, was hinter uns liegt … Der Weg geht durch Wüsten und Finsternisse. Aber verzage nicht: der Stern ist da und leuchtet … Brich auf, mein Herz, und wandre! Es leuchtet der Stern. Viel kannst Du nicht mitnehmen auf den Weg. Und viel geht dir unterwegs verloren: Lass es fahren. Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir. Er wird sie annehmen. Denn du wirst ihn finden.“

Mich erinnerte das an das Unterwegssein bei den Exerzitien auf der Straße. Später am Vormittag würde Pater Siebner sagen: „Unser größtes Exerzitienwerk sind die Straßenexerzitien. Und die brauchen keine Häuser“.

Unser Freund Roj erzählte uns, daß dieser Samstag auch der Tag war, an dem Hindus an die Ermordung von Mahatma Gandhi vor siebzig Jahren erinnern. Er hat aus seiner Tradition das Lied mitgebracht und gesungen, das Mahatma Gandhi bei der öffentlichen Versammlung gesungen hat, in deren späteren Verlauf er von einem Fanatiker ermordet worden ist. Es waren für uns alle sehr bewegende Momente.

Auch in der jüdischen Tradition war dieser Samstag ein besonderer: Es war im G-ttesdienst der Synagoge der Schabbat, an dem ein neues Buch im Torahlesezyklus begonnen wurde mit dem Wochenabschnitt Schemot, also das Buch Exodus (2. Buch Mose) mit der Erzählung der Geburt des Moses. Das stellt insofern eine Parallele dar, weil in der Kindheitsgeschichte des Evangelisten Matthäus einige Motive aus der Geburtsgeschichte von Moses auftauchen.

Und dann kamen sie ganz überraschend doch noch: Die Sternsinger von Sankt Michael – eigentlich mehr Sternsingerinnen. Sie hatten Liederhefte dabei, die rasch verteilt waren. So sangen wir miteinander einige Sternsinger-Lieder. Weihrauch zog durch die Wohnung und der Segen für uns und für alle die bei uns ein und aus gehen wurde an die Türpfosten geschrieben.

Sternsinger 2018

Daneben und dazwischen gab es viel Zeit für Gespräche und Kennenlernen. Es war ein reicher Vormittag, der nach dem Frühstück noch nicht zu Ende war, sondern etwas später für die, die wollten und auch andere, die neu dazu kamen mit einem Bibliolog zum Tagesevangelium, dem Besuch der Sterndeuter, weiterging.

Weihnachtszeit – Besuchszeit

An Weihnachten und in der Weihnachtszeit konnten wir uns über viel Besuch freuen. Es ging schon los am letzten Adventswochenende der dieses Mal kurzen Adventszeit.

Markus aus Köln, der uns immer im Dezember besucht, kam über das letzte Adventswochenende mit seiner Trompete und war wieder auf Berliner Plätzen unterwegs um Menschen mit Weihnachtsliedern zu erfreuen. Seine musikalische Unterstützung kam uns auch im Rahmen des lebendigen Adventskalenders zugute, an dem wir mit einem Bibliolog zum Lied „Tochter Zion freue dich …“, dem der biblische Text aus Sacharja 9 zugrunde liegt, beteiligt waren. In einer konfessionell gemischten Runde (katholisch, evangelisch, altkatholisch und freikirchlich) legten wir den Text miteinander aus.

Zu Weihnachten kam unser ehemaliger Mitbewohner Rana zu uns, der jetzt im dritten Semester in Frankfurt studiert und blieb mit einer kurzen Unterbrechung bis heute morgen bei uns. Zwischen den Jahren überraschte uns dann Bruder Wilfried von der Emmaus-Gemeinschaft, der zwei Tage bei uns blieb. Manchen ist er als Esels-Pilger bekannt. Er brachte sein Akkordeon mit. Das Weihnachtsliedersingen am ersten Abend hat uns so viel Freude gemacht, daß wir am nächsten Abend gleich noch einige Freunde eingeladen haben zu einem weiteren Singen dazuzukommen.

In den letzten Jahren hat uns regelmäßig Nico aus Italien eine Woche besucht und zwar um den Jahreswechsel herum. Leider kann er dieses Jahr nicht kommen, weil er auf einer Reha ist wegen seines Rückens. Wir sind darüber traurig und hoffen, daß es Nico bald wieder gut geht und der Besuch nachgeholt werden kann. Ein besonderer Höhepunkt war das Samstagsfrühstück am 6. Januar, an dem die Weihnachtszeit endet. Davon soll dann in einem neuen Posting die Rede sein, nämlich hier (Samstagsfrühstück mit dem Provinzial).

Jesuiten-Salat …

jesuitensalat-la

… heißt eine neue kulinarische Kreation von Franz anlässlich des Besuches von Markus Franz (SJ), der für die älteren Brüder 70plus verantwortlich ist und deshalb unseren ältesten Mitbewohner Christian Schmitt besucht hat.

Als Beilagen wurden würzige Mini-Buletten (obere Bildleiste rechts) und eine Gemüselasagne (obere und untere Bildleiste Mitte) gereicht.

Wer sich selbst daran versuchen möchte:

  • Chinakohl
  • orange Paprikaschoten
  • Mandarinenspalten
  • frische Minze

Dressing: französischer Senf – Frischkäse

Genauere Details verrät Franz nicht. Die Fotos sind von unserem neuen Mitbewohner Luke Sonnenglanz.

jesuitensalat-lla