Bibliolog: Meiner Sehnsucht Raum geben

Anbetung der Könige (St. Lazare / Autun)

Bis jetzt gibt es gelegentlich, aber für das neue Jahr ist es monatlich geplant – einen Bibliolog nach dem Samstagsfrühstück. Die einen kommen schon zum Frühstück, und andere kommen dann um 13.30 zum Bibliolog. Am 6. Januar (Dreikönigstag – Epiphanias) fanden sich nach einem sehr bewegenden Samstagsfrühstück mit Besuch der Sternsinger noch elf Interessierte zusammen, um das Evangelium des Tages, nämlich den Besuch der Sterndeuter, miteinander zu entdecken und (neu) auszulegen.

Die Skulptur aus Autun (siehe Bild) führte uns in den Raum des Textes: Was bewegte die Sterndeuter auf ihrem Weg? Wie reagierte König Herodes als er von der Suche der Sterndeuter nach dem neugeborenen König hörte? Was genau erschreckt die Bewohner von Jerusalem? Was reden die Diener im Palast des Königs Herodes untereinander als sie erfahren, daß er die Sterndeuter den neugeborenen König suchen läßt um ihn anzubeten? Wie reagieren die Weisen als sie den Stern über Bethlehem sehen und er dort stehen bleibt? Wie reagiert Maria beim Besuch der Sterndeuter auf die Gaben, die mitgebracht werden (Gold, Weihrauch und Myrrhe)? Die Sterndeuter gehen auf einem anderen Weg / anders zurück- wie und mit welchen Gedanken und Gefühlen sind sie jetzt unterwegs?

Wer nicht dabei sein konnte, kann sich unsere Bibliolog-Meditation von vor zwei Jahren anschauen und dort auch unsere Krippe sehen:

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Ein Zelt tanzt – Bibliolog zum Jahr der Barmherzigkeit (3)

 

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Sieger Köder: Besuch im Hain Mamre

Beim dritten Bibliolog-Treffen nach dem Samstagsfrühstück war die Runde der Teilnehmenden sehr international (vier Länder) und interreligiös besetzt (christlich – jüdisch – muslimisch).

Wir beschäftigten uns mit dem Besuch der drei Boten bei Abraham und Sarah (1 Mose 18 / Bereschit 18).  Der Midrasch erzählt von Abrahams großzügiger Gastfreundschaft: Sein Zelt sei nach allen vier Seiten offen gewesen, damit er möglichst frühzeitig ankommende Gäste sehen konnte. In Beersheva hatte er eigens einen großen Obst- und Gemüsegarten anlegen lassen. Jeder, der vorbei kam, durfte davon nehmen. Die Geschichte vom Besuch der drei Boten folgt direkt auf die Beschneidung von Abraham mit 99 Jahren und allen Männern, die mit ihm wohnten. Deshalb wird der Besuch der Boten / Engel auch als Krankenbesuch gesehen. In diesen Kontext habe ich dann die Hinführung eingebettet.

Besonders aufgefallen ist mir die bildhafte Sprache der Teilnehmerinnen aus romanischen Ländern (Frankreich und Italien). Ich hatte das Zelt (der Sarah) gefragt, wie es die Worte hört, daß Sarah in einem Jahr einen Sohn haben wird: Ich tanze vor Freude, wenn ich mir vorstelle …

Beim anschließenden Austausch wurden wir von einer Teilnehmerin auf den Zusammenhang zwischen der Gastfreundschaft und der entstehenden Fruchtbarkeit von Sarah hingewiesen.

Bibliolog und die Werke der Barmherzigkeit

blühende Buchstaben

blühende Buchstaben

Gestern haben wir uns zum zweiten Mal zur monatlichen Bibliolog-Runde nach dem Samstagsfrühstück getroffen. In unserem Wohngemeinschaftswohnzimmer wurde es eng.

Beim ersten Treffen im Juli sind wir der Frage nachgegangen: „Wer ist mein Nächster?“ und zwar anhand der Parabel vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25 ff). Wir haben uns damit beschäftigt, was Barmherzigkeit in verschiedenen religiösen Traditionen bedeutet. Bis November begeht die katholische Kirche das Jahr der Barmherzigkeit, was mir als Anregung für die Auswahl des Textes diente.

Die christliche Tradition kennt sieben Werke der Barmherzigkeit:

  • Hungrige speisen
  • Durstige tränken
  • Fremde beherbergen
  • Nackte bekleiden
  • Kranke besuchen
  • Gefangene besuchen
  • Tote bestatten

Die ersten sechs Werke finden sich in der Endzeitrede im Evangelium nach Mätthäus (Kapitel 25). Der Kirchenvater Lactantius (verstorben um 250) hat das siebte Werk (Tote bestatten) hinzugefügt und sich dabei auf das Buch Tobit bezogen, das im nicht zum jüdischen Kanon gehört.

In einem anderen Werk (Epitome divinarum institutionum) benennt dieser Kirchenvater jedoch neun Werke der Barmherzigkeit:

  • Hungernde speisen
  • Nackte kleiden
  • Unterdrückte befreien
  • Fremde und Obdachlose beherbergen
  • Waisen verteidigen
  • Witwen schützen
  • Gefangene vom Feind loskaufen
  • Kranke und Arme besuchen
  • Tote bestatten

Katholische Internetseiten betonen, daß diese Aufzählung nicht aus einer Bibelstelle herzuleiten ist. Mein Kommentar: Sie stammt aus der rabbinischen Tradition des Judentums. Es gibt nach jüdischem Verständnis Gebote, die einen so hohen Stellenwert haben, daß – wenn man sie ausführt – der Lohn nicht erst in der kommenden Welt eintritt, sondern schon in dieser Welt zuteil wird. Im Morgengebet, wie es jeder orthodoxe Jude täglich betet, werden genau diese neun Mizwot (Gebote) in diesem Zusammenhang benannt.

Vorgestern habe ich dann eine Geschichte zum Thema Barmherzigkeit ausgewählt, die normalerweise eher im Kontext von Wundergeschichten thematisiert wird, nämlich die Begegnung vom Propheten Elischa und einer Witwe (2 Könige 4). Die beiden Söhne der Witwe sollen in Schuldknechtschaft verkauft werden. Die Witwe hat noch einen kleinen Krug mit Öl. Der Prophet weist sie an, bei den Nachbarn Gefäße auszuleihen, was sie tut. Diese Gefäße werden mit Öl gefüllt, das sie verkaufen kann und damit die Schulden bezahlen kann.

Im anschließenden Gespräch haben wir unterschiedliche Aspekte vertieft. Dabei fühlte sich ein Teilnehmer auch an die Exerzitien auf der Straße erinnert, bei denen das Hören im Mittelpunkt steht und oft ein Impuls, der ungewohnt ist, der quer liegt, zu etwas führt, was man überhaupt nicht im Blickfeld hatte und so neue Perspektiven eröffnet ähnlich wie bei der Witwe, die sich auf die Anweisung des Elischa einläßt und Gefäße ausleiht.

Die nächsten Termine für die Bibliolog-Treffen werden auf der Termin-Seite unter dem Headerbild zu finden sein.

Zum Weiterlesen:
Bibliolog – aus Liebe zur Schrift (eigener Artikel auf dem Bibliolog-Weblog)

Samstagsfrühstück und Bibliolog

blühende Buchstaben

blühende Buchstaben

In den letzten Wochen kam mehrmals von BesucherINNEN die Frage, ob es nicht einmal im Monat nach dem Samstagsfrühstück ein Bibliolog-Angebot und einmal monatlich Straßenexerzitien geben könnte.

Wir greifen das gerne auf und laden am Sa. 9. Juli um 14.00 h zum Bibliolog ein. Es wird um das Thema Barmherzigkeit gehen.

Wer Lust hat, kann gerne dazu kommen: Zum Frühstück allein, zum Bibliolog allein oder zu beidem.
Leider ist die Klingelanlage derzeit defekt. Hoffentlich ändert sich das bis Samstag. Ansonsten versuchen wir die Haustür offen zu halten.
Notfalls: Telefon 030 / 614 92 51.
Zum Weiterlesen:
Bibliolog in Berlin

Karsamstag: Wie uns die Zeiten ändern

Vor zwei Jahren am Karsamstag war ich als Besucherin beim Samstagsfrühstück in der Naunynstraße. Einige Bewohner und Freunde hatten mich gefragt, ob ich ihnen bei ihrem Oasentag den Karsamstag über einen Bibliolog erschließen könnte. Über diese Erfahrung und wie ich den Karsamstag sehe, habe ich hier geschrieben.

Heute habe ich mit Christian, Hilmtrud und Andrea eine Gruppe von jungen Erwachsenen aus der CAJ (christliche Arbeiterjugend) begleitet, die Exerzitien auf der Straße gemacht haben.

Kommunitätsabend mit den Weisen aus dem Osten

Vor einigen Jahren hat die Gemeinschaft eine Krippe aus Simbabwe geschenkt bekommen. Sie stand am Ende des letzten Kommunitätsabends im Mittelpunkt. Jeden Dienstag treffen wir uns erst zum gemeinsamen Essen, zum Austausch und wer mag ist anschließend noch zur Feier des Gottesdienstes eingeladen. Diese Woche (5. Januar) war das der Vorabend des Dreikönigstages mit einer etwas anderen Gestaltung.

Ich stellte die drei Figuren der Weisen in unsere Mitte, und wir erschlossen die Geschichte mit einem Bibliolog. Um auch den Freundinnen und Freunden der Naunynstraße und anderen Interessierten, die uns nicht während der Weihnachtszeit besuchen können, unsere Krippe zu zeigen, hat luke sonnenglanz eine Fotoserie gemacht. Wir haben daraus eine Bibliolog-Meditation gemacht und ins Internet eingestellt. Sie dauert 8 1/2 Minuten.

Nach den Fragen bleibt 30 Sekunden Zeit um eigene Antworten zu finden. Ich habe die Neue Genfer Übersetzung verwendet. Man kann den Text hier nachlesen.  Zum Anschauen des Videos muß man auf den weißen Pfeil in der Bildmitte klicken.

 

Weihnachten in der Naunynstraße …

liegt nun auch schon gut zwei Wochen zurück – zumindest der Weihnachtsabend. Wir haben mit fast 30 Menschen aus vier Kontinenten und unterschiedlichen religiösen Traditionen gefeiert. Altersmäßig war von 84 Jahren bis vier Monate alles vertreten. Besonders gefreut haben wir uns darüber, Mary, die im September geboren worden ist, zum ersten Mal zu sehen. Ihre Mutter, eine Frau aus Nigeria, hat die letzten Schwangerschaftswochen mit Marys 4jähriger Schwester bei uns gelebt.

Wer mehr über unseren Weihnachtsabend wissen will, kann hier weiterlesen. Und natürlich wurden wir – wie könnte es in der Naunynstraße anders sein – kulinarisch verwöhnt: Von Franz mit asiatischer Küche und Ralf mit Gulasch.