Coming soon: Pessach 5781 im Corona-Modus

Pessachpaket 1

Pessachpaket 5781

Es ist nun das zweite Jahr, in dem wir Pessach nicht in großer Runde zuhause oder im jüdischen Gemeindezentrum mit Freunden, Verwandten und mindestens einem fremden Gast feiern können. Base Berlin und Hillel Deutschland, zwei jüdische Organisationen, haben sich für diese Situation etwas Besonderes überlegt und mit vielen Freiwilligen Pessach-Pakete gepackt, die auf die Situation von Singles abgestimmt sind:

Hinten rechts ein Paket mit Mazzen (ungesäuerte Brote), in der Mitte zwei Gläser mit Maror (Bitterkräuter) und Charosset, das den Lehm symbolisiert mit dem die Israeliten als Sklaven der Ägypter Bauwerke errichten mußten.. Auf der rechten Seite liegt ein Faltblatt mit den traditionellen Segenssprüchen, die die die einzelnen Teile des Seder einleiten und begleiten. Normalerweise – wenn man in großer Runde versammelt ist – hat jede/r eine Haggada: Ein Heft im DIN A4 – Format, etwa einen halben Zentimeter dick, mit der Liturgie, also den Segenssprüchen, den Fragen, den Gebeten und Auslegungen, die abwechselnd gelesen werden.

Wenn man allein feiert ist das so nicht durchführbar. Deswegen liegen hier die künstlerisch gestalteten quadratischen Karten. Jede steht für einen Abschnitt der Seder-Feier. Auf der Rückseite ist dann ein Impuls zum Nachdenken oder eine Meditation abgedruckt, von ganz unterschiedlichen Menschen verfaßt. Eine ansprechende und schöne Idee.

Zum Weiterlesen:
Pessach 5779
die einzelnen Teile des Seder

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Anstrengender Jahresbeginn

Einige, die den monatlichen Newsletter der Jesuiten erhalten und den geistlichen Impuls von Klaus Mertes gelesen haben, haben ganz richtig vermutet, daß es die momentane Situation in unserer Wohngemeinschaft ist, die er im ersten Absatz  thematisiert: 

„Bericht aus einer Wohngemeinschaft: Ein Mitbewohner, auf die 90 zugehend, ist seit drei Wochen zu einem schweren Pflegefall geworden. Die Einzelheiten zu beschreiben erspare ich mir und Ihnen, den Leserinnen und Lesern. Kurz nach Weihnachten dachten wir, er würde bald sterben. Es ist nicht so weit gekommen. In besonders schwierigen Phasen hält uns die Pflege und die Sorge gemeinsam 24 Stunden lang in Atem. Nachts wechseln sich drei von uns ab, um selbst genug Zeit zum Schlafen zu haben. Kurz nach Weihnachten müssen wir den Notarzt rufen, wegen akuter Schmerzen unseres pflegebedürftigen Mitbewohners. Der holt ihn ab, lässt ihn aber nach einigen Stunden mit dem Notarztwagen zurückbringen – die Schmerzursache ist beseitigt, aber das Krankenhaus ist eben kein Pflegeheim. Wie weiter?

Das benachbarte Pflegeheim hat keinen Platz. Dort steht er eigentlich auf der Warteliste. Mit Hilfe einer Freundin gelingt es uns, eventuell in einem anderen Pflegeheim vorübergehend einen Platz zu ergattern – vorausgesetzt, unser Mitbewohner ist negativ auf Corona getestet. Wir lassen ihn testen – vier Tage später ist der Befund da: Positiv. Daraufhin müssen wir alle für 14 Tage in Quarantäne. Zu beschreiben, was das im Einzelnen bedeutet, erspare ich mir und Ihnen ebenfalls. Wir sind ratlos. Da uns die Windeln fehlen, sind wir nun auf Freunde angewiesen, die sie uns besorgen und vor die Tür legen. Doch woher? Bei der Krankenkasse ist niemand erreichbar. Die Apotheken rücken nichts raus. Über verschlungene Wege, die vorerst ein Geheimnis bleiben sollen, gelingt es dann doch, Windeln für die nächsten beiden Tage zu bekommen. Wie es danach weitergeht, wissen wir noch nicht…“

So haben wir den Anfang des neuen Jahres in Quarantäne verbracht und uns über viele Nachfragen und Anteilnahme, wie es uns geht gefreut und auch über viel praktische Unterstützung, Ein befreundetes Paar hat uns zwei Mal einen ganzen Kofferraum voller Lebensmittel von den Schwestern von Mutter Theresa gebracht. Immer am Samstag bringen Händler der umliegenden Geschäfte Obst, Gemüse sowie am Wochenende ablaufende Milchprodukte zu den Schwestern, wo sie verteilt werden. Immer wieder wurden wir von Freunden gefragt, ob man Besorgungen für uns übernehmen kann.

Nur eine Frage ist immer noch offen: die nach den Windeln. Nachdem wir die Zeit zwischen den Jahren überbrücken konnten, hat die Hausärztin am 4. Januar die Verordnung an die Krankenkasse geschickt. Die Krankenkasse hat diese Verordnung an einen Fachhandel nach Süddeutschland weitergegeben, wo sie bis vorgestern nicht ankam. So geht das Ping-Pong hin und her. Der Fachhandel kann nichts schicken, weil keine Verordnung von der Krankenkasse vorliegt. Die Krankenkasse meint, man müsse warten bis die Verordnung beim Fachhandel eintrifft. Nach drei Wochen und mehreren Nachfragen ist immer noch nichts passiert. Der Vorschlag, die Verordnung nochmal zu übermitteln, da sie offenbar verloren gegangen ist oder ein Übermittlungs-fehler vorliegt, wird von der Krankenkasse nur zögerlich aufgenommen. Vorgestern lag dem Medizindienstleister noch nichts vor. Immerhin haben wir gestern per D-H-L – das wäre nochmal eine eigene Geschichte – ein Probepaket bekommen, damit wir „schon mal überbrücken können“ – Inhalt: 3 (in Worten: drei) Windeln. Gewickelt wird unser Mitbewohner seit 22. Dezember. 

Der Platz für unseren Mitbewohner im Pflegeheim ist frei, aber da das Pflegeheim derzeit unter Quarantäne steht, kann er nicht aufgenommen werden.

Die positive Nachricht: Niemand von uns hatte Symptome.

Wir halten Euch auf dem Laufenden, wie es weitergeht.

So ging es weiter:
Schneckenpost
Das etwas andere Care-Paket
Gut angekommen – Christians Umzug ins Marienstift

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geschenkt: fünf Kilo Quark

 

Als Anfang des Monats der Lockdown light in Kraft trat, hat ein 5-Kilo-Eimer Quark seinen Weg zu uns gefunden. Daraus wurden mehrere Quarkspeisen, Quarkkuchen, Quarkstrudel und Kräuterquark als Beilage für Pellkartoffeln. Wir haben uns sehr über dieses leckere Geschenk gefreut und wünschen dem unbekannten Geber, der es nicht mehr verwenden konnte und durfte, dass er gut durch die Corona-Zeit kommt. 

 

 

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Das neue Normal: Sankt Martin 2020

Vertraute und lieb gewordene Traditionen loslassen: Keine Martinsumzüge mit bunten Laternen im Freien, sondern in Kirchenräumen. Auch das traditionelle Martinsspiel der Kindergarten-eltern vor der Sankt-Michaelskirche, zu dem viele ehemalige Kindergartenkinder – teilweise inzwischen schon im jugendlichen Alter – kommen, fällt aus. Und doch: Sankt Martin findet statt. In manchen Straßen ist Sankt Martin mit Bollerwagen und Pferd unterwegs. Die Kinder stehen mit ihren Laternen am Straßenrand oder an den Fenstern. Die Geschichte wird erzählt und Süßigkeiten verteilt (Video hier).  

Auch wir haben gefeiert. Ein Mitbewohner hat uns am Vorabend, unserem wöchentlichen Kommunitätsabend, mit Martinsgänse-hühnerkeulen, Klößen und Rotkohl überrascht. Zum Nachtisch flogen süße Martinsgänse mit Sahnefüllung ein, und wer die Geschichte und das Brauchtum um den Martinstag nicht kannte, konnte darüber mehr an unserem Wohnzimmer-tisch erfahren, auch mit welch unterschied-lichen Techniken Laternen gebastelt werden können und welche Erinnerungen die unter uns, die Sankt Martin als Kinder gefeiert haben, verbinden. Zum G-ttesdienst ließen wir uns von den Gedanken der abendlichen Andacht von Bruder Philipp aus dem Benediktinerkloster Maria Laach online anregen. 

Und immer wieder herausfordernd ist der Text von Christian Herwartz „Martin von Tours: Engagiert die Gleicheit mit dem Nächsten leben“, der für ein Buch über Männerspiritualität entstanden ist und hier nachgelesen werden kann. Er enthält einige weniger bekannte Aspekte aus dem Leben dieses Heiligen wie diesen:

„Als Einsiedler führte Martin ein asketisches Leben der Reinigung. Einige Brüder schlossen sich seiner Lebensweise an. Es entstand eine Gemeinschaft. Martin wurde Abt des entstehenden Klosters Marmoutier und damit zur einem Pionier des gallischen Mönchtums. Das Volk in Tours entdeckte ihn. Sie spürten seine königlichen Leitungsfähigkeiten, mit denen er aus einer inneren Klarheit heraus Entscheidungen fällte und sich der Sorgen seiner Mitmenschen annahm. Auch als Bischof lebte Martin in einer Einsiedelei und blieb seiner monastischen Berufung treu. Seine Neigung zum kontemplativen Leben und die Demut eines Mönches halfen ihm bei seinen pastoralen Verpflichtungen. Dabei lag ihm besonders die Heilung der Kranken am Herzen, wie Sulpicius Servus immer wieder erzählt.“

 

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Aktuell: Martin Luther zur Corona Seuche

Vermutlich weil gestern Reformationstag war, hat F.cebook mehrfach ein Zitat von Martin Luther angespült. Als 1527 in Wittenberg die Pest ausbrach sagte er:

„Wenn Gott tödliche Seuchen schickt, will ich Gott bitten, gnädig zu sein und der Seuche zu wehren. Dann will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte meiden, wo man mich nicht braucht, damit ich nicht andere vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tode werde. Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen. Siehe, das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dumm und dreist ist und Gott nicht versucht.“ (Quelle: Luthers Werke, Band 5, Seite 334f)

 

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Torah-Freude (Simchat Torah)

Am Montag ist die Zeit der jüdischen Feiertage mit Simchat Torah (Torahfreude) zuende gegangen. Wir feiern, daß wir die Torah haben und mit ihr leben. Auch bei diesem Fest war vieles anders als sonst. Wir konnten wegen der Abstandsregeln nicht mit den Torahrollen tanzen. Das Wesentliche – jenseits dessen, was in dieser Welt derzeit möglich oder nicht möglich ist – fasst dieser Text zusammen: 

 

 

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Samstagsfrühstück – das neue Normal (1)

Seit Beginn der Wohngemeinschaft – also inzwischen über 40 Jahre – gibt es die Einladung am Samstagvormittag:

Zu Tisch – Samstagsfrühstück: Immer am Samstag gibt es einen langen Tisch – seit fast vierzig Jahren. Mit Kaffee, Tee, Brötchen, Aufstrichen, selbstgemachten Marmeladen,  Käse, und das was ihr mitbringen wollt. Das Frühstück ist entstanden, weil wir den Alltag miteinander teilen wollen. Nicht jede/r für sich sondern miteinander. Ab 9.30 Uhr unserem Wohngemeinschafts-wohnzimmer bis 12.30 Uhr und manchmal etwas länger.

Und nun gilt durch die veränderte Situation (Corona) dieser Zusatz:

Wer kommt, wird gebeten, sich die Hände zu waschen. Der Tisch ist so gedeckt, daß wir weiter auseinander sitzen können.

Früstückstisch in Zeiten des Corona-Virus

In das neue Normal vom Samstagsfrühstück finden wir nach und nach tastend hinein. Nach und nach kommen wieder mehr Gäste – MEHR: das heißt am letzten Samstag zehn Menschen über die ganze Frühstückszeit verteilt. Der eine kürzer, die andere länger. Erstmals seit Corona-Beginn war jemand zum ersten Mal da. Sonst gibt es kaum ein Frühstück, an dem nicht jemand noch ganz Unbekanntes kommt. Und zwei, die schon lange nicht mehr da waren, haben uns wieder besucht. Neu war eine Novizin von den Franziskanerinnen in Siessen, die gerade in Berlin ein Praktikum macht. Ihr Klostername, den sie bei der Einkleidung führte zu einem Austausch, welche Namen wir haben, nach wem wir benannt sind und wer uns diese(n) Namen gegeben hat.

Zum Weiterlesen:
Mehr zum Samstagsfrühstück

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Corona: Wunden führen zusammen …

… ist ein Gespräch mit Hildegund Keul überschrieben, in dem es um die Corona-Krise, unsere Verwundbarkeit und Anregungen zum Umgang mit der veränderten Realität geht. Die Autorin forscht seit vielen Jahren zum Thema Vulnerabilität (Verletzbarkeit). Sie sagt:

Wir dürfen uns nicht im Selbstschutz verschanzen, sondern im Bewusstsein möglicher Risse im eigenen Schutzschild Risiken eingehen, die dem Leben dienen.

Der ganze Artikel ist hier zu finden.

 

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