85 Jahre …

… wurde  vorgestern unser ältester Mitbewohner Christian Schmidt (SJ). Franz zauberte einen kreativen Frühstücksteller für das Geburtstagskind, und wir nahmen uns Zeit für ein ausführliches Geburtstagsfrühstück.

 

Im Lauf des Tages kamen immer wieder Gäste und telefonische Geburtstagsgrüße. Weil der Geburtstag auf einen Dienstag fiel, gab es dann zum Kommunitätsabend als besonderes Abendessen die Lieblingsspeisen von Christian: gefüllte Paprikaschoten mit Kartoffeln und Salat und zum Nachtisch Eiskonfekt und Kuchen.

 

Video: Christian Schmidt – Jesuiten und Kunst

 

 

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Oster-Geburtstag

Intensive Feiertage – Pessach und Ostern – liegen hinter uns. Am Ostersonntag feierten wir mit vielen lieben Gästen Christians Geburtstag. Rockn RollF hat einen Geburtstagscartoon gezeichnet: Christian, wie er bei der Papstaudienz Papst Franziskus die Doktorarbeit von Michael Schindler über Straßenexerzitien überreicht. Christian ließ uns an den Eindrücken seiner letzten Reise nach Wien teilhaben, die gerade in der Karwoche stattgefunden hatte. Kardinal Schönbohm, der Klaus Mertes sehr unterstützt hat als er die sexuellen Übergriffe im kirchlichen Raum öffentlich machte, hatte Christian eingeladen um für die Priester der Diözese zwei Vorträge zu halten, die auch Predigthilfen sein sollten: Wie kann es gelingen biblische Texte ganz neu zu lesen und so lebendig werden zu lassen, war eine der Fragestellungen. Viele Priester waren in den Stephansdom gekommen, denn in der Karwoche werden die Chrisamöle geweiht, die für verschiedene Sakramente verwendet werden (Taufe, Firming) oder bei der Weihe eines Altars. Außerdem erzählte er vom Entwurf eines neuen Buches. Es wird um Straßenexerzitien gehen und wie man danach wieder gut in den Alltag hineinkommt. Eine Freude war auch der Besuch von Rana, der uns von seinen ersten Monaten im Priesterseminar erzählte – muß wohl eine Mischung zwischen Jungeninternat, Schullandheim und Studentenwohnheim sein. Ajußerdem wurde von der Karfreitagsmahnwache, die am Mahnmal für Sinti und Roma stattfand, erzählt und wir durften teilhaben an den Erfahrungen der Comboni-Schwestern mit den jungen Frauen, die sich in Berlin auf ihren Einsatz als „Missionarinnen auf Zeit“ vorbereitet haben und an unterschiedlichen Orten waren, an denen Armut sichtbar wird. Roi hat vom ökumenischen Friedensgebet am Gendarmenmarkt erzählt und ein Gebet aus seiner Hindu-Tradition gesungen. Christian Schmidt rezitierte – wie bei für jedes Geburtstagskind – das Geburtstagsgedicht. Das ganze fand rund um unsere große Tafel mit einem leckeren Festessen statt: Franz hatte Lachs im Blätterteig, ein Reisgericht mit Mango-Gemüsesauce und Salat zubereitet. Zum Nachtisch gab es Geburtstagskuchen und Obstsalat.

Der Abend „Perspektiven Italiens“ (Teil 2) mit Bildern, Musik und Texten über Aosta und Spezziola schloß die Feiertage ab und entließ uns in den Alltag.

FESTE feiern wie sie fallen

Heute hat Franz ein köstliches Geburtstagsessen für Gaston gezaubert – voila:

Wildlachs mit Kräuterkruste und Räucherlachs im Salatbett mit Kiwi und Grapefruit mit gemischtem Gemüse in Kokossauce

Wildlachs mit Kräuterkruste und Räucherlachs im Salatbett mit Kiwi und Grapefruit und gemischtes Gemüse in Kokossauce (Foto: Rockn RollF)

Die Diskussion der Bildunterschrift – Franz bestand auf Vollständigkeit – dauerte fast länger als der Kochvorgang.

Nicht im Bild: Als Dessert Honigmelone sowie die Saftbegleitung (Guave und / oder Passionsfrucht)

5 Sterne Frühstück für Christian Schmidt

Unser ältester Mitbewohner Christian Schmidt (SJ) mag seinen Geburtstag nicht feiern und meint zu diesem Thema: „… aber Ihr könnt machen, was Ihr wollt“. Et voila:

 

Geburtstagsfrühstück CS 2

Franz hat ein 5-Sterne Frühstück gezaubert mit der Unterstützung von Miriam

Interview mit Christian Schmidt (SJ): Jesuiten im Gespräch:
Jesuit sein und die Kunst (Audio 15 Minuten)

Ein Tisch erzählt … vom Fest (2)

Ein Tisch erzählt … vom Fest: Teil 1

Am Samstagmorgen, dem großen Tag, versammelten sich alle, die da waren um 8.00 Uhr um mich um zu frühstücken. Das war ungewöhnlich früh, denn normalerweise findet das Samstagsfrühstück immer als offenes Frühstück von 9.30 h bis 12.30 h mit vielen Gästen in großer Runde statt. Es war das erste Mal, daß das Samstags-frühstück in dieser Form ausfiel – und zwar wegen der vielen Vorbereitungen für das Fest, das um 15.00 Uhr beginnen sollte.

Außer den Bewohnern saß noch ein Gast in der Frühstücksrunde: Dorothea aus Frankfurt. Die kannte ich schon von ihrem Aufenthalt im Februar als sie zwei Wochen in der Naunynstraße zu Gast war und in einer Flüchtlingsunterkunft mitgearbeitet hat und zwar im Rahmen eines Praktikums für die Ausbildung zur Exerzitienbegleiterin. Danach hat sie noch das Osterwochenende in der Naunynstraße verbracht. Sie wollte den Bewohnern und Bewohnerinnen etwas Wichtiges mitteilen. Es wurde ganz still. Dorothea erzählte, wie sehr die Zeit in der Naunynstraße sie berührt hat und die Gemeinschaft sie nicht mehr losgelassen hat. Darüber war sie mit verschiedenen Menschen im Gespräch und hat beschlossen, ihre Zelte in Frankfurt abzubrechen und zum September in die Naunynstraße zu ziehen. Was für eine Überraschung für die meisten. Christian und Iris haben es wohl schon gewußt.

Nach dem Frühstück ging es sehr turbulent zu. Es wurden noch einige praktische Absprachen getroffen. Vieles, was zum Fest benötigt wurde und in der Naunynstraße zwischengelagert wurde, mußte zusammengepackt werden und ins Sharehaus gebracht werden, wo das Fest stattfinden sollte.

Und dann – es war inzwischen Mittag geworden – kam eine noch größere Überraschung für mich. Ich wurde – im wahrsten Sinne des Wortes – auseinander genommen: Meine beiden Seitenplatten, die ausziehbar sind, wurden abgenommen und dann auch noch meine Tischplatte entfernt. Ich wurde von Dorothea und Michael zwei Treppen hinunter getragen und in Michaels Transporter verstaut.

Foto: Miriam Bondy

Mittelteil vom Wohnzimmertisch mit Dorothea und Michael; Foto: Miriam Bondy

Das erste Mal seit Jahrzehnten sah ich das Leben außerhalb der Wohnung in der Naunynstraße, von dem immer so viel erzählt wird. Es hat sich viel verändert seit ich das letzte Mal Straßenkontakt hatte. Für mich war das sehr aufregend. Die Fahrt hätte ruhig länger dauern können. Es ging nur ins nahe gelegene Neukölln – ins Sharehaus. Dort leben geflüchtete Menschen. Es gibt Kreativwerkstätten und im Erdgeschoß eine Cafeteria. Neben der Cafeteria befindet sich ein großer Saal, der früher ein Kirchenraum war. Das ist noch deutlich zu sehen. Dort nun sollte das Fest, Christians Geburtstag, sein Abschied, der Generationswechsel und die Übergabe an Iris und Michael gefeiert werden. Ich wurde durch den großen Saal getragen, ganz nach vorne, wo eine Bühne aufgebaut war. Dort wurde ich mit meinen Einzelteilen an die Wand gelehnt.

Mir war ganz schwummerig. Um mich herum im Saal war unglaublich viel los: Es wuselte und brummte. Lange Tischreihen waren von fleißigen Helferinnen und Helfern aufgebaut worden und liebevoll mit Kerzen und Servietten dekoriert. RocknRollF zeichnete Plakate, die auf die verschiedenen Programmpunkte hinwiesen oder deutlich machten, wo Toiletten sind und wo geraucht werden konnte und was es sonst so an Do’s und Don’ts gab. Blumen wurden im Raum verteilt, die Musik- und Lautsprecheranlage überprüft, Biertische und Bänke und viele Getränkekisten hereingebracht.

Cover

Cover

In einer Nische in der Wand an der Längsseite waren eine Menge Bücher aufgebaut: Mindestens 400 Exemplare vom Einfach-ohne-Buch, das an die Gäste verschenkt werden sollte. Ich kenne das Buch fast auswendig, weil die Beiträge auf mir sortiert wurden und Hilmtrud wochenlang das Korrekturlesen an mir durchgeführt hat.  Aber ich will nicht abschweifen.

Ein Kollege von mir mit ziemlich bombastischen Ausmaßen, der sonst im Olivenhandel auf den Wochenmärkten im Münsterland tätig ist, wurde an der gegenüberliegenden Längsseite aufgebaut um das Kuchenbüffet und später das Abendbüffet zu tragen. Ich winkte ihm freundlich zu und war froh, daß ich an diesem Tag nichts weiter zu tun hatte – dachte ich zumindest…

Fortsetzung:
Teil 3: Ein Tisch … als Zeichen der Gemeinschaft