orthodoxes Weihnachtsfest

Unsere Weihnachtskrippe hat sich verändert. Inzwischen sind die Weisen dort angekommen, wo der Stern stehen blieb:

Krippe zum orthodoxen Weihnachtsfest und Heilige Drei Könige (Foto: Daniel T.)

Mit unseren beiden orthodoxen Bewohnern haben wir gestern ihr Weihnachtsfest gefeiert. Der Chefkoch des Hauses hat landestypische Gerichte in modernisierter Form gereicht, was bei allen große Begeisterung hervorrief. Anschließend haben wir gemeinsam eine kleine Liturgie gestaltet: Miteinander einen orthodoxen Hymnus gesungen:

Komm, göttliches Licht
erleuchte die Erde
erfüll unsere Herzen
nimm Wohnung in uns

Das können alle mitsingen – egal aus welcher religiösen Tradition sie kommen. Wir haben das Evangelium von den Weisen, die zur Krippe kommen gelesen und wer wollte, konnte Lichter vor der Krippe entzünden für Menschen und Situationen, denen er Licht wünscht. Da die Sternsinger uns nicht besucht haben, haben wir den Aufkleber mit dem Segen (20 C + M + B 20) an unserer Wohnzimmertür angebracht und dazu einen Text gelesen, den uns Roswitha am Tag zuvor beim Gottesdienst zum Feiertag „Erscheinung des Herrn“ geschenkt hat. Roswitha ist eine langjährige Freundin unserer Gemeinschaft, die inzwischen auf einen Rollstuhl angewiesen ist und uns deshalb nicht mehr besuchen kann. Den Text – eine modernisierte Form der Seligpreisungen – haben wir als Segensgebet gelesen und darin die Grundanliegen gespiegelt gesehen, wie wir als Gemeinschaft unterwegs sein möchten.

Selig, die mit den Augen des anderen sehen können
Und seine Nöte mittragen,
denn sie werden Frieden schaffen.

Selig, die willig sind, den ersten Schritt zu tun,
denn sie werden mehr Offenheit finden
als sie für möglich halten.

Selig, die dem Nächsten zuhören können,
auch wenn er anderer Meinung ist,
denn sie werden Kompromisse fördern.

Selig, die Kranke, Alte und Behinderte besuchen,
denn sie werden niemals einsam sein.

Selig, die mit der Heiligung am Frühstückstisch beginnen,
denn sie werden Sinn im Alltag finden.

Selig, die ihre Vorurteile überwinden,
denn sie werden die Entfeindung erleben.

Selig, die auf ihr Prestige verzichten,
denn an Freunden wird es ihnen nicht mangeln.

Selig, die Niederlagen verkraften können,
denn sie werden Menschenbrücken bauen.

Selig, die zuerst mit sich selbst zu Gericht gehen,
bevor sie andere richten,
denn sie dürfen auf Gottes Segen hoffen.

(Nach Frankfurter Seligpreisungen, Guido Hügen OSB, Sinndeuter, S. 27 f, Georgsverlag, Neuss 2007. Quelle: http://www.interkulturellewoche.de Text: Guido Hügen OSB In: Pfarrbriefservice.de)

Mehr vom Samstagsfrühstück mit den Sternsingern (Teil 2)

Ilona, die oft zum Samstagsfrühstück kommt, hat uns einige Zeilen zum Samstagsfrühstück vom letzten Samstag geschickt. Sie schreibt:

Dieses Samstagsfrühstück war für mich ein ganz Besonderes.

Es hatten sich viele Gäste eingefunden, die kürzer oder auch länger blieben, und die Tafel war immer gut besetzt. Der Tisch war wieder reichlich gedeckt und es gab extra Leckereien, wobei ich die selbstgemachten Trüffel von Iris hervorheben möchte.

Dann wurde uns der Besuch der Sternsinger angekündigt, die etwas später auch eintrafen. Sie erzählten uns von einem Projekt für behinderte Kinder in Peru, für das sie dieses Jahr sammeln. Ich erfuhr vom Brauch des „Dreikönigskuchen“. Iris hatte für diesen Anlass extra einen gebacken und die Sternsinger durften sich als erste jeder ein Stück davon nehmen. Sie sangen für uns, räucherten die Stube mit Weihrauch, und wir sangen auch alle etwas gemeinsam. Als Abschluß wurde das Segenszeichen für das neue Jahr an den Türrahmen geschrieben.

Wer wollte, konnte ein Klebchen mit dem Segenszeichen darauf für zuhause erhalten. Ich freute mich sehr, einen „Segen-to-go“ zu erhalten.

Schon während der Gesänge hatte ich das Gefühl, die Atmosphäre im Raum verdichtet sich irgendwie. Zum Schluß war dieses Gefühl ganz stark, es hielt auch noch an, als die Sternsinger wieder weg waren. Ich glaube, der Geist Gottes war sehr präsent anwesend.

Mir ist nicht bekannt, ob andere auch etwas spürten. Jedenfalls war es so, dass an diesem Tag nach Frühstücksende nicht wie sonst die meisten plötzlich gingen. Alle blieben sitzen und scherten sich nicht um die Uhrzeit. Mehrere Grüppchen hatten sich gebildet, die sich lebhaft unterhielten. Ich saß still inmitten des Stimmengewirrs, während der eine oder andere Gesprächsfetzen an mein Ohr drang. Es gab mir ein Gefühl des Friedens, die vielen unterschiedlichen Menschen so zusammensitzen und miteinander reden zu sehen.

Mit diesem schönen Gefühl in mir verabschiedete ich mich. Ich fühlte mich bis zum Abend wie in einem Kokon, in dem der Geist Gottes mich umgab.

Dieses Frühstück war ein Geschenk für mich!

Samstagsfrühstück mit den Sternsingern (Teil 1)