Von der Schildkröte und vom Skorpion am Fluß

In einer Gemeinschaft wie der unseren, in der Menschen aus unterschiedlichen Ländern (derzeit acht Länder und drei Erdteile), Kulturen, sozialen Hintergründen und religiösen Wegen (derzeit vier: christlich, muslimisch, buddisthisch, jüdisch) zusammenleben, manche Flucht, Gefängnis, Psychiatrie oder Leben auf der Straße und andere schwierige Situationen hinter und in sich haben, kommt es immer wieder zu Spannungen und Konflikten. Viele können gelöst, beigelegt oder befriedet werden. Andere müssen ausgehalten und immer wieder neu verhandelt werden und ganz selten ist der Konflikt über längere Zeit so destruktiv, daß eine Trennung unausweichlich ist.

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes kann von sehr schwierigen Situationen hier nur  gelegentlich erzählt werden. Gerade weil wir so verschieden sind, hilft uns dabei die Bildersprache von Geschichten aus verschiedenen Traditionen um über unser Erleben und wie wir es deuten ins Gespräch zu kommen.

Für einen Konflikt, der uns mehrere Wochen in Atem gehalten hat, hat Herr Tunesien – LeserINNEN, die schon länger dabei sind, kennen ihn vom Couscous-Duell mit Herrn Marokko, eine Geschichte aus seiner muslimischen Tradition gefunden und große Zustimmung bekommen. Und weil gerade Ramadan ist, paßt sie besonders gut. Er erzählt:

An einem Fluß lebt eine Schildkröte. Die Schildkröte kann schwimmen. Ein Skorpion kommt vorbei. Er kann nicht schwimmen und fragt die Schildkröte, ob sie ihn ans andere Ufer mitnimmt wenn sie rüber schwimmt. Die Schildkröte weigert sich und sagt: „Das mache ich nicht, denn wenn ich dich mitnehme, dann stichst du mich unterwegs“. Der Skorpion antwortet: „Warum sollte ich dich stechen. Dann sterben wir ja beide.“ Schließlich läßt die Schildkröte sich breit schlagen und nimmt ihn mit. Unterwegs sticht er sie. Die Schildkröte fragt ihn: „Warum stichst du mich? Du hast doch versprochen mich nicht zu stechen?“ Der Skorpion sagt: „Ich kann nicht anders. Dein Job ist es, mir zu helfen. Und mein Job ist es, zu stechen. Das ist mein Charakter.“

Zum Weiterlesen:
Vom Bauarbeiter-Professor und vom Taxi-Doktor

 

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Weihnachten 2017 international – interkulturell – interreligiös

Eine sehr bunte und vielfältige Gruppe von Menschen hat sich in unserem Wohngemeinschaftswohnzimmer zusammengefunden um miteinander zu feiern: Vier Erdteile und fünf Religionen waren vertreten. Weil drei Gäste überhaupt keine Vorerfahrungen mit Weihnachten hatten, haben wir auf rosa Karten gesammelt, was für einzelne unbedingt zu Weihnachten gehört und um den Adventskranz ausgelegt.

Weihnachten 2017

Danach wurde die Weihnachts-geschichte aus einer Kinderbibel abschnittweise gelesen. In den Pausen dazwischen hat Noriko uns mit ihren Kontrabaß-Improvisationen begeistert. Wer mochte, war eingeladen ein Licht anzuzünden im Schweigen oder mit Worten für wen oder welche Situation.

Peter hatte eine Linsensuppe vorbereitet. Franz überraschte uns mit Lachs, Reis, Sauce, einem fruchtigen Salat und einer alkoholfreien Sangria. Am Nachmittag war die Weihnachtsgeschichte auf ganz überraschende Weise aktuell geworden. Eine afrikanische Frau, die im sechsten Monat schwanger ist, suchte einen Ort, an dem sie die nächsten beiden Wochen bleiben kann …

 

Gottesdienst am Küchentisch …

… heißt ein Artikel, der in der Märzausgabe der Herder Korrespondenz erschienen ist.  Im November besuchte uns Chefredakteur Volker Resing in der Naunynstraße: Nach einem anregendem Gespräch fragte er am Ende seines Besuches, ob Christian einen Artikel schreiben würde. Der Arbeitstitel war „Mission erfüllt?

Gottesdienst am Küchentisch“ ist daraus geworden. Christian erzählt von den Entwicklungen der Kommunität und der Wohngemeinschaft in den vierzig Jahren in Kreuzberg und welche Fragen sich jetzt zum Generationswechsel stellen. Da der Artikel auf der Website der Herder-Korrespondenz noch nicht abgerufen werden kann, habe ich ihn Blog unter „zu Bedenken“ unter dem Headerbild eingestellt und zwar hier.

 

 

 

Weihnachten in der Naunynstraße …

liegt nun auch schon gut zwei Wochen zurück – zumindest der Weihnachtsabend. Wir haben mit fast 30 Menschen aus vier Kontinenten und unterschiedlichen religiösen Traditionen gefeiert. Altersmäßig war von 84 Jahren bis vier Monate alles vertreten. Besonders gefreut haben wir uns darüber, Mary, die im September geboren worden ist, zum ersten Mal zu sehen. Ihre Mutter, eine Frau aus Nigeria, hat die letzten Schwangerschaftswochen mit Marys 4jähriger Schwester bei uns gelebt.

Wer mehr über unseren Weihnachtsabend wissen will, kann hier weiterlesen. Und natürlich wurden wir – wie könnte es in der Naunynstraße anders sein – kulinarisch verwöhnt: Von Franz mit asiatischer Küche und Ralf mit Gulasch.