Zeit für das Leben

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
pause for a moment, in silence, speaking, singing, praying
Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

Januar 2021

Zeit für das Leben

Der erste Sonntag jeden Monats ist für die Freunde des IRFG (interreligiösen Friedensgebets) Berlin noch immer und auch weiterhin wichtig für den Austausch unserer Gebetsanliegen.
Unsere Einladungen sind Weckrufe, dass wir aufstehen und eintreten als Mahnwache
für die, deren Leben durch Friedlosigkeit bedroht ist. Sie brauchen Fürsprache und Fürbitte.
Um den Gebetskreis bilden die meditativen Gesänge und das erwartungsvolle Schweigen ein lichtgewirktes Gewebe. Darin bergen wir uns und erfahren menschliche Nähe und spürbare Verbundenheit.

Die vorherrschenden Versammlungsbestimmungen berührt nicht unsere spirituelle Komposition, trifft uns aber in der physischen Konstellation – zutiefst und erst recht
am Anfang des Jahres.

Der Januar ruft uns den globalen Kalender ins Gedächtnis und erinnert uns an die interreligiöse planetarische Gemeinschaft der bewohnten Erde. Vielfältig sind die religiösen und kulturellen Riten zu Neujahr. Diese wecken Freude, denn wir erleben das geistige Erbe der Menschheit in seiner geistlich-geistigen Heilkraft. Unser Planet ist beschenkt mit der Heiligen Gabe des Lebens. Nun aber brachte der Ausgang des alten und auch der Anfang des neuen Jahres echte Bedrohungen für die Lebenden. Nicht der schöpferische Odem des Lebens weht uns hier und heute an; vielmehr umschleicht uns ein das Leben gefährdender Hauch.

Er wird uns nicht vernichten, wenn wir uns aufmachen als eine Gemeinschaft der Ehrfürchtigen, die der Quelle des Lebens nachspüren, um zur Einsicht undr echtzeitig zur Umkehr kommen. Dabei sind wir unterwegs mit lebenden Weltreligionen und lebensbejahen-den Weltanschauungen. Überall treffen wir Wissenschaftler und Weltweise, die aus der Begegnung mit dem lebendigen Gott und den heiligen Schriften Einweisungen in die Lebensordnung Gottes erkannten. Im interreligiösen Dialog empfangen wir die Inspiration zum tieferen Verständnis der Lebenszusagen bei den Völkern und ihren Kulturen.

Könnte es sein, dass das pandemische Virus eine warnende Botschaft unter allen Völkern– pandemisch eben! – verstanden werden will? Um des Lebens willen! Aus einer hellenistischen Weltreligion hat der erste Monat des Jahres den Namen Januar behalten. Dies wurde bestätigt 1582 durch den gregorianischen Kalender der aufstrebenden Weltkirche. Es besteht Überein-stimmung aller Religionen weltweit, dass der Umgang mit der Zeit göttlicher Anordnung folgt. Dies gilt auch im okzidentalen Kulturkreis, in dem die zeitübergreifende Anwesenheit Gottes autorisiert wird durch den Namen der Gottheit Janus.

Auch 2021 gilt dies, damit wir durch Rückblick und Ausblick auf die Jahre gefestigt werden, aber auch Torschwelle und Türrahmen unseres Lebensweges mit Gottvertrauen durchschreiten. Wir dürfen beten um die demutsvolle Einsicht, damit mutige Umkehr bereitet werde, und dass ein neues Eintreten geschehe: für das Leben und zum ehrfürchtigen Empfang der Heiligen Gabe des Lebens.


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Interreligiöses Friedensgebet November 2020

AKTUELL: Auf Grund der Corona-Pandemie haben wir seit April 2020 nicht zum interreligiösen Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt eingeladen. Am ersten Sonntag des Monats zwischen 15 und 16 Uhr sind Sie aber herzlich eingeladen, Ihre Wünsche und Hoffnungen für eine friedliche Welt in Worte zu fassen oder ins stille Gebet zu gehen – wo auch immer Sie sich aufhalten:

Wenn der Zeitplan zerbricht

Die Macher der Zahlen und Zeiten, die uns den Wechsel von Sommerzeit und Winterzeit verordnen: Diese sind es nicht, die den Zeitgeist steuern könnten! Die Kenner der Zahlen und Zeiten, die uns Abstand, Abwasch und Abwehr verordnen:

Diese sind es nicht, die Anstand und Achtsamkeit gegenüber allem Lebendigen wecken. Die Mächtigen der Zeiten, die Zahlen verwalten und Maßnahmen gestalten:

Diese sind es nicht, die den Hauch des Todes und auch nicht den Atem des Lebens aufhalten. Des Meisters kraftvolles Wort steuert, weckt, gestaltet. Wort ist Zeitansage und Lebenszusage.

Die Meisterung der Lebenszeit geschieht nie als Über-Macht, aber in Kraft, um den Ohnmächtigen zu erheben und die ÜbermächtigTen zu befreien. Das geschieht in diesen Tagen, wenn der Zeitplan zerbricht und die Risse zutage kommen, alljährlich im Übergang von Monat zehn zu elf – nach altem Kalender von acht zu neun.

Daran erinnern die Namen oct. und nov.

Die Monatswende markiert für den abendländischen Kulturkreis seit alters her eine Zeitenwendeund ist durch Ökumene und Weltkirche weltweit bewusst. Lichtgestützt sind die kräftigenden Worte des Thesenklopfers und seiner Tischreden. Sein Weckruf am letzten Oktobertag nistet sich ein im Chor aller Heiligen – durch den alle Seelen wieder zum klingen kommen.

Das wird erinnert nur einmal im Jahr, im Licht des Oktobers bevor der November dämmert, in dessen Halblicht die Umformung geschah und die Umwertung der Werte beschleunigt wurde, wie geschehen im November:

Ein ganzes Zeitalter geht unter mit Weltkriegsende 1918.
Eine Kalte Kriegs Epoche vergeht 1989.
Brandfackeln der Pogromnacht 1938 lodern und sind kein Licht für die Toten.
Ein Leuchten im November 1989 sollte das Pogromfeuer nicht dämpfen.

Heiße Herzen der Bürgerrechtler wärmten das im Kalten Krieg frierende Haus Europa. Und heute? Das Haus Europa friert im Halbdunkel, wenn zu Halloween die Gruselgeister herbeigerufen werden und in grinsenden Schädel-Masken sichtbar sind. So lebhaft zeigt sich der unbedachte Zeitgeist mit Todeshauch und gibt sich zu erkennen als Abstand vom Anstand, als Abkehr und Abschied statt Einkehr in den Lebenskreis, der aus der Quelle des Lebens gebildet, Worte der einhelligen und einsichtigen Weisheit in Indien hervorbrachte und – als des Meisters kraftvolles Wort – steuert, weckt, gestaltet.

‚Lass Glauben in meinen Taten sein. Er ist Wasser, das ins verdorrte Land strömt.
Lass Liebe in meinen Taten sein, sie sät die gute Tat ins tote Land.
Lass Hoffnung in meinen Taten sein, sie ist die ermutigende Vision der großen Ernte.‘

 

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interreligiöses Friedensgebet 8/2020: innerer Halt und äußere Haltung

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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin
August 2020 – an getrennten Orten

Der innere Halt und die äußere Haltung

Das Verlangen nach Aufrichtigkeit angesichts der Verunsicherungen breitet sich von den Rändern der Gesellschaft in ihre Mitte aus. Fahrlässig ist der müde Spott: Die Menschen wollen eben betrogen sein !? Wirklich? Eben nicht – und immer häufiger artikuliert sich die Erwartung: Es wäre erst mal wichtig, wenn man überhaupt mal wüsste, woran man hier eigentlich ist …! In den bestehenden Verunsicherungen wirken die Religionen und markieren Wege  und setzen Zeichen zur Orientierung.

Jedoch: Die einen sehen in ihnen lediglich ein Verwirrspiel mit manipulierten Hirnfunktionen; aber andererseits leugnen diese nicht, dass die Religion zumindest das Potential der Wahrhaftigkeit in sich trägt.

Es fällt uns auf, dass in den gegenwärtig verunsichernden Ereignissen und Krisen Sprache und Zeichen verwendet werden, die in den religiösen Kernbereich gehören. Ist das eine übergreifende Anerkennung – ob Gott nun gedanklich eingebildet oder handwerklich hergestellt ist –  dass eine höchste Instanz ‚Gott‘ sich mitteilt dem Gegenüber ‚Mensch‘? Weil er bei Gott bekannt und von ihm erkannt ist, weiß er sich erst recht in Stand gesetzt, um aufrichtig zu sein. Und wenn es der Klärung dienen kann, beteiligt er sich mit Worten und Zeichen und durch Kreativität und Körpersprache. So findet die religiöse Denkwelt und Körpersprache überraschenden Eingang in den gesellschaftlichen Diskurs und erklärt uns mehr als es Worte zum Ausdruck bringen können, worumes den Akteuren eigentlich geht.

Sie knien bei ihren Protesten. Auf Straßen und Plätzen in Amerika knien Menschen aufgerichtet, weil ein am Boden liegender Mensch unter dem Knie eines Staats-beamten erstickt wurde. Dem anwachsenden Protest setzte der Staatslenker die hochreckte Bibel in einem ganz anderen religionsmächtigen Gestus als Kampfansage entgegen. Jahrzehnte davor reckte ‚Black Panther‘ Fäuste in den Olympiahimmel und wurden bestraft. Im vergangenen Monat kniete ein weißer Polizeipräsident in Kalifornien mit den Protestierenden. Sie sichern die Stimme der friedlichen Demonstranten.
Gebeugte Knie sind in allen Religionen der Welt die Körpersprache derer, die sich dem Heiligen betend überlassen.

Wer vor Gott kniet, kann sich eigentlich nicht als Gott aufspielen. Er wird sich von ihm aufrichten lassen und empfängt die höchste Würde: Du bist ein vom erhabenen Gott erhobenes Geschöpf ! Wir sind gerufen, die göttlichen Zeichen der Zuversicht zu entziffern und betend alle menschliche Zuwendung zu begleiten.

 

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Interreligiöses Friedensgebet 7/20: Respekt und Achtsamkeit

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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin – gemeinsam an unterschiedlichen Orten

Juli 2020

RESPEKT UND ACHTSAMKEIT

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

In dieser Zeit der pandemischen Bedrohung durch Corona lasst uns zusammenstehen als große Gemeinschaft für das Leben und in Solidarität mit den Leidenden und Hungernden. Sie bedürfen unserer Nächstenliebe in Form von aktiver Hilfe.

In seiner Lehre vom <Achtgliedrigen Pfad> ermahnt Sintharta Gautama, der Buddha und Religionsstifter, uns zur Aufmerksamkeit für die Zeichen der Zeit und Achtsamkeit für die Menschen in der Zeit. Mögen die heutigen bedrohlichen Lebensumstände sich zu einer Pandemie des aufmerksamen Lernens, des achtsamen Lebens und der gelebten Nächstenliebe ausweiten.

Jesus hat uns Respekt und Achtsamkeit füreinander gelehrt und damit Nächstenliebe vorgelebt. Wir leben seit Monaten in einer Zeit, in der Begriffe wie Respekt und Acht-samkeit eine besondere Bedeutung zukommen. Dieses sind heute keine bloßen Begriffe mehr, die auch mal vernachlässigt werden könnten. Nachlässigkeit hat möglicher-weise tödliche Folgen für meine Mitgeschöpfe. Deshalb müssen Respekt und Aufmerk-samkeit und Achtsamkeit in diesen Zeiten aktiv gelebt werden.

Lasst uns achtsame Menschen sein, die sich der heiligen Gabe des Lebens bewusst sind und dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.

 

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interreligiöses Friedensgebet 6/20: Für Würde und Gerechtigkeit

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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

Juni 2020

Heute ist wieder ein erster Sonntag im Monat – seit 18 Jahren der Tag, an dem das interreligiöse Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt stattfindet, als Mahnwache und Demonstration zu Friedensthemen. Durch Corona ist der Termin vor Ort ausgesetzt, dennoch rufen wir als Gruppe zu einem Innehalten und Gebet ein. Heute stellen wir den Tod von George Floyd in den Mittelpunkt und beten für eine Welt ohne Rassismus.

Für Würde und Gerechtigkeit

Entsetzt über die Ermordung von George Floyd, den Polizeibeamte in der USA auf Grund seiner Hautfarbe erdrosselten. Einem weißen Menschen wäre dies wahrscheinlich nicht passiert und er könnte weiter leben. Bei der Festnahme und dem Herumschubsen fiel George Floyd zu Boden. Da kniete sich ein Polizist auf seinen Nacken und drückte ihm mit dem Knie die Luft ab. Er flehte: „I cant breath“ („Ich kann nicht atmen“) – bis er bewusstlos wurde und starb.

Mitten in einer Pandemie, in der Menschen an Atemnot sterben, zeigt sich erneut die Grausamkeit eines strukturellen Rassismus, der sich gegen Menschen of Color (POC) richtet. Sie werden auf Grund ihres Aussehens ausgegrenzt, verdächtigt, und als kriminell oder exotisch markiert. In ihrem Alltag sind sie von Übergriffen verschiedenster Art betroffen.Rassismus ist ein Verbrechen. Menschen werden auf Grund von äußeren Merkmalen abgewertet, ihnen werden unmenschliche Verhaltensweisen zugeschrieben. Entmenschlicht wird ihnen auf Grund ihrer äußeren Erscheinung ein innerer Unterschied unterstellt.

Dieser Todesfall geschah in der USA. Doch wir kennen in Europa diese Art der Abwer-tung auch. Bei der Unterwerfung ganzer Kontinente durch europäische Staaten in der Zeit des Kolonialismus wurden Menschen mit dunkler Hautfarbe ihrer Würde beraubt, versklavt und verkauft. Die Folgen dieser Unterwerfung kennen wir auch in Europa, wenn Menschen in entwürdigender Armut gehalten und weiter auf vielfältige Weise ausgesondert und ausgebeutet werden.

Doch es gibt auch viele andere Formen von rassistischem Verhalten. Selbst wenn eine
Aussage nicht bewusst rassistisch gemeint ist, doch rassistische Elemente enthält, setzt sie die Ungerechtigkeit fort. Wir alle sind aufgerufen, unser Verhalten zu ändern. Vor allem Menschen mit heller Hautfarbe erhalten dieses System der Ungerechtigkeit aufrecht, wenn sie als nicht davon Betroffene oft meinen, es gäbe dieses Unrecht nicht. In Scherzen oder Komplimenten zeigt es sich und wird dann mit dem Hinweis gerechtfertigt: „Das ist ein Teil unserer Kultur“. Ja diese Erniedrigung von Menschen gehört zu unserer Kulturgeschichte, die vom ersten Moment an ungerecht war; sie tötete und entwürdigte.

Formen wir sie Schritt für Schritt zu einer Kultur um, in der jeder Mensch geachtet wird. Wir beten und hoffen dringend, dass eine grundlegende Erneuerung unserer Kultur und der Abbau vom vielfältig auftretenden Rassismus fortschreitet. Diese Änderungen müssen von vor allem jenen realisiert werden, die nicht direkt von den Ausgrenzungen betroffen sind.

Für eine Welt, in der alle Menschen mit ihrer Herkunft und ihren vielfältigen Begabungen geachtet leben können.

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Ein Interview vom 7.6.2020 mit Pfr. Miriam Gross, die in New York die deutsche evangelische Gemeinde betreut, als Polizeiseelsorgerin arbeitet und die EKD bei der UN vertritt, ist hier nachzulesen.

 

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Interreligiöses Friedensgebet – Mai 2020: Gewisse Verluste und gewissenhafte Gewinne

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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin: an getrennten Orten

Gewisse Verluste und gewissenhafte Gewinne

Das Verlangen nach einem neuen Anfang hat mit diesem neuen Monat Mai neuen Auftrieb genommen. Wir ziehen eine Zwischenbilanz.

Der zu Beginn riesige Schreck über Covit19 hat sich gewandelt. Nach der anfängli-chen Schockstarre, die in der Gesellschaft eher Resignation und Rückzug verursach-te als Herausforderung, gibt es einen neuen Klang im welt weiten Konzert der Stim-men. Es duftet nach einer Spur für eine überlebensfähige Gesellschaft, wenn wir über ein neues Medikament hinaus auch ein neues Konzept für eine überlebensfähi-ge Gesellschaft bedenken und angehen.

Wir wissen nicht erst seit Beginn des erneuernden Monat Mai: Auf unserem Planeten muss nicht nur etwas verbessert, sondern noch viel mehr grundlegend verändert wer-den. Nachdem wir überaus deutlich und weltweit durch Corona an die Grenzen des Bezwingbaren und Mach-baren geführt sind, wird die neue Richtung der Nach-Coro-na-Ära Neuland sein.

Landmarkierungen und Leuchtzeichen sind schon aufgestellt, um zu lernen, wo es lang geht: Respektvoller Umgang mit dem Leben der Menschen und verantwortlicher Umgang mit der Macht über Menschen. Die Religionen haben viele Erfahrungen und Weisheiten über das Wesen und die Verwaltung der menschlichen Macht.
In der Zeit der Krise und des Übergangs gelten fast alle Maßnahmen der Erhaltung der Heiligen Gabe des Lebens. Mit Eifer wird ein rettender Impfstoff erforscht und ent-wickelt und ein der Krise angemessenes  anständiges Verhalten eingeübt. Interessant ist, wie medizinisches Wissen die erforderlichen politischen Maßnahmen und interna-tionalen Absprachen anregt.

Es ist bekannt, dass jede medizinische Maßnahme auch Nebenwirkungen hat, die ebenso behandelt werden müssen. Auch wenn die Ehrfurcht vor dem Leben als ein universaler Wert allgemein anerkannt ist, muss die Frage nach dem gelingenden Leben gestellt werden. Die Kontexte sind verschieden, in denen sich das Leben in unseren Kontinenten entfaltet. Um nicht einzig mit dem Impfstoff die Einladung zum Leben zu verbinden, ist auch ein jeder von uns für ein lebensförderndes Verhalten verantwortlich.

Benötigt werden solidarische Sensibilität und kritische Lernbereitschaft für das Leben nach Corona. Dafür brauchen wir transnationale Solidarität und planetarisches Be-wusstsein. Die Sichtweisen auf die bisher erfolgte Globalisierung als profitable Herr-schaftsform sollte so nicht länger akzeptiert werden, sondern als weltweit agierende  Helfergemeinschaft fungieren und angesehen werden. So lässt sich die Befreiung von Corona-Ohnmacht und  Abhängigkeit schon vor dem Ergebnis erleben, Diese Heilung ist die eigentliche Herausforderung, vor die uns Corvit 19 stellt.

Nicht erst wenn das Mittel gefunden sein wird – und dafür beten wir mit klaren ein-deutigen Worten an den uns geheiligten Orten  – sondern hier und jetzt handeln wir für die überall gefährdeten Menschen.

Beten für neue wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Einsichten be-wegen uns im Mai beim Interreligiösen Friedensgebet. Jeder Einzelne ist in dieser Krise angeregt, sein eigenes Handeln neu inspirieren zu lassen. Nur so kann ein le-bens-unverträglicher Rückzug ins Eigene abgebogen und solidarisch neu gehandelt werden.

Anfragen/Korrespondenz: christian.herwartz@jesuiten.org
Infos unter: http://www.friedensgebet-berlin.de

Die Themen früherer interreligiöser Friedensgebete sind hier.

Einladung zum interreligiösen Friedensgebet Februar 2020: Da kommt was auf uns zu

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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin
auf dem Gendarmenmarkt

Sonntag, 2. Februar 2020 um 15:00 Uhr (nahe Deutscher Dom)

Da kommt was auf uns zu

Erneut sind wir durch die verheerenden Brände in Australien und im brasilianischen Urwald herausgefordert, unsere Fähigkeiten einzusetzen, um weiteren Schaden an Anderen und an uns selbst abzuwenden. Mit dieser besonderen Fähigkeit sind wir als Menschen begabt und darin unterscheiden wir uns von allen anderen Geschöpfen. Wir müssen nicht einer festgelegten Rolle folgen und wir sind nicht fixiert auf eine einzige Sichtweise und Verhaltensform. Es gibt nicht einen festgelegten Zwang zur Maximierung der Gewinne oder zur Anheizung der Atmosphäre, die zur Überflutung ganzer Landesteile führen kann! Keine Macht zwingt uns, unser aller Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hier muss ein Rollenverzicht stattfinden.

Lässt uns die Angst vor einem Weltende starr werden, dann geht uns die Gabe des
Rollenwechsels verloren und die Gesellschaft spaltet sich immer mehr in jene, die die Gefahr erkennen und bekämpfen und jene, die sie mit einem lautstarken „Weiter so!“übersehen wollen. Einige können sich ein Leben ohne Besitzermacht und Naturbe-herrschung nicht vorstellen.

Ist es Angst oder nur niedere Gier, die uns vor einem gerechten Teilen und damit ver-bundenen Bewahren lebenserhaltender Güter und Fähigkeiten zurückschrecken oder gar erblinden lässt? Nehmen wir sie noch wahr, die ermutigenden Impulse oder ver-spotten wir gar die Einladungen zum Verzicht, zur Rücksichtnahme und zum Mitge-fühl, wie sie in allen Religionen mit Pilgern, Fasten, Stille, Dankesliedern und dem zweckfreien Gebet eingeübt werden?

Doch nur so können sie entstehen, die tragfähigen Brücken zwischen uns Menschen auf dem gemeinsamen Weg für alle, in der die Freude auf eine Zukunft wächst, die uns den Mut zur Umkehr schenkt und stärker ist als apokalyptische Schreckensszenarien.
Die Freude wird in vielen Visionen beschrieben, die uns zum solidarischen Handeln
ermutigen. Sie sind ein kostbarer Schatz, auf den wir zugreifen können. Lasst uns mit großer Offenheit zusammenstehen und uns gegenseitig in unserer Hoffnung stärken und bereichern.

 

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interreligiöses Friedensgebet Dezember 2019

Alle sind willkommen / Everybody is welcome
Hoffnung für Frieden / Hope for Peace
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pause for a moment, in silence, speaking, singing, prayingGruppe Interreligiöses
Friedensgebet Berlin auf dem Hausvogteiplatz
Sonntag, 1. Dezember 2019 um 15:00 Uhr 

Einladung zu einer veränderten Rolle in der Gesellschaft

Mitten in der lärmenden Vielfalt von unterschiedlichen Interessen wollen besonders junge Menschen ihre Eigen-verantwortung erkennen und lernen. Die Suche nach dem selbstver-antworteten Leben findet sich auch bei Genesen-den nach einer schweren Krankheit, bei Gedemütigten nach schwerer seelischer Verletzung oder bei Men-schen nach der Übe-rwindung einer Sucht. Entscheidend ist der das eigene Leben aufbauende Schritt in eine neue Zukunft. Doch dieser Impuls alleine kann zu einer Haltung führen, in der nur das eigene Ich, der eigene Verein, das eigene Land und – bei der häufigen Verkürzung der Perspektiven – nur noch das eigene Geld gesehen wird.

Es widerspricht grundsätzlich nicht dem Eigeninteresse, dass die Menschen für sich
entwickeln, wenn sie auch die Not des Anderen in den Blick nehmen und bereit sind, auf eigene Interessen zu verzichten. Denn dann fallen die Mauern zwischen Men-schen und eine Zukunft des Miteinanderlebens kommt in den Blick. Das solidarische Handeln, zu dem alle Menschen von Anbeginn berufen sind, rückt in den Mittelpunkt. Das Wissen um den gemeinsamen Ursprung meldet sich gegen alles Vergessen und Vertuschen bei den Menschen zurück.

Wir vernehmen darin eine Einladung zum Ändern unserer Rolle in der Gesellschaft. Das Angebot wird besonders aktuell, wenn sich Menschen in eine gesellschaftliche Komfort-zone zurückgezogen haben, oder wenn sie in die Isolation gedrängt wurden. Die Alter-native dazu wird Wirklichkeit, wenn sich der Blick auf das gemeinsame Le-ben mit allen Menschen und mit der Natur öffnet. Dann können wir uns nicht mehr verschließen vor den 50 Millionen Kindern, die weltweit auf Müllkippen leben und auch nicht vor den Opfern von Menschenhandel, die zur Gewinnmaximierung verschleppt wurden.

Die Bewusstwerdung unserer veränderten gesellschaftlichen Rolle verpflichtet uns zu
solidarischem Handeln mit allen Menschen gleicher Gesinnung. Im Gebet bringen wir die Not des Nächsten ins Wort vor Gott – in welcher Sprache auch immer. Und es wird ein Dank sein für das immer wieder gelingende Miteinander von Gott und Mensch, von Mensch zu Mensch, von Mensch und Mitwelt.

Die Themen früherer interreligiöser Friedensgebete sind hier

 

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Interreligiöses Friedensgebet November 2019: Lichtkräfte gegen Dunkelmächte

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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin auf dem Gendarmenmarkt
Sonntag, 3. November 2019 um 15:00 Uhr (nahe Deutscher Dom)

Lichtkräfte gegen Dunkelmächte im November

interreligiöses Friedensgebet (Foto: Krüger)

Lichterketten werden auch in den kommenden dunklen Novembertagen leuchten. Sie rufen Erinnerungen wach an Menschenketten, die 1989 Lichter in ihren Händen hielten, als Leuchtzeichen einer friedlichen Revolution und richtungsweisend wie der weitergeh-ende gesellschaftliche Wandel gestaltet werden kann. In Gerechtigkeit und Frieden!

Vor 101 Jahren gab es hier keine solchen Leuchtzeichen. Da blitzte das tödliche Feuer aus Kanonen und Gewehrläufen bis endlich am 11. November 1918 die Waffen schwiegen. Doch die neue Staatsform von 1919 verhinderte nicht, dass 30 Jahre später die wahre Bedeutung von Gerechtigkeit und Frieden von den Machthabern erneut ins Gegenteil verkehrt wurden.

Das Recht jedes einzelnen Menschen auf Gerechtigkeit wird zwar, vor allem bei Kriegswirren, oft überhört, kann aber niemals außer Kraft gesetzt werden, denn es ist uns zugesprochen und damit unumstößlich. Es ist die übergeordnete Grundlage, die die Gemeinschaft der Menschen verbindet. Dafür erheben die Religionen ihre Stimme und bringen nicht nur ‚im Namen des Volkes‘ sondern im Namen Gottes das Recht zur Sprache. Denn Gerechtigkeit und Frieden bilden eine Einheit und können das friedvolle Miteinander nicht nur in unserem Land, sondern mit und unter allen Menschen befördern.

Dreißig Jahre nach den Ereignissen vom November 1989 stehen wir betend und in Gedanken bei allen heute entrechteten Menschen. Wir beten für die indigenen Völker am Amazonas, für die Papuas in Indonesien, für die Adivasis in Indien, für die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, für die Kriegsopfer in Mittelost, für die Brexit-Geschädigten in Mittel-europa und für die vielen Namenlosen. Auch wenn ihnen der Zugang zu ihren Grund-rechten aus rassistischen oder religiösen Gründen oder aus wirtschaftlicher Gier oder aus Ignoranz und Dummheit verwehrt ist, sind sie deshalb nicht rechtlos. Vielmehr sind sie berechtigt zur Teilhabe an Würde und Werten, die der Schöpfer den Menschen zuerkannt hat. Grundsätzlich! Die Verursacher der Ungerechtigkeiten aber mögen erleuchtet werden, damit sie sich zur Einsicht und Umkehr und zur Erneuerung leiten lassen.

Wir sind dankbar für jeden, der auf Umsetzung des gegebenen Rechtes und die Würde jedes einzelnen aufmerksam macht und sich dafür einsetzt. Wir stehen auch  in Dankbarkeit an der Seite derjenigen, die den Gedemütigten beistehen und ihnen helfen, damit sie wieder Vertrauen fassen, den von Gott gewollten Weg zurück in ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden zu finden.

 

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nachträglich: interreligiöses Friedensgebet im September 2019

Leider ist die Einladung zu diesem Friedensgebet zu spät in meinem Postfach gelandet. Ich finde die Denkanstöße über Beziehungen und aufeinander bezogen sein so wichtig, dass sie auch jetzt noch im Blog Platz finden sollen:
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innehalten, schweigen, sprechen, singen, beten
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Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin auf dem Gendarmenmarkt
Sonntag, 1. September 2019 um 15:00 Uhr (nahe Deutscher Dom)

Leben und Frieden

Miteinander Leben gestalten oder miteinander leben, selbst wenn es Menschen gibt,
die sich allein gelassen oder einsam fühlen mögen, oder mit Absicht und aus Erfahrung Abstand suchen: das Leben ist ein Miteinander. Ein Miteinander auf diesem unserem Planeten, in einer Welt, auf der wir uns gegenseitig beeinflussen: die Pflanzen- und Tierwelt, wir Menschen, Stein und Wasser, Klima und Erde.

Zu realisieren, dass wir miteinander zu tun haben, und wir diesem Aufeinander-Ange-wiesensein und Aufeinander-Reagieren nicht entgehen können, mag auch beklemmend sein. Es liegt darin aber die Chance, ernsthaft sich darauf einzustellen, Frieden miteinander zu gestalten, Frieden zu ermöglichen und Frieden zuzulassen.

Wir tragen Verantwortung dafür, einander wahrzunehmen und einander Leben zu
ermöglichen. Wir alle sind Suchende, die nach dem Leben greifen. Was wir glauben, ist dabei ein Aspekt unter vielen. Bedürfnisse wollen erfüllt werden. Neben den Grundbe-dürfnissen auch Wünsche und Hoffnungen und Vorstellungen von dem, wie das eigene Leben und das Leben anderer verlaufen mag.

Wir sind so unterschiedlich, in unseren Voraussetzungen, Begabungen, Möglichkeiten, Erfahrungen und Prägungen. Das einander Erkennen ist eine wichtige Voraussetzung, um zu einem friedvollen Miteinander zu kommen.
Wir beten in aller Bescheidenheit und voller Hoffnung für ein Leben in Frieden.