Eröffnung der Mitlebe-Kommunität Mamre

Ordensjubiläum Sr. Hilmtrud

Schwester Hilmtrud von der Congregatio Jesu hat vom Spätsommer 2015 bis Frühjahr 2016 in unserer WG gelebt. Nun hat für sie in Nürnberg in ihrer Gemeinschaft einen neuen Lebensabschnitt begonnen. Mit ihrer Mitschwester Magdalena lädt sie interessierte Frauen in die Mitlebe-Kommunität Mamre ein. Dafür steht im Haus der Congregatio Jesu ein ganzes Stockwerk zur Verfügung, das früher das Noviziat der Gemeinschaft beherbergte. Für den Namen der Mitlebe-Kommunität stand die Begegnung Abrahams mit den drei Boten (Genesis 18, 1 Mose 18) Pate.

Hilmtrud schreibt: Nachdem unser Noviziat nach Wien verlegt wurde, ergab sich für uns verbliebenen zwei Schwestern die Chance und der Auftrag, die frei gewordenen Räume als Mitlebe-Kommunität zu nutzen.

Magdalena und ich wollen unsere schlichten Räume, unsere Zeit, ein Stück unseres Lebens teilen
  • mit Jugendlichen, die einfach neugierig sind, wie Ordensleute so leben und ticken, („Komm und sieh“!),
  • mit jungen erwachsenen Frauen, die auf der Suche nach ihrem Lebensweg und ihrer Berufung sind, dabei ein Stück Wegbegleitung suchen und unsere Gemeinschaft kennenlernen möchten,
  • mit Frauen jeglichen Alters, die eine (ein- bis zweiwöchige) Auszeit mit der Möglichkeit zu geistlichen Impulsen, Gesprächen… suchen
  • mit solchen, die sich in Ruhe auf Prüfungen vorbereiten wollen, und dabei einen (flexiblen) geistlichen Rahmen schätzen.
Sie können an unseren Mahlzeiten und Gebeten teilnehmen, mit uns ins Gespräch kommen, einfach eine Weile mit uns mit-leben.
Allerdings sind wir weder ein billiges Hotel, noch können wir professionelle Betreuung bieten!
Gruppenangebote für bis zu 7 Personen machen wir gelegentlich auch, z.B. für Schülerinnen vor dem Abschlussexamen „Learn & Pray“, ein Format, das sich schon bewährt hat. Ansonsten sind wir noch offen für Ideen!

Silvia, die häufig zu unserem Samstagsfrühstück kommt und unserer Wohnzimmerlampe einen Text gewidmet hat, hat am Eröffnungswochenende in Nürnberg teilgenommen und berichtet darüber: Ein Wochen-ende im Zelt von Mamre mit Lachen, Gott und vielen Frauen. Der Artikel wird durch viele aussagekräftige Bilder illustriert. Unbedingt lesenswert.

Ein Bericht der Stadtkirche Nürnberg ist hier.

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Gestern beim Samstagsfrühstück …

… konnten wir einige Gäste begrüßen, die wir schon länger nicht mehr gesehen haben. Walter, der vor Weihnachten zwei Wochen bei uns gewohnt hat, war gekommen. Eine besondere Freude war es, daß Jutta nach langer Zeit wieder einmal unter uns sein konnte. Sie hat die Bewohner der Gemeinschaft und den Freundeskreis in der Übergangszeit intensiv begleitet als klar war, daß Christian gehen würde und sich die Frage stellte, wie und mit wem es danach weiter gehen könnte. Alle paar Wochen hat sie eines unserer Treffen moderiert. Leider konnte sie beim Fest der Übergabe aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein. Gestern haben wir sie dann zum ersten Mal seit fast zwei Jahren wieder gesehen. Sie freut sich, daß sie Zeit hat intensiv Bibel zu lesen und mit Menschen im Gespräch zu sein.

Sonntagsüberraschung

Mehr als drei Jahre ist es her, daß sie das letzte Mal in der Naunynstraße war. Seit einiger Zeit lebt sie in Berlin, und heute hatten wir die Freude, daß Katharina spontan ganz plötzlich vor der Tür stand. Glücklicherweise waren einige zuhause, was am Sonntagnachmittag nicht so selbstverständlich ist. Bei Kräutertee und Obst hörten wir von der Afrikareise, von der Familie und von der ersten Zeit in Berlin. Und schon am nächsten Samstag sehen wir uns wieder beim Frauentagsessen.

 

Ein Tisch … als Zeichen der Gemeinschaft

Ein Tisch erzählt … vom Fest (Teil 1)
Ein Tisch erzählt … vom Fest (Teil 2)
und hier der 3. Teil in anderer Form:

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Christian Herwartz schreibt: Vor 40 Jahren zogen drei Jesuiten zusammen nach Kreuzberg. Eine Kommunität begann. Nach dem Tod von Franz Keller (Januar 2014) wurde deutlich, dass sie in der jetzigen Form nicht mehr weiterleben kann. Ein Generationswechsel stand an. Ein Generationswechsel in was?

Die Kommunität ist in den Jahren gewachsen. Menschen aus über 70 Ländern wohnten und prägten die WG. Bisher hatten die Jesuiten eingeladen und die Gastgeberfunktion übernommen. Nun mussten sie diese mangels Nachwuchs abtreten. War die Gastgeberfunktion nicht schon längst auf die jetzt hier lebende Gemeinschaft übergegangen?

Ja, die ganze Gemeinschaft trägt die Wohngemeinschaft mit ihren unterschiedlichen Gaben. Doch in ihr leben bei aller Beteiligung auch Schutzsuchende. Diese können nicht alle Dimensionen der Verantwortung selbst übernehmen. Mitten in den vielfältigen Verantwortungen braucht eine Gemeinschaft Personen, die von außen ansprechbar sind und sich auch um die innere Kommunikation bemühen. Wer könnte nach meinem Weggang diese Personengruppe sein? Wer will diese Verantwortung übernehmen?

Nach einer Schockphase berieten wir zusammen mit unseren FreundInnen: Was ist wichtig geworden und wie kann es weiter gehen?

Cover

Cover

Viele Perspektiven wurden genannt und auch wieder verworfen. In dem Buch „Einfach Ohne“ ist dieser Prozess ein wenig festgehalten. Mitten in all den Ängsten, inneren Turbulenzen und Umbrüchen kam Iris W eiss Anfang 2015 für ein paar Tage, um die WG etwas mehr von innen zu erleben, die sie bei Samstagsfrühstücken schon kennen gelernt hatte. Sie blieb, engagierte sich und wollte auch verantwortlich hier leben bleiben. Sie stieg in den Neuanfang ein, der ja jeder Generationswechsel ist.

Wer könnte noch dazu kommen? Michael Peck kommt wöchentlich regelmäßig zwei Tage von Münster und engagiert sich mit ihr und allen anderen zusammen bei der Neuausrichtung.

Vieles soll weitergehen. Anderes, was bisher dazugehörte, ist nicht vorrangig. Iris und Michael übernahmen die nötigen Absprachen mit dem Jesuitenprovinzial und wuchsen immer mehr in die Kommunität hinein. Die Kommunität war schwer in ihrem Kern zu umschreiben. Doch wurde die Hoffnung immer deutlicher: Sie wollen einen schon begonnenen Weg fortsetzen. In dem Lesebuch „Einfach ohne“ sammelten sich Beiträge von Freunden, die vor allem Nadine zusammenstellte und Rolf mit vielen Zeichnungen versah. Das Buch kann im Internet aber auch auf Papier gelesen werden. Noch können Exemplare in der WG – möglichst gegen eine Spende ­ bestellt werden.

Für ein halbes Jahr unterstützte Sr. Hilmtrud­ aus der Congregatio Jesu ­ den Übergang vor Ort, und viele andere auch.

In der Feier übergab ich mitten unter den versammelten Bewohnern und Unterstützern die beiden Seitenteile unseres Wohnzimmertisches an Iris und Michael als Zeichen der Übergabe der Verantwortung.
Foto: Miriam Bondy

Foto: Miriam Bondy

Im Februar hat Dorothea im Rahmen eines zweiwöchigen Praktikums in der Naunynstraße mitgelebt. Bei ihr ist daraus in den folgenden Wochen der Wunsch und die Bereitschaft gewachsen, in die Naunynstraße zu kommen und die Wohngemeinschaft zu unterstützen. Sie hat uns dies am Freitag vor dem Fest gesagt und sich dann beim Fest als zukünftige Mitbewohnerin vorgestellt.
 
Am nächsten Tag stand der ganze Tisch mitten in der Kreuzberger Michaelskirche und wir feierten an ihm Gottesdienst mit allen FreundInnen, wie wir es in der Gemeinschaft all die Jahre auch getan haben.
Tisch beim Gottesdienst (Foto: Miriam Bondy)

Tisch beim Gottesdienst (Foto: Miriam Bondy)

Der Tisch war über die Jahre hinweg Mittelpunkt bei den vielen schönen Essen, Diskussionen und Feiern, auch bei den notwendigen und nicht so notwendigen Auseinandersetzungen sowie den Rückbesinnungen in den Gottesdiensten mit ihrem Ruf nach Entschiedenheit und Versöhnung.

Tisch nach dem Dankgottesdienst vor der Michaelskirche mit den Resten vom Fest (Foto: Miriam Bondy)

Tisch nach dem Dankgottesdienst vor der Michaelskirche mit den Resten vom Fest (Foto: Miriam Bondy)

Hier erlebten Menschen, dass sie auch in extremen Notlagen sprechen konnten und gehört wurden, dass Fremdheit und Streit zugelassen wurde, dass niemand in Harmonie ertränkt wurde. Auch sehr einsame Menschen konnten an diesem Tisch Platz nehmen, Verunsicherungen wurden ihnen zugemutet und nicht einfach verschwiegen. Menschen, die in Exerzitien Gottes Spuren auf der Straße suchten, fanden an dem Tisch Begleitung und Ermutigung. Im Vertrauen auf eine größere, oft unsichtbare Gemeinschaft trafen sich alltäglich hier Menschen verschiedener Glaubensrichtungen, die ja alle dem Frieden zu dienen suchten.

Allen Menschen, die weiter an diesem Tisch Platz nehmen, wünsche ich Wege zum Frieden, der Streit zulassen kann und Versöhnungswege eröffnet.

Vor der Rückkehr ins Wohnzimmer (Foto: Miriam Bondy)

Tisch vor der Rückkehr ins Wohnzimmer (Foto: Miriam Bondy)

Strassenexerzitien-Herberge

Jens kennt die Naunynstraße seit mehr als 20 Jahren. Er hat Ende Juli in Berlin Exerzitien auf der Straße begleitet und während dieser Zeit in der WG Naunynstraße gewohnt. Er schreibt:

Auf dem Naunynfest im April haben wir etwas wehmütig in die Vergangenheit geschaut: eine lange Wegstrecke ging zu Ende.

Mit der „Übergabe des Kommunitätstisches“ beim Fest selber und am Sonntag im Gottesdienst deutete sich aber an: es geht weiter. Aber wird es wirklich eine Zukunft geben?

Ich war in der letzten Juliwoche in der Naunynstraße – mit Iris, Christian und Marita habe ich die Straßenexerzitien begleitet, und es fügte sich, dass Iris und ich ein „Begleiterpaar“ waren und wir somit nicht nur gemeinsam begleiteten, sondern auch zusammen wohnten und lebten.

Blick aus dem Wohnzimmerfenster

Blick aus dem Wohnzimmerfenster

Ich durfte eine Woche lang Gast sein in der Naunyn. Da ich sie schon lange kenne und immer mal wieder zu Gast war, kamen mir Bilder von früher: war es besser als heute oder schlechter?

In den Straßenexerzitien haben wir als Begleiter immer gesagt: „Im Jetzt bleiben!“ Das war nun auch DIE Aufforderung an mich in dieser Woche. Ich konnte so etwas vom Vergleichen wegkommen und sehen: JETZT ist die Naunynstraße eine wunderbare Kommunität! Ihre Mitglieder ziehen alle ihrer Wege und kommen doch zusammen. Ich darf sein – wie das immer war: im Jetzt! Jede/r ist dort im Jetzt. Jede/r entscheidet selbst, inwieweit die Vergangenheit im Jetzt erzählt wird.

Und die Zukunft? Wer soll sie wissen? Planen wir sie in den Straßenexerzitien? Nie im Leben! Also soll auch in der Naunyn das Jetzt weitergehen. Iris und Michael, die ich dort erlebt habe, kommen immer mehr an – im Jetzt. Und natürlich gibt es Fragen und manchmal Lösungen oder auch keine oder auch andere als gedacht. Aber wenn man einmal zulässt, dass dort in der Naunyn, wo die Straßenexerzitien entstanden sind, das Jetzt präsent bleiben darf, dass die Zukunftsvisionen zwar gedacht werden, aber das Jetzt nicht ersetzen können, dann kann wie in den Straßenexerzitien gelten: Habt keine Angst! Genau so ist es gut.

Ich kann die Naunyn als Straßenexerzitien-Herberge sehr empfehlen. Sie begleitet und ergänzt und macht sichtbar auch ohne viele Worte.
Und Ihr, die Ihr im April etwas wehmütig in die Vergangenheit geschaut habt: kommt in die Naunyn – samstags zum Frühstück oder auch so. Willkommen im Jetzt! Türen und Fenster waren (dafür) immer geöffnet.

Zum Weiterlesen:
Ein Tisch erzählt vom Fest (Teil 1)

Klingelschild anachronistisch

Klingelschild

Seit einigen Tagen ist die Klingelanlage kaputt. Wir haben die Hausverwaltung um die Reparatur gebeten. Die Reparatur erfolgte nicht. Aber wo bis jetzt kein Namensschild war, steht jetzt „Jesuitengemeinschaft Kreuzberg“.

Nachtrag:
Als ich Schwester Annette von den Franziskanerinnen um die Ecke von unserem „neuen anachronistischen Klingelschild“ erzählt, meinte sie: „Anachronistisch oder auch prophetisch – wer kann das schon so genau wissen“.

 

 

Ein Tisch erzählt … vom Fest (1)

Ich bin der Tisch von der Wohngemeinschaft Naunynstraße. Seit 38 Jahren stehe ich nun schon hier mitten im im Wohnzimmer. Ganz viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und aus aller Welt haben sich schon an mir versammelt, gegessen, erzählt, gespielt, gearbeitet, gelacht und geweint … Mit dem Zählen habe ich schon lange aufgehört. Was ich schon alles gehört und erlebt habe, das geht auf keine Kuhhaut hat auf keiner Tischplatte Platz

Nur manchmal, wenn viele Leute zusammen kommen – wie an Weihnachten oder bei Freundeskreistreffen – werde ich in die Küche gebracht, mit einer Tischdecke geschmückt und habe dann viele gute Sachen anzubieten. Jeder, wirklich JEDER, der in die Naunynstraße kommt, kennt mich.

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

der Tisch beim Samstagsfrühstück – Foto: Luke Sonnenglanz

In den letzten Monaten und Wochen wurde an mir viel über das Fest geredet und diskutiert, das zu Christians 73. Geburtstag, zu seinem Abschied von der WG in der Naunynstraße und zur Übergabe der Verantwortung an Iris und Michael – oft Generations-wechsel genannt. In den letzten Wochen haben sich dann regelmäßig am Dienstag Nachmittag einige Menschen um mich versammelt, um die konkrete Planung des Festes zu besprechen. Viele Fragen standen im Raum: Wo kann das Fest stattfinden? Wieviele Menschen würden wohl kommen? Was wird es zu essen und zu trinken geben? Wieviele Getränke müssen bestellt werden?  Welche Programmbeiträge wird es geben? Ist genug Geschirr und Besteck da? Wo bekommen wir Biertische und Bänke? Wer hat Ideen für die Deko? Wer begrüßt die Gäste? Wer hilft beim Aufbau und beim Aufräumen?  Listen wurden geschrieben und dauernd verändert. Ich habe schon heftig bedauert, daß ich nicht dabei sein kann.

Aber es sollte alles ganz anders kommen. Denn da gab es auch noch andere Zusammenkünfte, Treffen, die ich nur am Rande mitbekommen habe. Sie fanden hinter verschlossener Tür – genauer gesagt in Christians Büro mit Iris und Michael – statt. Heute weiß ich, daß es bei diesen Gesprächen um das Ritual zur Übergabe und um den Dankgottesdienst am Sonntag in der Sankt Michaelskirche ging.

Aber selbst in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir nie vorstellen können, daß ich dabei eine tragende Rolle – eine Hauptrolle spielen würde…

zum Weiterlesen:
Ein Tisch erzählt … vom Fest: Teil 2

Ein Tisch … als Zeichen der Gemeinschaft (Teil 3)