W wie Werner oder wie Weitergeber

Später Samstagnachmittag. Es läutet. Eine Männerstimme im Treppenhaus: Kann mal jemand runterkommen und tragen helfen? Es ist Werner, 65 Jahre alt. Man sieht ihm an, daß er kein einfaches Leben hatte. In seiner Nachbarschaft fragt er in den Lebensmittel-geschäften nach Waren, die nicht mehr verkauft werden können und verteilt sie mit seinem eigenen Auto. Manchmal sehen wir ihn monatelang nicht. Letzte Woche und diese Woche war er zwei Mal da. Für uns war das eine willkommene Unterstützung, denn in beiden Wochen haben wir nichts von der Tafel bekommen, was Werner allerdings nicht wissen konnte.

Kennengelernt habe ich ihn vor drei Jahren. Ich erinnere mich noch genau an unsere erste Begegnung. Es war einige Wochen nach Weihnachten. Werner kam schwer atmend mit einem Riesenkarton die Treppe herauf. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen als ich sechzig (!) Packungen Ferrero-Küßchen vor mir sah. Ich habe nachgezählt, weil ich so fassungslos war.  Heute brachte er Gemüse, Kartoffeln, Wurst, Eier und Geleebananen.

Vor ein paar Wochen hatte er einen halben Umzugskarton mit ungewöhnlichem Inhalt bei den Schwestern für uns hinterlassen. An die – geschätzt – 200 Romanhefte warteten auf uns: Arztromane, Adelsromane, Liebesromane, Heimatromane und die Serie „der Bergpfarrer“.

Ich frage ihn, ob er Internet hat. Nein. Ich erzähle ihm von unserem Blog und frage, ob ich über ihn schreiben darf. Kannste machen. Ich bin der Weitergeber. So schreibste das. Ich brauch ja nicht viel für mich. 90 Prozent geb ich weiter. Danke, Werner. für deine Unterstützung.

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Brot-Vermehrung

Es ist Sonntag Morgen, und ich überlege, was ich für das Frühstück in Sankt Michael mitbringen kann. Im Brotkasten sind noch zwei Päckchen Brot mit je acht Scheiben. Nicht viel für elf Bewohner, die wir derzeit sind, weil einige unterwegs sind. Deshalb zögere ich, packe dann ein Päckchen zu den anderen Lebensmitteln dazu. Der August ist der zweite Monat mit 31 Tagen – für ame Menschen eine besonders schwierige Situation (dazu habe ich schon letztes Jahr geschrieben und zwar hier). Im Gemeindezentrum haben wir nach der Messe ein schönes Frühstück mit einem lebendigen Austausch. Als wir mit dem Abspülen und Aufräumen der Küche fast fertig sind, liegen auf der Arbeitsplatte drei Päckchen Brot genau von der Sorte, von der ich ein Päckchen mitgebracht hatte und jemand sagt: „Das ist für die Naunynstraße. Wenn Ihr noch mehr braucht, könnt Ihr noch bei den Schwestern nebenan holen.“