Kein Platz in der Unterkunft …

… denn die hatten keinen Platz in der Unterkunft bekommen (Lukasevangelium 2,7)

Kurz vor 23.00 Uhr steht eine Freundin unserer Gemeinschaft vor der Tür. In drei Notübernachtungsstellen hat sie umsonst um eine Schlafstelle nachgefragt, denn alle waren geschlossen worden.

Inzwischen sind alle Ausgabestellen der Berliner Tafel geschlossen. Auch die meisten Suppenküchen sind zu. Die Franziskaner in Pankow geben Essen in Gefäßen aus, ebenso die Missionaries of Charity (Schwestern von Mutter Theresa) in Kreuzberg . Das Mittwochscafe von Sankt Marien-Liebfrauen gibt Lunchpakete und Kaffee aus. Es ist verboten den Gemeindesaal – wie sonst – zu öffnen, damit die Menschen sich hinsetzen können. Sie müssen sofort weitergehen, wenn sie Lunchpaket und Kaffee erhalten haben.

Die Ärmsten trifft der Corona-Virus am Härtesten. Davon aber kein Wort in der zweistündigen Sendung von „Hart aber Fair“. Dort werden – abgesehen von alleinerziehenden Müttern – die Probleme der Mittelschicht verhandelt.

Andre Hoek, der selbst jahrelang obdachlos war, schreibt in seinem Weblog über die derzeitige Situation von Obdachlosen.

 

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Nacht der Solidarität – Zählung von Obdachlosen

Heute Nacht ist die „Nacht der Solidarität“. 3200 ehrenamtliche HelferINNEN sind unterwegs um die Obdachlosen, die auf Berliner Straßen leben zu befragen und zu zählen – so sie gezählt das wollen. Es ist die erste Zählung dieser Art in Berlin, in Deutschland um herauszufinden, wie viele Menschen auf der Straße leben (laut Schätzungen sollen es zwischen 6000 und 10 000 sein). Danach sollen die Hilfsangebote besser auf sie zugeschnitten werden können.

Es gibt Kritik von linken Aktivisten und der „Selbstvertretung wohnungsloser Menschen“. Sie bezeichnen die Zählung als „sinnlos und würdelos“. Vieh würde man zählen – Menschen brauchen Wohnungen, ist ihre Argumentation.

Andre Hoek, ein ehemaliger langjähriger Obdachloser, befürwortet die Zählung. Auf seinem Blog beschreibt er seine Sichtweise und zwar hier.

 

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Caritas-Arztmobil angezündet …

Caritas-Arztmobil

„Das Arztmobil war heute gar nicht da. Machen die Ferien?“ – so fragten sich zwei unserer Bewohner, die beim Mittwochscafe in St-Marien-Liebfrauen in Kreuzberg ehrenamtlich mitarbeiten. Immer während der Öffnungs-zeiten von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr kommt gegen 16.00 h das von Frank Zander gespendete Arzt-Mobil, eine mobile Arztpraxis in der obdachlose und arme Menschen behandelt werden. Das Arztmobil fährt von Montag bis Freitag 15 Stellen im ganzen Stadtgebiet an. Auf der Seite der Caritas heißt es:

Das Caritas-Arztmobil befindet sich seit 1995 im Einsatz. Es ist ein Kleintransporter, der als einfacher Behandlungs-raum ausgestattet ist. Die Patienten werden dort besucht, wo sie leben. Menschen, die auf der Straße leben, gehen in den seltensten Fällen zum Arzt. Doch sie werden sehr oft krank, da ihre Lebensbedingungen, gerade im Winter, sehr hart sind. Das Caritas-Arztmobil bietet eine medizinische Grundversorgung, aber auch darüber hinausgehende Hilfe.

Das Team des Caritas-Arztmobils versorgt Obdachlose an diversen Standorten zuverlässig. Vor Suppenküchen, Not-übernachtungen oder an Bahnhöfen pflegen die Ärzte Wunden, geben Medizin und überführen, wenn nötig, die Kranken in ein Krankenhaus. Pro Jahr werden knapp 1800 Konsultationen durchgeführt, der Bedarf wächst stetig.

Das Arztmobil bietet aber nicht nur medizinische Versorgung an. Ziel der Ärztinnen und Ärzte, der Pflegekräfte und der Sozialarbeiter ist es, den Kontakt zu den Erkrankten zu halten und sie an weiterführende Hilfsangebote heranzuführen.

Vor einigen Tagen wurde es in der Nacht angezündet. Der Schaden ist so groß, daß es längere Zeit nicht im Einsatz sein wird. Die Reparatur wird teuer. Wer dazu einen Beitrag leisten kann und will, findet die Daten hier.

Zum Weiterlesen:
Artikel im deutschen Ärzteblatt über einen Einsatztag des Arztmobils
Über Armut in Berlin

Nachtrag 18. August 2019:
Das Caritas-Arztmobil ist wieder im Einsatz

Kein Dach über dem Leben

Vor einigen Tagen begann ich das Buch von Richard Brox „kein Dach über dem Leben“ zu lesen. Der Titel machte mich neugierig, weil ich vor einigen Jahren den Verfasser in der Talkshow „Nachtcafe“ vom SWR gesehen habe. Dreißig Jahre hat er auf der Straße gelebt und mit Hilfe von Freunden aus dem Chaos-Computer-Club eine Info-Seite im Netz für Obdachlose über Hilfsangebote erstellt.

Richard Brox im Regenbogen-Kino

Eine Zeitlang hatte er eine Wohnung, die er aufgelöst hat nachdem er sein Buch fertig gestellt hatte. Nun ist er wieder unterwegs. Sein neues Projekt heißt „mobile Sterbebegleitung. Er möchte ein Hotel für Obdachlose mit einem angeschlossenem Hospiz gründen.

Nächsten Mittwoch wird er in Berlin sein und in der Regenbogenfabrik sein Buch vorstellen. Auch der Dokumentarfilm „unter Null“ über das Leben auf der Straße wird gezeigt werden. Eine Freundin unserer Wohngemeinschaft hat mich gebeten, darauf hinzuweisen, was ich gern tue

Mi., 13.3.19 | 19 Uhr | RegenbogenKino
Lausitzer Straße 22

Mehr über Richard Brox kann man durch einen Artikel in der Welt erfahren und zwar hier.