CAJ-Psalm

In der zweiten Januarhälfte treffen sich zu einer Abendmesse am Donnerstag Menschen aus Sankt Michael, aus der CAJ (christliche Arbeiterjugend) und aus unserer Wohnge-meinschaft um an Michael Walzer und Franz Keller zu erinnern. Die meisten kennen Michael nicht mehr persönlich, der vor 36 Jahren verstorben ist, aber einige sind treu seit dieser langen Zeit jedes Jahr wieder dabei. Eine große Freude ist die Neugründung der CAJ, deren Begründer in Berlin Michael war. In diesem Jahr fand ich den Beitrag der jungen CAJler, Christen und Muslime, besonders bewegend.

Angelehnt an Psalm 22 haben junge CAJler_innen aus ganz Deutschland zu Ostern 2018 einen Psalm formuliert, der im G-ttesdienst gelesen wurde und erlaubt, dass er hier ins Blog eingestellt werden darf:

Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?
Risse öffnen sich in der Welt,
zwischen arm und reich,
zwischen denen, die alles und denen, die nichts haben,
zwischen bekannten und
unbekannten, zwischen
Hass und Liebe.
Ich liege am Wegesrand, aber niemand sieht mich, schaut zu mir hin.
Oder
sie
sehen mich alle, schauen weg, gehen vorbei.
Ich bin ganz allein.
Menschen hasten unter Zeitdruck, sind überfordert, ohnmächtig.
Und über allem
die
Skyline.
Im Raum
voller Menschen bin ich allein,
vergessen, verloren. Muss das sein?
Ich laufe durch die Menschenmenge und fühle mich verloren, ziellos, einsam.
Ich liege am Boden und flehe um Hilfe, doch alle gehen nur stumm an mir vorüber.
Mein sicherer Halt, das sind meine Leute,
doch von jetzt auf gleich verwandeln sie sich zur Falle,
die mich herabzieht, zur Droge, die mich verheißungsvoll böse anzieht.
Sucht, Angst, Wut um mich herum
mein Gott, wo finde ich Halt?
Herr, ich klage dich an, denn meine Schuld und Scham frisst mich von innen auf.
In dieser Ohnmacht fällt es mir schwer, an
einen guten Gott zu glauben.
Du hast mich fallen gelassen
und
hast mir wieder hoch geholfen.
Du hast mich kaputt gemacht
und
hast mich wieder repariert.
Du hast mir Angst gemacht
und
hast mich dann in den Arm genommen.
In einem Riss: die Hoffnung wie ein Löwenzahn,
der den Riss im Asphalt nutzt, um zu leben.
Wie ein Kind, das aufgrund seines Alters nur Hoffnung kennt,
wie eine Freundschaft, die alle Hindernisse überwindet.
Was bleibt: Leben.
Wir werden gemeinsam aufstehen.
Werden uns an den Händen fassen und uns in die Augen schauen.
Jede*r ist dabei, jede*r gehört dazu.
Niemand bleibt am Wegesrand zurück.
Reiche mir deine Hand, lass
uns nach vorne zusammen gehen.
Es soll kein Mensch alleine stehen.
Wir werden alle
gemeinsam im Gotteshaus zusammenkommen und Solidarität leben.
Meine Familie und Freunde geben mir den Schutz, nach dem ich mich sehne
Und
die Unterstützung, nach der ich nicht zu fragen wage.
UnsereGesichter werden in fröhlichem Lachen schön aussehen,
wir bauen miteinander ein Haus, in dem wir mit Dir leben werden.
In Liebe und Freundschaft sorgen wir füreinander,
singen lautstark Lieder und richten uns auf, um von deiner Güte zu erzählen.
Dann blicke ich empor zu Dir.
Deine durchbohrten Arme,
weit ausgestreckt, sind eine Einladung.
Einladung zur Vergebung und Friede.
Darum jubeln wir.
Es ist vollbracht.
Du hast gesiegt.
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