Das neue Normal: Sankt Martin 2020

Vertraute und lieb gewordene Traditionen loslassen: Keine Martinsumzüge mit bunten Laternen im Freien, sondern in Kirchenräumen. Auch das traditionelle Martinsspiel der Kindergarten-eltern vor der Sankt-Michaelskirche, zu dem viele ehemalige Kindergartenkinder – teilweise inzwischen schon im jugendlichen Alter – kommen, fällt aus. Und doch: Sankt Martin findet statt. In manchen Straßen ist Sankt Martin mit Bollerwagen und Pferd unterwegs. Die Kinder stehen mit ihren Laternen am Straßenrand oder an den Fenstern. Die Geschichte wird erzählt und Süßigkeiten verteilt (Video hier).  

Auch wir haben gefeiert. Ein Mitbewohner hat uns am Vorabend, unserem wöchentlichen Kommunitätsabend, mit Martinsgänse-hühnerkeulen, Klößen und Rotkohl überrascht. Zum Nachtisch flogen süße Martinsgänse mit Sahnefüllung ein, und wer die Geschichte und das Brauchtum um den Martinstag nicht kannte, konnte darüber mehr an unserem Wohnzimmer-tisch erfahren, auch mit welch unterschied-lichen Techniken Laternen gebastelt werden können und welche Erinnerungen die unter uns, die Sankt Martin als Kinder gefeiert haben, verbinden. Zum G-ttesdienst ließen wir uns von den Gedanken der abendlichen Andacht von Bruder Philipp aus dem Benediktinerkloster Maria Laach online anregen. 

Und immer wieder herausfordernd ist der Text von Christian Herwartz „Martin von Tours: Engagiert die Gleicheit mit dem Nächsten leben“, der für ein Buch über Männerspiritualität entstanden ist und hier nachgelesen werden kann. Er enthält einige weniger bekannte Aspekte aus dem Leben dieses Heiligen wie diesen:

„Als Einsiedler führte Martin ein asketisches Leben der Reinigung. Einige Brüder schlossen sich seiner Lebensweise an. Es entstand eine Gemeinschaft. Martin wurde Abt des entstehenden Klosters Marmoutier und damit zur einem Pionier des gallischen Mönchtums. Das Volk in Tours entdeckte ihn. Sie spürten seine königlichen Leitungsfähigkeiten, mit denen er aus einer inneren Klarheit heraus Entscheidungen fällte und sich der Sorgen seiner Mitmenschen annahm. Auch als Bischof lebte Martin in einer Einsiedelei und blieb seiner monastischen Berufung treu. Seine Neigung zum kontemplativen Leben und die Demut eines Mönches halfen ihm bei seinen pastoralen Verpflichtungen. Dabei lag ihm besonders die Heilung der Kranken am Herzen, wie Sulpicius Servus immer wieder erzählt.“

 

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Martinsgänse …

Martinsgänse - süße Variante

Martinsgänse – süße Variante

… in der süßen Variante gab es heute zum Abendessen am Fest Sankt Martin. Wir haben seine Geschichte gelesen wie Christian sie in seinem Buchbeitrag „Martin von Tours – engagiert die Gleichheit mit dem Nächsten leben“ erschließt.

Zum Weiterlesen:
Benedikt Lautenbacher / Andreas Ruffing (Hrsg): Männer Gottes – 12 Porträts aus Bibel und Tradition, Kösel Verlag