Vom Reichtum eines ganz normalen Sonntags im November

Frühstück zu acht. Dabei über Kindergarten gesprochen, der in allen Sprachen am Tisch „Kindergarten“ heißt. Schoko-Mousse-Torte vorbereitet. Besuch vonAnna. Konflikt beruhtigt nicht gelöst. Zu Fuß zum Gedenkrundgang und unterwegs einige Bekannte getroffen. In der Herbstsonne gesessen und von einer schwierigen Situation erzählen können. Rundgan: Berliner Mauerweg eineinhalb Kilometer mitgegangen von der Jakobikirche bis zum Gemeindezentrum der Aleviten. Dabei viel Bewegendes, Schockierendes, Skandalöses und auch Ermutigendes von Zeitzeugen und aus Archiven gehört. Herr Marokko kommt beglückt vom Sprachtandem deutsch-französich zurück. Mit zwei Bewohnern aus Nordafrika Kaffee getrunken und Schokoladentorte gegessen. Dabei gehört und per Smartphone gezeigt bekommen, wie die traditionelle Kleidung von Frauen und Männern in diesen beiden Ländern aussieht und wie sie von jungen DesignerINNen weiterentwickelt und von Models präsentiert wird. Gespräche kreuz und quer zwischen Mitbewohnern. Einer macht den Essensplan für die kommende Woche in der Arbeitsstelle. Ein anderer freut sich, daß die Fortbildung,vor der er Angst hatte, gut gelaufen ist. Ein anderer ist gefrustet, dass noch kein Anmachholz zerkleinert wurde für den Kachelofen im Wohnzimmer. Ein anderer ist krank und mag nur Tee trinken. Eine Freundin der WG kommt und holt die Monatskarte ab, die sie uns für einige Tage geliehen hat. Ein Mitbewohner klärt, wann und wo er Brot holt. Ein trauriger Ex-Mitbewohner kommt und bringt Umzugskartons für die Sachen, die er noch bei uns hat und nächste Woche abholt. Herr Tunesien kocht ein Pilz-Gemüse-Gericht und unterzieht die Küche einer gründlichen Reinigung. Ein Brief wird per Hand geschrieben …

Alles und noch mehr an einem ganz normalen Sonntag im November.

Brot-Vermehrung

Es ist Sonntag Morgen, und ich überlege, was ich für das Frühstück in Sankt Michael mitbringen kann. Im Brotkasten sind noch zwei Päckchen Brot mit je acht Scheiben. Nicht viel für elf Bewohner, die wir derzeit sind, weil einige unterwegs sind. Deshalb zögere ich, packe dann ein Päckchen zu den anderen Lebensmitteln dazu. Der August ist der zweite Monat mit 31 Tagen – für ame Menschen eine besonders schwierige Situation (dazu habe ich schon letztes Jahr geschrieben und zwar hier). Im Gemeindezentrum haben wir nach der Messe ein schönes Frühstück mit einem lebendigen Austausch. Als wir mit dem Abspülen und Aufräumen der Küche fast fertig sind, liegen auf der Arbeitsplatte drei Päckchen Brot genau von der Sorte, von der ich ein Päckchen mitgebracht hatte und jemand sagt: „Das ist für die Naunynstraße. Wenn Ihr noch mehr braucht, könnt Ihr noch bei den Schwestern nebenan holen.“