Samstagsfrühstück: Monastische und andere Traditionen …

Samstagsfrühstück: der Tisch ist gedeckt

Unter besonderen Umständen, im kleinen Kreis, fand heute unser Samstagsfrühstück statt. Auch wenn wir eine kleine Gruppe waren, so waren wir bunt gemischt: Christlich, muslimisch, buddhistisch, jüdisch oder agnostisch unterwegs. Bruder Winfried von der Emmausgemeinschaft, einer franziskanischen Gemeinschaft auf dem Josefshof war gekommen. Manche werden ihn und seine Akkordeonbegleitung noch von unseren Adventsabenden in Erinnerung haben.  Zum ersten Mal war Frank, einer aus der gastgebenden Gemeinschaft unserer Straßenexerzitien Ende August unser Frühstücksgast.

Gestern war der Jahrestag des Anschlags in New York auf die Twin Towers. Mitbewohner aus muslimischen Ländern erzählen, wie sie danach als Muslime wahrgenommen und behandelt werden, welche Formen von Diskriminierung sie erleben und was sich für sie zum Negativen verändert hat.

Drei Personen am Frühstückstisch haben Erfahrungen mit unterschiedlichen Strömungen des Ordenslebens in verschiedenen Ordensgemeinschaften: Trappisten, Franziskaner und Jesuiten. Das lädt zu Vergleichen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ein. Außerdem kommen durch Gastaufenthalte in Klöstern auch noch Erfahrungen mit der Spiritualität der Benediktiner, Zisterzienser und Kartäuser dazu.  Frank war 15 Jahre Trappistenmönch und einige Zeit auch für die Neuankömmlinge zuständig. Auch jetzt ist er immer wieder Gast in verschiedenen Trappistenklöstern in Belgien und den Niederlanden und kann viel über die Veränderungen während der letzten 30 Jahre erzählen.

So kommen wir auf den Film „von Menschen und Göttern“ über das Leben und die Ermordung der Trappistenmönche von Tibhirine. Die meisten am Tisch haben den Film einmal oder mehrmals gesehen und wir erfahren voneinander die unterschiedliche Sichten christlicher und muslimischer und anderer Frühstücksteilnehmer. Wie gut, daß Frank heute bei uns ist. Er kann einiges zu der Frage beitragen, wie typisch das Leben der Mönche von Tibhirine für Trappisten ist. Dieses Kloster ist – so Frank – eine Aus-nahmeerscheinung unter Trappistenklöstern.

Weil auch noch jemand am Tisch sitzt, der einen buddhistischen Weg (Zen) geht, landen wir bei Zen-Meditation und Kontemplation  und der Begegnung mit mystischen Traditionen in unterschiedlichen Religionen sowie der Transfer verschiedener buddhistischer Richtungen in europäische Gesellschaten.

Wie wir dann bei den Stärken und Schwächen unterschiedlicher Bibelübersetzungen gelandet sind, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls ergab sich darauf noch die Frage, warum sich biblische Namen in jüdischen und christlichen Bibelübersetzungen unterscheiden (Mosche – Moses, Jochanan – Johannes, Miriam – Maria, Schlomo – Salomo, Jeschua – Jesus).

Nachdem die letzten Frühstückstreffen sehr stark von politischen Themen geprägt waren lag heute der Schwerpunkt auf dem Themenbereich Religion und Spiritualität.

Unser ältester Mitbewohner Christian Schmidt (SJ) zog folgendes Fazit: „Das war heute außergewöhnlich – ein besonders schönes Samstagsfrühstück“.

Zum Weiterlesen:
Der letzte Überlebende von Tibhirine, Bruder Jean-Pierre Schumacher
Was unser Samstagsfrühstück  ausmacht
Das Kloster von Tibhirine – von Mönchen, Mördern und Muslimen   (Deutschlandradio)

 

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Anteil nehmen …

Diese Woche haben wir viel Anteilnahme und Unterstützung erfahren. Wir sind dankbar dafür:

Susanne und Reinhard haben uns von ihrer Mediatationswoche mit Sebastian Painadath im Kloster Reutte eine Karte vom brennenden Dornbusch geschickt, wo sie Impulse aus Texten von Meister Eckhart und aus den Upanischaden bekamen:

viereck-kunst.de: Mose, zieh deine Schuhe aus, hier ist ein heiliger Ort

viereck-kunst.de: Mose, zieh deine Schuhe aus, hier ist ein heiliger Ort

Den Dornbusch als Labyrinth zu sehen war für mich ein ganz neuer Zugang.

Am Donnerstag hat uns Maria aus dem Allgäu besucht. Sie war bei der Wir-haben-es-satt-Demo gewesen und hat die Woche danach in Berlin besucht um Freunde zu besuchen – so auch uns. Beim letzten Besuch vor einem Jahr hat sie uns erzählt, daß es wegen der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns nicht mehr möglich sein wird, daß Leute für eine Auszeit auf den Bauernhof kommen können. Das ist schlicht und einfach nicht mehr finanzierbar. Aber eine neue Tür hat sich aufgetan. Derzeit lebt eine Vietnamesin auf dem Bauernhof mit, die über einen internationalen Freiwilligendienst gekommen ist. Der Hof ist eine Einsatzstelle für jemand, der biologischen Anbau und das Konzept der solidarischen Landwirtschaft kennen lernen möchte.

Am Freitag hatte ein Besucher ohne Krankenversicherung eine schwere Gallenkolik. Glücklicherweise war eine Ärztin in unserem Freundeskreis noch in ihrer Praxis erreichbar und hat schnell geholfen und uns das erforderliche Medikament geschenkt.

Immer wenn in Berlin Ferien sind, leiht uns Doris für diese Zeit ihre BVG-Monatskarte. Das ermöglicht  eine größere Mobilität und so zusätzliche Unternehmungen für einzelne Mitbewohner.

Beim Samstagsfrühstück hatten wir Marianne und ihren Mann aus Freiburg zu Gast. Sie hatte im Rahmen ihrer Ausbildung zur Exerzitienbegleiterin von uns und den Straßenexerzitien gehört und wollte uns kennenlernen. Da gleichzeitig Christian Herwartz da war, ergab sich ein intensiver Austausch über die bibilische Geschichte der zwei, die nach Emmaus unterwegs waren, weil sich darin die typische Dynamik der Exerzitien auf der Straße spiegelt.

Gleich anschließend durften wir bei den Franziskanerinnen reichlich Milchprodukte und Süßigkeiten abholen, die von der Fazenda da Esperanza auf Gut Neuhof für uns mitgebracht worden waren.

Strassenexerzitien-Herberge

Jens kennt die Naunynstraße seit mehr als 20 Jahren. Er hat Ende Juli in Berlin Exerzitien auf der Straße begleitet und während dieser Zeit in der WG Naunynstraße gewohnt. Er schreibt:

Auf dem Naunynfest im April haben wir etwas wehmütig in die Vergangenheit geschaut: eine lange Wegstrecke ging zu Ende.

Mit der „Übergabe des Kommunitätstisches“ beim Fest selber und am Sonntag im Gottesdienst deutete sich aber an: es geht weiter. Aber wird es wirklich eine Zukunft geben?

Ich war in der letzten Juliwoche in der Naunynstraße – mit Iris, Christian und Marita habe ich die Straßenexerzitien begleitet, und es fügte sich, dass Iris und ich ein „Begleiterpaar“ waren und wir somit nicht nur gemeinsam begleiteten, sondern auch zusammen wohnten und lebten.

Blick aus dem Wohnzimmerfenster

Blick aus dem Wohnzimmerfenster

Ich durfte eine Woche lang Gast sein in der Naunyn. Da ich sie schon lange kenne und immer mal wieder zu Gast war, kamen mir Bilder von früher: war es besser als heute oder schlechter?

In den Straßenexerzitien haben wir als Begleiter immer gesagt: „Im Jetzt bleiben!“ Das war nun auch DIE Aufforderung an mich in dieser Woche. Ich konnte so etwas vom Vergleichen wegkommen und sehen: JETZT ist die Naunynstraße eine wunderbare Kommunität! Ihre Mitglieder ziehen alle ihrer Wege und kommen doch zusammen. Ich darf sein – wie das immer war: im Jetzt! Jede/r ist dort im Jetzt. Jede/r entscheidet selbst, inwieweit die Vergangenheit im Jetzt erzählt wird.

Und die Zukunft? Wer soll sie wissen? Planen wir sie in den Straßenexerzitien? Nie im Leben! Also soll auch in der Naunyn das Jetzt weitergehen. Iris und Michael, die ich dort erlebt habe, kommen immer mehr an – im Jetzt. Und natürlich gibt es Fragen und manchmal Lösungen oder auch keine oder auch andere als gedacht. Aber wenn man einmal zulässt, dass dort in der Naunyn, wo die Straßenexerzitien entstanden sind, das Jetzt präsent bleiben darf, dass die Zukunftsvisionen zwar gedacht werden, aber das Jetzt nicht ersetzen können, dann kann wie in den Straßenexerzitien gelten: Habt keine Angst! Genau so ist es gut.

Ich kann die Naunyn als Straßenexerzitien-Herberge sehr empfehlen. Sie begleitet und ergänzt und macht sichtbar auch ohne viele Worte.
Und Ihr, die Ihr im April etwas wehmütig in die Vergangenheit geschaut habt: kommt in die Naunyn – samstags zum Frühstück oder auch so. Willkommen im Jetzt! Türen und Fenster waren (dafür) immer geöffnet.

Zum Weiterlesen:
Ein Tisch erzählt vom Fest (Teil 1)

Geschenk aus der Schweiz

Ovomaltine

Ovomaltine

 

Felix hat vor einiger Zeit bei uns in der WG Exerzitien auf der Straße gemacht. Jetzt war er mit einer Gruppe junger Erwachsener aus seiner Pfarrgemeinde in Berlin. Er hat sich daran erinnert, daß ein Mitbewohner besonders gern Ovomaltine trinkt. Die Dose mit dem WG Naunynstraße – Schriftzug hat uns allen sehr gefallen. Und der beschenkte Mitbewohner wußte gar nicht, ob ihn nun die Dose oder der Inhalt mehr erfreut.