Frühstücksgespräche nach Pfingsten im Juni (9)

Jetzt in Zeiten des Corona-Virus frühstücken wir unter der Woche immer um 8.30 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben. Frühstücksgäste kommen nicht mehr dazu. Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Anliegen und Positionen ins Gespräch. Im Juni ging es um folgende Themen:

  • Warum ist Pfingstmontag in Deutschland ein Feiertag
  • sprachliche Mißverständnisse (engl.: gift, Geschenk, Gift)
  • welche Prozesse laufen im Körper ab, wenn wir Nahrung zu uns nehmen
  • Raucherentwöhnung – wie hört man am besten mit dem Rauchen auf
  • verschiedene Formen von Prostitution – welche Rolle spielt Zwangsprostitution
  • Besuch von Pfarrer Wiesböck
  • Älterwerden
  • Prägungen durch unterschiedliche Kolionalmächte (England / Frankreich) in verschiedenen afrikanischen Ländern
  • intergenerationelle Auswirkung von Sklaverei
  • schönste Städte
  • Heinrich, genannt „der Eiermann“, weil er jahrelang immer Eier zum Samstagsfrühstück mitbrachte, wird übermorgen beerdigt
  • Erfahrungen mit Heimerziehung
  • Pflanzen und ihre heilenden, schädigenden und berauschenden Wirkungen
  • Erlebnisse mit früheren Bewohnern oder Besuchern (Löwen-Klaus, Eiermann)
  • Länder und Landschaften: Wie werden sie von den jeweiligen Bewohnern und wie von Außenstehenden bezeichnet (Georgien – Grusinien, Marokko – Magreb)
  • Vornamen und ihre Beliebtheit in unterschiedlichen Kulturen
  • Tag der deutschen Einheit – in der alten BRD am 17. Juni begangen
  • Umgang mit Corona-Regeln in München und in Berlin
  • wie kann man Kinder stärken – Widerstandsfähigkeit
  • Wehrdienst in verschiedenen Ländern – „Begrüßungs“-Rituale für Neue – Umgang mit Hierarchien
  • die Berliner Kommunität der Franziskanerinnen bekommt Zuwachs: Die neue Schwester wird als Neurologin in einem Krankenhaus arbeiten
  • mit welchen Krankheitsbildern haben Neurologen zu tun („nur Parkinson – ist langweilig“)
  • wann ist es gut wenn ein Ehepaar im gleichen Unternehmen beruflich tätig ist
  • Was bedeutet es für Ehepartner und Kinder, wenn wegen des Berufs alle paar Jahre der Lebensort wechselt (Berufssoldaten, diplomatischer Dienst)
  • In welchen Kulturen werden Hunde gegessen und in welcher Form (Suppe, gebraten, gegrillt)
  • Tuberkulose: Wie wird sie weitergegeben, wo ist sie heute noch verbreitet und was gilt als Heilmittel (Serum, Luftkur, Hundefleisch essen, Ziegenmilch trinken)
  • Meinungen zur Neugestaltung der Foto-Wand mit den Bildern von verstorbenen BewohnerINNEn oder Freunden der Kommunität
  • Warum sind in Deutschland Friedhöfe zu bestimmten Zeiten abgeschlossen?
  • Welche öffentlichen Verkehrsmittel gibt es in welchen Städten (Bus, Tram, Oberleitungsbus, U-Bahn, S-Bahn, Regionalzug)
  • München und das Oktoberfest: Warum wird es gefeiert, findet es jedes Jahr statt, muß man Eintritt zahlen; welche anderen Feste und Festivals gibt es (Auer Dult, Jakobidult, Tollwood, Filmfest, Frühlingsfest, Magdalenenfest, Kirchweihdult, Kocherlball, Literaturfest, Stadtgründungsfest, Bennofest)

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Der Fülle Raum geben

Ostersonne – Sankt Michael 2020; Foto: Sr. Rita

 

 

Ursprünglich eine Spirale aus Tüchern. Jeden Fastensonntag wurde ein Symbol für die jeweilige Lesung aus den Evangelien hinzugefügt. Am Karfreitag wurde alles mit schwarzen Tüchern bedeckt. In der Osternacht wurden die schwarzen Tücher weggenommen, und es erschien mit vielen Strahlen in Gelb- und Rottönen mit Tüchern gelegt – diese Ostersonne.

Wir haben sehr intensive Festtage verlebt und sind dankbar für das Viele, das uns geschenkt wurde im Miteinander und von anderen. Vielen Dank auch an dieser Stelle dafür. Es war immer wieder die Erfahrung des Beschenkt werdens auf verschiedenen Ebenen.

Ab Palmsonntag haben wir eine Ideensammlung gemacht, was und wie wir in den kommenden Tagen die Zeit miteinander gestalten wollen. Wir hatten leckere Mahlzeiten miteinander zu Pessach und den Kar- und Ostertagen. Ansonsten haben wir uns in unterschiedlichen Zusammensetzungen zusammengefunden zu Fernsehg-ttesdiensten mit Laptop und Kerze („Christian, jetzt kommt Papst. Willst Du sehen?“ Und anschließend: „Jetzt ist evangelisch“), zum Hörspiel „der Prozeß Jesu“, zum Kochen, Backen, Eierfärben, zu einem Film über Alfred Delp und Zeiten der Stille in Sankt Michael. Ein Bewohner hat am Freitagnachmittag eine Andacht zu den sieben Worten Jesu am Kreuz vorbereitet.

Erfahrungen der Fülle und des Verbundenseins in einer Zeit, die auch für uns fordernd und in manchen Punkten schwierig ist. Einer arbeitet als Sicherheitsmann in einer Klinik, ein anderer hat viel zu tun im Reinigungsgewerbe. Einer ist im Pausenstatus und sehnt sich danach bald wieder in seine Arbeitsstelle zurückkehren zu können. Alle anderen können nicht arbeiten und haben erstmal keine Arbeit in Aussicht.

 

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Frühstücksgespräche (6)

Unter der Woche frühstücken wir immer um 8.00 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben. Jetzt in Zeiten des Corona-Virus haben wir das Frühstück auf 8.30 h verschoben.  Frühstücksgäste kommen nicht mehr dazu. Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Anliegen und Positionen ins Gespräch. Im März ging es um folgende Themen:

Früstückstisch in Zeiten des Corona-Virus

  • Sprachvergleiche
  • Kolonialgeschichte einzelner Länder, welche Kolonien hatte Deutschland
  • wie wird eine Notübernachtung organisiert
  • wie wird Bier gebraut – Alkoholkonsum und seine Akzeptanz in verschiedenen Ländern
  • Outdoor-Pinkeln im Kulturvergleich, wo ist es erlaubt und wo nicht und wie wird es sanktioniert
  • Prozeß der Käseherstellung, wie kommen die Löcher in den Käse (die Bakterien pubsen)
  • unser Samstagsfrühstück in Zeiten des Corona-Virus
  • Leben ohne Plastik
  • Abraham / Ibrahim: Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Querverbindungen in Judentum, Christentum und Islam
  • Corona-Virus: die ersten Tafel-Ausgabestellen und Essensausgaben (Suppenküchen) stellen die Verteilung ein
  • zahnmedizinische Behandlung in unterschiedlichen Kulturen
  • Hexenverfolgungen im Mittelalter und heute (Papua Neuguinea)
  • Nahtoderfahrungen
  • Eine Frau aus Polen wird aus dem Gefängnis entlassen. Kann sie kommen?
  • Geistheilung – live und geht das auch per Telefon
  • Machen wir weiter mit dem Samstagsfrühstück?
  • Umgang mit Kontakten in der WG und außerhalb
  • Umgang mit Corona in Unterschiedlichen Ländern

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Vom Reichtum eines ganz normalen Sonntags im November

Frühstück zu acht. Dabei über Kindergarten gesprochen, der in allen Sprachen am Tisch „Kindergarten“ heißt. Schoko-Mousse-Torte vorbereitet. Besuch vonAnna. Konflikt beruhtigt nicht gelöst. Zu Fuß zum Gedenkrundgang und unterwegs einige Bekannte getroffen. In der Herbstsonne gesessen und von einer schwierigen Situation erzählen können. Rundgan: Berliner Mauerweg eineinhalb Kilometer mitgegangen von der Jakobikirche bis zum Gemeindezentrum der Aleviten. Dabei viel Bewegendes, Schockierendes, Skandalöses und auch Ermutigendes von Zeitzeugen und aus Archiven gehört. Herr Marokko kommt beglückt vom Sprachtandem deutsch-französich zurück. Mit zwei Bewohnern aus Nordafrika Kaffee getrunken und Schokoladentorte gegessen. Dabei gehört und per Smartphone gezeigt bekommen, wie die traditionelle Kleidung von Frauen und Männern in diesen beiden Ländern aussieht und wie sie von jungen DesignerINNen weiterentwickelt und von Models präsentiert wird. Gespräche kreuz und quer zwischen Mitbewohnern. Einer macht den Essensplan für die kommende Woche in der Arbeitsstelle. Ein anderer freut sich, daß die Fortbildung,vor der er Angst hatte, gut gelaufen ist. Ein anderer ist gefrustet, dass noch kein Anmachholz zerkleinert wurde für den Kachelofen im Wohnzimmer. Ein anderer ist krank und mag nur Tee trinken. Eine Freundin der WG kommt und holt die Monatskarte ab, die sie uns für einige Tage geliehen hat. Ein Mitbewohner klärt, wann und wo er Brot holt. Ein trauriger Ex-Mitbewohner kommt und bringt Umzugskartons für die Sachen, die er noch bei uns hat und nächste Woche abholt. Herr Tunesien kocht ein Pilz-Gemüse-Gericht und unterzieht die Küche einer gründlichen Reinigung. Ein Brief wird per Hand geschrieben …

Alles und noch mehr an einem ganz normalen Sonntag im November.

Gestern beim Samstagsfrühstück …

… konnten wir einige Gäste begrüßen, die wir schon länger nicht mehr gesehen haben. Walter, der vor Weihnachten zwei Wochen bei uns gewohnt hat, war gekommen. Eine besondere Freude war es, daß Jutta nach langer Zeit wieder einmal unter uns sein konnte. Sie hat die Bewohner der Gemeinschaft und den Freundeskreis in der Übergangszeit intensiv begleitet als klar war, daß Christian gehen würde und sich die Frage stellte, wie und mit wem es danach weiter gehen könnte. Alle paar Wochen hat sie eines unserer Treffen moderiert. Leider konnte sie beim Fest der Übergabe aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein. Gestern haben wir sie dann zum ersten Mal seit fast zwei Jahren wieder gesehen. Sie freut sich, daß sie Zeit hat intensiv Bibel zu lesen und mit Menschen im Gespräch zu sein.

Sonntagsüberraschung

Mehr als drei Jahre ist es her, daß sie das letzte Mal in der Naunynstraße war. Seit einiger Zeit lebt sie in Berlin, und heute hatten wir die Freude, daß Katharina spontan ganz plötzlich vor der Tür stand. Glücklicherweise waren einige zuhause, was am Sonntagnachmittag nicht so selbstverständlich ist. Bei Kräutertee und Obst hörten wir von der Afrikareise, von der Familie und von der ersten Zeit in Berlin. Und schon am nächsten Samstag sehen wir uns wieder beim Frauentagsessen.

 

Unter neuer Bewirtschaftung

Vor einigen Monaten stand ein Mann mittleren Alters an der Wohnungstür. Bei einer Tasse Kaffee am Wohnzimmertisch eröffnete er das Gespräch mit dem Satz: „Ich komme aus Tegel“. Ich dachte, daß er mir mitteilen will, in welchem Stadtteil (Tegel) er lebt. Aber ein paar Sätze später sagte er dann, daß er in Lichtenrade, einem recht bürgerlichen Viertel, eine Wohnung hat. Daraus schloß ich dann, daß „ich komme aus Tegel“  ein Hinweis auf den dortigen Knast und seine Entlassung war. Die Startbedingungen unseres Besuchers waren eigentlich gut. Arbeit und Wohnung sind ja keine Selbstverständlichkeit nach einem Gefängnisaufenthalt. Nun litt er unter seiner Einsamkeit, weil er in Lichtenrade keinen Anschluß findet – nicht einmal in der katholischen Kirchengemeinde: „Die wollen unter sich bleiben“ war sein Eindruck. Mit seinen ehemaligen Freunden wollte er nicht in Kontakt kommen, denn er befürchtete, dann „wieder abzurutschen“.

Im Gefängnis war er regelmäßig von einer christlichen Gruppe besucht worden. Camillo von den Emmaus-Leuten hat ihn auf die Naunynstraße aufmerksam gemacht. „Und den Christian Herwartz den kenne ich auch über meinen Pastoralreferenten. Der Camillo hat mir schon gesagt, daß der Christian Herwartz nicht mehr da ist. Das ist jetzt unter neuer Bewirtschaftung“.

 

Wohngemeinschaft als Förderturm

Letzte Woche hat in einem Gespräch eine Freundin der Naunynstraße diesen Ort mit einem Förderturm verglichen. Als Kind des Ruhrgebiets hatte sie einen anderen Bezug dazu als die meisten von uns. Da mir das Bild nicht vertraut ist, habe ich ein Video gefunden, das die Aktivitäten bei der Förderung von Steinkohle zeigt. Das Bild vom Förderturm hat mir noch einmal einen anderen, einen neuen Zugang ermöglicht. Ich war ganz berührt von diesem Geschenk. Dabei fiel mir ein, daß von Steinkohle auch als „schwarzem Gold“ gesprochen wird. Das Video ist hier und dauert 14 Minuten: