Sommermorgen – ganz anders

Morgens kurz vor halb sieben. Es ist noch kühl und ich bin unterwegs zu den Franziskanerinnen. Da sitzen sie auf einer Treppenstufe zum Hauseingang: Zwei junge Münner, Nordafrikaner, Mitte zwanzig – wenn überhaupt, sehr freundlich. Ich bleibe stehen, sehe das bereits ausgepackte weiße Pulver. Es sind die Vorbereitungen für den nächsten Schuß. Ich bleibe stehen sage: „Guten Morgen“. Der eine, der links vor mir sitzt, schaut auf, sagt: „Entschuldigung“. Ich gehe um die beiden herum zur Haustür. Als ich eine Stunde später das Haus verlasse, sehe ich noch die Reste des Drogenkonsums – schon etwas verweht.

Zum Weiterlesen:
Im Görlitzer Park

 

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Eine Tasse als Gleichnis

Mehr als 15 Jahre hatte unser ältester Mitbewohner, Bruder Christian, eine schwere braune Steinguttasse in Gebrauch. Vor zwei Wochen ging sie beim Abspülen zu Bruch. Er hat sie sehr vermißt. Einige Tage später hat ihm Silvia eine neue Tasse (Foto links) geschenkt, die ihm gut gefällt und zudem viel leichter ist. Er meinte dazu: „Schon vor meiner Krebsdiagnose vor 15 Jahren hatte ich diese Tasse. Ich habe mich so an sie gewöhnt. Ich habe sie sehr vermisst und habe einige Zeit gebraucht sie innerlich loszulassen. Und jetzt habe ich eine viel schönere Tasse geschenkt bekommen.“

Dieses Gespräch ist mir einige Zeit nachgegangen und mir ist das Gebet der Töpfer von Taize wieder eingefallen:

Gebet der Töpfer von Taizé
Herr,
mache mich zu einer Schale,
offen zum Nehmen,
offen zum Geben,
offen zum Beschenktwerden,
offen zum Bestohlenwerden.
Herr,
mache mich zu einer Schale für Dich,
aus der Du etwas nimmst,
in die Du etwas hineinlegen kannst.
Wirst Du bei mir etwas finden,
was Du nehmen könntest?
Bin ich wertvoll genug,
sodass Du in mich etwas hineinlegen wirst?
Herr,
mache mich zu einer Schale
für meine Mitmenschen,
offen für die Liebe,
für das Schöne,
das sie verschenken wollen,
offen für ihre Sorgen und Nöte,
offen für ihre traurigen Augen
und ängstlichen Blicke,
die von mir etwas fordern.
Herr,
mache mich zu einer Schale.

Assisi im Wohnzimmer

Ansicht von Assisi

Weil einige Bewohner den Wunsch haben nach Assisi zu fahren, haben wir Schwester Rita letzten Sonntag eingeladen. Sie hat zwölf Jahre dort gelebt und im Gäste-haus der Franziskanerinnen viele Gruppen empfangen und ihnen Assisi nahe gebracht. Mit vielen Bildern hat sie uns und einigen Gästen, die dazugekommen waren erste Eindrücke ermöglicht und gezeigt, was uns dort erwartet. Nun sind wir gespannt, welche Wege und Türen sich öffnen und wie wir diese Fahrt realisieren können.

Päckchen vermißt …

Letzten Dienstag läutete es am späten Vormittag. Niemand kam nach oben. Etwas später war eine Benachrichtigung von D-H-L im Briefkasten, daß ein Päckchen nicht zugestellt werden konnte und deshalb im XY-Shop innerhalb einer Woche abzuholen sei. Das Päckchen war an Christian adressiert. Als ein Mitbewohner gestern das Päckchen abholen wollte, wurde im mitgeteilt, daß es am Samstag nach  Ablauf der Lagerfrist zurückgeschickt worden sei. Christian und wir sind ahnungslos von wem das Packet auf die Reise geschickt wurde. Wenn jemand der Mitlesenden mehr weiß, dann bitte kurz melden.

Mensch wo bist du?

Diese Frage stellt das für dieses Jahr 2019 entworfene Hungertuch des Flensburger Künstlers Uwe Appold. Christian ist von Misereor um einen hinführenden  Text gebeten worden und hat uns eines der beiden Hungertücher, die er von Misereor bekommen hat, geschenkt. Bei unserem Kommunitätsabend heute haben wir uns entschieden, ihm während der 40tägigen Fastenzeit in unserem WG-Wohnzimmer einen Platz zu geben und uns und andere zum Nachdenken und in Gespräch bringen zu lassen. Wir sind gespannt auf diesen Weg, diese Zeit, die Gedanken und Beziehungen, die sich und uns finden und prägen werden.

Misereor Hungertuch 2019

Hier nun einer der beiden Texte, die Christian zum Hungertuch geschrieben hat:

Auf dem Misereor Hungertuch 2019 steht ein Leuchtfeuer auf einer Landzunge.
Leuchttürme weisen den von See kommenden Schiffen den Weg zur Hafeneinfahrt
oder auf gefährliche Untiefen hin. Der Name jedes Feuers wird durch sein regel-mäßiig wiederkehrendes Licht, seine Kennung deutlich. Außerdem sehen die Seefahrer das Licht beim Vorbeifahren mit unterschiedlichen Farben und werden so auf Hindernisse oder Untiefen aufmerksam.

Der Leuchtturm auf dem Hungertuch steht mit großer Strahlkraft auf einer Halbinsel mit Erde aus dem Garten Gethsemane. Dort rang Jesus im Gebet um den entscheidenden Schritt in seinem Leben. In einer halben Stunde konnte er von hier aus in der Nacht unerkannt den Herrschaftsbereich von Herodes verlassen. Die rettende Grenze war zum Greifen nahe. Wird er der Verhaftung ausweichen? Er schwitzt Blut und Wasser. Wie soll er sich angesichts von Leben und Tod entscheiden? Die Jünger in seiner Nähe schlafen ein. Ähnlich wie heute noch?

Auch auf dem Hungertuch stehen die von See Kommenden vor einer Entscheidung: Sollen sie rechts oder links an der Landzunge vorbeifahren? Nach der Zeit auf See, wo sie sich bei gutem Wetter an den Sternen orientieren, die auf Grund der Erddrehung scheinbar ständig in Bewegung sind, geben die Leuchtfeuer an der Küste direkte Hinweise auf Hafeneinfahrten oder Hindernisse auf dem Weg. Sie sind alle durch den Rhythmus ihres Lichtes erkennbar, das in langen und in kurzen Abständen aufleuchtet und Morsezeichen ähnlich auf ihren Standort hinweist. Diese Kennung wird auf den Seekarten unter den Leuchtfeuern eingetragen.

Auf dem Hungertuch ist unter dem goldenen Feuerkreis ebenfalls eine Kennung eingetragen, beginnend links mit einem roten Kreuz bis zum Christuszeichen ganz rechts. Will das ankommende Schiff die Halbinsel backbord oder steuerbord liegen lassen? Welcher Hafen soll angesteuert werden? Links steht vor dem unverständlichen Schriftzug ein senkrecht gestellte Ewigkeitszeichen. Rechts eine an die Taufe erinnernde Schale und die keinen Schatten werfende Kleidung bis hin zu dem Christuszeichen. Wollen wir uns auf dem Weg zum Fest der Auferstehung mit Christus mehr auf den alltäglichen Straßen bewegen oder uns in Zeiten der Stille auf den oft unverständlichen ewig unter uns anwesenden Gott einlassen?

Der zweite Text ist hier. 
Mehr Infos zum Hungertuch sind hier.