Fünf Jahre …

… sind es schon – auf den Tag genau, an dem wir mit fast 350 Menschen an einem Samstag im Refugio den 73. Gaburtstag von Christian gefeiert haben, seinen Abschied und die Übergabe der Verantwortung für die Wohngemeinschaft.

Unser Wohnzimmertisch, an dem wir uns zu den Mahlzeiten, zu Gesprächen, zum Kommunitätsabend, zum Gottesdienst feiern, mit Besucher*innen, zur Klärung von Konflikten, zum Feiern und zu vielen anderen Anlässen versammeln, erzählt in zwei Beiträgen vom Fest. Im dritten Beitrag hat dann Christian das Wort:

Ich bin der Tisch von der Wohngemeinschaft Naunynstraße. Seit 38 Jahren stehe ich nun schon hier mitten im im Wohnzimmer. Ganz viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und aus aller Welt haben sich schon an mir versammelt, gegessen, erzählt, gespielt, gearbeitet, gelacht und geweint … Mit dem Zählen habe ich schon lange aufgehört. Was ich schon alles gehört und erlebt habe, das geht auf keine Kuhhaut hat auf keiner Tischplatte Platz:

Tisch nach dem Dankgottesdienst vor der Michaelskirche mit den Resten vom Fest (Foto: Miriam Bondy)

Ein Tisch erzählt vom ‚Fest (1)
ein Tisch erzählt vom Fest (2)

ein Tisch als Zeichen der Gemeinschaft (3)

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Gut angekommen …

Gestern ist unser ältester (und längster) Mitbewohner, Bruder Christian Schmidt, ins Seniorenstift Sankt Marien umgezogen. Die ersten Gespräche darüber hat der Delegat für die älteren Mitbrüder, Pater Kügler, mit ihm im November geführt. Für Christian war immer klar, daß er in Kreuzberg bleiben will. Er hat viele Freunde und Bekannte hier und kann die Kontakte hier besser halten als im Peter-Faber-Haus der Jesuiten in Kladow, das doch etwas abgelegen ist.

Am Dienstag hatten wir noch unseren Kommunitätsabend, bei dem Klaus Mertes zu Gast war. Wir konnten noch mit Christian Eucharistie feiern. Klaus hat das als Abschiedsmahl sehr bewegend auf die aktuelle Situation von Christian und unserer Gemeinschaft bezogen. Für alle ist es ein großer Einschnitt – besonders für Christian, der ganz klar äußerte, daß es der Ort für seinen letzten Lebensabschnitt ist. 

Klaus Mertes, zu dessen Kommunität in Charlottenburg Christian gehört, und Iris haben Christian am nächsten Morgen ins Marienstift begleitet. Er hat im Wohnbereich 4 ein großes Zimmer mit Blick auf den Garten. Eine Bewohnerin, Roswitha, kennt er bereits von der gemeinsamen Zeit in der Pfarrgemeinde Sankt Michael. Bei Familie Bretzinger hat wöchentlich in den letzten fünfzehn Jahren ein Bibelkreis stattgefunden, an dem Christian regelmäßig teilgenommen hat bis zum ersten Lockdown. Sobald es die Situation zuläßt soll der Bibelkreis im Marienstift stattfinden.

Wegen der Pandemie war die Aufnahmeprozedur nicht ganz einfach. Eigentlich darf nur eine Person Christian begleiten, aber Klaus Mertes ist der Bevollmächtigte von Christian  für gesundheitliche Fragen und Iris kennt die alltäglichen Abläufe und Vorlieben von Christian. So durften ausnahmsweise beide ins Haus und mußten gleich einen Corona-Schnelltest machen bevor die Gespräche mit dem sehr aufgeschlossenem Pflegedienstleiter und den Verwaltungsmitarbeitern stattfinden konnten. 

Eigentlich dürfen keine Besucher*innen in die Wohnbereiche. Der Pflegedienstleiter hatte großes Verständnis dafür, daß die Mitbewohner in der Naunynstraße aus eigener Anschauung  von Iris über die Wohnsituation von Christian etwas erfahren wollen. Und so wurde eine Ausnahme gemacht. Christian hatte schon zu den ersten beiden Mitarbeitenden Kontakt aufgenommen und erste Gedanken geäußert, wie er seine Kunstwerke an den Wänden anordnen möchte.

Auch ein Essensplan wurde kopiert und mitgegeben, weil besonders der Chefkoch wissen will, wie die kulinarische Versorgungslage von  Christian im Pflegeheim ist. 

Speiseplan 24.- 28. Februar

Außerdem fragte er, ob seine Lieblingskirche, die Johannesbasilika in der Nähe sei. Zwei Kilometer werden es schon sein. „Dann wohne ich ja bei der Nuntiatur.“ Dieser Gedanke gefiel ihm so gut, daß er ihn mehrmals wiederholte. Beim Abschied nach fast einer Stunde meinte er: „Sag allen, daß ich gut angekommen bin“.

Für uns ist es sehr gewöhnungsbedürftig, daß Christian nicht mehr bei uns ist. Beim Frühstück heute morgen meinte einer der Mitbewohner vom 3. Stock: „In der Nacht ich mehrmals in seine Zimmer geschaut, ob alles in Ordnung mit Christian. Und kein Christian mehr da bei uns.“

Man kann Christian gerne besuchen. Näheres dazu per eMail.

Zum Weiterlesen:
Aphorismen von Bruder Christian Schmidt
Samstagsfrühstück: Monastische und andere Traditionen
Am 8.8. – 88 Jahre
Krippe 2016 – gestaltet von Christian Schmidt, Maria Cruz und Rana
Krippe 2018 – gestaltet von Christian Schmidt und Maria Cruz
Krippe 2019 – gestaltet von Christian Schmidt und Gerhard
Geburtstagsgedicht – von Christian bei jedem Geburtstag vorgetragen
Besuch von P. Markus Franz (mit Foto von Christian)
Video: Christian Schmidt – Jesuit sein und die Kunst
Einen ersten Einblick in das Seniorenstift St. Marien gibt es hier

 

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Frühling im Wäscheschrank

Unser Wäscheschrank hat reichlich Zuwachs bekommen. Eine Freundin unserer Gemeinschaft hat uns Bettwäsche, Handtücher und Geschirrtücher geschenkt. Wir sind jetzt wieder gut eingedeckt und können Einiges weitergeben. Vielen Dank dafür.

Es ist für uns immer wieder eine große Freude ganz unterschiedliche Formen der Unterstützung durch unsere Freunde oder Menschen, die auf uns hingewiesen wurden, zu erleben.

Zum Weiterlesen: 
Ein etwas anderes Care-Paket
Überraschung Jerusalem
Wir sind … von den Socken 
Kräutersträuße – Kräuterbuschen
Vom Reichtum eines ganz normalen Sonntags im November xx


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Frühstücksgespräche Advents- und Weihnachtszeit (15)

Unter der Woche frühstücken wir jetzt zu Corona-Zeiten immer um 8.30 Uhr – also die BewohnerINNEN, die zuhause sind und nicht nachts gearbeitet haben. Seit Ende Dezember ist unser ältester Mitbewohner pflegebedürftig und kann nicht mehr ins gemeinsame Wohnzimmer zum Frühstück kommen. Er wird in seinem Zimmer versorgt. Deshalb haben wir unsere gemeinsame Frühstückszeit unter der Woche auf 9.00 Uhr verschoben. Wenn Menschen aus so verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Alters zusammen sind, dann kommen ganz unterschiedliche Anliegen und Positionen ins Gespräch.

Einige Themen, die uns im Dezember und Januar bewegten:

– Botschaften von Krankheiten
– Homöopathie: Möglichkeiten und Grenzen bei Blasenentzündung
– Vorbeugung von Rückfällen bei Suchterkrankungen (Vermeidung von zu wenig essen, zu wenig trinken, zu wenig Schlaf)
– Zeichentrick-Film „Engel Arthur“ im DDR-Fernsehen – wie war das möglich?
– Wahrzeichen Bundesadler – Adler auf Länderflaggen
– Möbeltausch
– Beginen-Wohnprojekte
– Reinhard hat Namenstag und erzählt von seinem Namenspatron
– Veränderungen beim Mittwochscafe: Es findet in der Kirche statt
– Gemeinsamkeiten und Unterschiede von koscher und halal
– Was erzählt man in unterschiedlichen Kulturen woher die Kinder kommen
– Wer sind die Aramäer
– Erfahrungen mit Sportunterricht
Simultankrippe vom Kloster Siessen
– Was ist das Besondere am Münchener Oktoberfest
– Folgen von Corona für die Gastronomie nach Corona
– Teetrinken – Teekultur – Teestuben
– Umgang mit alten Menschen in unterschiedlichen Kulturen
– warum Putin für Russland gut ist
– Amtseinführung vom neuen amerikanischen Präsidenten
– Coca Cola auf Corona-Schnelltest: positives Testergebnis
– Erfahrungen mit Fallschirmspringen im Tandem
– politische und wirtschaftliche Situation in der Kaukasus-Region
 
 
 
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Anstrengender Jahresbeginn

Einige, die den monatlichen Newsletter der Jesuiten erhalten und den geistlichen Impuls von Klaus Mertes gelesen haben, haben ganz richtig vermutet, daß es die momentane Situation in unserer Wohngemeinschaft ist, die er im ersten Absatz  thematisiert: 

„Bericht aus einer Wohngemeinschaft: Ein Mitbewohner, auf die 90 zugehend, ist seit drei Wochen zu einem schweren Pflegefall geworden. Die Einzelheiten zu beschreiben erspare ich mir und Ihnen, den Leserinnen und Lesern. Kurz nach Weihnachten dachten wir, er würde bald sterben. Es ist nicht so weit gekommen. In besonders schwierigen Phasen hält uns die Pflege und die Sorge gemeinsam 24 Stunden lang in Atem. Nachts wechseln sich drei von uns ab, um selbst genug Zeit zum Schlafen zu haben. Kurz nach Weihnachten müssen wir den Notarzt rufen, wegen akuter Schmerzen unseres pflegebedürftigen Mitbewohners. Der holt ihn ab, lässt ihn aber nach einigen Stunden mit dem Notarztwagen zurückbringen – die Schmerzursache ist beseitigt, aber das Krankenhaus ist eben kein Pflegeheim. Wie weiter?

Das benachbarte Pflegeheim hat keinen Platz. Dort steht er eigentlich auf der Warteliste. Mit Hilfe einer Freundin gelingt es uns, eventuell in einem anderen Pflegeheim vorübergehend einen Platz zu ergattern – vorausgesetzt, unser Mitbewohner ist negativ auf Corona getestet. Wir lassen ihn testen – vier Tage später ist der Befund da: Positiv. Daraufhin müssen wir alle für 14 Tage in Quarantäne. Zu beschreiben, was das im Einzelnen bedeutet, erspare ich mir und Ihnen ebenfalls. Wir sind ratlos. Da uns die Windeln fehlen, sind wir nun auf Freunde angewiesen, die sie uns besorgen und vor die Tür legen. Doch woher? Bei der Krankenkasse ist niemand erreichbar. Die Apotheken rücken nichts raus. Über verschlungene Wege, die vorerst ein Geheimnis bleiben sollen, gelingt es dann doch, Windeln für die nächsten beiden Tage zu bekommen. Wie es danach weitergeht, wissen wir noch nicht…“

So haben wir den Anfang des neuen Jahres in Quarantäne verbracht und uns über viele Nachfragen und Anteilnahme, wie es uns geht gefreut und auch über viel praktische Unterstützung, Ein befreundetes Paar hat uns zwei Mal einen ganzen Kofferraum voller Lebensmittel von den Schwestern von Mutter Theresa gebracht. Immer am Samstag bringen Händler der umliegenden Geschäfte Obst, Gemüse sowie am Wochenende ablaufende Milchprodukte zu den Schwestern, wo sie verteilt werden. Immer wieder wurden wir von Freunden gefragt, ob man Besorgungen für uns übernehmen kann.

Nur eine Frage ist immer noch offen: die nach den Windeln. Nachdem wir die Zeit zwischen den Jahren überbrücken konnten, hat die Hausärztin am 4. Januar die Verordnung an die Krankenkasse geschickt. Die Krankenkasse hat diese Verordnung an einen Fachhandel nach Süddeutschland weitergegeben, wo sie bis vorgestern nicht ankam. So geht das Ping-Pong hin und her. Der Fachhandel kann nichts schicken, weil keine Verordnung von der Krankenkasse vorliegt. Die Krankenkasse meint, man müsse warten bis die Verordnung beim Fachhandel eintrifft. Nach drei Wochen und mehreren Nachfragen ist immer noch nichts passiert. Der Vorschlag, die Verordnung nochmal zu übermitteln, da sie offenbar verloren gegangen ist oder ein Übermittlungs-fehler vorliegt, wird von der Krankenkasse nur zögerlich aufgenommen. Vorgestern lag dem Medizindienstleister noch nichts vor. Immerhin haben wir gestern per D-H-L – das wäre nochmal eine eigene Geschichte – ein Probepaket bekommen, damit wir „schon mal überbrücken können“ – Inhalt: 3 (in Worten: drei) Windeln. Gewickelt wird unser Mitbewohner seit 22. Dezember. 

Der Platz für unseren Mitbewohner im Pflegeheim ist frei, aber da das Pflegeheim derzeit unter Quarantäne steht, kann er nicht aufgenommen werden.

Die positive Nachricht: Niemand von uns hatte Symptome.

Wir halten Euch auf dem Laufenden, wie es weitergeht.

So ging es weiter:
Schneckenpost
Das etwas andere Care-Paket
Gut angekommen – Christians Umzug ins Marienstift

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geschenkt: fünf Kilo Quark

 

Als Anfang des Monats der Lockdown light in Kraft trat, hat ein 5-Kilo-Eimer Quark seinen Weg zu uns gefunden. Daraus wurden mehrere Quarkspeisen, Quarkkuchen, Quarkstrudel und Kräuterquark als Beilage für Pellkartoffeln. Wir haben uns sehr über dieses leckere Geschenk gefreut und wünschen dem unbekannten Geber, der es nicht mehr verwenden konnte und durfte, dass er gut durch die Corona-Zeit kommt. 

 

 

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Corona läßt frösteln …

… ist ein Artikel in der taz von heute überschrieben, auf den hier aus verschiedenen Gründen hinweisen. Unsere Gemeinschaft ist seit vielen Jahren mit der Gemeinschaft Brot des Lebens befreundet, die in diesem Winter an drei Standorten Notübernachtungsplätze für Obdachlose anbietet. Im Artikel wird die Situation in St. Pius beschrieben. Dort dürfen wir die Räumlichkeiten der Notübernachtung im Sommer immer wieder für Exerzitien auf der Straße nutzen. Zuletzt waren wir mit einem Kurs Ende August dort und konnten ausprobieren, wie Straßenexerzitien unter Corona-Bedingungen stattfinden können.  

 

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Rettungsort

Gestern hat er sich auf den Weg gemacht: Auf den Weg zurück zu seiner Familie, zurück in sein Land: „Eine neue Seite aufschlagen“ – wie er sagt. Er hat es gewagt, weiß nicht wie lange wegen Corona der Weg noch offen bleibt. Zurück bleiben im Gewürzfach zwei Tüten Ras el-Hanout, die Erinnerung an seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, an die herrlich duftenden und wunderbar schmeckenden Tajines und Couscousgerichte – und an einem Kommunitätsabend, an dem einer sagte: „Hier ist mein Rettungsort“ und er zustimmte: „Meiner auch“. Er wird vermißt.

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Ausgeräumt …

Eine große Ausräum- und Aufräumaktion haben wir gestern gestartet. In vielen Regalen und Stauräumen, besonders im Flur, lagerten Kartons und Kisten mit Hinterlassen-schaften von ehemaligen Bewohnern: Kisten, deren Lagerungsdauer schon in Jahrzehnten gerechnet werden kann, da die WG seit 36 Jahren in diesen Räumen ist. Und einiges, was vermisst wurde, fand sich wieder. Insgesamt sechs Kubikmeter hatten sich angesammelt und wurden zur BSR-Sammelstelle gebracht. Dort kann man drei Kubikmeter umsonst abgeben. Als der Mitarbeiter hörte, daß es sich um eine Wohngemeinschaft handelt und ein Mitbewohner meinte: „Wir kommen nur alle zehn Jahre“ (was leicht untertrieben ist) wurde die restliche Gebühr erlassen.

Über einen überraschenden Fund wird dann morgen berichtet …

Jedenfalls haben wir Platz gewonnen, und es ist luftiger geworden.

Zum Weiterlesen:
Räume (1)

 

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