Fußball WM – Identifikation

Heute am Abend vor dem WM Spiel Deutschland gegen Schweden unterhalten sich vier Mitbewohner aus drei Kontinenten. Ein schwarzer Mitbewohner, dessen Herkunftsland sich nicht qualifiziert hat, fragt: „Und was ist, wenn wir morgen verlieren?“ Irritierte Reaktion des einzigen deutschen Gesprächsteilnehmers: „Von welchem WIR sprichst du?“ Antwort: „Ach von Deutschland“.

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Dankbarkeit … immer wieder neu

DARÜBER

… in einem Rechtsstaat zu leben nachdem unsere afrikanischen Mitbewohner beim Frühstück erzählt haben, wie prägend in ihrem Alltag in den Heimatländern die Korruption für ihr Leben war. Die lähmende Atmosphäre, die davon ausging, hing spürbar in unserer Wohnzimmerluft

… daß ein Mitbewohner, auf dessen Rückkehr wir eine Woche gewartet haben, wieder gesund zurück gekommen ist

… daß uns Rocky heute besucht hat, von seinen musikalischen Projekten erzählt hat und so die Verbindung zu ihm weiter besteht

… daß Anna von den kleinen Schwestern bei uns vorbei geschaut hat und ein leckeres Kichererbsengericht mitgebracht hat, das von einem Projekt vom Kinderzirkus übrig geblieben war

… über Werner, den Weitergeber, der Kartoffeln, Karotten und eine Steige Trauben vorbei brachte

… daß eine Mitbewohnerin mit viel Freude und Engagement bei ihrer Weiterbildung zur Kochassistentin ist

… über die neu geknüpfte Verbindung zur Bruderhof-Gemeinschaft in Beech Grove (England) und die Nachfrage, ob sie weiterhin noch für einen Mann in der Leitung der WG beten sollen („sag bescheid sobald wir aufhören können“)

… daß eine Freundin der WG ihr zweites Kind erwartet nachdem das Paar sich viele Jahre nach Kindern gesehnt hat

… über die Möglichkeit, morgens in der Nachbarschaft am Morgengebet der Franziskanerinnen teilnehmen zu können …

Im Übergang

Edith Stein schreibt:

Und wenn die Nacht kommt
und der Rückblick zeigt,
daß alles Stückwerk war
und vieles ungetan geblieben ist,
was man vorhatte,
wenn so manches
tiefe Beschämung und Reue weckt,
dann alles nehmen,
wie es ist,
in Gottes Hände legen
und ihm überlassen.
So wird man in Ihm ruhen können,
wirklich ruhen
und den neuen Tag
wie ein neues Leben beginnen.

(Aus dem Andere-Zeiten-Adventskalender)

Unsere Wohnzimmerlampe – (k)ein Kultobjekt?

Geburtstagsessen August 2017

Wer in die Naunynstraße zu Besuch kommt kennt unseren Wohnzimmertisch und unsere WOHNZIMMERLAMPE, der wegen ihrer Häßlichkeit ein gewisser Kultstatus nachgesagt wird. Das Foto links zeigt sie anläßlich eines Geburtstagessens im August diesen Jahres. Inzwischen war sie noch mehr angegraut.  Wahrscheinlich deshalb hatte unsere Mitbewohnerin Maria den Impuls, sie zu reinigen, damit die Lampe und auch das Wohnimmer zu Weihnachten neu erstrahlen können. So wurde der Stoff vom Lampengestell abgenommen. Nur: Mit der Reinigung klappte das nicht so wie geplant. Der Lampenüberzug – aus einem Feinripp-Unterhemd von Franz Keller gebastelt – und deshalb mit besonderen Erinnerungen aufgeladen (an Franz Keller SJ) machte die Prozedur nicht so mit wie er sollte: Er wurde statt sauberer eher grauer und ging noch dazu ein. Was tun jetzt?

Das Gestänge konnte nicht so nackt und kahl von der Decke baumeln und schon gleich gar nicht an Weihnachten. Mit der Nachfolge eines so besonderen Objektes ist es nicht so einfach. Schließlich hat ein Mitbewohner eines seiner Unterhemden zur Verfügung gestellt. Beim Samstagsfrühstück wurde die Veränderung von den Stammgästen sofort bemerkt und mit Bedauern festgestellt, daß die Ursprungsversion der Lampe nicht fotografisch in Nahaufnahme dokumentiert worden war. Aber wer hätte die Veränderung bzw. die damit verbundenen Umstände voraussehen sollen?

Silvia, die oft zu unserem Samstagsfrühsück kommt, hat unserer alten Wohnzimmer-lampe  im EINFACH-OHNE-BUCH ein literarisches Denkmal gesetzt und zwar hier .So sieht sie nun aus, die NEUE:

Wohnzimmerlampe Dezember 2017

 

 

 

Zwischen Advent und Weihnachten

Gestern haben wir die Gäste des Samstagsfrühstück mit einem Gedicht von Frank Howaldt aus dem „Andere Zeiten“-Adventskalender verabschiedet:

Kein Stern, das Dunkel,
kein Engel, die Menschen.

Aber dann waren es die tröstlichen Worte
die im Schneeregen fallen
leise beleuchtet

zum Tanz verleiten
ein paar Schritte und Herztöne
den Weg entlang

Und dann waren es die tröstlichen Worte
die vom Himmel schweben
berechnen nichts
beurteilen niemand
befeuchten das tote Laub
finden die Risse
erleuchten die welt

Und dann war es doch noch das
unerwartete
unübersetzbare
Wunder
einer Adventsnacht

Weihnachtskrippe 2017 (Foto: Maria Cruz)

Heute morgen haben Christian Schmidt, Maria und Rana unsere Weihnachtskrippe aus Afrika (Simbabwe) aufgebaut.

Wir wünschen allen unseren Freunden und Freundinnen, allen, die uns begleiten, die Anteil nehmen und den Mitlesenden ein frohes, lichtvolles Weihnachtsfest und G-ttes Segen für 2017.

Erster Adventssonntag 2017

An der Wand hängt der Adventskalender „andere Zeiten“, der uns schon im letzten Jahr begleitet hat. Auf dem Tisch steht ein Adventskranz, den Maria geschmückt hat. Im Fenster hängt ein Stern aus Tortenspitze, und hier ist ein Gedicht von Wilhelm Bruners als Adventsgruß:

den stern
lob ich der
aus der reihe
tanzt
und unberechenbar
seine kreise zieht
 
den stern
lob ich den
kein fernrohr
findet
und der rechner
zur verzweiflung bringt
 
den stern
lob ich der
suchende bewegt
auf unbekanntes ziel
zu wandern
 
den stern
lob ich der
einem kind
zulieb
die alte ordnung
sprengt

 

Erntedank: Rot, rot, rot …

… quoll es uns gestern im Gemeindesaal von Sankt Michael entgegen als wir das Erntedank-essen vorbereiten wollten. Das Tiefkühlfach im Kühlschrank hatte Stromausfall. Beerenfrüchte aller Farbschattierungen waren angetaut und die Packungen teilweise aufgerissen. Eine veritable Sauerei. Ein großer und ein mittelgroßer Topf konnten befüllt werden. Hilfreiche Hände unterstützten mich beim Transport. Schwester Rita nahm etwas ab, und von dem, was bei uns stand konnte ich an die 30 Gläser Marmelade einkochen: Himbeer-Pfeffer-Balsamico, Erdbeer-Rosmarin-Balsamico, Beerenmix mit Dattelsirup und Beerenmix mit Agavensirup. In den letzten Wochen hatte ich gelegentlich bedauert, daß wir dieses Jahr fast keine Beeren zum Einkochen bekommen haben. Jetzt übernimmt ROT die Führungsposition im Marmeladenregal.

Beim gemeinsamen Essen erzählte ein syrisch-orthodoxer Priester von der Flüchtlingsarbeit seiner Gemeinde unter Syrern. So erfuhren wir, wie unterschiedlich die Situation in den verschiedenen Landesteilen ist. In den letzten Monaten haben wir immer beim Sonntagsfrühstück für dieses Engagement der syrisch-orthodoxen Gemeinde Geld gesammelt und hatten jetzt die Gelegenheit es zu übergeben.