Privileg in diesen Zeiten

In diesen Zeiten,
– in denen wir Abstand halten – auch in der WG – so gut es geht;
– in denen keine öffentlichen G-ttesdienste gefeiert werden;
– in denen neue Räume und Formen der Begegnung im Internet entstehen,
die das persönliche Miteinander, die Gegenwart des anderen nicht ersetzen können
– in denen die ganz normale Gastfreundschaft an einem Schabbat nicht gelebt werden kann

bedeutet es umso mehr, in Gemeinschaft den Schabbat zu begrüßen

der Segensspruch über den Kerzen – wie schon so oft an diesem Tisch
der Segensspruch über dem Wein, ein Becher wie immer gefüllt mit Traubensaft wird dieses Mal nicht von einem zum anderem weitergegeben – wie sonst. Heute an jedem Platz ein Glas mit etwas Traubensaft
der Segensspruch über den Schabbatbroten. Die können wir teilen. Wie sonst.

Momente des Innehaltens. Einfach sein. Da sein. ER / SIE ist da am Schabbat Vajikra („er rief“). Welche Stimme hören wir. Welche überhören wir. Alles lassen können wie es ist. Die ungelösten Fragen sein lassen. Innehalten und warten auf den Raum, der sich öffnen wird. In uns. Um uns.

 

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Frauentag 2020

Letztes Jahr war der Frauentag zum ersten Mal in Berlin ein arbeitsfreier Feiertag. Dieses Jahr fiel er auf einen Sonntag. Das war eine gute Gelegenheit für ein Frauentagsessen. Schon vor vier Jahren hatte der Chefkoch zu diesem Anlaß WG-Bewohnerinnen und Freundinnen bekocht. Warum also nicht diese Tradition weiterführen. Und ein arbeitsfreier Tag bietet sich da besonders an. Bereits am Samstag und dann gleich nach dem Sonntagsfrühstück waren einige der Bewohner im Einsatz: Schälen, Schneiden, Dekorieren … Ganz unterschiedliche Fähigkeiten waren gefragt.

Die Vorspeise bestand aus Kartoffeln, Kichererbsen, Bohnen, Avocado, Joghurt, Granatapfelkernen Pflaumen und frischer Minze

Hauptspeise: Gemüsereis mit Karotten, Pistazien,
Rosinen und Safran mit Lachs mariniert und im Ofen gegrillt mit einer Sauce aus marinierten Paprika und Panierkäse gegrillt in Granatapfelsauce

 

Und hier der krönende Abschluß: Als Dessert gab es eine luftige Torte aus Vanillecreme. Hier hatte der Chefkoch in bewährter Weise auf externe Unterstützung vertraut. Wir hatten anregende Gespräche und tauschten uns in der großen Runde darüber aus, welche Frauen für uns inspirierend waren oder sind und wie sich das im Lauf des Lebens auch verändern kann.

Zum Weiterlesen:

Frauentagsessen und Reiseerlebnisse (2017)
Frauentag (3)

 

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Von der Schabbat – Perle

Die Woche hinter sich lassen – den Schabbat willkommen heißen – innehalten – die Kerzen mit dem Segensspruch zünden, für den Wein – Zeichen des Festes und der Freude – danken – das Brot – Gabe G-ttes und durch menschliche Arbeit geworden – teilen – miteinander ein schönes Essen genießen im Wissen, daß dieser Tag schon ein Vorge-schmack auf die kommende Welt ist – und am Samstagabend den Schabbat verabschieden und den Wohlgeruch mitnehmen in die neue Woche – jede Woche von Neuem.

In der jüdischen Tradition gibt es einige Gleichnisse, die die Einhaltung der Schabbatruhe als Reichtum für den Menschen bis zum heutigen Tag beschreiben, wie etwa diese Geschichte aus dem Talmud (Traktat Schabbat 119a):

Dort wird von einem Mann namens Josef erzählt. Er lebte mit seiner Familie in einer kleinen, bescheidenen Hütte am Stadtrand und war dafür bekannt, dass er den Schabbat ganz besonders ehrte. In Josefs Nachbarschaft wohnte ein Nichtjude, dessen Besitz und Reichtum unermesslich waren. Doch er war für seinen Geiz und für seine Bösartigkeit in der ganzen Umgebung bekannt. Sein ganzes Streben bestand darin, seinen Reichtum zu vergrößern –  nicht selten auch auf Kosten seiner Mitmenschen.

Jeden Tag ließ er sich von einem orientalischen Hellseher seine Zukunft voraussagen und glaubte fest daran. Eines Tages weissagte ihm der Hellseher: »Dein frommer jüdischer Nachbar wird eines Tages dein gesamtes Eigentum verzehren.« Der geizige Nachbar erschrak fast zu Tode und fing an, darüber nachzudenken, wie er dieser unheilvollen Zukunft entgehen könnte. Allein die Vorstellung, dass er seine Schätze an einen Juden verlieren würde, raubte ihm fast den Verstand.

Er beriet sich mit seiner Frau, und sie beschlossen, ihren ganzen Besitz zu veräußern und sich dafür eine kostbare seltene Perle zu kaufen. Diese könnte man besser hüten als Haus und Hof. Nachdem er sein gesamtes Hab und Gut gegen die Perle eingetauscht hatte, ließ er sich einen besonders schönen Turban anfertigen. Er trug seiner Frau auf, die Perle in den Turban einzunähen. Er gab die Kopfbedeckung nicht mehr aus der Hand und bewachte sie sorgsam. Er trug den Turban Tag und Nacht.

Eines Tages führten ihn seine Geschäfte in eine andere Stadt. Um dorthin zu gelangen, musste er einen Fluss überqueren. Als er auf der Fähre stand, kam ein heftiger Windstoß, und der kostbare Turban samt der Perle fiel ins Wasser. Die kostbare Kopfbedeckung mit der Perle wurde von einem Fisch verschluckt.

Es war noch früh am Morgen, als die Fischer des Städtchens ihrer Arbeit nachgingen. Doch an diesem Tag hatten sie kein Glück und mussten ihre Netze immer wieder auswerfen. Es war ein Freitag, und die Dämmerung hatte fast eingesetzt, als sie bemerkten, dass ihre Netze diesmal reichlich mit Fischen beladen und sehr schwer waren. Als sie ihre Netze leerten, fiel ihnen unter dem Fang ein besonders schöner und großer Fisch auf.

Wie an jedem Tag brachten sie ihren Fang zum Markt, um ihn zu verkaufen. Aber die Fischer sagten sich: »Wer wird so spät noch Fisch kaufen? Es ist doch schon fast Abend.« Die Bürger der Stadt rieten den Fischern: »Bringt diesen großen Fisch zum frommen Josef. Wir wissen, dass er aus Ehre und Respekt dem Schabbat gegenüber an jedem Freitag besondere Köstlichkeiten kauft. Die Woche über gibt es in seinem Haus nur sehr bescheidene Mahlzeiten, doch am Schabbat wird das Schönste und Beste aufgetischt, das die Küche zu bieten hat.«

Also brachten die Fischer ihren Fang zu Josef, und er kaufte tatsächlich den Fisch. Als er ihn zubereiten wollte, fand er darin die wunderschöne, kostbare Perle. Es wurde eine fröhliche, himmlische Schabbatmahlzeit am festlich gedeckten Tisch. Der Fisch schmeckte köstlich und reichte für die ganze Familie.

Nach dem Schabbat verkaufte Josef die Perle und erhielt dafür 13 Gefäße, gefüllt mit goldenen Denaren. Ein älterer Mann, der alles beobachtet hatte, deutete das Geschehen  so: »Wer dem Schabbat Ehre und Hingabe leiht, dem wird es auch der Schabbat entschädigen und entgelten.«

 

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Valentinstag kulinarisch

Voller Einsatz für den Chefkoch, weil der Valentinstag „Tag von Liebe für alle“ ist, also nicht nur auf Paarbeziehungen reduziert werden darf, gab es am Samstagabend ein besonderes Essen. Zugleich kam noch ein ehemaliger Mitbewohner zu Besuch, dessen Geburtstag wir auch noch begehen konnten. Was man von Valentin historisch weiß, ist eine etwas kompliziertere Geschichte. Wie auch immer, es hat allen wunderbar geschmeckt:

gedeckter Tisch

Weil für den Chefkoch Franz Keller ein besonderes Vorbild in Sachen Liebe ist, stand auf dem Tisch eine Zeichnung von Rock’n Rolf, die den Chefkoch, Franz Keller SJ und in der Mitte Jesus zeigt.

Der Mammut-Topf war wieder zum Einsatz gekommen um eine Gemüse-Reis-Variante zu zaubern.

Buletten aus Lammfleisch

Dazu gab es Buletten mit Lammfleisch und eine Sauce mit Pflaumen sowie einen Salat aus Gurken, Granatapfelkernen und frischen Datteln.

 

Nachtisch: Orangensorbet mit Kokosraspel

Den krönenden Abschluß bildete ein Orangen-Sorbet mit Kokosraspeln.
Fazit: Gerne wieder!!!

 

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orthodoxes Weihnachtsfest

Unsere Weihnachtskrippe hat sich verändert. Inzwischen sind die Weisen dort angekommen, wo der Stern stehen blieb:

Krippe zum orthodoxen Weihnachtsfest und Heilige Drei Könige (Foto: Daniel T.)

Mit unseren beiden orthodoxen Bewohnern haben wir gestern ihr Weihnachtsfest gefeiert. Der Chefkoch des Hauses hat landestypische Gerichte in modernisierter Form gereicht, was bei allen große Begeisterung hervorrief. Anschließend haben wir gemeinsam eine kleine Liturgie gestaltet: Miteinander einen orthodoxen Hymnus gesungen:

Komm, göttliches Licht
erleuchte die Erde
erfüll unsere Herzen
nimm Wohnung in uns

Das können alle mitsingen – egal aus welcher religiösen Tradition sie kommen. Wir haben das Evangelium von den Weisen, die zur Krippe kommen gelesen und wer wollte, konnte Lichter vor der Krippe entzünden für Menschen und Situationen, denen er Licht wünscht. Da die Sternsinger uns nicht besucht haben, haben wir den Aufkleber mit dem Segen (20 C + M + B 20) an unserer Wohnzimmertür angebracht und dazu einen Text gelesen, den uns Roswitha am Tag zuvor beim Gottesdienst zum Feiertag „Erscheinung des Herrn“ geschenkt hat. Roswitha ist eine langjährige Freundin unserer Gemeinschaft, die inzwischen auf einen Rollstuhl angewiesen ist und uns deshalb nicht mehr besuchen kann. Den Text – eine modernisierte Form der Seligpreisungen – haben wir als Segensgebet gelesen und darin die Grundanliegen gespiegelt gesehen, wie wir als Gemeinschaft unterwegs sein möchten.

Selig, die mit den Augen des anderen sehen können
Und seine Nöte mittragen,
denn sie werden Frieden schaffen.

Selig, die willig sind, den ersten Schritt zu tun,
denn sie werden mehr Offenheit finden
als sie für möglich halten.

Selig, die dem Nächsten zuhören können,
auch wenn er anderer Meinung ist,
denn sie werden Kompromisse fördern.

Selig, die Kranke, Alte und Behinderte besuchen,
denn sie werden niemals einsam sein.

Selig, die mit der Heiligung am Frühstückstisch beginnen,
denn sie werden Sinn im Alltag finden.

Selig, die ihre Vorurteile überwinden,
denn sie werden die Entfeindung erleben.

Selig, die auf ihr Prestige verzichten,
denn an Freunden wird es ihnen nicht mangeln.

Selig, die Niederlagen verkraften können,
denn sie werden Menschenbrücken bauen.

Selig, die zuerst mit sich selbst zu Gericht gehen,
bevor sie andere richten,
denn sie dürfen auf Gottes Segen hoffen.

(Nach Frankfurter Seligpreisungen, Guido Hügen OSB, Sinndeuter, S. 27 f, Georgsverlag, Neuss 2007. Quelle: http://www.interkulturellewoche.de Text: Guido Hügen OSB In: Pfarrbriefservice.de)

Chanukka 5780 – Licht teilen

Mit unseren Gästen feiern wir heute am achten und letzten Tag von Chanukka – gleichzeitig Beginn des Monats Tewet im jüdischen Kalender und im Zugehen auf das neue säkulare Jahr(zehnt). Wir teilen das Licht, Geschichten, unsere Hoffnungen und auch die Trauer, daß nicht alle dabei sein können, die wir gern dabei gehabt hätten. Wir wissen uns mit ihnen verbunden in unserer Sehnsucht nach Licht und immer mehr Licht zu werden. Wir zünden die Chanukka-Kerzen an, heißen das Licht willkommen, geben ihm Raum in uns und um uns.

 

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Gänseschar am zweiten Weihnachtsfeiertag

Am zweiten Weihnachtsfeiertag haben wir von einem Hotel eine Gänseschar in gebratener Form geschenkt bekommen (mehr als 30 Portionen). Dazu gab es Kartoffelknödel, Spinat-Kräuter-Knödel und Blaukraut. Wir waren mit dieser Menge überfordert. So haben wir in zwei Kirchengemeinden noch eingeladen und bekamen tatkräftige Unterstützung beim Verzehr. Allen hat es gut geschmeckt.

 

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